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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  VIGILANTE (US, TX)/HELSTAR-Interview

Date:  21.01.1993 (created), 03.12.2021 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Dieses Interview ist auch aufgrund der Tatsache außergewöhnlich, daß es HELSTAR an einem weiteren Wendepunkt ihrer Karriere zeigt: Als UNDERGROUND EMPIRE 7 erschien, waren VIGILANTE im Grunde schon wieder Geschichte und stattdessen HELSTAR wieder angesagt. Die Story mit David Ellefson fand dabei seine Fortsetzung, denn er produzierte das nachfolgende HELSTAR-Album »Multiples Of Black« - was aber sicherlich nicht zum Vorteil der Platte war, denn miese Sound ist einer der Gründe, warum dieses Album von 1995 den Tiefpunkt in der Discographie der Band darstellt.

Der textliche Inhalt verdiente natürlich auch ein schickes Layout. Die Band hatte mit den vier erstklassigen Einzelshots schon mal ordentlich vorgebaut, so daß für jede der vier Seiten eine Photo vorhanden war. Auch das offizielle Promophoto, das die Band noch als Quintett zeigte, hatten wir damals verzichtet, was sicherlich auch daran lag, daß das Original so groß war, daß es nur gefaltet verschickt werden konnte. Heute haben wir den Knick wegretouchiert und als Aufmacher der Story hinzugefügt.

Alle Seiten waren grau unterlegt, wobei der Farbton auf jeder Seite etwas dunkler war, so daß auf Seite 3 und 4 die Schrift weiß war. Auf beiden Doppelseiten lief der Interviewtitel "From The Remnants Of Helstar - Vigilante Out To Even The Score" wie eine Banderole durch die Seitenmitte, auf der zweiten Deppelseite spiegelverkehrt abgedruckt.

Auf der erste Seite war im oberen Teil rechts das VIGILANTE-Logo, um 45 Grad gedreht, als weiteres, etwas dunkleres Element in den Hintergrund eingebettet, im unteren Teil war dann zweispaltig das Photo von James Rivera zu sehen.

Auf der zweiten Seite erfolgte dann das gleiche Spiel - allerdings leicht verändert: Hier war links das HELSTAR-Logo zu sehen - nun etwas heller als der Hintergrund und in gegensätzliche Richtung gedreht. Darunter befand sich dann das Bild des VIGILANTE-Gitarrenhelden.

Auf der zweiten Doppelseite wurde das Spielchen wiederholt - nur eben etwas dunkler eben.

Was allerdings nicht so gut geklappt hatte, war das Konzept, besagtes Σ - das griechische Sigma eben - auch im Text so erscheinen zu lassen. Dadurch, daß wir aber für alle Bandnamen eine relativ fetten Schrift namens Chalk gewählt hatte, harmonierte das Σ in der normalen Schrift nicht sonderlich gut damit. Daher haben wir dieses Spielchen hier auch unterlassen, obwohl es in Kombination mit der normalen Schrift deutlich besser aussieht, wie man hier begutachten kann: VIGILANTΣ.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

VIGILANTE [US, TX]-Logo HELSTAR-Logo

VIGILANTE (US, TX)-Bandphoto

Ich bin mir sicher, daß Eure Augen auch heute noch bei dem Namen HELSTAR aufleuchten und Ihr sofort an die unübertrefflichen musikalischen Meisterleistungen dieser Texas-Combo denken müßt. Wie leider allzu oft zu beobachten, stoßen gerade diese Bands auf taube Ohren. Und so, wie Ihr alle wißt, gehören HELSTAR heute der Vergangenheit an. Doch wer wirklich an seine Musik glaubt, läßt sich trotzdem nicht entmutigen. So entstand aus den Trümmern von HELSTAR eine neue Band mit Namen VIGILANTE. Deren erstes Demo wurde überall begeistert aufgenommen und gerade eben ist das zweite 4-Song-Tape fertiggeworden, wie sich im Verlaufe der nächsten Zeilen herausstellen soll.
Dies war der Punkt, an dem sich UNDERGROUND EMPIRE einfach nicht mehr davor drücken konnte, mit Sänger James Rivera einen echt ausführlichen Talk zu führen - Gesprächsstoff gab es natürlich in schier unendlichen Ausmaßen. So wanderte man erst durch das Museum derer von HELSTAR, um dann Gedanken über den aufgehenden Stern VIGILANTE auszutauschen.
Dieser Rundgang ist zugleich ein Blick auf 24 Stunden im Leben des James Rivera. Wir beginnen im Wohnzimmer, wo er gerade darauf wartet, daß sein Essen auf dem Herd fertigbrutzelt. Während dieser Zeit beantwortet er die ersten Fragen.

VIGILANTE [US, TX]-Bandphoto

Wie schwer war es für Euch, nach vier großartigen Platten wieder ins Demostadium zurückzukehren, also gewissermaßen wieder am Punkt Null als Underground-Band anzufangen.

Es war einerseits sehr schwer und andererseits auch wieder nicht. Als ich mit allem begann, war ich einfach ein Kid, das nichts über das Business wußte. Wir alle wußten nicht viel von diesem Geschäft, und damit hing es zu einem Großteil zusammen, warum HELSTAR nicht so lange Bestand hatten, beziehungsweise warum sie es nicht weiter geschafft haben. Es war psychologisch gesehen sehr schwer, denn ich fragte mich oft, ob dies denn auch das Richtige sei, was ich da tat. Aber gerade dann wurde mir wieder bewußt, daß es das ist, was ich ohnehin unter allen Umständen für immer tun will, egal was ich nebenher tun muß. Ich habe einen Job nebenher, für den ich noch nicht mal meine Wohnung zu verlassen brauche. Ich lebe mit meiner Frau und meinem Kind zusammen. Okay, ich kann mit der Musik nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten, aber ich habe einen Job, meine Frau arbeitet, und so können wir wirklich komfortabel leben. Ich könnte es also sehr schwernehmen und drüber jammern, was ich alles getan habe, nur um im Grunde dort zu landen, wo ich mal begonnen hatte. Aber ich kann mir auch einfach denken, "Was soll's! Vielleicht funktioniert es diesmal!". Und wenn es nicht funktioniert, so ist es immerhin genug, um mich glücklich zu machen, wenn ich in dreißig Jahren mit meinen Enkeln am Tisch sitze.
Du hast recht, wenn Du sagt, daß wir wieder als Underground-Band anfangen mußten. Aber es ist einfach cool, wieder Demos zu verschicken, sich um alles selbst kümmern zu müssen, denn es erinnert mich an die Zeit, als wir mit HELSTAR als Underground-Band starteten. Wir haben dadurch unseren Drive, unseren Jungbrunnen, wieder gefunden. Diesen Drive verliert man irgendwann. Man kann ihn nicht ständig haben, denn dann würde etwas falsch laufen. Wir haben ständig andere Gefühle; andere Gefühle geben uns andere Gedanken, und andere Gedanken geben uns andere Bilder, von dem was wir mit unserem Leben anfangen sollen. Sicher, ich könnte mich endlos bedauern, aber das würde sich in meiner Musik widerspiegeln, und das will ich um nichts in der Welt! Ich will die Sache richtig entspannt angehen, Musik schreiben und spielen! Abgesehen davon mußten VIGILANTE nicht so tief anfangen, wie das damals bei HELSTAR der Fall war. Wir hatten von Anfang an ein Publikum, das sich für VIGILANTE interessierte, aufgrund dessen, was ich mit HELSTAR gemacht hatte. Wir haben hier in Texas schon einiges auf die Beine gestellt. Wir waren mit FATES WARNING auf Tour oder haben gerade zwei Dates mit EXODUS gespielt und spielten während des ganzen Jahres überall in Texas große Headliner-Gigs. Momentan spielt sich zwar alles nur in Texas ab, aber Texas ist so verdammt groß, daß wir ein Jahr lang ununterbrochen touren könnten. Wie auch immer - es macht uns Spaß, denn es ist immer noch unser Traum, der irgendwann mal, als wir in einem Raum zusammensaßen, begann.

Was sind Deiner Meinung nach die Gründe, daß HELSTAR trotz großartiger Kritiken, nie mehr als Achtungserfolge erzielen konnten?

Wie ich eben schon sagte: Wir wußten am Anfang nichts über das Business, und diese Zeit war die Wichtigste. Und wenn man das Boot mal zum Segeln gebracht hat, will man weitersegeln und nicht untergehen, um es mal so auszudrücken. Ein Teil war die Unterstützung durch unser Label. In Europa wurden wir weitaus besser behandelt, aber in Amerika hatten wir Probleme mit beiden Labels, bei denen wir unter Vertrag standen. Ein anderer Punkt war das Management. Wenn wir genügend Bescheid gewußt hätten, hätten wir uns selbst gemanagt, und so hatten wir immer irgendjemand, der nur darauf aus war, uns zu ficken. Wir hatten also nie jemand hinter uns stehen, auf den wir uns verlassen konnten und der uns finanziell Rückendeckung geben konnte, um die Sachen zu finanzieren, die man tun muß, um im Zentrum des öffentlichen Interesses zu bleiben, besonders dann, wenn man bei einem Indie unter Vertrag steht. Bei einem Indie zu sein ist einfach etwas total anderes als bei einem Major zu sein. Bei einem Indie steht man auf einem Level, und dort wird man stehenbleiben, ob man das wahrhaben will oder nicht. Der letzte Grund schließlich waren die Line-up-Wechsel, aber vermutlich kamen die Besetzungswechsel aufgrund all der anderen Probleme. Früher oder später tauchen Probleme auf, und es kann einfach nicht funktionieren, wenn Leute aus ein und der selben Band gegeneinander kämpfen. Weißt Du - einfach all' die Klischees, die man sich vorstellen kann, die eine Band auseinanderreißen können.

Laß' uns nun ganz weit zurückgehen und einige Dinge in Bezug auf HELSTAR klären. Oberflächlich betrachtet hätte man HELSTAR einen satanischen Touch andichten können. Man braucht da nur im Namen ein weiteres "L" einzufügen, sich das Pentagramm, das Ihr im Logo hattet, anzuschauen, bedenken, daß das US-Cover Eures Debut einen Sensenmann zeigte und daß Euer letztes Album »Nosferatu« hieß. Ich kann allerdings nirgends einen Rückhalt für ein satanisches Image finden. Warum also habt Ihr diese Dinge gemacht? Absichtliche Provokation?

Der Name HELSTAR stand bereits fest, bevor ich überhaupt ins Bild kam. HELSTAR war damals noch eine Coverband, und als ich dann dazustieß, kamen wir immer mehr vom Covern ab und begannen nach und nach, das Material für unser erstes Demo zu schreiben. Der Name hatte eigentlich keinerlei Bedeutung; er klang einfach cool. Zu dieser Zeit war das dunkle Image "in" und daher auch gut verkäuflich und kommerziell akzeptiert. HELSTAR klang einfach stark. Wir schrieben dann das Material für »Burning Star« und dessen Aussage bezieht sich auf den zerstörerischen Stern, der vom Himmel fällt, den Willen Gottes erfüllt und die Sünder in die Hölle schickt. Wenn Du darüber nachdenkst - es wird ein wirklich häßlicher, schrecklicher Tag sein, wenn die Apokalypse stattfindet und die Offenbarung aus der Bibel erfüllt wird - hey, ich fange gerade an, wie ein Prediger zu klingen... Wollt Ihr mir nicht etwas Geld schicken..? [lacht] Also, um es kurz zu machen, HELSTAR hatte nie ein satanisches Image, sondern eher im Gegenteil.

VIGILANTE [US, TX]-Singleshot: James Rivera

In diesem Moment klingelt das Telephon, und James sagt nach dem Gespräch, daß er in wenigen Minuten zur Probe muß.

Ich werde hier also aufhören und nach der Probe noch etwas weitermachen. So hast Du die Möglichkeit, einige meiner Stimmungslagen kennenzulernen. Meine Frau sagt immer, ich sei ständig eine andere Person.

»Burning Star« und »Remnants Of War« erschienen bei COMBAT. Anschließend seid Ihr zu METAL BLADE gewechselt. Was waren die Gründe für diesen Schritt? Und weshalb haben Euch METAL BLADE nach »A Distant Thunder« und »Nosferatu« aus den Verträgen entlassen?

Dazu habe ich schon einiges in der ersten Frage gesagt. Als wir bei COMBAT unterschrieben, war es ein ganz neues Label, und wir waren neben THE RODS und TALAS die ersten Signings. Dann begannen sie, Geld zu verdienen, wuchsen immer mehr, und so wurden die frühen Bands auf die Seite geschoben. Wir wurden beispielsweise nie so sehr gepusht wie MEGADETH. Damals wurden wir von Mike Failey von STARSTRUCK PRODUCTIONS gemanagt, der auch Billy Sheehan von TALAS managte. Er managte uns bis nach »Remnants Of War«, und eigentlich war er gar nicht so schlecht, denn wir haben während dieser Zeit einiges getan. Wir tourten mit ANTHRAX und MEGADETH und hatten Opening Gigs für STRYPER, W.A.S.P. oder KEEL. Mike Failey kriegte einen Job bei METAL BLADE und brachte uns zu dem Label. Heute ist er der große Käse bei METAL BLADE. Anyway - er stand dann in einem Interessenkonflikt, und durch seinen Job bei METAL BLADE konnte er uns nicht mehr managen.

Schon das Debut erschien in zwei verschiedenen Covern. Die US-Version enthielt den bereits erwähnten Sensenmann, während die Euro-Version ein Raumschiff zeigte. Gleicher Sachverhalt bei »A Distant Thunder«. Die Ami-Version zeigte zwei Hände aus denen Blitze emporschossen, während auf dem Euro-Cover diese Blitze fehlten. Erläutere das doch bitte mal!

In Amerika erschien »A Distant Thunder« bei METAL BLADE/RESTLESS, doch für die Lizensierung nach Europa waren METAL BLADE/ENIGMA zuständig. Anscheinend wollten ENIGMA und der europäische Vertriebspartner die Blitze nicht, was aber nichts mit uns zu tun hatte. Das war aber nicht schlimm, denn ich hatte das Cover ohnehin gehaßt. Meinetwegen hätten sie auch einen großen Schwanz draufsetzen können!
Für die nächste Antwort muß ich ins Bad wechseln, denn ich muß mich fertigmachen, Zähne putzen, etc., weil ich gleich zur Probe muß.

Was mich schon immer interessiert hat, seit ich zum ersten Mal »Nosferatu« gehört habe, ist die Bedeutung des Titels ›Von Am Leben Desto Strum‹? Selbst meine gewagtesten Interpretationsversuche konnten diesem Titel kein Leben einhauchen! Was bitte soll das heißen???

Darf ich ehrlich sein - ich weiß auch nicht, was zur Hölle das bedeuten soll! Unser Bassist Jerry hatte das geschrieben. Laut seiner Aussage und der seiner deutschen Freundin sollte es "from above the storm" bedeuten (Aha...!?! - Red.). Ich bin aber komplett unschuldig!

HELSTAR wurden von einigen recht bekannten Namen der Szene produziert, wie beispielsweise Carl Canedy oder Randy Burns. Erzähl' doch mal was über die Zusammenarbeit mit diesen Leuten!

In puncto Zusammenarbeit bevorzugte ich Bill Metroyer, denn er ließ die Dinge so stehen, wie wir sie zu ihm brachten. Es war wirklich gut und einfach, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er tat zwar überall seine Meinung kund, aber versuchte nie, uns dazu zu zwingen, unsere Meinung nach seiner Idee zu verändern. Carl Canedy war ein wirklich netter Kerl. Wir besuchten ihn mehrfach zu Hause, er engagierte mich für das THRASHER-Projekt, und er war ein guter Freund. Aber Carl war eben Drummer, und so hatten auf »Burning Star« die Drums zwar einen Killersound, aber der Rest war sehr ärmlich produziert. Randy Burns haben wir eigentlich nicht richtig kennengelernt. Man konnte gut mit ihm arbeiten, er brachte gute Ideen auf und er hat uns auch einige Gefallen getan, indem er beispielsweise während der Aufnahmephase einige Gigs in L.A. verschaffte, aber es hat sich keine richtige Beziehung ausgebildet.

Auf Eurem letzten HELSTAR-Demo von 1990 waren auf der zweiten Auflage zwei Livesongs zu hören, die von einem Gig in Houston aus dem Jahre 1983 stammen. Warum ausgerechnet Songs von einem Konzert, bei dem nur ein Musiker mitgespielt hat, der auch noch dieses Demo mitaufgenommen hat, Larry Barragan nämlich. Und warum habt Ihr das UFO-Cover ›Lights Out‹ ausgewählt statt eines eigenen Songs. Ich habe das Livetape komplett, und so weiß ich, daß da noch eine Menge anderer Songs gewesen wären, die sich besser geeignet hätten!

Mit diesen Livestücken hatten wir nichts zu tun. Ich vermute, daß Oliver Jung, der das Demo vertrieben hat, das getan hat. Um ehrlich zu sein, ich war mir nicht bewußt, daß es ein Demo mit Livetracks gab. Das war also gerade eben eine Neuigkeit für mich.

Was gab Dir die Kraft, nach der Auflösung von HELSTAR trotz allem wieder neu zu starten? Ich kann mir da eigentlich nur ein Motiv vorstellen: die Liebe zur Musik!

Ja, Stefan, es muß die Liebe zur Musik sein! Wie ich schon sagte - man weiß nie, was passieren wird! Ich werde immer weiter versuchen, es mit der Musik zu schaffen. Wenn das aber nicht eintreten wird, so werde ich mir deswegen keine grauen Haare wachsen lassen. Wie ich bereits erwähnte, habe ich ein zweites Leben, das von der Musik getrennt ist. Das bedeutet nicht, daß Musik für mich zweitrangig geworden ist, sondern ich habe einfach eingesehen, daß nur ganz, ganz wenige Leute es schaffen, mit der Musik groß zu werden. Es ist eine winzige Chance und hat rein gar nichts damit zu tun, ob man gut ist oder nicht, sondern man muß einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz sein. Es kann nur die Liebe zur Musik sein. Es gibt nur noch einen weiteren Punkt, den ich mir vorstellen kann. Es wäre so ungefähr, wie wenn ich ein Universitätsstudium ein Jahr vor dem Abschluß abbrechen würde, nur weil ich mir nicht zutraue, das letzte Jahr zu bewältigen. So fühle ich mich auch im Zusammenhang mit der Musik. Ich spüre, daß ich, wenn ich aufhöre, nie herausfinden werde, was alles auf mich wartet, und es gibt keinen Grund, der mich davon abhalten könnte, immer weiterzumachen, außer vielleicht, wenn ich eines Tages zu alt bin, um mich vorwärtszubewegen. Ich kann einfach nicht aufhören. Ich werde immer Musik machen, ganz gleich ob sie eine wichtige Rolle in meinem Leben spielt oder nicht! Vielleicht werde ich als Sechzigjähriger in Las Vegas Neil Diamond-Coversongs singen... So, und jetzt gehe ich schlafen!
Okay, hier bin ich wieder, ein Tag später. Es ist Mittagszeit, und ich füttere gerade meinen Sohn Jacob Malakai Rivera, und er fragt sich gerade, was zur Hölle los ist, denn er hat noch nie gesehen, daß sein Daddy mit einem schwarzen Kasten spricht. Ich werde heute das Interview abschließen. Kommen wir also zur nächsten Frage.

VIGILANTE [US, TX]-Singleshot: Robert Trevino

VIGILANTE bedeutet einen Neubeginn für Dich. VIGILANTE ist der musikalische Erbe von HELSTAR. Was gibt Dir Anlaß zu der Hoffnung, daß es mit VIGILANTE besser laufen wird, als mit HELSTAR? Was wollt Ihr verändern? Musikalisch seid Ihr beispielsweise etwas straighter geworden, so daß die Musik für den Hörer leichter verständlich ist.

Um nochmal kurz zu wiederholen, was ich zuvor gesagt habe: Es wäre natürlich super, mit der Musik groß rauszukommen, aber wie groß ist diese Chance schon? Momentan geht es mir darum, gute Musik zu schrieben und zu sehen, wie sie angenommen wird. Solange ich kreativ sein kann, selbst, wenn es nur für mich allein ist, so ist das erfüllend für mich. Wenn das auch auf andere Leute übergreift, so ist es natürlich noch viel besser. Wie schon gesagt, ein Musiker würde lügen, wenn er behauptet, nicht davon angetan zu sein, ein großer Rockstar zu werden. Wenn man sich aber nur noch auf diesen Gedanken versteift, so ist das absolut falsch. Man sollte alles Tag für Tag so nehmen, wie es kommt. Wenn es passiert, dann passiert es, wenn nicht, dann eben nicht!
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, wenn Du sagst, daß die Musik etwas straighter ist. Die Heavyness jedoch möchte ich beibehalten. Es gibt einen Weg, Songs zu schreiben, die packender sind. Das war etwas, das HELSTAR manchmal fehlte. Wir versuchten, unser musikalisches Potential ganz auszuschöpfen und vergaßen dabei Melodie und gute Refrains. VIGILANTE soll leichter verständlich sein, aber genauso heavy bleiben und auch textlich gleich intelligent ausfallen. Mein Textwriting hat sich von mythischen oder mittelalterlichen Themen wegentwickelt hin zur aktuellen Wirklichkeit. Ich brauche mir nur die Nachrichten anzuschauen, und die erste Meldung gibt einen Song. Die Wirklichkeit hier auf den Straßen ist furchterregender als der Teufel! Ich bin mir keineswegs sicher, daß VIGILANTE besser laufen wird, aber ich glaube, daß die Musik besser verkäuflich ist.

Wie ist das Demo gelaufen? Schließlich gab es viele Leute, die HELSTAR kannten und sicher wissen wollten, wie es nun mit VIGILANTE weitergeht!

Das Demo ist ziemlich gut gelaufen! Laß' es mich doch mal so sagen: Ich habe hier ein Interview von Dir aus Übersee, und das heißt eine Menge für mich! Was Texas betrifft, haben wir, wie schon erwähnt, die Dates mit ANTHRAX, FATES WARNING und EXODUS sowie viele Headliner-Shows gespielt und hatten ohne Probleme mehr oder minder das gleiche Publikum wie mit HELSTAR. Es ist alles eine Frage, wie man sich promotet! Mein Slogan lautet: "From The Remnants Of HELSTAR - VIGILANTE Out To Even The Score"!

Dieser kleine, große Typ auf dem Democover wirkt für mich wie eine Mischung aus Mensch und Maschine! Hat er irgendeine Bedeutung, oder war er nur ein Design, das das Cover des ersten Demos füllen sollte. Andererseits habt Ihr ihn auch für Eure Sweat-Shirts verwendet, so daß ich denke, daß er doch etwas mehr ist!

Yeah, our little dude means something - he's the Vigilante guy! Vigilante ist eine Person, die das Gesetz in seine eigenen Hände nimmt und Verbrechen bekämpft. Er ist ein Emblem für uns, der Dinge für uns korrigiert, von denen wir denken, daß sie korrigiert werden müssen, die Justiz uns dies aber nicht tun läßt. Er könnte möglicherweise ein Teil von allen unseren Plattencovern sein, wenn wir mal unter Vertrag sind. Ein gewisses Konzept - kein weiterer Eddie wie bei IRON MAIDEN ... oder vielleicht auch doch. Es könnte ein Teil von ihm auf allen Covern sein. Einmal nur die Hand, dann ein Fuß und dann mal das Gesicht. Er geht umher und erfüllt, wonach sein Herz sich sehnt. Er sieht die Welt als einen ungerechten Platz, wie wir alle vermutlich, aber er geht einen Schritt weiter und versucht, Dinge zu korrigieren. Ich könnte diese Story immer weiterspinnen, und wir könnten einen Science-Fiction-Film über diesen Typ drehen.

Auf dem '90er Demo von HELSTAR war ein balladesker Song namens ›Changeless Seasons‹, und auf Eurem ersten VIGILANTE-Demo steht der Song ›Changeless Season‹, der aber völlig anders klingt als der Song vom HELSTAR-Demo. Ist ›Changeless Season‹ ein neuer Song oder eine Überarbeitung von ›Changeless Seasons‹?

›Changeless Season‹ ist prinzipiell der gleiche Song wie ›Changeless Seasons‹ wenn man sich die textliche Seite betrachtet. Die Musik der Ballade wurde von Larry Barragan geschrieben, und ich habe den Text dazu verfaßt. Für mich war HELSTAR diese Kombination von James Rivera und Larry Barragan. Als Larry ging, war es einfach nicht mehr HELSTAR; es wäre nahezu blasphemisch gewesen, wenn wir den Namen weiterhin verwendet hätten. Das war dann auch der Grund, die Musik zu verändern. Als Larry den Song geschrieben hatte sagte er zu mir, "Wenn Du einen Text zu der Ballade schreibst, dann schreib über etwas Dramatisches, aber bitte keine dämliche Klischee-Love-Story!". Also schrieb ich den Text anhand einer wahren Begebenheit über jemand, der auf Crack ist. Ich weiß nicht, wie es bei Euch ist, aber hier in Amerika ist Crack wirklich eine fatale Droge, die die meisten Morde und Bandenkriege verursacht, besonders hier in Houston. Deshalb wählte ich auch den Namen VIGILANTE, denn es hat etwas mit dem Leben in einer riesigen Stadt zu tun. Wir könnten heutzutage wirklich einen Mann brauchen, der das Verbrechen bekämpft, ähnlich dem auf unserem Democover. Anyway - der Text beschreibt also, wie es ist, wenn man Crack verfallen ist. Allerdings ist mein Text etwas übersteigert, denn bei mir stirbt diese Person. In Wirklichkeit ist die Person, die mir als Vorlage zu meinem Text diente, nur beinahe gestorben - an einem Herzanfall, was irgendwie verrückt ist. Als er diesen Herzanfall überlebt hatte, merkte er, daß es wirklich eine "changeless season" ist und für ihn nach wie vor nur ein Gedanke existierte: "Wie kann ich mir die nächste Dosis kaufen?", und die Leute sind sogar bereit, dafür zu töten. Der Text war einfach zu gut, um nicht weiterverwendet zu werden. Es war ein wichtiger Song für mich, zu dem ich mir sogar ein Konzept für ein Video zurechtgelegt hatte. Als wir dann die Songs des ersten VIGILANTE-Demos schrieben, sah ich, daß dieser Text auf diesen powervolle Song paßte. Die Stimmung war da und lediglich die Melodie mußte etwas verändert werden.

VIGILANTE [US, TX]-Singleshot: Jerry Abarca

Nun tritt eine Pause ein, und genau 14 Tage und sechs Stunden später schaltet James das Tape wieder ein.

Mann! Eine Menge ist passiert, seit ich zum letzten Mal auf dieses Tape gesprochen habe! Ich muß mich entschuldigen, denn es hat nun alles viel länger gedauert, als ich geplant hatte. Wir hatten große Probleme, das neue Demo zu mischen. Wir haben das Demo hier in Houston aufgenommen, und es stellte sich heraus, daß wir es in Austin mischen mußten, wo wir auch das letzte Demo gemacht hatten. Der Typ, mit dem wir begonnen hatten, die neuen Songs aufzunehmen, hat nicht den Überblick behalten. Er hat verschiedene Sachen auf die gleichen Spuren aufgenommen, und wir hatten massive Schwierigkeiten, das Tape zu mixen. Es ist schwer genug, eine Aufnahme gut zu mischen. Wenn dann aber noch die Spuren kreuz und quer durcheinanderlaufen... Okay, ich lege Dir also eines der hundert Exemplare, die wir ausschließlich für unsere beiden kommenden Gigs auf Tape gezogen haben, bei. Wir werden die Aufnahmen auf CD pressen lassen, was jedoch zwei Monate dauern wird und nicht rechtzeitig genug für diese Gigs ist. Daher also einige Tapekopien. Wir sind ziemlich zufrieden mit den Aufnahmen. Es gibt etliche Dinge, die wir hätten können besser machen, aber sowas passiert immer.
Momentan koche ich Abendessen, und ich komme nun dem Ende des Interview immer näher! Wow, das ist irgendwie verrückt, wie dieses Interview entstanden ist. Du hast mich in total unterschiedlichen Stimmungen und Situationen erlebt. Aber dieses Interview hat sehr viel Spaß gemacht!

In Eurem Logo habt Ihr das "E" durch ein griechisches "Σ" ersetzt. Dieses "Σ" ist bekanntlich das mathematische Symbol für eine Summe. Hattet Ihr irgendeinen Hintergedanken, als Ihr dies gemacht habt? Um auszudrücken, daß VIGILANTE die Zusammenfassung aller Erfahrungen ist, die Du mit HELSTAR gemacht hast.

Nein, Stefan, ich hatte keine Idee, wofür dieses "Σ" steht! Aber jetzt, da Du dies erwähnst, mag ich diese Idee total. Wenn ich das zuvor gewußt hätte, so hätte ich bestimmt gesagt, "Ja, mach' es so, denn VIGILANTE faßt alles zusammen, was ich bislang gemacht habe, und nun bin ich bereit für meine Belohnung!". Ich werde an dieser Idee weiterbrüten, und wenn sich irgendwas mit dieser Idee weiterentwickelt, so werde ich Dir die Credits dafür geben (Danke, Meister! - Red.)! Es war einfach so, daß uns der Künstler, der das Logo entwarf, den Schriftzug so präsentierte und es ist zweifelsohne ein cooles "Σ". Es erinnert mich irgendwie an eine Spinne, oder so!

Tja, so werden durch Zufälle geniale Ideen geboren! Eine weitere Frage, die sich stellt, dreht sich um Kontakte zu Plattenfirmen. Wie stehen die Chancen, daß man VIGILANTE auf Platte und CD hören kann?

Ich mag es nicht, darüber so viel zu sagen. Wir haben Kontakte zu verschiedenen Labels, aber Gespräche sind eben nur Gespräche bis wirklich etwas passiert! Wir hatten mit dem alten Demo vier Firmen angesprochen, und jetzt warten wir ab, bis das Neue fertig ist! Warum soll ich also über wage Möglichkeiten sprechen, die sich vielleicht nie bewahrheiten werden? Wie ich schon sagte - man weiß nie, was passieren wird! Dinge kommen und gehen, und wir wissen nie, was uns als nächstes bevorsteht. Genauso wie Trends ständig wechseln. Momentan existiert dieser Seattle-Boom, und wenn man versucht, sich diesem Trend anzupassen, um Erfolg zu haben, so wird der Trend vorbei sein, bevor man sich dranhängen kann! Aber der echte Heavy Metal ist nie wirklich gestorben. Ich denke, daß es einfach so ist, daß im Heavy Metal in einem Zeitraum von etwa drei Jahren nur ein oder zwei Bands wirklich groß sein können. Früher waren es mehr, aber heute sind es nur noch so wenige! Und die Tatsache, ob man gesignt wird oder nicht, ist so ähnlich wie wenn man eine Münze wirft!
Laß mich dazu eine Geschichte erzählen! Neulich spielten MEGADETH in Houston, und ich ging vor der Show backstage, um Dave "Hi!" zu sagen. Wir hatten 1986 nach »Remnants Of War« mit MEGADETH getourt, und Dave erinnerte sich an mich. Ich gab ihm eine Kopie des ersten Demos, und er gab mir einen Paß, so daß wir uns nach der Show nochmal treffen konnten. Nach der Show hingen wir noch zusammen rum, und da kam der Bassist Dave Ellefson und fragte mich eine Menge über VIGILANTE. Dave Mustaine hatte ihm das Demo gegeben und er fand es sehr gut. Also sagte ich zu ihm, "Wenn Dir das Tape gefallen hat, so wirst Du das neue Demo erst recht lieben!", und gab ihm eine Kopie. Die beiden Mega-Daves wollen nämlich als nächstes Projekt wieder eine Band produzieren, ähnlich wie damals bei SANCTUARY. Die Tatsache, daß ich zuvor in einer Band mit Plattenvertrag war, machte die Sache für ihn noch interessanter, denn dadurch weiß ich viele Dinge, die unerfahrene Bands erst noch lernen müssen. Ich werde ihn demnächst deswegen anrufen. Du siehst, daß dies durch Zufall entstanden ist, und es wird auch Zufall sein, ob sich etwas daraus entwickelt!

VIGILANTE [US, TX]-Singleshot: Russel DeLeon

Der Kreis ist geschlossen! Ich danke James ganz herzlich für seine ausführlichen, interessanten und persönlichen Worte!
Da fast alles gesagt ist, will ich nur noch hinzufügen, daß mittlerweile das Gerücht umgeht, VIGILANTE würden nun doch wieder unter dem Namen HELSTAR firmieren. Zudem war zu hören, daß besagter Kontakt zu Dave & Dave von MEGADETH gefruchtet hat und man dabei ist, gemeinsam im Studio an neuen Aufnahmen zu werkeln. Da ich bislang noch nicht gehört habe, daß die von James erwähnte CD erschienen ist, vermute ich mal, daß sie angesichts dieser Nachrichten nie veröffentlicht werden wird - mein Tape scheint also eine echte Rarität zu werden. Ich wollte James bezüglich dieser Gerüchte um definitive Fakten bitten, was aber daran scheiterte, daß er unter seiner alten Adresse nicht mehr zu erreichen ist und mir seine neue Anschrift nicht bekannt ist. Folglich kann ich Euch zum Abschluß des Interviews auch nicht mit einer Kontaktadresse von VIGILANTE/HELSTAR dienen. Sorry!

https://www.facebook.com/Helstar.Metal

Vorbereitung & Interview:
Jens Simon + Stefan Glas

Bearbeitung:
Stefan Glas

VIGILANTE (US, TX)-Bandphoto

HELSTAR-Logo VIGILANTE [US, TX]-Logo

 

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© 1989-2022 Underground Empire


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