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"Doom Shall Rise"-Festival 2003

Crailsheim-Triensbach, Turnhalle

07.-08.02.2003

Das imaginäre Schild "Geschlossene Gesellschaft" hing über dem ersten "Doom Shall Rise"-Festival, da die Veranstaltung schon kurz nach ihrer Bekanntmachung ausverkauft war. Obwohl das Festival in eine größere Halle verlegt worden war und eine Warteliste ins Leben gerufen wurde, konnten leider nicht alle Doomhungrigen bei dem ersten Festival dieser Art dabeisein.
Die Auserwählten nahmen teilweise viele Hundert Kilometer Anfahrtsweg auf sich und mußten sich darüber hinaus förmlich durch meterhohe Schneewehen pflügen, um in das kleine Nest Triensbach bei Crailsheim zu gelangen. Andererseits: Der Slogan "Metal in the Sunshine" hätte sicherlich nicht zu dem "Doom Shall Rise"-Festival gepaßt...

DOOMSHINE-Liveshot

DOOMSHINE aus Ludwigsburg hatten die Ehre, das erste "Doom Shall Rise"-Festival zu eröffnen, und legten einen vergleichsweise flotten Doomdance aufs Parkett, bei dem sie sich teilweise sogar erdreisteten, bis in Midtempo-Regionen vorzustoßen. Die Band, bei der man SPIRAL TOWER-Member Sven Podgurski an der Gitarre erleben kann, spielte Doom mit klarem Gesang und aufbegehrenden Leads und hob sich ihr Highlight für den Schluß auf: das hymnenhafte ›Shine On Sad Angel‹.

DREAMING-Liveshot

Bei DREAMING war der Name nicht unbedingt Programm, sondern die Truppe aus Sachsen ließ eher eine gewisse Nähe zu Stoner-Gefilden verspüren - oder rührte dieser Eindruck daher, daß sich allmählich ein dezenter Grasgeruch breit machte? Doch die quasi steinige Version der alten BLACK SABBATH kam gut an und zudem wurden einige Musiker vorgestellt, die uns im Verlauf der nächsten Stunden noch häufiger begegnen sollten: Die Bands DREAMING, WEED IN THE HEAD und SUBVERSION teilen sich nämlich teilweise den Kader.

FORSAKEN [M]-Liveshot

Nun war die Zeit für den Exoten des "Doom Shall Rise" gekommen: FORSAKEN, die in ihrer Heimat Malta schon seit Anfang der Neunziger ihr Unwesen treiben. Diese Erfahrung merkte man der Band deutlich an: tight und druckvoll präsentierte man episch-sinfonischen Doom der Extraklasse. Da die Band in Leo Stivala zudem einen hervorragenden Sänger und charismatischen Frontmann besitzt, gelang es ihnen mühelos, das Publikum zu überzeugen und eine Zugabe herauszuholen. Für mich die heimlichen Gewinner des "Doom Shall Rise"!

MIRROR OF DECEPTION-Liveshot

MIRROR OF DECEPTION, absolvierten ihren ersten Auftritt nach dem Ausstieg ihres Sängers Markus Baumhauer. Seither hat Gitarrist Michael Siffermann die Vocals übernommen, dessen klagende Stimme durchaus zur Musik von MIRROR OF DECEPTION paßte. Die Band, in der Veranstalter Jochen Fopp mitspielt, der sich wie in Trance über die Bühne bewegte, brach nach dem Festival zusammen mit REVELATION und REVEREND BIZARRE zur "Doom Shall Rise"-Tour auf, die aus sieben Shows bestand. Und den Auftakt hatte man spielend gemeistert!

SEMLAH-Liveshot

Es entstand nun eine sehr lange Pause bis SEMLAH endlich den Abend fortsetzten. Währenddessen konnte das Publikum die leicht kitschige Lichterkette über den Drums bewundern, während man hinter den Kulissen angeblich damit beschäftigt war, SEMLAH-Sänger Joleni in eine Verfassung zu bringen, um überhaupt auf die Bühne gehen zu können. Dennoch torkelte er gewaltig über die Bühne und sein Gesang ähnelte einem Lallen. Folglich war es schwierig zu beurteilen, wie gut oder schlecht die Band des ehemaligen COUNT RAVEN-Bassisten Tommy "Wilbur" Eriksson ist. Auf jeden Fall haben sich SEMLAH mit diesem Auftritt keinen Gefallen getan und dementsprechend wird der Senior in der Band seinem jungen Sprößling anschließend schon die Meinung gegeigt haben - zumindest erweckte Wilbur schon während des Gigs den Eindruck als hätte er das dringende Bedürfnis, Joleni einen Kopf kürzer zu machen.

THUNDERSTORM [I, Bergamo]-Liveshot

Trotz Räucherstäbchen auf dem Amp sollte es zum Abschluß des ersten Dooomtages keine "ommm"-Performance geben, sondern die Italiener THUNDERSTORM fegten los wie es ihr Name erwarten ließ. Zusammen mit FORSAKEN waren sie die Band, die nicht nur musikalisch sondern auch von der Performance her rundum überzeugen konnten. THUNDERSTORM rechtfertigten also ihre Position als Headliner des ersten "Doom Shall Rise"-Abends - einzig der optische Eindruck war leicht schräg: Sänger Fabio "Thunder" konnte mit seiner Brille definitiv keinen Modepreis gewinnen und im Kontrast dazu war Basser Omar ein Poser vor dem Herrn. Anyway - geile Show zu viel zu später Stunde!

Am frühen Samstagnachmittag hatte sich die erlesene Doomgemeinde wieder eingefunden, um noch einmal fast zwölf Stunden lang ihrer Lieblingsmusik zu huldigen. Die Herde der schwarzen Shirts (mit einem unglücklichen weißen Schaf dazwischen) am Merchandisestand war ebenso vollständig versammelt und sorgte mit fairen Preisen für Entzücken: Ein Shirt kostete durchschnittlich 13 Euro, was einen erfreulichen Kontrast zu den Merchpreisen bei anderen Konzerten darstellte. In der Doomszene scheint doch alles ein wenig familiärer zuzugehen. Und dann wurde es langsam wieder Zeit...

TOLLWUET-Liveshot

Bedenkt man, daß man am Abend zuvor bis nach 2.00 Uhr gedoomt hatte, waren trotz der nachtschlafenden Zeit (15.00 Uhr) viele Doomer präsent, um an TOLLWUET zu erkranken. Wie schon bei der Trias DREAMING/WEED IN THE HEAD/SUBVERSION haben die Schweizer ihre Kollegen VOODOOSHOCK zur Komplettierung des Line-ups bemüht. TOLLWUET sind eine noch relativ frische Band, die als einziger der "Doom Shall Rise"-Teilnehmer noch keine Aufnahme vorweisen kann. Doch die Art und Weise, wie TOLLWUET sich ihrem Siechdoom hingaben, läßt Hoffnung für einen glänzenden Silberling aufkeimen: brachial, ultraheavy und Slo-Mo bis zum Exzeß; fast schon eine niederschmetternde Erfahrung.

WEED IN THE HEAD-Liveshot

Zwar bemerkte man beim Tageslicht besonders, daß das Ambiente einer Turnhalle nicht so recht zum "Doom Shall Rise" passen wollte, doch sobald die Bands die Bühne betraten, wurde dieser Eindruck stets sofort weggeblasen. So auch bei WEED IN THE HEAD: Wie es der Bandname vermuten ließ, beschritt die Combo ernsthaft den Stoner-Pfad. Dennoch: Obgleich hin und wieder Wah-Wah-Pedal und Phaser angeworfen wurden, hielt sich das Stoner-Geblubber letztendlich in Grenzen und überdeckte nie das doomige Grundprinzip.

WYTCHCRAFT-Liveshot

Bei WYTCHCRAFT wurde die Geschwindigkeitsbeschränkung deutlich epischer aufgezogen. Der jungen Band, die beim "Doom Shall Rise" zugleich den Release ihrer ersten CD feierte, merkte man die mangelnde Erfahrung in mehrfacher Hinsicht an: Auf der Bühne agierte man zu statisch und das Songmaterial war streckenweise unausgereift: Wenn beispielsweise die Gitarre auf Cleanparts umschwenkte, entstand ein riesiges Loch in der Soundmauer, das es in Zukunft zu stopfen gilt.

VOODOOSHOCK-Liveshot

Eine harte Nuß waren VOODOOSHOCK aus der Schweiz - zumindest für diejenigen, die die Band zuvor nicht gekannt hatten: Der extrem minimalistische und unkommerzielle, gewissermaßen asketische Doom des Trios ist sehr diffizil, wenn einem die CD nicht geläufig ist. ROCK HARD-Kollege Stappert, der den Silberling in- und auswendig kennt, ist hingegen des Lobes voll über diese Band. Für jedermann war aber sofort erkennbar, daß Uwe Groebel, der früher bei NAEVUS war, ein sehr guter Sänger mit viel Ausstrahlung ist, so daß VOODOOSHOCK einen professionellen Eindruck hinterließen.

DAWN OF WINTER-Liveshot

So langsam aber sicher machte sich ein wenig die Doomüdigkeit breit, doch DAWN OF WINTER konnte jegliche Schwächeanfälle mit links wegwischen. Die Truppe spielte einen ihrer raren Auftritte und Sänger Gerrit Mutz stellte wie bei SACRED STEEL seine Qualitäten als charismatischer Frontmann unter Beweis. Folglich war bei DAWN OF WINTER der bislang zumeist "luftige" Platz direkt vor der Bühne dicht besetzt und das Publikum ging mähnewiegend mit - für echtes Headbanging war das Tempo natürlich zu langsam.

OFFICIUM TRISTE-Liveshot

OFFICIUM TRISTE waren die einzige deathlastige Doomband des Festivals, die aber trotzdem vor allem im Gitarrenbereich über genügend melodische und hymnenhafte Momente verfügte, um nicht zu eintönig zu wirken. Zu Anfang lockerten sich gegenüber DAWN OF WINTER die vorderen Reihen wieder ein wenig, aber OFFICIUM TRISTE waren so mitreißend, daß das Publikum bald in gleicher Weise mitging. Die Holländer belebten mit ihrer extremen Mucke das "Doom Shall Rise", so daß sie verdientermaßen zu einer Zugabe gebeten wurden.

WELL OF SOULS-Liveshot

Wie MIRROR OF DECEPTION am Abend zuvor, hatte die zweite "Veranstalterband" die schwere Bürde, nach einer extrem überzeugenden Combo auf die Bühne gehen zu müssen: Doch WELL OF SOULS aus Ulm, die denen Mitorganisator Frank Hellweg die Klampfe bedient, schafften es, das mittlerweile reichlich geschlauchte Publikum noch einmal zu motivieren. Das Kuriosum des Sets war der Schlußsong von WELL OF SOULS, der stark an ›Wrathchild‹ von IRON MAIDEN erinnerte. Nach dem Gig ergriff Frank schließlich die Gelegenheit, sich bei allen Fans und Bands zu bedanken, daß das erste "Doom Shall Rise" zu einem gelungenen Event geworden war.

SUBVERSION-Liveshot

Doch es war längst noch nicht Feierabend, aber zumindest bog man allmählich auf die Zielgerade ein: SUBVERSION setzten nochmal einen deutlichen Kontrast als schnellste und modernste Band des Festivals. Dieser Eindruck entstand nicht zuletzt durch das Shouting sowie die Bewegungsabläufe des "subversiven" Sängers Mike, die gar hardcoreartige Züge erhielten. Den traditionellen Gegenpol bildeten die Instrumente, denn hier spielten ein RICKENBACHER-Baß mit einer GIBSON SG zusammen.

REVEREND BIZARRE-Liveshot

Nach einer kleinen Pornodarstellung auf der Bühne, über die wir besser das Verhüterli des Schweigens decken, folgten schließlich die Finnen REVEREND BIZARRE. Das Trio verdiente sich trotz technischer Schwierigkeiten mit dem Baß das Prädikat als beste Band, die jemals die frühen BLACK SABBATH gecovert hat, ohne einen Song von Iommi & Co. zu spielen. Doom wie er ursprünglicher fast nicht mehr sein kann, bei dem einzelne Akkorde Ewigkeiten zu dauern schienen!

REVELATION-Liveshot

Der große und der kleine Zeiger waren schon aus der Geisterstunde herausgetickt, als Frontmann Dennis Cornelius mit "Of course we are REVELATION!" den ersten Auftritt der Band in Europa seit ihrer '95er Tour eröffnete. Erfreulicherweise sind REVELATION wieder zusammen und werden zunächst via MISKATONIC FOUNDATION ihr '87er Demo auf CD veröffentlichen. Doch man hat ebenso neues Material fertiggestellt, so daß eine neue Platte eventuell noch 2003 erscheinen kann. Dennoch spielten REVELATION keine neuen Songs, sondern beschränkten sich auf ihre bislang veröffentlichten Klassiker. Wenngleich optisch nicht mehr die Frischesten boten REVELATION eine Show, die aller Ehren wert war und vor allem Basser Jim Hunter bangte wie besessen. REVELATION waren zweifelsohne der würdige Schlußpunkt des ersten "Doom Shall Rise", doch leider waren am Ende der Show nur noch knapp hundert Unerschütterliche anwesend.

Dennoch: Das "Doom Shall Rise" hatte bewiesen, daß das gigantische Comeback von CANDLEMASS im letzten Jahr nur die Spitze des Eisbergs darstellt und daß man von der Doomszene noch eine Menge mehr erwarten kann.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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