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  UE-Home → History → Online Empire 21 → Interview-Übersicht → THUNDERSTORM (I, Bergamo)-Interview last update: 22.01.2023, 19:09:57  

THUNDERSTORM (I, Bergamo)-Logo

Für den traditonsbewußten Doomer sieht es im Moment gar nicht so rosig aus: CANDLEMASS sind, zumindest in der Besetzung mit Messiah Marcolin, wohl endgültig Geschichte, und bei SOLITUDE AETURNUS und TROUBLE geht zurzeit offensichtlich auch nicht wirklich etwas.
Doch es gibt einen Lichtstrahl am Ende des dunklen Doom-Tunnels. Mit der Veröffentlichung ihres mittlerweile dritten Albums »Faithless Soul« stehen die Zeichen für das italienische Trio THUNDERSTORM sehr gut, den verwaisten Thron einnehmen zu können. Wie schon auf den ersten beiden Scheiben »Sad Symphony« und »Witchunter Tales« zelebrieren die Herrschaften auf eindrucksvolle Art und Weise schwermetallischen Doom, der sich vor den genannten Referenzformationen wahrlich nicht zu verstecken braucht. Bassist Omar Roncalli war so freundlich, die übermittelten Fragen - unter Mithilfe von Sänger und Gitarrist Fabio "Thunder" Bellan - in kurzer Zeit zu beantworten.

Die Doom-Gemeinde bejubelt Euer aktuelles Werk. Aber noch immer gibt es zahlreiche Unwissende da draußen, denen der Name THUNDERSTORM nicht geläufig ist. Könnt Ihr den Lesern die Geschichte der Band in Kurzfassung näher bringen?

Omar: Es ging 1999 richtig mit THUNDERSTORM los: Damals nannten wir - Fabio, unser damaliger Drummer Massimo Tironi und ich - uns aber noch SAD SYMPHONY. Nach der Veröffentlichung unseren einzigen Demos namens »Signed« konnten wir einen Deal beim kleinen, aber feinen, italienischen Label NORTHWIND RECORDS einheimsen. Wir erhielten die Chance, ein komplettes Album aufzunehmen, welches »Sad Symphony« genannt wurde, allerdings erst nachdem wir die Band in THUNDERSTORM umbenannt hatten. Fabio war zuvor schon in einer Formation dieses Namens aktiv und hatte den Namen vorgeschlagen. Nach recht guten Resonanzen aus ganz Europa - so schafften wir es unter anderem in die "Dynamit"-Abteilung beim ROCK HARD - ergänzten wir das Line-up um einen zweiten Gitarristen namens Sandro Mazzoleni. Im Jahre 2001 verließ uns Massimo und wir mußten unser zweites Album »Witchunter Tales« mit Hilfe unseres Bekannten Cristian Fiorani einspielen. Es war schier unmöglich, einen geeigneten Drummer für Doom Metal in Italien zu finden. Sehr zu unserer Freude wurde auch diese Scheibe mit durch die Bank euphorischen Kritiken versehen, wobei wieder das ROCK HARD erwähnt werden muß, denn wir schafften einen dritten Platz im Soundcheck. Im Jahre 2003 verließ uns Sandro, weshalb wir uns dazu entschlossen haben, fortan als Trio zu fungieren. Letztes Jahr hatten wir die Ehre, auf dem "Doom Shall Rise" aufzutreten, ein Gig, der mit zu den größten Ereignissen in unserer bisherigen Karriere zu zählen ist. Nach langer Suche hatten wir endlich das Glück, in Attilio Coldani einen fähigen Drummer rekrutieren zu können. Tja, da sind wir nun nach erfolgreich absolvierten Auftritten bei diesjährigen Festivals, wie dem "Rock Hard-Open Air" oder dem "Headbangers Open Air", und haben bereits das dritte Album fertig. Auch dafür haben wir bislang ausschließlich positive Kritiken erhalten. Es scheint also ganz gut für uns zu laufen.

THUNDERSTORM (I, Bergamo)-Headline

Im Moment bleibt es also bei einer klassischen Besetzung als Trio. Ist denn die Sache auf der Bühne nicht zu anstrengend, wenn man sich zeitgleich auf die Gitarre und den Gesang konzentrieren muß?

Fabio: Am Anfang war das schon sehr stressig, aber in der Zwischenzeit stellt es kein besonderes Problem mehr für mich dar. Man gewöhnt sich eben recht schnell an bestimmte Umstände.

Und an bestimmte Neuerungen: Auf »Faithless Soul« sind, meiner Meinung nach, von euch nie zuvor gehörte Power Metal-Anteile zu vernehmen, speziell ›Forbidden Gates‹ hätte auch auf jeder Power Metal-Scheibe seine Berechtigung. Hat das einen bestimmten Grund?

Omar: Um ehrlich zu sein, geht ein großer Teil dieser Einflüsse auf die Kappe unseres Schlagzeugers, der eben aus dieser Richtung kommt. Wir versuchen immer wieder, unseren Sound mit "fremden" Einflüssen zu garnieren, allerdings bleibt unser Stil auf ewige Zeiten wohl der Doom. Wir nehmen uns die Freiheit, genau jene Art von Musik zu spielen, die uns am besten gefällt und kümmern uns kein bißchen um eventuelle kommerzielle Erfolge oder gar Trends. ›Forbidden Gates‹ ist genauso entstanden, wie alle anderen Songs. Wir haben nicht versucht, einen "Knaller" zu komponieren, viel eher waren wir von unseren Fähigkeiten selbst überrascht, haha. Wir haben schließlich auch unsere "Metal-Vergangenheit".

Gibt es ein Konzept hinter der aktuellen Scheibe?

Omar: Nein, ein Konzept im Sinne einer einzigen Geschichte, die auf der gesamten CD besungen wird, hat die Scheibe nicht. Allerdings gibt es, wie schon auf den Alben zuvor, ein Hauptthema. Sämtliche Songs auf »Faithless Soul« handeln im weitesten Sinn von der Psyche des Menschen. ›The Fragility Of The Human Nature‹ beispielsweise handelt davon, daß auch der stärkste Charakter seine Achillesferse hat. In ›Hidden Face‹ geht es um einen Menschen, der seinen Zielen sehr nahe gekommen ist, knapp vor dem Erreichen aber feststellen muß, daß alles nur eine Illusion gewesen ist. Etwas abgefahrener dagegen ist die Geschichte hinter ›My House Of Misery‹. Dabei wird der Kampf zwischen einer Person und deren Psyche im leeren Raum, der aber nichts anderes ist als die Gefängnismauern, in denen er eingeschlossen ist, beschrieben. Der Typ könnte fliehen, tut es aber nicht, da er vor der Welt "da draußen" große Angst hat.

Hat der alte IRON BUTTERFLY-Gassenhauer ›In A Gadda Da Vida‹ einfach perfekt zu den anderen Songs gepaßt, oder gibt es einen anderen Grund, weshalb ihr diese Nummer mit auf das Album gepackt habt?

Omar: Nein, es gibt keinen bestimmten Grund, aber eine sehr unterhaltsame Geschichte: Während der Aufnahmen haben wir uns dazu entschlossen, einen Klassiker aus den 60ern oder 70ern zu verwursten und auf der Scheibe zu verewigen. Wir hatten allerdings keinen bloßen Schimmer, welchen Song wir verwenden sollten. Eines Abends als Fabio und ich bei mehreren Bierchen über Gott und die Welt philosophierten, fragte ich ihn, ob er sich denn an jenen Song, den ich ihm kurz vorgesungen hatte, erinnern könnte. Auf IRON BUTTERFLY sind wir sofort gekommen, aber den Titel konnten wir uns erst ein paar Drinks später in Erinnerung rufen. Wir entschlossen uns spontan, diesen Klassiker zu covern und nach einigen Proben stellten wir fest, daß er gar nicht schlecht mit den anderen Songs harmoniert.

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Weil wir gerade bei "Klassikern" sind. Ich bin zwar absolut kein Kunstkenner, aber ich bilde mir ein, das Covermotiv von »Faithless Soul« zu kennen. Ich bitte um ein wenig Licht in meine künstlerische Dunkelheit!

Omar: Es stammt von einem flämischen Maler namens Yan Mandyn, der im 16. Jahrhundert gelebt hat. Vielleicht hast Du das Bild ja auf einer Ausstellung gesehen, denn soweit ich informiert bin, gehört es der Sammlung Rau und diese war quer durch den europäischen Kontinent in den unterschiedlichsten Kunsthäusern zu bestaunen. Unter anderem auch in Italien, wo ich das Bild gesehen habe.

Nein, das war's nicht, auch egal. Scheinbar haben Doomer aber sehr viel für Covermotive aus diesem Bereich übrig. Wie kommt's?

Omar: Ich weiß nicht, ob da ein direkter Zusammenhang besteht. Außer uns fallen mir auf Anhieb auch nur CANDLEMASS ein, deren Cover aber weniger detailverliebt gewesen sind. Ich könnte mir aber vorstellen, daß es einfacher ist, den Fans die Gefühle einer Scheibe mit Gemälden zu vermitteln als irgendwelche Graphiken zu verwenden.

Das macht Sinn, schließlich greifen ja auch Bands aus anderen Genres auf die bildenden Künste zurück, um schon beim Betrachten des Albums einen Einblick in die auf CD verewigte Gefühlswelt der Herren Musiker zu erhalten. Was wird denn die Fangemeinde in näherer Zukunft von den Herren von THUNDERSTORM erwarten dürfen?

Omar: Das weiß wohl noch kein Mensch! Wir warten erst einmal ab und lassen das Schicksal entscheiden. Unser Hauptaugenmerk liegt aber ganz klar auf eventuellen Live-Auftritten. Trotz aller guter Kritiken und dem Spaß, den uns eine Studioscheibe beschert, haben sich THUNDERSTORM immer als Band für die Bühne betrachtet!
Wir hoffen auf eine kleine Europa-Tournee und gegen ein paar Festival-Gigs hätten wir ebenfalls nichts einzuwenden. [lacht] Laß' eure Leser auf jeden Fall unser aktuelles Motto wissen, das da lautet: "Let There Be Doom"!

Kein Problem, schließlich wissen die ja auch, wie die Zeile weiterlauten muß: "And There Was Doom"!

http://www.thunderstorm-doom.com/

thunderstormlair@tin.it

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

THUNDERSTORM (I, Bergamo) im Überblick:
THUNDERSTORM (I, Bergamo) – As We Die Alone (Rundling-Review von 2007 aus Online Empire 31)
THUNDERSTORM (I, Bergamo) – Heavy, oder was!? 72-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2003)
THUNDERSTORM (I, Bergamo) – Online Empire 15-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2003)
THUNDERSTORM (I, Bergamo) – Online Empire 16-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2003)
THUNDERSTORM (I, Bergamo) – Online Empire 20-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2004)
THUNDERSTORM (I, Bergamo) – Online Empire 21-Interview (aus dem Jahr 2004)
THUNDERSTORM (I, Bergamo) – Online Empire 23-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2005)
THUNDERSTORM (I, Bergamo) – News vom 12.03.2011
Soundcheck: THUNDERSTORM (I, Bergamo)-Album »Sad Symphony« im "Soundcheck Heavy, oder was!? 56" auf Platz 19
Soundcheck: THUNDERSTORM (I, Bergamo)-Album »Witchunter Tales« im "Soundcheck Heavy, oder was!? 68" auf Platz 4
Playlist: THUNDERSTORM (I, Bergamo)-Album »As We Die Alone« in "Jahrescharts 2007" auf Platz 4 von Walter Scheurer
Playlist: THUNDERSTORM (I, Bergamo)-Album »Faithless Soul« in "Jahrescharts 2004" auf Platz 5 von Walter Scheurer
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