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”UNDERGROUND EMPIRE 6”-Datasheet

Contents:  AGENT STEEL-''Cult Complete''-Artikel

Date:  12.04.1992 (created), 19.06.2011 (revisited), 03.02.2019 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 6

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

So ganz wird man die Anfänge von AGENT STEEL und die Verstrickungen der Musiker mit anderen Bands wohl nie durchblicken können. Sicher ist nur, daß John Cyriis nicht nur zusammen mit Juan Garcia auf dem »Metal Massacre IV«-Song von ABATTOIR zu hören ist, sondern 1984 auch noch kurzfristig bei einer Band namens VERMIN sang. Heute wissen wir allerdings, daß John Cyriis bei SCEPTRE "nur" als Gitarrist fungierte, allerdings das Pseudonym "John Camps" angenommen hatte; zudem habe ich heuer das SCEPTRE-Demo nicht mehr - wie noch im Text erwähnt - in die Demo- und Discographie-Tabelle aufgenommen, da mittlerweile feststeht, daß SCEPTRE lediglich eine frühe Band von John Cyriis war und es sich bei AGENT STEEL und SCEPTRE um zwei verschiedene Baustellen handelt, auch wenn Songfragmente, die bei SCEPTRE entstanden, dann bei AGENT STEEL weiterverwendet wurden. Außerdem darf als sicher gelten, daß in den ersten Monaten von AGENT STEEL die Gitarristen Mark Marshall (später bei SAVAGE GRACE), Sill Simmons und Silvio Golfetti, der später auch bei PONTIUS PROPHET involviert war, mitmischten.

Zudem hatte ich bei der Story glatt verschwitzt anzufügen, daß nach dem Zersplittern der "echten" AGENT STEEL nach »Unstoppable Force« die beiden verbleibenden Musiker John Cyriis und Chuck Profus eine neue Besetzung mit James Murphy (g, später u.a. DEATH oder TESTAMENT), Jey Weslord (g) und Richard Bateman (b, später NASTY SAVAGE) als Saitenmannschaft zusammenstellten. Auch wenn dieser Inkarnation keine lange Existenz beschert war, ist sie doch immerhin auf dem »Mad Locust Rising: Live At The Hammersmith Odeon June '87«-Video zu sehen. Außerdem könnte man heuer bei der Aufzählung von John Cyriis' zeitnahen Post-AGENT STEEL-Projekten noch MALFEITOR und LEMEGETON nennen: MALFEITOR waren wohl eine kurze Episode von John und Chuck Profus nach der Auflösung von PONTIUS PROPHET, die wohl noch im Jahr 1988 in Kalifornien stattfand; im Sommer 1989 zog John Cyriis dann wie schon in späten AGENT STEEL-Tagen wieder nach Florida, wo er sich LEMEGETON anschloß, mit denen er Gerüchten zufolge sogar ein Demo namens »Evil Against Evil« aufgenommen haben soll. Im Sommer 1990 zog es ihn dann gen New York, wo er dann mit Chuck Profus und dem ATTACKER-Kurzzeitgitarristen Rolo Macias die BLACK REIGN-Episode einläutete, um dann spurlos zu verschwinden und erst Jahre später in Japan wieder aufzutauchen.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

Titel: Cult Complete
Dekolinie

AGENT STEEL-Logo

Alle Ausgabe wieder habe ich die schweißtreibende Aufgabe, die Band herauszufinden, die es als nächstes verdient hat, im "Cult Complete" vorgestellt zu werden. Meine Wahl ist auf eine meiner All-Time-Faves gefallen, und mit dieser Wahl werden bestimmt Kontroversen ausgelöst werden, denn AGENT STEEL waren immer eine recht umstrittene Band gewesen. Warum ich aber AGENT STEEL dennoch gewählt habe, will ich Euch erläutern. Zum einen sei hier der Punkt erwähnt, den ich oben schon angedeutet habe, nämlich daß AGENT STEEL für mich musikalisch Extraklasse besaßen, Musik mit dem Flair, der Kultstatus einbringt, was eigentlich schon mal Grund genug wäre. Dazu kam bei AGENT STEEL aber noch ein ausgefeiltes Konzept, auf das ich im Verlauf des Artikels noch genauer eingehen werde, das der Band ihre ganz eigene Nische reservierte. Auch hatte man in Leadsänger John Cyriis einen Exzentriker sondersgleichen, der die Band mehr als einmal in die Schußlinie der Kritik brachte, andererseits aber AGENT STEEL auch einen etwas rätselhaften und außergewöhnlichen Touch verlieh. Meiner Meinung nach ist diese Band etwa vier Jahre nach ihrer Auflösung schlicht Kult, und ich verehre AGENT STEEL!

Der Anfang von AGENT STEEL liegt irgendwo im Dunst um die L.A.-Band SCEPTRE. Die veröffentlichten nämlich 1983 ein Demo, mit den Stücken ›Taken By Force‹, ›Sceptre‹ und ›144,000 Gone‹, wobei erstes und letzteres bekanntlicherweise auch auf dem AGENT STEEL-Debut »Sceptics Apocalypse« zu finden war. Leider fehlen mir zu SCEPTRE jegliche weitere Informationen, und ich kann nur noch sagen, daß der SCEPTRE-Song ›Taken By Force‹ einen Platz auf »Metal Massacre IV«-Sampler fand. Dort steht nun ein Line-up zu lesen, das allerdings auch nicht mehr Klarheit bringt, denn keiner der vier Musiker spielt auch auf »Sceptics Apocalypse« mit. Also vermute ich mal, daß sich bei SCEPTRE das Personenkarusell ganz extrem gedreht hat, so daß man 1983 in einer Besetzung ein Demo aufnahm, welches man nach einer Umbenennung im Jahre 1984, ausschnittsweise auf der Debut-LP verwendete, man während dieser Zeit jedoch mal flott alle Mitglieder, die noch auf dem Demo wirkten, rausgeschmissen hatte. Daß AGENT STEEL aber den Nachfolger von SCEPTRE darstellt, ist anhand der beiden Songs, sowie der Tatsache, daß das Intro der ›144,000 Gone‹-Version vom SCEPTRE-Demo, auf »Sceptics Apocalypse« als Intro verwendet wurde, recht offernsichtlich. Trotzdem werde ich in der Demo- und Discographie das SCEPTRE-Demo mal in Klammern setzen. Vielleicht sollte der Name Butch Say auch nur ein Synonym von John Cyriis sein. Aber nein, dies ist unwahrscheinlich, denn jene Stimme hat bei weitem nicht das Charisma wie jene von John. Außerdem waren John und Gitarrist Juan Garcia auf dem »Metal Masscre IV« bei dem Song ›Screams From The Grave‹ noch bei ABATTOIR zu hören, wechselten dann aber zu AGENT STEEL. An diesem Punkt, 1984 nämlich, wollen wir nach jenen Spekulationen auch den Faden wieder aufnehmen.

Im Jahr 1984 nämlich begann es für AGENT STEEL, so richtig zu krachen. Man nahm zuerst nochmal ›144,000 Gone‹ auf, um es in einer veränderten Version, die der auf der Debut-LP schon recht nahekommt, per Demo auf die Szene loszulassen. Die Szene reagierte, und AGENT STEEL waren als große Hoffnung in aller Munde! Mit einem weiteren Demo, das schon einige Monate später erschien und die Hammerstücke ›Guilty As Charged‹, ›Evil Eye/Evil Minds‹, ›Agents Of Steel‹ und ›Bleed For The Godz‹ enthielt, konnte man einen Deal einfahren. Nur allzu verständlich, denn AGENT STEEL brachten auf den vier Stücken soviel Energie, Power und Aggressivität rüber, wie es bislang keine Knüppelband geschafft hat. AGENT STEEL gelang dies mit songschreiberischen Höchstleistungen, die von einer tighten Band vorgetragen wurden, über denen ein John Cyriis stimmlich thronte wie noch kaum einer zuvor.

AGENT STEEL-Cover: »Skeptics Apocalypse«

Und so erschien 1985 das Debut »Sceptics Apocalypse«, und ich kann mich noch sehr gut an jene Glücksmomente erinnern, als ich in Landstuhl im "Musikladen" stand und einfach hin und weg ob der Genialität von AGENT STEEL war. Als Kenner der Demos waren meine Erwartungen zwar hoch gewesen, aber »Sceptics Apocalypse« machte einfach alles nieder. Vielleicht der hochwertigste Speed Metal, der jemals gespielt wurde. Anhand des Covermotivs wurde mir sofort klar, daß sich hier eine besondere Band auf den Weg gemacht hat, denn damals waren eher solche netten Sachen wie METALLICAs »Kill 'em All«- oder EXODUS'ens »Bonded By Blood«-Cover populär. Eine Aufnahme von der Erde von einem Sateliten aus, nahm da unseren Blick ganz gefangen und fesselt ihn auch heute immer noch an sich. Zudem sah das Logo an sich schon mal spitze aus und war dann so gemalt, daß es aussah, als ob es aus reinem Silber wäre. John Cyriis machte in Interviews bereits Andeutungen über ein Konzept, das sich über fünf Platten von AGENT STEEL hinweg erstrecken sollte, aber er gab nie den ganzen Hintergrund preis. Bekanntlich war John von jeder Art übernatürlicher Phänomene fasziniert, was sich an seinen Texten und auch an den Photos von Wunderwerken vergangener Kulturen in der Collage im Innencover zeigt. Die erste Seite stellte das komplette zweite Demo dar, nur daß die Songs noch mal schärfer rüberkamen und natürlich auch soundmäßig besser waren, obwohl »Sceptic Apocalypse« in dieser Beziehung nicht besonders viel her machte und besonders die Snare sehr seltsam klang. Das konnte jedoch den überragenden Stücken nicht einen Funken ihres Reizes nehmen, zumal ich mich bei der hohen Frequenz, in der ich »Sceptics Apocalypse« durch meine Anlagen jagte, schnell an den Sound gewöhnte und mir heute gar keinen anderen Klangcharakter mehr zu der Platte vorstellen könnte. Die zweite Seite eröffnet dann mit ›Children Of The Sun‹, dem dann der Song folgt, den man ebenso schon aus SCEPTRE-Zeiten kannte und der vielleicht der AGENT STEEL-Klassiker schlechthin ist - ›144,000 Gone‹. Doch auch der Abschluß mit ›Guilty As Charged‹ und ›Back To Reign‹ war oberamtlich und beschloß eine Platte, die bei mir in der Riege der Metalklassiker ganz weit oben ihren Platz gebucht hat. Nach der ersten Platte ging's dann nach Deutschland auf Tour, wo man bei der ersten "Metal Hammer Roadshow" zusammen mit ANTHRAX und OVERKILL zeigte, wie man perfekten Metal spielt, und ich rege mich heute noch infernalisch auf, daß ich kein einziges Konzert dieser Tour sehen konnte.

AGENT STEEL-Cover: »Mad Locust Rising«

Bei AGENT STEEL war das Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel sehr populär. Bis zur »Mad Locust Rising«-Mini-LP, die noch im gleichen Jahr erschien, waren schon Basser George Robb und Gitarrist Kurt Kilfelt (auf der AGENT STEEL-LP leicht falsch geschrieben) ausgestiegen. Kurt gründete zusammen mit ehemaligen Musikern von THRUST, DARK ANGEL und BLACK WIDOW die Band HOLY TERROR, die ein schweinegeiles Demo, sowie ein gute Platte namens »Terror & Submission« hinlegte, mit dem Nachfolger »Holy Wars« aber total abkackte und sich schließlich auflöste. »Mad Locust Rising« war eigentlich nur eine Überbrückung zur zweiten LP, die aber thematisch an dem begonnenen Strang weiterflocht. Coverthematisch nahm man wieder Bezug auf das Debut und sah erneut die Erde, diesesmal allerdings als Gemälde, über der gerade ein Schwarm Heuschrecken ausströmt, womit wir auch die Connection zum Titel der Scheibe, sowie dem Titel des Intros ›The Swarm Is Upon Us‹ hergestellt hätten. Auch das Logo gab sich ganz traditionsbewußt, von der silbrigen Version ging's genauso kostspielig in ein Design, das diamanten aussah, über. Zwei eigene Songs und das wirklich exzellente PRIEST-Cover ›The Ripper‹ bildeten den Inhalt der Mini-LP, die mit ›The Day At Guyana‹ ihren Abschluß und Ausklang fand. Dieses Wort ist sehr wörtlich zu nehmen, denn ›The Day At Guyana‹ erklang nur für ein paar Riffkombinationen, um dann wegzufaden und den Hörer ganz geil auf die nächste Platte zu machen.

AGENT STEEL-Cover: »Unstoppable Force«

Diese war nämlich »Unstoppable Force«, auf welcher sich ›The Day At Guyana‹ wieder reinblendet und vollendet. Ansonsten hatte sich für »Unstoppable Force« überraschenderweise kein Line-up-Wechsel vollzogen, und die Band war besser aufeinander eingespielt als je zuvor. Und so bot man mit »Unstoppable Force« eine orgastische Leistung, die von Powerballade (›Chosen To Stay‹) über Gänsehautballade (›Traveler‹), von reißendem Speed (›Rager‹) über beruhigteren Speed (›Unstoppable Force‹), von treibendem Heavy (›Nothin' Left‹) bis rhythmischem Heavy (›Indestructive‹), kurz, einfach rundum übermenschliche Leistungen bietet. Das Cover enthielt wieder ein göttliches neues Design des AGENT STEEL Logos, das hier wirkt, als sei es massiv Gold - Ihr merkt, ich bin einfach Logo-Fetischist, aber andererseits muß man diese Art des Stylings des Logos auch als eine klare Linie sehen, die die drei AGENT STEEL-Vinyloutputs klar miteinander verbindet. Auch hatte John Cyriis in Interviews nicht zu viel versprochen, als er für »Unstoppable Force« "the most outrageous cover you've ever seen" ankündigte. Das Motiv sieht wirklich phantastisch und rätselhaft aus, so daß es also hundertpro zu AGENT STEEL paßte. Laut John soll dieses Photo eine Unterwasseraufnahme, die an der Stelle gemacht wurde, wo man Atlantis vermutet, sein. Sein Lieblingsthema prägte also voll das Erscheinungsbild von AGENT STEEL, und so läßt sich dann auch erklären, daß AGENT STEEL mit seiner Person stand und fiel. Daher lösten sich AGENT STEEL auch irgendwann kurz nach der "Road To Atlantis"-Tour auf, da John irgendwie in einer Krise zu stecken schien.

Hier soll sich nun ein Punkt anschließen, der sehr wichtig für AGENT STEEL war - der Leadsänger John Cyriis. Seine Person war immer sehr umstritten, und teilweise wurde verdammt wüst über ihn hergezogen! Da ich John nie persönlich kennengelernt habe, werde und darf ich mir kein Urteil über seine Person und seinen Charakter anmaßen, sondern kann nur etwas über seine musikalischen Leistungen sagen. Andererseits wäre es noch nicht mal allzu verwunderlich, wenn ein solches Stimmwunder wirklich begonnen hätte abzuheben. Es war durch die Jahrhunderte hinweg bei vielen überragenden Talenten der kreativen Schiene jeder Form zu beobachten, daß sie den Bezug zur Realität verloren hatten, und für mich ist John Cyriis ein Mann mit solchen Qualitäten! Daß er einer der besten Metalsänger aller Zeiten ist, darüber kann überhaupt kein Zweifel bestehen und daß er ebenso ein Exzentriker war, läßt sich anhand seiner Faibles und seines Konzeptes, das er für AGENT STEEL entwickelt hatte, auch vermuten. Schade nur, daß man dieses Konzept, in das man leider nur Einblick erhielt, nie in seiner ganzen Pracht erleben durfte. Das ist etwas, was ich zutiefst bedauere, aber andererseits, so erhält das musikalische Schaffen von AGENT STEEL, das in Form von ›Traveler‹, einem der ergreifendsten Stücke der ganzen Musikgeschichte, auf »Unstoppable Force« einen abrupten Schlußpunkt findet, etwas einen Flair wie Beethovens Unvollendete.

Sehr bedauerlich ist die Tatsache, daß die einzelnen Bandmembers nach AGENT STEEL nichts Großartiges zustandebrachten, wo sie in Symbiose doch Weltklasseleistung en masse vollbrachten. Wie bereits erwähnt, ging Kurt Kilfelts HOLY TERROR nach furiosem Start schnell die Luft aus. Auch der neuen Band von George Robb, deren Name mir einfach nicht mehr einfallen will, konnte nicht weiter von sich reden machen. Lediglich Juan Garcia ist heute noch mit EVILDEAD aktiv, allerdings ist man nach einem zwar sehr guten Demo im Vinylzeitalter nicht mehr besonders stark zu bewerten. Um John Cyriis rankten sich sich in der Folgezeit Gerüchte, über deren Zuverlässigkeit man sehr zweifeln kann. Sicher jedoch ist, daß er bei einer Band namens PONTIUS PROPHET ein Demo einsang, um sich dann wieder zurückzuziehen. Es folgte noch ein kurzes Intermezzo mit einer Band namens BLACK RAIN, aber mittlerweile ist davon auszugehen, daß einer der Besten endgültig abgetreten ist.

AGENT STEEL

Demo- und Discographie

1-Song-Demo1984

4-Song-Demo1984

Skeptics Apocalypse [LP]1985

Mad Locust Rising [EP]1985

Unstoppable Force [LP & CD]1986

Stand: April 1992


Stefan Glas


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