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"Keep It True III"-Festival

Lauda-Königshofen, Tauber-Franken-Halle

06.11.2004

Affenkalt war es an jenem 6. November im Frankenland geworden, was man aber nicht über das Geschehen in der Tauber-Franken-Halle sagen konnte. Denn: Das dritte "Keep It True" war angesagt, bei dem sich die Veranstalter bei der Suche nach metallischen Perlen ein weiteres Mal selbst übertroffen hatten. Und so trug das Festival völlig zurecht den Untertitel "The Return Of Legends" - mit einer schmerzlichen Ausnahme, wie wir im Verlauf der nächsten Zeilen feststellen werden.

REPENT-Liveshot

Das Festival durften REPENT eröffnen, die zudem feiern konnten, daß ihre zweite CD »Disciple Of Decline« just an diesem Tag nach längerem Verweilen in der Warteschleife endlich erschienen war. Daher legten REPENT mit den fürs "Keep It True" schon zur Tradition gewordenen 30 Minuten Verspätung ihren ›Deadly Thrash Attack‹ hin. Zugleich zelebrierten Sänger Serkan Sanli und Gitarrist Philip Rath passend zum Anlaß die Parade der Kultshirts: Der Sangesmann präsentierte stolz ein herrlich verwaschenes HOLY TERROR-Leibchen, während auf der Oberbekleidung seines Bandkollegen an der Sechssaitigen ein giftgrünes HEXX-Logo prangte - und zugleich farblich hervorragend mit dem PSYCHOTIC WALTZ-Aufkleber auf der Klampfe harmonierte. Jenseits jeglicher modischen Aspekte rifften sich REPENT durch einen tighten und mitreißenden Gig und verdeutlichten erneut, daß sie zur deutschen Thrashelite zählen, auch wenn sie dort erfolgstechnisch noch nicht angelangt sind.

METAL INQUISITOR-Liveshot

Von dem leicht neidischen, aber überaus zu seinem Pseudonym passenden Kommentar von Sänger El Rojo: "Was der REPENT-Sänger mattentechnisch vorgelegt hat, war beeindruckend. Dagegen kann ich leider nicht anstinken, aber dafür sind sie rot!", eröffnet, machten METAL INQUISITOR das, was sie live immer tun: Die Menge im Sturm erobern! Der dünne Eindruck, den man 2002 mit dem »The Apparition«-Debut hinterlassen hatte, haben die Jungs aus Koblenz mittels ihrer stets mitreißenden Liveperformance schon zigfach geradegerückt. Und beim "Keep It True III" dokumentierten sie mittels des SWEET SAVAGE-Covers ›Eye Of The Storm‹ aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Jetzt wird es Zeit, daß eine zweite Platte nachgeschoben wird, die der Band wirklich gerecht wird!

ROTTWEILLER-Liveshot

Da METAL INQUISITOR super angekommen waren, konnten ROTTWEILLER nicht verhindern, daß das Festival nun in ein Stimmungsloch rutschte. Die Hauptgründe dafür waren der arg durchwachsene Sound und die Tatsache, daß ROTTWEILLER die statischste Band des Festivals waren. Zwar schaffte es der neue Sänger Martin Morin (Ex-ALCHEMY X), der sich als extremer Kopfstimmenschreihals entpuppte, seinen Vorgänger, den zu METAL CHURCH abgewanderten Ronnie Munroe, durchaus würdig zu ersetzen, aber dennoch stellte der Auftritt der Amitruppe eine Enttäuschung dar. Beim W:O:A 2002 hatte die Band wahrhaftig einen besseren Eindruck hinterlassen.

WITCHFYNDE-Liveshot

Dann folgte der erste NWoBHM-Abgesandte des Tages: WITCHFYNDE. Oder besser gesagt eine der beiden möglichen Hexertruppen; bekanntlich zuckelt nämlich der ehemalige WITCHFYNDE-Sänger Luther Beltz schon seit längerem mit einer eigenen Combo namens WYTCHFYNDE durch die Szene. Doch beim "Keep It True" waren Gitarrist Montalo, Basser Pete Surgey und Drummer Gra Scoresby nebst ihres aktuellen Sängers Harry Harrison anwesend, die von Klassikern wie ›Cloak And Dagger‹ oder ›Leaving Nadir‹ bis hin zu Tracks vom 2001er »The Witching Hour«-Album wie ›The Other Side‹ oder ›Conspiracy‹ über 45 Minuten hinweg die Erwartungen erfüllten. Lediglich optisch machte Sänger Harry mit seinem lilafarbenen Nachthemd einen eher komischen Eindruck, der noch durch die papageienbunte Lederweste verstärkt wurde, die er nach einigen Songs allerdings abstreifte. Auf jeden Fall nimmt man der Band eine glühende Verehrung des Pentagramms, das früher das Image der Band beherrscht hatte, heute nicht mehr ab. Dazu paßte, daß Harry in einen Song die Zeile "Long live Rock'n'Roll" einflickte, denn WITCHFYNDE anno 2004 stehen viel mehr für Rock'n'Roll als Satan'n'Roll... Doch solche Imagefragen außen vor - die Mucker zeigten sich trotz ihres Alters rüstig, wobei Basser Pete sogar mutig die PA erklomm.

SACRED STEEL [D]-Liveshot

Es war jedoch kein Vergleich zu dem, was nun folgte: SACRED STEEL konnten ein wahren Triumphzug feiern! Die deutschen KIT-Besucher zählten die Band sicherlich eher zum "Standardprogramm" des Festivals - vor allem wenn man bedenkt, welche ausgefallenen Namen man heuer serviert bekam - doch für einige Griechen schien förmlich ein Traum wahrgeworden zu sein: Sie waren völlig aus dem Häuschen und standen während der halben Show auf dem Absperrgitter. Dieser Zuspruch animierte Sänger Gerrit dazu, ein besonders fannahes Stage- oder eher Crowdacting an den Tag zu legen: So war der SACRED STEEL-Fronter mehrfach im Photograben oder gleich ganz im Publikum unterwegs, um die metallischen Liebkosungen hautnah zu spüren.

JAGUAR-Liveshot

Man könnte sicherlich die Frage erörtern, warum vor Beginn des JAGUAR-Gigs eine Rolle Toilettenpapier am Mikroständer plaziert wurde, denn akute Diarrhoegefahr bestand bei dem Gig der Briten wahrlich nicht. Die Band um das einzig verbliebene Originalmitglied, Gitarrist Garry Peppard, nutzte ihre einstündige Spielzeit für eine tighte Performance. Überhaupt wirkte er ebenso wie die gesamte Band sehr lebhaft und bedenkt man, daß die erste JAGUAR-Platte auf das Jahr 1982 datiert, sieht Garry verdammt jung aus - was dafür spricht, daß er eine Frischzellenkur hinter sich gebracht hat oder daß JAGUAR damals die erste Boy-, oder eher sogar Baby-Band der Welt waren. Anyway - einzig das Outfit von JAGUAR war zu sehr auf neuzeitlich getrimmt und auch das Fußballdreß von Ajax Amsterdam, das Sänger Jamie Manton trug, war wahrlich nicht traditionsgemäß für eine NWoBHM-Band. Dennoch sahnten die Kätzchen einen hervorragenden Zuspruch seitens des Publikums ab.

TYRANT'S REIGN [US, IL]-Liveshot

Dann war wieder einer jener Momente gekommen, die das "Keep It True" so wertvoll machen, denn die Veranstalter hatten es geschafft, TYRANT'S REIGN zu verpflichten - eine jener Bands, von denen man gedacht hätte, daß sie niemals in Europa auftreten würden. TYRANT'S REIGN sind eine Legende und für ihre '87er »Year Of The Tyrants«-EP zahlen Sammler weit über 100 Euro. Und die Fans, die dem Auftritt zittrig entgegenfieberten, sollten nicht enttäuscht werden, denn die Truppe aus Chicago bot besten Ami-Speed/Thrash direkt aus den vorderen Klassenzimmern der Old School. Zudem bewies sich Randy Barron als agiler und stimmgewaltiger Frontmann, so daß die Tyrannen wahrlich mit eiserner Faust regierten. Einzig die METALLICA-Coverversion ›Welcome Home (Sanitarium)‹ durfte getrost als Zeitverschwendung eingestuft werden - Zeit, die man besser mit mehr TYRANT'S REIGN gefüllt hätte!

STORMWITCH-Liveshot

Danach sollte es eindeutig melodischer und softer, doch genauso traditionell werden: STORMWITCH hatten angekündigt, im Rahmen des "Keep It True" ihre Show aus alten Tagen noch einmal auf die Bühne zu bringen. Folglich kam neben den Titelsongs der beiden letzten Alben schwerpunktmäßig altes Material zu Zuge. Und auch die Show ließ keine Wünsche übrig: Mal bevölkerten Schwertkämpfer oder ein uns nicht unbekannter Mönch und mal bissige Vampire die Bühne - apropos, ein heißer Tip an das holde Blutsaugeropfer: Unter einem transparenten, weißen Nachthemd sieht ein schwarzer Slip nicht allzu doll aus... Zudem gesellte sich Dani von Ligeia als Gastsängerin bei ›Tears By The Firelight‹ zur Band. Man konnte allerdings auch ein neues Showelement beklatschen: Beim Schlußsong ›Walpurgis Night‹ durfte Veranstalter Oli Weinsheimer mit Conan-mäßiger Kraft die Obersturmhexe Andy Mück auf seinen Schultern tragen. Mit Pyros abgerundet waren STORMWITCH beim "Keep It True III" also eine feurige Angelegenheit!

HALLOWS EVE-Liveshot

Dann sollten wir eine neue Auflage des "Alles oder nichts"-Spiels erleben: Für viele ist HALLOWS EVE eine Kultband, doch die Tatsache, daß Sänger Stacy Andersen bei der Reunion nicht mit von der Partie war, ließ dezente Zweifel aufkommen. Und auch daß man Steven Cannon vom VIBRATIONS OF DOOM-Webzine, der ein ergebener HALLOWS EVE-Fan war und zwischenzeitlich die Vocals übernommen hatte, wieder in die Wüste geschickt hatte, war nicht gerade ein Grund, zuversichtlicher zu werden. Doch was sich letztendlich abspielen sollte, konnte man wahrlich nicht vorhersehen. Denn: Es sollte noch weniger als nichts werden; eine pure Katastrophe, der absolute Abgesang. Nicht nur, daß Stacys markanter Gesang fehlte, die "Ersatzvocals", die sich Gitarrist Skully (aka Skellator) und Basser Tommy Stewart teilten, waren rattenmiserabel. Darüber hinaus spielte die Band so unglaublich schlecht, daß man quasi keinen einzigen Song erkennen konnte. Einzig eine Handvoll, offenkundig mit völliger Taubheit geschlagene KITlinge feierten die Band kompromißlos ab, während dem Rest der Anwesenden das Entsetzen förmlich ins Gesicht gemeißelt war. Zumindest wissen wir jetzt Bescheid: Diese Truppe ist so mausetot wie Skully und Skellator zusammen aussehen und man kann den Namen HALLOWS EVE getrost auf ewig six feet under legen...

HELSTAR-Liveshot

Der Headliner des "Keep It True III" öffnete ein neues Kapitel im selbstangezettelten Namensverwirrspiel: Schließlich hatte HELSTAR-Fronter James Rivera just unter dem Namen DISTANT THUNDER eine neue Platte namens »Welcome The End« veröffentlicht, die originalgetreu nach HELSTAR tönt. Die Europashows der DISTANT THUNDER-Besetzung fanden jedoch unter dem Namen HELSTAR statt, wobei man neben dem alten Material auch zwei DISTANT THUNDER-Nummern spielte - und zudem ein Teil der DISTANT THUNDER-Musiker kurz vor dem Eurotrip ausgestiegen war. Siehe hierzu auch unsere News, gegenüber der sich allerdings doch nochmal ein Wechsel auf dem Drumhocker ergeben hat, denn anstelle von Rick Ward ist Mike Lewis zum KIT angereist. Es wäre einfach sinnvoll, daß James sich uneingeschränkt zu dem alten Bandnamen bekennt. Denn: Letztendlich ist James Rivera HELSTAR! Und das sollte er im Verlaufe des KIT-Gigs beweisen: James hat nichts von seinem Charisma als Frontmann verloren und seine Stimme scheint mit den Jahren immer besser zu werden. Daß er sich zudem auf eine supertighte Band verlassen kann, machte den Auftritt zu einer sicheren Nummer. Und so war für alle Anwesenden pures Schwelgen bei dieser Reise durch die Historie von HELSTAR angesagt. Erholsam waren darüber hinaus die immer wieder vorzufindenden, HELSTAR-typischen balladesken Parts, die dem ansonsten recht heftigen fast 15-stündigen Tages- und Nachtprogramm ein wenig Abwechslung verliehen. Zum Glück gibt es eben noch Musiker, auf die man sich verlassen kann und James Rivera gehört einfach dazu! Das hatten wir uns nach dem HALLOWS EVE-Fiasko wahrlich verdient!

DESTINATION'S CALLING-Liveshot

Hatte in Form von REPENT schon ein hoffnungsvoller deutscher Nachwuchsact den KIT-Reigen eröffnet, durften DESTINATION'S CALLING den Sack zumachen. Allerdings dauerte die Umbaupause viel zu lange, so daß angesichts der späten Uhrzeit - immerhin war die Geisterstunde schon längst vorbei - der Großteil der Zuschauer die Heimreise angetreten hatte. Vielleicht hätten DESTINATION'S CALLING sie zum Verweilen bewegen können, wenn sie nur wenige Minuten nach Ende des HELSTAR-Gigs mit einem akustischen Lockmittel zur Stelle gewesen wären. Darüber hinaus machte die Truppe den Fehler, den Gig mit zwei nicht gerade griffigen Stücken zu eröffnen, während man seine beiden besten und hymnenhaftesten Songs ›Turning Away‹ und vor allem ›Destinations Calling‹ an das Ende der Show gepackt hatten. Als DESTINATION'S CALLING also endlich zu Hochform aufliefen, war nahezu ausschließlich der bandeigene Fanclub anwesend. Ergo: Trotz eines guten Gigs letztendlich also eine verschenkte Chance.

So endete mitten in der Nacht das dritte "Keep It True", so daß wir ab sofort der vierten Auflage des Festival entgegenfiebern werden. Denn am 2. April 2005 werden solche Hochkaräter wie AGENT STEEL, SATAN, THUNDER RIDER, TORCH oder DEADLY BLESSING garantiert keinen verspäteten Aprilscherz abliefern...


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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