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AGENT STEEL – Order Of The Illuminati

SCARLET/SPV

Lange hat es gedauert, sehr lange, bis Juan Garcia und seine Mannen mit einem Nachfolger zum superben »Omega Conspiracy«-Album, das die AGENT STEEL-Reunion anno 1999 einläutete, aus der Hüfte geschossen kommen. Die Gründe für die Verzögerung sind vielschichtig und dürften unter anderem darin begründet sein, daß es namensrechtliche Schwierigkeiten mit dem alten Sangesgott John Cyriis gegeben haben soll. Gut, der Mann, der die ersten AGENT STEEL Werke - namentlich »Skeptics Apocalpse«, »Mad Locust Rising« und »Unstoppable Force« - mit seiner sirenenhaften Stimme zu unvergänglichen Metal Classics machte, war immer schon etwas schräg. Aber bekanntlich soll das ja im Genie liegen. Lassen wir das mal so dahin gestellt, denn hier geht es nicht um Gerüchte, sondern um die Musik. Immer wieder liest man von angeblich egozentrischen Musikern, die sich dann bei näherer Betrachtung doch als ganz umgängliche Zeitgenossen entpuppen - ich denke da nur an Chuck Schuldiner.

Wenden wir uns wieder den Fakten zu: AGENT STEEL firmierten in der Zwischenzeit unter dem Banner ORDER OF THE ILLUMINATI, einer Bezeichnung, die ich zwar für sehr treffend empfand, aber auch für sehr lang. Wer zum Henker, soll sich das denn merken???

Anyway, das Problem ist gelöst: Juan Garcia und Bernie Versailles, die beiden letzten Ur-STEELer, dürfen wieder unter AGENT STEEL mit filigranen Speed Metal-Riffs brillieren. Ja, Ihr habt richtig gelesen: Chuck Profus, ebenfalls seit Gründerzeiten mit an Bord und auch auf dem Vorgänger noch für Taktvorgabe zuständig, ist aus privaten Gründen leider nicht mehr mit von der Partie. Dafür knüppelt sich Rigo Amezcu extrem amtlich durch die elf neuen Geschosse, die uns dieser Silberling beschert. Ach ja, wie euch sicherlich aufgefallen sein dürfte, haben die Spassekenmachers nun dem Album den Titel ihrer nicht-AGENT STEEL-betitelten Schaffensphase gegeben. Very funny indeed.

Wenden wir uns nun finalemente mal der gebotenen Musik zu. Etwas irritiert bin ich beim ersten Durchlauf eigentlich nur aufgrund der relativ niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeit der Nummern. Sehr selten - wie im lange bekannten Überflieger ›Forever Black‹ - kommen Hyperspeed Riffs aus den Boxen. Nicht, daß sich die Band in der Vergangenheit ausschließlich über den Speedfaktor zum absoluten Kultact definiert hätte, aber Tatsache ist doch, daß vor allem auf dem Debüt Nummern, wie das auch heute immer noch alles zerschmetternde ›144.000 Gone‹ mit präzisem Killer-Riffs zur definitiven Kopfabschraubern wurden. Heute legen die Jungs offensichtlich noch mehr Wert auf die richtige Dynamik und den dadurch entstehenden Groove, denn eins kann man dem neuen Werk der UFO-Gläubigen sofort attestieren: Man ist während der gesamten Spielzeit - Ausnahme das Baß-Solo ›Dance Of St. Vitus‹ - am Headbangen. Außerdem wird den extrem oldschoolig veranlagten Hörern freudig auffallen, daß vermeintliche moderne Elemente, wie sie angeblich noch auf »Omega Conspiracy« zu vernehmen waren, nicht mehr auszumachen sind.

Während ›Avenger‹ ein paar Durchläufe benötigt, um sich mit seinem Shout-Chorus und überraschend tiefem Gesang endgültig zu überzeugen, fasziniert ›Ten Fists Of Nation‹ mit herrlicher Melodie aber sofort. Was für ein Ear-Catcher! Endlich zelebriert Bruce Hall auch wieder mit markerschütternden Schreien! Ja! So will ich AGENT STEEL hören! Und auch hier wieder ein exquisiter Chorus, der Konzerthallen in Tollhäuser verwandeln wird. Dieser Song legt alle Stärken der Band offen: superber Aufbau mit gänsehautigem Akkustikpart, doppelläufige Gitarrenduelle und leicht verschachtelte Rhythmik.

Es folgt das bösartige ›Earth Under Lucifer‹, welches den oben erwähnten Groove quasi neu erfindet. Unglaublich wie heftig dieser Beat mitreißt. Und über diesem Mittempo flutschen diese grandiosen AS-typischen Gitarren, die wohl - neben der Stimme - das Trademark dieser unglaublichen Band sind. ›Enslaved‹ geht wieder ganz schön flott von der Hand: MAIDENartiges Riffing - nur dreimal so schnell - und ein Bruce Hall in Sirenenstimmung. Ich denke, diese Komposition hätte am ehesten auf eine der 80er Scheiben der Band gepaßt. Danach geht es mit indisch anmutenden Sphärenklängen weiter, über denen eine Gesangsmelodie liegt, die ein weiteres Mal nicht von dieser Welt zu sein scheint - remember ›The Traveller‹ vom »Unstoppable Force«-Album? Got the picture! Bevor es aber zu kuschelig wird, fegt uns ›Apocalypse‹ aus den Träumen. Über ›Forever Black‹ hatte ich oben bereits abgeschwärmt. Den Sinn in einem Baß-Solo sehe ich zwar auf einem Studioalbum immer noch nicht ganz ein, aber gut klingen tut es schon, was Karlos Medina da so zupft. Danach muß ich unwillkürlich schmunzeln. Warum? Dachte ich während des Vier-Saiten-Solos noch an METALLICAs Debüt, so erinnert ›Dead Eyes‹ etwas an ›Blackened‹ vom »And Justice For All«-Album. Zumindest das Riffing kommt irgendwie bekannt vor, was ja nicht schlecht sein muß. Es folgt mit ›Kontrol‹ ein nettes Instrumental, dass aber leider in keinster Weise mit ›Day At Guyana‹ mithalten kann. Nichtsdestotrotz sind die beiden AS-Klampfer eines der wenigen Gitarrenteams, bei denen so eine Nummer Sinn ergibt. Die Läufe in diesem Song sind einfach wieder Weltklasse. Ich hätte halt nur gerne einen weiteren "richtigen" Song gehört. Der Rausschmeißer hört auf den Namen ›Human Bullet‹ und entpuppt sich nach kurzem Pianointro zum lupenreinen Melodicstampfer, der live sicher auch wieder für wippende Körper sorgen wird.

Insgesamt also wieder ein erstklassiges Album, das uns AGENT STEEL hier vorlegen. Dabei beweisen sie zum zweiten Mal, daß sie zu den wenigen reunierten Kapellen zählen, die auch heute noch Daseinsberechtigung haben. Ihnen gelingt halt der Spagat zwischen alten Tugenden und modernen Heftigkeit. Neben der Out-Of-Space Gitarrenarbeit beider Spieler muß ich nochmals auf die superbe Vocal-Leistung von Bruce Hall hinweseisen, der immer flexibler klingt, ohne dabei seine Trademarks einzubüßen. Ganz groß! Sicherlich schon jetzt eins der besten Alben des Jahres 2003.

http://www.agentsteelonline.com/

überragend 17


Holger Andrae

 
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