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  UE-Home → History → Online Empire 11 → Interview-Übersicht → C OF E-Interview last update: 04.12.2020, 15:33:10  

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Die Band OSIRIS war Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger Hollands grĂ¶ĂŸte Hoffnung in Sachen Progressive Metal (oder Techno Metal, wie man damals noch sagte). Dennoch sollte dem '92er DebĂŒt »Futurity And Human Depressions« nicht der erwĂŒnschte Erfolg zukommen, so daß sich die Band zunĂ€chst in CIRCLE OF EMOTIONS umbenannte und etwa 1994 auflöste. Doch Bassist RenĂ© Bronwasser und Gitarrist Geert Kerrsies machten einige Monate spĂ€ter unter dem verkĂŒrzten Namen C OF E und einer sehr viel moderner ausgerichteten Musik weiter. Mit »Protect Me From What I Want« haben die HollĂ€nder nun ihren Erstling veröffentlicht, der ein erfrischendes Zeichen auf dem immer langweiliger werdenden Sektor der modernen, hardcorelastigen MetalklĂ€nge setzt. Wir luden RenĂ© B. zu einem Spaziergang durch seine metallische Vergangenheit ein.

Warum hast Du nicht schon lĂ€ngst Deinen Baß an den Nagel gehĂ€ngt? Du machst seit so vielen Jahren Musik, ohne daß Du jemals nennenswerten Erfolg hattest. Was hĂ€lt Dich dennoch bei der Stange?

Vielleicht einfach, weil ich ein bißchen stur bin? Nein, es ist einfach wichtig, an Dich selbst zu glauben, und nicht aufzugeben. Und es macht immer noch Spaß - vor allem das Livespielen - und wir bekommen zumeist sehr gute Kritiken sowohl von der Presse als auch von den Fans. Warum sollten wir also aufgeben? Wir möchten uns gerne als eine der fĂŒhrenden hollĂ€ndischen Krachmacher-Bands etablieren. Allerdings können wir uns nicht darauf verlassen, daß es erfolgtechnisch mit C OF E besser laufen wird, denn die Metalszene in Holland ist ziemlich abgefuckt und viele Liveclubs machen momentan dicht oder satteln auf House- und Dance-Parties um.

Wenn Du heute einen Blick zurĂŒck zu den OSIRIS-Tagen wirfst, woran mußt Du denken?

Ich bin stolz darauf, eines der Urmitglieder von OSIRIS gewesen zu sein, aber ich muß zugeben, daß es nie wirklich meine Musik war. Ich war immer ein Fan von altem Punk und die RAMONES waren mein grĂ¶ĂŸter Einfluß. Allerdings war es als Musiker klasse, bei OSIRIS zu sein: Wenn wir live losgelegt haben, standen im Publikum immer jede Menge Musiker mit entgeisterten Mienen... Bei OSIRIS hatten wir uns einen Spaß daraus gemacht, so kompliziert wie möglich zu spielen und so viele Riffs wie möglich aneinander zu hĂ€ngen. Bei C OF E sehen wir vielmehr eine Herausforderung darin, so tight wie möglich zu sein.

Beide OSIRIS-Demos (»Inextricable Reversal« von 1989 und »Equivocal Quiescense« von 1991) erhielten ebenso wie das '92er Debut »Futurity And Human Depressions« sehr gute Reviews. Warum konnten OSIRIS dennoch nie großen Erfolg ernten?

Zu dieser Zeit gab es zwar in Deutschland gewisse Chancen fĂŒr solche technischen Bands, aber in Holland war damals schon der Death Metal im Kommen und GOREFEST und PESTILENCE entwickelten sich schnell zu den fĂŒhrenden niederlĂ€ndischen Bands. Ich kann mich noch entsinnen, daß wir bei einem Festival in GeorgmarienhĂŒtte als Headliner spielten. Außer uns traten DETERRENT, DISJECTA MEMBRA und unsere Landsleute von DONOR auf. Und das Publikum bestand zum Großteil aus den Musikern der vier Bands, die sich gegenseitig zuschauten. Das war echt frustrierend.

Einige Zeit nach Veröffentlichung der einzigen OSIRIS-Platte habt Ihr die Band in CIRCLE OF EMOTIONS umbenannt. Warum?

Das war kurz nachdem unsere Plattenfirma SHARK uns gedroppt hatte, weil wir nur 5.000 Exemplare von der Platte verkauft hatten. Wir nahmen ein neues Demo auf, bei dem sich musikalisch einiges geĂ€ndert hatte: WĂ€hrend wir bei OSIRIS die Riffs mehr oder minder ohne einen Roten Faden aneinandergereiht hatten, verliehen wir den neuen Nummern viel mehr einen klassischen Songcharakter. Daher benannten wir uns CIRCLE OF EMOTIONS um. Wir waren knapp zwei Jahre lang unter diesem Namen zusammen, erhielten viele gute Reviews, konnten aber keinen Deal mit einer Plattenfirma abschließen. Ich verließ damals die Band, weil ich andere Musik machen wollte, der Rest der Band aber nicht mitziehen wollte. Etwa zwei Wochen spĂ€ter lösten sich CIRCLE OF EMOTIONS komplett auf, so daß Gitarrist Geert Kerrsies und ich einige Monate spĂ€ter unter dem Namen C OF E mit völlig anderer Musik weitermachten. Wir fanden recht schnell in Ronnie einen Drummer und in Jurro einen zweiten Gitarristen und arbeiteten zu Anfang mit drei SĂ€ngern, die sich beim BrĂŒllen abwechselten. Das schien zunĂ€chst ganz gut zu klappen, aber nach und nach wurde klar, daß es nicht funktionieren wĂŒrde. Daher behielten wir den Besten der drei und das war Marc, der heute noch bei uns ist. Marc war ĂŒbrigens schon bei OSIRIS als Roadie tĂ€tig.

Weißt Du, was die ehemaligen OSIRIS-Musiker heute machen?

Der ehemalige Leadgitarrist Maurice Oudhof hat die Musik völlig an den Nagel gehĂ€ngt. Drummer Marc Fien war in der Dance-Szene involviert, aber er mußte nun auch aufhören, weil er große Probleme mit seinem Gehör bekam. Und Bram Oever, der SĂ€nger, war bei einer Band namens ART CLINIC, aber er ist vor knapp einem Jahr ausgestiegen und macht momentan auch nichts mehr. ART CLINIC hatten eine progressive Mischung aus Rock und Metal gespielt.

C OF E-Bandphoto 1

War bei C OF E die musikalische Linie von Anfang an klar?

Wir waren uns in jeder Hinsicht einig: stilistisch, als auch im Hinblick auf die Vorgehensweise. Viele Bands nehmen einen Text oder eine Melodielinie als Grundlage und bauen darauf einen Song auf. Wir haben uns jedoch die OSIRIS-Methode bewahrt: Bei OSIRIS stand immer ein gutes Riff im Vordergrund, zu dem das nĂ€chste Riff entwickelt wurde und erst am Schluß kamen der Text und die Gesangsmelodie. Bei C OF E muß ein Song ohne den Gesang stark sein und daher ist die Gitarrenarbeit bei C OF E sehr progressiv. Der Gesang stellt das krönende i-TĂŒpfelchen dar.

Warum habt Ihr Euch fĂŒr die Kurzform des alten Bandnamens CIRCLE OF EMOTIONS entschieden?

Ich muß ehrlich zugeben, daß ich den Namen CIRCLE OF EMOTIONS nie mochte, weil er zu lang war. BezĂŒglich des Namens und des Logos kann ich Dir eine interessante Geschichte erzĂ€hlen: Unser damaliger Drummer war kĂŒnstlerisch sehr beschlagen und hatte sich etwa 1992 fĂŒr CIRCLE OF EMOTIONS das runde Design aus den Anfangsbuchstaben "C" und "E" sowie dem Wort "of" einfallen lassen. Dieses Design haben GOREFEST von uns geklaut. Wir spielten mit GOREFEST, die damals noch ihr altes, "bluttriefendes" Logo benutzten, und ein paar Monate spĂ€ter hatten sie ein rundes Design, das unserem verblĂŒffend Ă€hnlich war, und das sie seit dem '94er »Erase«-Album benutzten. Doch zurĂŒck zu Deiner Frage: Als Geert und ich uns damals entschlossen weiterzumachen, stellten wir fest, daß noch tonnenweise CIRCLE OF EMOTIONS-Shirts und -Aufkleber mit diesem "C of E"-Design ĂŒbrig waren, so daß es naheliegend war, den Namen C OF E zu wĂ€hlen.

Ihr wolltet damit also nicht auf den "The Bishop"-Sketch von MONTY PYTHON anspielen. Kenner von MONTY PYTHONs "Flying Circus" wissen, daß besagter Sketch von "C of E-Films" prĂ€sentiert wird.

Nein, obwohl ich ein großer MONTY PYTHON-Fan bin. Wie Du sicher weißt, steht in Groß-Britannien die AbkĂŒrzung "C of E" fĂŒr "Church Of England", aber bei uns war es wirklich nur die AbkĂŒrzung von CIRCLE OF EMOTIONS.

Das heißt also, Ihr werdet nicht einen Bischof als Maskottchen haben. So wie MAIDEN mit Eddie auftreten, kommt bei Euch dann ein Typ mit Mitra und Tunika auf die BĂŒhne?

Vielleicht sollten wir ihn aufblasbar machen, so daß er monströs die ganze BĂŒhnenshow ĂŒberragen kann...

Außerdem solltet Ihr ihm schwarze Klamotten verpassen und ihn als "The Evil Bishop" bezeichnen. Und vor allem möchte ich die Credits, wenn Ihr das wirklich durchzieht... Laß uns wieder ernst werden: Besonders Belgien hat eine sehr aktive Hardcoreszene. Habt Ihr Kontakt zu diesen Bands?

Ich muß ehrlich zugeben, daß ich die modernen Hardcorebands nicht mag. Ich bin ein Fan der alten Hardcoretruppen wie BLACK FLAG, die zu jener Zeit aktiv waren, als die Metal- und die Hardcoreszene noch streng voneinander getrennt waren. Mir gefallen die Tightness, die Aggression und die Vocals im Hardcore, aber ich hasse diese Uniformiertheit und die Stereotypen des neuen Hardcore. Viele Bands Ă€hneln sich wie Abziehbilder und zudem fehlt ihnen die professionelle Einstellung.

Kannst Du erklĂ€ren, warum Eure CD »Protect Me From What I Want« mit einer dreißigsekĂŒndigen Stille beginnt, dann kommt ein anschwellendes Summen bevor der erste Song beginnt.

Das war meine Idee, denn ich habe einmal Elektrotechnik studiert. Es wurde von einem Frequenzgenerator erzeugt und die Frequenzen am Anfang kann das menschliche Gehör nicht wahrnehmen.

Das heißt also, daß Ihr Hunde zum Heulen bringt und Euch selbst den Tierschutzverein auf den Hals gehetzt habt..?

Nein, es ist absolut harmlos, denn ich habe einen Hasen, der nicht verrĂŒcktspielt, wenn ich die CD laufen lasse.

Welche Bedeutung hat der CD-Titel »Protect Me From What I Want«? Er erinnert mich ein wenig an eine Zeile von Justin Sullivan aus dem NEW MODEL ARMY-Song â€șA Liberal Educationâ€č: "They gave us what we asked for but never what we wanted."

Es war einfach ein sehr starker Satz, der mir irgendwo in Amerika ins Auge gefallen ist. Er soll allerdings nicht als doppeldeutig angesehen werden.

Es verbirgt sich also keine sozialkritische Anmerkung dahinter, da uns Teile der Gesellschaft alle möglichen obskuren Ziele als erstrebenswert vorgaukeln, von denen man sich eigentlich fernhalten sollte?

Nein, ich kann nur betonen, daß wir keine politisch orientierte Band sind. Musik sollte vor allem Spaß machen!

C OF E bestehen schon sehr lange. Warum hat es so lange gedauert, bis mit »Protect Me From What I Want« Euer erstes Album erschien?

Wir haben die Platte schon vor etwa drei Jahren aufgenommen und einige der Songs sind schon ĂŒber fĂŒnf Jahre alt. Wir hatten damals einen Vertrag mit einem kleinen Label, das pleite ging, bevor die Rechnungen bezahlt waren, so daß das Studio uns das Mastertape nicht aushĂ€ndigte. Daher lag das Album weit ĂŒber ein Jahr auf Eis, bis wir die Studiorechung bezahlen konnten. Allerdings haben wir mittlerweile mehr als genug Material, so daß wir das nĂ€chste Album noch in diesem Jahr aufnehmen werden.

Ihr habt zu dem Song â€șDay By Dayâ€č ein aufwendiges Video gemacht. Wie kam es dazu?

Das hat sich zufĂ€llig ergeben, denn in unserer Nachbarschaft gibt es eine Multimedia-Company, die einen Videoclip zu Eigenwerbungszwecken erstellen wollte. Sie fragten uns, ob sie unser StĂŒck â€șDay By Dayâ€č verwenden könnten. Der Clip ist komplett computeranimiert und sie haben fast ein Jahr daran gearbeitet. Anschließend wurde die Musik in einem Studio in Rotterdam dazugemischt. Wenn wir den Clip hĂ€tten bezahlen mĂŒssen, hĂ€tte er uns etwa 100.000 Euro gekostet. So haben wir kostenlos ein superprofessionelles Video bekommen und die Firma hat einen Demonstrationsclip, mit dem sie potentiellen Kunden ihre Möglichkeiten vorfĂŒhren können. Daher haben wir von â€șDay By Dayâ€č eine Multimedia-Maxi-CD gemacht, auf der der Clip zu sehen ist. Außerdem hat TMF, die hollĂ€ndische MTV-Version, den Clip schon vier- oder fĂŒnfmal gezeigt.

Auf dem Cover von »Protect Me From What I Want« sieht man den C OF E-Superhuman: Aus Photographien aller Musiker wurde ein Gesicht zusammengesetzt.

Mir kam diese Idee, als ich vor Jahren Yngwie Malmsteen live sah. Er ist ein großartiger Musiker, aber die restliche Band ist komplett austauschbar.

Was man auf der letzten Tour sehen konnte, wo er wÀhrend der laufenden Tour seinen SÀnger Jorn Lande feuerte und kurze Zeit spÀter mit Marc Boals weitermachte.

Richtig und so etwas könnte bei C OF E nie passieren: Wir sind nur als Einheit so stark. Wir spielen seit Anfang in unverĂ€nderter Besetzung zusammen und mußten uns lediglich von den beiden zusĂ€tzlichen SĂ€ngern trennen.

Was treiben die C OF E-SupermÀnner eigentlich, wenn sie nicht gemeinsam im Proberaum stehen?

Mein Beruf ist der Grund, warum ich meine Haare abschneiden mußte. In den guten alten Zeiten als man als Metal-Mucker noch lange Haare haben mußte, hatte ich natĂŒrlich auch eine MĂ€hne. Ich arbeite als Vertreter fĂŒr SportgerĂ€te und Sportlerbedarf. Übrigens sind alle C OF E-Musiker in der Sportbranche beschĂ€ftigt: Marc und Geert sind beispielsweise Fitneßlehrer. Außerdem sind wir alle sehr sportlich, gehen regelmĂ€ĂŸig ins Fitneßstudio und machen Kraftsport. Ich trainiere vier- bis fĂŒnfmal pro Woche.

Das heißt, Ihr steht permanent unter Anabolika?

Nein, das tun wir nicht, weil es extrem ungesund ist. Permanentes Training, gesundes Essen und genĂŒgend Ruhe lautet unsere Formel. Es geht uns einzig und allein darum, die körperliche Belastbarkeit zu haben, um mit unserer Musik weitermachen zu können. Es ist manchmal sehr stressig, die ganze Woche zu arbeiten, am Wochenende mit der Band unterwegs zu sein und montags gleich wieder arbeiten zu gehen. Der Kraftsport gibt mir die Energie, das zu schaffen. Ich weiß, daß viele andere Musiker, die nur das Ziel vor Augen hatten, Profimusiker zu werden, das nicht geschafft haben. Sie sind bei ihren Bands ausgestiegen, um Musik zu studieren und spielen heute in professionellen Tanzmusikkapellen â€șSummer Of 69â€č 69-mal pro Abend. Das ist ein Witz und ich bin stolz darauf, daß ich immer noch die Musik mache, die mir etwas bedeutet. Allerdings können wir mit dieser Musik unsere Rechnungen nicht bezahlen, so daß wir einen normalen Job brauchen. Doch dank des Sports schaffen wir es alle, daß wir unserer Musik treubleiben können!

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jonee@worldonline.nl

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

C OF E im Überblick:
C OF E – ONLINE EMPIRE 10-Special
C OF E – ONLINE EMPIRE 11-Interview
unter dem ehemaligen Bandnamen OSIRIS (NL):
OSIRIS (NL) – Inextricable Reversal (Demo)
OSIRIS (NL) – METAL HAMMER 01/92-Special
OSIRIS (NL) – News vom 24.09.1991
unter dem ehemaligen Bandnamen CIRCLE OF EMOTIONS:
CIRCLE OF EMOTIONS – Plan: B (Demo)
andere Projekte des beteiligten Musikers René Bronwasser:
STONE IN EGYPT – News vom 22.02.2014
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