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”UNDERGROUND EMPIRE 3”-Datasheet

Contents:  Axel Thubeauville-''Über-, Ein-, Durchblick''-Artikel

Date:  September 1990 (created), 06.12.2009 (revisited), 23.05.2019 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 3

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Willkommen zum schätzungsweise größten Fettnäpfchen, in das ich jemals getappt bin... Nein, nicht die Story an sich, sondern wegen eines anderen Umstandes. Doch der Reihe nach!

So hatte Axel in seinem Plattenladen in Essen, in dem man übrigens auch verdammt gut US-Importe einkaufen konnte, das zweite UNDERGROUND EMPIRE verkauft, in dem er dann besagten "Remember"-Artikel über ATLAIN erspähte. Daraufhin rief er mich leicht erzürnt an, weil ich diese ollen Kamellen wieder aufgewärmt habe. Also machte ich ihm umgehend den Vorschlag eines Interviews, in dem er seine Sicht der Dinge schildern konnte. Das imponierte Axel ganz offensichtlich, denn seither hatten wir immer ein positives Verhältnis zueinander und unterhielten uns stets ausgiebig, wenn ich die neue UNDERGROUND EMPIRE-Ausgabe in seinem Laden vorbeibrachte. Leider ist der Kontakt abgerissen, da Axel in den letzten Jahren kaum noch aktiv gewesen ist; und die LIVING DEATH-Re-Releases als CD-R waren sicherlich kein Ruhmesblatt... Dennoch ist er zweifelsohne ein wichtiger Mann für die frühe deutsche Metalszene gewesen, obgleich er von verschiedenen Seiten immer sehr kontrovers diskutiert wurde.

Daher halte ich diese Story bis heute für sehr wichtig, da Axel sich hier zu den vielen Vorwürfen, die gegen ihn laut wurden, äußern konnte.

Der Fettnapf, in den ich reingehüpft war, dreht sich eher um das Zustandekommen des Interviews: Ich war damals einige Tage in der METAL HAMMER-Redaktion gewesen und leider nicht so mobil wie ich es gerne gewesen wäre (Erläuterungen hierzu findet Ihr in den "Extra-Infos" an dieser Stelle), so daß ich Axel bat, doch einfach in Dortmund vorbeizukommen und mich in der Redaktion zu treffen. Als Frischling wußte ich allerdings nicht, daß zwischen dem METAL HAMMER und Axel seit jeher ein handfester Zwist herrschte. Zudem saß ein Büro weiter in Peter Burtz noch der Ex-Sänger von STEELER, jener Band also, die - wie sich im Interview herausstellte - ebenfalls gegen Axel gezetert hatte. Erst als er während des Interviews sein angespanntes Verhältnis zum METAL HAMMER erwähnte, wurde mir klar, warum er damals am Telephon mit äußerst verwunderter Stimme zurückgefragt hatte: "Ich soll in der METAL HAMMER-Redaktion vorbeikommen?" Ich bejahte mit dem Hinweis, daß es mir leider nahezu unmöglich sein würde, zu ihm zu kommen. Ein Wunder, daß ich für diesen Fauxpas nicht sofort achtkantig gefeuert wurde...

Doch neben diesem Swimming Pool-großen Fettnapf gab es an diesem Tag auch noch ein Highlight der durch und durch positiven Art: Axel wußte um mein Faible für TITAN FORCE und gab mir ein Demo zu »Winner/Loser«, um mich um meine Meinung zu bitten. Wie selbige ausfiel, könnt Ihr Euch wohl vorstellen - und nachlesen...

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

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Axel Thubeauville

Diese Story hat einen ganz konkreten Anlaß: Im "Remember"-Artikel über ATLAIN in UNDERGROUND EMPIRE 2 sagte Ex-Mitglied Chris, daß sie von ihrer damaligen Plattenfirma abgezogen worden seien und kein Geld gesehen hätten. Also wollen wir hiermit dem Betroffenen, Axel Thubeauville, dem damaligen Besitzer von EARTHSHAKER RECORDS und heutigen US METAL RECORDS-Chef, die Möglichkeit geben, sich zu diesen Vorwürfen, die ihm schon jahrelang nachgetragen werden, zu äußern.

Man muß jede Band für sich einzeln betrachten, weil jeder Fall einen ganz anderen Hintergrund und eine ganz andere Erklärung hat. Der bekannteste Fall war STEELER gewesen. Sie behaupteten, daß ich sie nicht aus den Verträgen rausgelassen hätte. Doch das war nie die Wahrheit, sondern rein eine geplante Medienaktion, weil STEELER einen Grund brauchte, um zu erklären, weshalb die neue LP nicht erscheint. Da kannst Du auch die ehemaligen Musiker von STEELER fragen, die Dir das bestätigen werden.

Bei ATLAIN hat der gute Chris überhaupt nicht verstanden, um was es damals ging. Den Vertrag mit ATLAIN habe ich abgeschlossen, aber ATLAIN wurde von YUP-MUSIC, bei der ich, Peter Stiens und Ralph Hubert, der heute AAARRG RECORDS macht, Gesellschafter waren, übernommen worden. ATLAIN haben von YUP-MUSIC auch Geld bekommen, aber die korrekte Abrechnung ist nie gemacht worden, weil YUP-MUSIC pleiteging, und wenn eine GmbH pleitegeht, kriegt man eben hinterher keinen Pfennig. Also hat es dann geheißen, weil ich die Band unter Vertrag genommen hatte, ich hätte die Band betrogen. Dabei war YUP-MUSIC der rechtliche Nachfolger, aber die beiden anderen Gesellschafter kamen immer schadlos aus der Sache raus.

Das gleiche war bei LIVING DEATH, die dann Ralph übernommen hat. Sie bekamen die erste Platte und die Verkäufe der zweiten Platte bis zur Übernahme durch YUP-MUSIC von mir abgerechnet.

Diese ganzen Bands, die es da gab, also ATLAIN, WALLOP, OVERDOSE, etc. habe ich herangeholt, aber sie waren vertraglich an YUP-MUSIC gebunden. Da ich aber immer vorne an der Front stand, war ich der böse Bube, obwohl es rein rechtlich eine GmbH war und ich nur einer von dreien war. So ist es eben bei einer GmbH. Wenn die pleitegeht, kriegt niemand Geld, auch die GmbH nicht, was rein menschlich natürlich scheiße ist, aber eben eine juristische Tatsache ist.

Ich habe mich aber nie gegen diese Vorwürfe gewehrt, weil es mir ganz einfach egal war, was die Leute erzählt haben. Ich kann nur sagen, daß ich mit allen Bands absolut korrekt gearbeitet habe, da kannst Du meinetwegen TITAN FORCE oder wen auch immer anrufen, und die werden Dir das bestätigen! Ich weiß nicht, ob Du in Sachen "Abziehen" noch konkrete Beispiele nennen kannst.

Ja, beispielsweise STEELTOWER, von denen einige Musiker heute bei HEAVENS GATE spielen, haben behauptet, sie hätten nie einen Pfennig von Dir gesehen.

Die Jungs haben auch nie einen Pfennig verdient! Der Sänger Thomas Rettke und Gitarrist Bernd Kaufholz waren damals der Kopf von STEELTOWER. Die Band hat damals im "Horus Studio" produziert und hatte keinen einzigen Pfennig. Das Mastertape war also fertig, und keiner konnte die Produktion bezahlen. Daraufhin haben mich Jan Nemec (der Produzent der Platte - Red.) und Frank Bornemann (der Besitzer des "Horus Studios" - Red.) gefragt, ob ich die Platte herausbringen wolle. Ich habe zugesagt, und in diesem Falle mußte ich natürlich zuerst an Frank Bornemann bezahlen, da zuerst die Studiokosten gedeckt werden mußten. Der Inhaber des Masterbandes war also nie STEELTOWER, sondern immer das "Horus Studio", und genau dort liegt das Band auch heute noch! Ich habe damals lediglich eine Kopie an MAUSOLEUM RECORDS (das Label, das die Platte veröffentlichte - Red.) weitergegeben. STEELTOWER hatte nie Geld zugestanden, da die Einnahmen mit den etwa 6.000 bis 7.000 verkauften Einheiten überhaupt nicht gereicht haben, um die Studiokosten zu decken. Die Produktion an sich hat nämlich, soweit ich weiß, über 20.000 DM gekostet.

Ich fand eben unfair von den Bands, daß sie hinterher kein gutes Haar an mir ließen. Es gibt beispielsweise Interviews mit WARLOCK, in denen die Band nur über mich hergezogen ist. Dabei ist zwischen mir und WARLOCK nichts passiert. Ich war nicht für die Abrechnung zuständig, das war die Angelegenheit von MAUSOLEUM, die die Platte veröffentlicht hatten. Ich war nur für den Sound verantwortlich, und der ist scheiße, da stimme ich gerne zu. Aber wenn man als Neuling ins Studio geht und hat einen Toningenieur, der übrigens Ralph Hubert hieß, der keine Ahnung hat und einen Scheißsound macht, dann bist du als Produzent aufgeschmissen! Ich hatte von der gesamten Studiotechnik absolut keine Ahnung. Außerdem muß man bedenken, daß die Band schlicht beschissenes Equipment hatte, Rudy Graf beispielsweise hatte sein Pickup auf der Gitarre mit Gaffatape festgeklebt, oder das Schlagzeug von Michael Eurich glich absolut einem Kinderspielzeug. Solche Sachen allerdings hat nie jemand gesagt!

Du könntest uns bitte mal schildern, wie Du in dieses gesamte Business reingerutscht bist.

Ich bin eigentlich ein ganz normaler Kaufmann, der sich Ende der Siebziger in Essen mit einem Schallplattenladen, der damals schon ein Hauptaugenmerk auf Importe hatte, selbstständig gemacht hat. 1983 habe ich dann Mike vom AARDSHOK kennengelernt. AARDSHOK war damals noch ein kopiertes Heft, und wir entschlossen uns, daß ich eine deutsche Ausgabe des AARDSHOK herausbringen sollte. Mike hat also seine holländische Ausgabe ins Deutsche übersetzt auf eine Kassette gesprochen und sie mir geschickt. Ich hab die Sachen dann niedergeschrieben und das Heft hier in Plattenläden verteilt, womit es das erste Heft war, das überhaupt überregional in Plattenläden erhältlich war. Daraufhin kamen dann die ersten Reaktionen, als beispielsweise Axel Rudi Pell mit einem Tape von STEELER zu mir kam oder auch WARLOCK eine Kassette mit ihren Stücken brachten. Da es damals aber noch keine Plattenfirma für Heavy Metal gab, entschloß ich mich, ein eigenes Label zu gründen. Ich wußte aber nicht, wie ich das unter die Leute bringen sollte, da ich keinerlei Ahnung von solchen Sachen hatte. Damals trat dann jemand von CORONA (eine damalige Vertriebsfirma aus Hamburg, die beispielsweise MAUSOLEUM vertrieben hat - Red.) an mich heran, weil er einige Anzeigen im AARDSHOK schalten wollte. Also fuhren wir nach Antwerpen und machten die Sache klar, und bei diesem Gespräch äußerte dieser CORONA-Mann, daß er neue Bands für MAUSOLEUM brauche. Ich erbot mich, Talentscout zu spielen und ging zu STEELER, WARLOCK und LIVING DEATH und erklärte ihnen, daß ich die Möglichkeit hätte, sie herauszubringen. Also gingen wir ins Studio zu Ralph Hubert und produzierten die ersten Platten, obwohl keiner den Durchblick hatte. Ich war eben kein "musikalischer" Produzent, sondern stellte das Geld zur Verfügung und überließ den Sound dem Toningenieur. Ralph Hubert war aber im Studio völlig unfertig und ist es meiner Meinung nach auch heute noch, weil alles, was bei ihm aus dem Studio kommt, einen Scheißsound hat.

Ich habe also diese Platten herausgebracht, und CORONA hat sie vertrieben. CORONA jedoch gingen irgendwann pleite, und ich habe dann in den Jahren 1985/'86 die Sachen über BELLAPHON verkauft. Aber BELLAPHON ist eine sehr eigenartige Firma, um das mal sehr vorsichtig auszudrücken, und dann habe ich mich entschlossen, das alles allein zu machen. Seit etwa 1988 arbeite ich mit ROUGH TRADE zusammen, und seither läuft es wirklich super. US METAL RECORDS ist eine gleichzeitige Gründung mit AAARRG RECORDS, die aus YUP-MUSIC hervorging. Ralph Hubert und ich gründeten US METAL und AAARRG, trennten uns dann aber bald, weil Ralph nichts mit den US METAL-Bands anfangen konnte, und das war gleichzeitig das Ende von YUP-MUSIC. Es gab diese 4-Track-»X-mas Project«-Platte, die als AAARRG 3 lief. Die komplette "X-mas Project"-LP im folgenden Jahr lief unter SHARK 05, meiner eigenen Firma. Die erste HOLY MOSES-Platte war AAARRG 1, die Maxi von LIVING DEATH war AAARRG 2 und die Mini-LP »X-mas Project« war AAARRG 3. Diese drei Sachen liefen noch unter YUP-MUSIC, und von dortan gingen wir getrennte Wege.

Ich denke, daß gerade der AARDSHOK eine wichtige Initialfunktion hatte, denn beispielsweise Karl Walterbach machte damals mit seinem Tapelabel AGGRESSIVE ROCK PRODUKTIONEN nur Punk und ist durch den AARDSHOK erst auf den Metal gekommen. So ist auch Charly Rinne (erster Chef-Redakteur des METAL HAMMERs - Red.) auf die ganze Sache gekommen, denn er war damals Mitinhaber eines Schallplattenladens in Gelsenkirchen, in den ich höchstpersönlich AARDSHOKs gebracht habe. Charly Rinne stand da mit einem Button "Reggae Is Beautiful" und wußte gar nichts mit dem Heft anzufangen, aber er begann, sich seit diesem Zeitpunkt für Heavy Metal zu interessieren. Ein halbes Jahr später schlage ich MARABU, eine regionale Zeitung aus dem Ruhrgebiet, auf, in dem ein doppelseitiger Artikel von Charly Rinne über Heavy Metal zu lesen war. Schlußsatz: "...und in zwei Monaten erscheint endlich das erste deutsche Heavy Metal-Magazin, METAL HAMMER!" Mit diesem Satz hat sich ein Zwist aufgebaut, der mich so stinkig gemacht hat, daß ich seither keinen Bock mehr hatte, über den METAL HAMMER nachzudenken.

Es ist also wirklich so, daß der AARDSHOK ein Auslöser für diese Welle war, die dank METAL HAMMER dann richtig groß wurde. Ob ich selbst als Person wichtig war, möchte ich bestreiten. Aber dennoch bin ich stolz darauf, STEELER und WARLOCK entdeckt zu haben. Außerdem bin ich stolz drauf mit dem ROCK POWER ein Heft herausgebracht zu haben, das bis heute noch in der Schreib- und Machart unerreicht ist. Da war beispielsweise ein Interview von Götz (Richtig, der Götz Kühnemund! - Red.) mit Wolf Hoffmann von ACCEPT, das einfach ein Meilenstein ist!

Höchst kontroverse Worte, zu denen ich keinen Kommentar abgeben will, sondern Euch auffordern will, Euch Eure eigene Meinung dazu zu bilden!


Stefan Glas

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