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PALACE (D, Speyer)-Logo

PALACE gehören schon lange zu den Fixpunkten der deutschen Szene, doch in den letzten Jahren war es immer stiller um die Band geworden. Um so erfreulicher, daß die Band gerade mit ihrem achten Album »Reject The System« zurückgekehrt ist und damit zugleich ihr mit Abstand bestes Album geschaffen hat. In dieser Form begrüßen wir PALACE gerne zurück - und schieben Sänger und Gitarrist Harald Piller gleich noch einige Fragen rüber.

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Ihr wart in Besetzungshinsicht mit Ausnahme des Bassistenpostens knapp 25 Jahre eine Bastion. Wie sehr hat Dich der Abgang Deines Gitarrenkollegen Jason Mathias getroffen - zumal seine neue Band CREMATORY ja doch ganz andere Musik als PALACE macht?

Eigentlich hat es mich gar nicht getroffen. Nachdem er Ende 2015 das Angebot von Crematory bekam als Bassist einzusteigen, war mir klar, daß er das nicht alles unter einen Hut bekommen wird. Es war von Jason ein schleichender Abgang. Er hatte zu viele Baustellen. Da war sein Privatleben, Jobs als FOH-Techniker, die CREMATORY-Geschichte und PALACE. Er hatte seine Prioritäten auf CREMATORY festgelegt, hatte aber keine Eier in der Hose, um PALACE aus eigener Entscheidung zu verlassen. Das wäre uns gegenüber fair gewesen. Da Jason ein wichtiger Leistungsträger war, war es für uns auch nicht einfach, eine Entscheidung Hals über Kopf zu treffen. Wir befanden uns schon im Songwritingprozeß für das »Reject The System«-Album, absolvierten noch zwei Europatouren, aber Jason zog sich immer mehr aus den PALACE-Aktivitäten zurück. Anfang März 2019 trafen wir dann die Entscheidung, daß wir uns von Jason trennen wollen. Wir vereinbarten einen Termin mit Jason, und er war auch sichtlich erleichtert, daß wir uns so entschieden haben, da er - seiner Aussage nach - zeitlich nicht in der Lage gewesen wäre, die Ziele von PALACE mit anzustreben. Wir sind im Guten auseinandergegangen. Es wurde auch keine schmutzige Wäsche gewaschen.

Inwiefern hat das dazu geführt, daß Ihr jetzt nur noch ein Trio seid - und somit auf die zweite Gitarre verzichtet?

Wir hatten nach dem Abgang von Jason bekanntgegeben, daß wir einen Leadgitarristen suchen. Es hatten sich einige gemeldet, und wir entschieden uns für einen jungen, 21-jährigen Gitarristen aus dem Raum Stuttgart, der dann im April 2019 ein festes Bandmitglied wurde. Er war sehr talentiert. Er teilte uns nach vier Monaten mit, daß er ein Angebot als Aushilfsgitarrist bei STORMWITCH bekam. Das stellte für uns kein Problem dar. Ende August verließ er PALACE, weil er bei STORMWITCH fest eingestiegen ist (Es handelte sich um Nick Berger, was wir in den News gemeldet hatten; allem Anschein nach hat er STORMWITCH zwischenzeitlich mit seinem Gitarrenpartner Johnny Kröner schon wieder verlassen. - Red.). Wir standen kurz vor der Bandauflösung, entschieden uns aber dennoch, als Trio weiterzumachen.

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Wird es zukünftig bei dieser Besetzung bleiben? Inwiefern könntet Ihr dann noch Eure Songs auch live reproduzieren? Gerade in den Soloparts würde ja einfach die Rhythmusgitarre fehlen.

Ob wir zukünftig in dieser Besetzung bleiben, wissen wir nicht. Wenn es sich eines Tages mal ergibt, daß ein Gitarrist charakterlich und musikalisch zu uns paßt, sind wir nicht abgeneigt, wieder als Quartett zu rocken. Live rekrutieren wir Aushilfsgitarristen, wie beispielsweise Micki Richter von LEAVES' EYES und ATROCITY, der uns im Januar bei einer Show unterstützte. Oder auch Sylvain Scheuer, der uns letztes Jahr im November auf dem "Bremer Metal Festival" unterstützte. Das hat gut funktioniert.

Warum hat es diese sechsjährige Auszeit von PALACE gegeben? Zuvor wart Ihr immer alle zwei bis drei Jahre mit einer neuen Platte an der Front.

Mit ein Hauptgrund war - wie oben beschrieben - unser ehemaliger Gitarrist Jason. Außerdem waren wir 2015 für vier Wochen mit LORDI und 2016 für vier Wochen mit DIRKSCHNEIDER und ANVIL auf Europatour, um unser Album »The 7th Steel« zu promoten. Zudem haben wir alle unsere Jobs und Familien.

Wie habt Ihr - auch angesichts der personellen Veränderung - die Steigerung geschafft? Immerhin ist »Reject The System« für mich Eure bislang beste Platte!

Ich bin ja hauptsächlich für das Songwriting zuständig. Also ging dieser Prozeß nahtlos weiter. Unser Ziel war es, ein Metalalbum zu machen, das mehr Power und Aggressivität hat als die vorherigen Alben. Nachdem wir uns das Songmaterial immer wieder angehört hatten, kamen wir zu dem Entschluß, diese Songs in einen moderneren Sound zu verpacken. Wir entschieden uns für das "Kohlekeller Studio". Kai Stahlenberg war als Produzent absolut die richtige Wahl. Er hat das genau so umgesetzt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Leider hatten wir keinen Leadgitarristen. Kai bot sich an ein paar Soli einzuspielen. Außerdem hatte sich Micki Richter auch bereiterklärt, ein paar Soli einzuspielen. Diese beiden Jungs waren ein absoluter Glücksgriff für das Album.

Gibt es eine bestimmte Message hinter dem Titel »Reject The System«? Welches System meint Ihr?

Nein, es gibt keine Message hinter dem Titel »Reject The System«. Wir hatten mehrere Vorschläge gehabt, haben uns aber für diesen Titel entschieden, da er einen "rebellischen" Touch hat und die Songs widerspiegelt.

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Corona hat schon einen Strich durch Eure Releaseparty gemacht. Inwiefern sind noch andere Planungen von Euch betroffen? Wie wird es bei PALACE mit und ohne Corona weitergehen?

Die Releaseparty wurde ja in den Spätherbst verschoben. Wahrscheinlich wird ein Festival im August, das "Plätzelfeschd" in Herxheim, betroffen sein und eventuell das "Metal Garage Festival" im September. Bei uns wird es jedenfalls weitergehen. Wir möchten so viel live präsent sein wie möglich, um unser neues Album zu promoten. Kein Virus kann uns stoppen! [lacht]

Wenn Du einen Blick weiiiiit zurückwirfst, welche Erinnerungen hast Du an SAINTS' ANGER - vor allem vielleicht an die Gründungszeiten zu den frühen Tagen der deutschen Szene. Immerhin waren SAINTS' ANGER 1981 gestartet.

Ich erinnere mich gerne an diese Zeit. Wir hatten ja damals als Trio begonnen. Wir hatten das Glück, im Schlepptau von TRANCE zu sein. Karlheinz Osche war damals deren Manager. Er war damals anwesend, als wir in einem Jugendzentrum in Speyer spielten. Er suchte damals eine Band, die im Vorprogramm von TRANCE spielen sollte. Er entschied sich für uns, und von da an hatten wir eine schöne abenteuerliche Zeit, die ich niemals missen möchte. SCORPIONS, ACCEPT und TRANCE waren ja damals die absoluten Flagschiffe in der deutschen Heavyszene. Ich bin immer wieder überrascht, daß SAINTS' ANGER, trotz nur eines Albums nicht ganz in Vergessenheit geraten ist. ZYX MUSIC veröffentlichen im Mai das SAINTS' ANGER-Album »Danger Metal« mit einer Menge unveröffentlichtem Bonusmaterial. Das ist sehr erfreulich!

Was bringt Euch dazu, auch 40 Jahre nach dem Start von SAINTS' ANGER immer noch in einer Band zu spielen - vor allem, wenn man bedenkt, daß Ihr nie zu Superstars wurdet.

Es ist die Leidenschaft, weil wir auch heute noch mit Herzblut rocken. Wir proben immer noch regelmäßig. Es macht uns immer noch Spaß. Auch wenn es abgedroschen klingt. Ich habe aber auch das Gefühl, daß es wie eine "Sucht" ist. Das merkt man ja auch bei großen bekannten Bands, die nicht aufhören können.

Famous last words gefällig? Bitte sehr!

Höre nie auf, an Dich zu glauben, und bewahre die Wahrheit in Deinem Herzen!

https://www.palaceonline.de/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Andreas Wagner

PALACE (D, Speyer) im Überblick:
PALACE (D, Speyer) – Demo 1992 (Demo-Review von 1994)
PALACE (D, Speyer) – The 7th Steel (Rundling-Review von 2014)
PALACE (D, Speyer) – Unsolved Mysteries (Do It Yourself-Review von 2000)
PALACE (D, Speyer) – ONLINE EMPIRE 39-"Living Underground"-Artikel
PALACE (D, Speyer) – ONLINE EMPIRE 50-Interview
PALACE (D, Speyer) – ONLINE EMPIRE 51-"Living Underground"-Artikel
PALACE (D, Speyer) – ONLINE EMPIRE 83-Interview
PALACE (D, Speyer) – News vom 19.12.2009
PALACE (D, Speyer) – News vom 18.09.2010
PALACE (D, Speyer) – News vom 15.03.2012
PALACE (D, Speyer) – News vom 12.07.2012
PALACE (D, Speyer) – News vom 20.04.2019
andere Projekte des beteiligten Musikers Harald "HP" Piller:
SAINTS' ANGER – Danger Metal (Re-Release-Review von 1996)
SAINTS' ANGER – Danger Metal (Re-Release-Review von 2020)
andere Projekte des beteiligten Musikers Harry Reiter:
SAINTS' ANGER – Danger Metal (Re-Release-Review von 1996)
SAINTS' ANGER – Danger Metal (Re-Release-Review von 2020)
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