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VENI DOMINE – Tongues

MCM MUSIC

Es tut mir immer wieder weh, wenn ich miterleben muß, daß überaus talentierte Formationen, die im Laufe ihrer Karriere ausschließlich feinstes Material abgeliefert haben, aufgrund der Tatsache, daß ihre Klänge niemals dem Zeitgeist entsprochen haben, nach einigen Kooperation mit Plattenfirmen irgendwann mehr oder weniger in Eigenregie ihre Alben veröffentlichen müssen und somit quasi erneut am Anfang ihres Musikerdaseins stehen. Nichts gegen MCM MUSIC, die sehr bemüht sind und sich um ihre Schäfchen kümmern, zu denen neben SAVIOUR MACHINE und einigen mehr auch VENI DOMINE gehören, aber weshalb keines der bekannten Labels Interesse an dieser schwedischen Band zeigt, ist mir mehr als nur schleierhaft.

Seit mittlerweile bereits 20 Jahren ist die Formation rund um die Brüder Thomas und Torbjörn Weinesjö aktiv und lieferte im Laufe ihres Bestehens wahre Meisterwerke des metallischen Sounds ab. Mit »Tongues«, ihrer sechsten Scheiblette, gelingt ihnen dieses Kunststück erneut und das in beeindruckender Manier: Wie bislang, ist es allerdings auch anhand von »Tongues« relativ schwierig, diese Band stilistisch eindeutig zuzuordnen, da VENI DOMINE ungemein vielschichtig zu Werke gehen. Die Basis der Songs ist wohl immer noch der Doom in metallischer Form, doch wie schon auf dem letzten Album »23:59«, das im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, haben Thomas (d), Torbjörn (g, v) und Sänger Fredrik Sjöholm, die für »Tongues« am Baß von Andreas Ohlsson (NARNIA, Rob Rock), Peter Carlsson (JERUSALEM) und Ez Gomer (JET CIRCUS) unterstützt wurden und sich die Arbeit an den Keyboards im wahrsten Sinne des Wortes brüderlich geteilt haben, eine massive Schlagseite aus dem progressiven Metal-Bereich aufzuweisen. Vor allem der immer wieder regelrecht hypnotische Gesang trägt ein mächtiges Scherflein zum Gelingen der Musik von VENI DOMINE dar. Diesbezüglich fallen mir desöfteren SAVIOUR MACHINE ein, und zwar weniger aufgrund eventueller stimmlicher Ähnlichkeiten, als viel mehr von der Phrasierung und der Intensität her, mit der Fredrik seinen Gesang vorträgt. Da auch VENI DOMINE seit Beginn ihrer Karriere kein Hehl aus ihrer Zugehörigkeit zum christlichen Glauben gemacht haben, ist wohl ein weiterer Querverweis zu diesen Amis nachvollziehbar. Auf »Tongues« regiert in erster Linie die immer wieder ungemein intensiv intonierte Gitarre von Torbjörn, der Riffs ohne Ende aus dem Ärmel schüttelt und dabei nicht nur an Großmeister der doomigen Klänge erinnert, sondern auch an Heroen des progressiven, melodiösen Metal denken läßt. Doch richtig zur Wirkung kommt bei dieser Band alles erst dann, wenn die Formation im Kollektiv auftritt.

Geradezu wehklagend gehen die Schweden dieses Album an, für den Fan besteht jedoch absolut kein Grund zur Traurigkeit. Der mehr als nur verdächtig nach einem Hit tönende Opener ›October‹ läßt das Blut in Wallung geraten und auch das folgende, mit einem fulminanten Solo und abgefahrenen, geradezu wirren Passagen gesegnete ›Scream‹ weiß zu beeindrucken. ›The Bell Of A Thousand Years‹ kann gut und gerne auch als stampfender Doom in Heavy Rock-Ausführung bezeichnet werden, ehe uns ›The Rider On The White Horse‹ heimsucht und VENI DOMINE dabei an eine metallische Variante von Eric Clayton und seinen Mannen erinnern. In ›Two Times‹ zeigt die Band dann ihre düstere Doom Metal-Seite, bevor die Halbballade ›Bless My Pain‹ Gänsehaut ohne Ende entstehen läßt. ›Stay With Me‹ startet dann ordentlich durch und zeigt uns abermals die rockigere Seite dieser Formation, bevor erneut todtrauriger, melodiöser Doom in Reinkultur in Form von ›You Leave Me Cold‹ den Raum erfüllt. An das Ende dieser Scheibe haben VENI DOMINE dann die beiden längsten Nummern gestellt: ›Tree Of Life‹ offeriert dabei die mannigfaltige Ausführung des gesamten Klangbildes dieser Band auf imposante Art. Klare Gitarrenpassagen wechseln sich perfekt mit verzerrten ab, dazu prägen polyrhythmische Strukturen das Bild und mit extrem in die Länge gezogenen Gesangpassagen betont Fredrik die fast schon irrsinnig anmutenden Gitarrenfrickeleien, die hier ebenfalls zu hören sind.

Mit dem mehr als fünfzehnminütigen Titelsong entlassen uns die Schweden dann aus ihrem aktuellen Meisterwerk, natürlich nicht ohne nochmals eine geballte Ladung ihres Könnens zu offenbaren. Auf ein monolithisches Riff-Monster aufbauend, zelebrieren VENI DOMINE hier Doom Metal in Reinkultur, ehe es ab der Hälfte der Spielzeit in höchst melodischer Form progressiv wird. »Tongues« ist definitiv ein Pflichtalbum für einschlägig vorbelastete Individuen und alle die es noch werden wollen!

http://www.venidomine.com/

venidomine@gmail.com

super 15


Walter Scheurer

 
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