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  UE-Home → History → Underground Empire 7 → Interview-Übersicht → MAPLE CROSS-Interview last update: 05.12.2022, 18:29:05  

”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  MAPLE CROSS-Interview

Date:  22.03.1994 (created), 30.11.2021 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Das MAPLE CROSS-Interview gehörte zu jenen Stories, die mit Farbe verziert wurden. Hier hatten wir das oben zunächst die Outline um die Buchstaben eingefärbt: So war ganz links zunächst das Wort "MAPLE" zu sehen, dann kam die Einleitung und darunter das Wort "CROSS". Rechts daneben war das Bandphoto zu sehen, das sich über die Breite der beiden anderen Spalten erstreckte. Zusätzlich war jene Logovariante, die wir hier verwendet haben, komplett in Farbe hinter den Text gelegt worden.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

MAPLE CROSS-Logo

Vier Amerikaner namens KISS verkündeten vor vielen Jahren mal wenig bibelfest, daß Gott am achten Tag den Rock'n'Roll erschaffen hätte. Die Finnen MAPLE CROSS beschäftigen sich auf ihrer selbstfinanzierten LP ebenfalls mit jenem Achten Tag der Schöpfung. Was laut ihrer Weissagung an diesem Tag passieren soll, machen sie jedoch nicht so recht deutlich. Ein Interview soll mehr Klarheit schaffen!

MAPLE CROSS-Bandphoto 1

Jungs, Eure Musik ist echt fucking crazy! Seid Ihr genauso drauf?

Wir sind eigentlich sehr unterschiedlich! Nico ist ein dunkler Typ. Er mag alles, was schwarz und düster ist. Er wurde am dunkelsten Tag des Jahres geboren. Ich selbst, Marco, bin ein sportlicher Typ, spiele Eishockey und komme immer etwas zu spät, habe es aber auch nie eilig. Ville ist Student, und Musik ist sein ein und alles. Marko ist ein arbeitsloser Friseur, und daher macht er zur Zeit ausschließlich Musik, und außerdem schreibt er für das Soloprojekt eines Freundes einige Texte. Ilkka ist auch arbeitslos und erledigt unsere ganze Post und gibt ein kleines lokales Szeneblatt heraus. Wir sind irgendwie total verrückt und machen ausgeflippte Sachen. Zum Beispiel haben wir uns mal wie total verwahrloste Gestalten angezogen und die Leute auf den Straßen erschreckt. Prinzipiell sind wir aber einfach junge Leute, die ihre eigenen Sachen machen und ihre Musik spielen!

Laß' uns doch nochmal auf die Demoära zurückblicken. Leider kenne ich nur Euer »The Fourth And Last Demo«. Bei diesem hattet Ihr schon mit dem Titel deutlich gemacht, daß die Demoperiode für Euch zu Ende ist. Sollte das Coverfoto von einem Sonnenuntergang dieses Vorhaben symbolisch unterstreichen?

Das Cover ist sehr wohl symbolisch zu sehen. Als wir »The Fourth And Last Demo« aufnahmen, war es schon klar, daß als nächstes eine Platte folgen würde, wir hatten nur noch niemanden, der uns die Platte finanzieren wollte. Also checkten wir alle interessierten Labels ab, aber es stellte sich heraus, daß es am besten sein würde, wenn wir die Platte in Eigenregie veröffentlichen würden. So war das Cover symbolhaft, hatte aber noch die zusätzliche Dimension, daß das Stück ›The First And Last Town‹, welches auf dem Demo zu finden ist, von den Menschen der Sonne, den Inkas, handelt.

Alle Songs des »The Fourth And Last Demo« sind auch auf Eurer »The Eighth Day Of Creation«-LP zu finden. Wie sieht es mit den anderen Stücken der LP aus? Stammen sie von älteren Demos oder sind es neuere Stücke?

Neben den Stücken von »The Fourth And Last Demo« befindet sich noch der Titelsong unseres dritten Demos »Sacrificed Humanity« auf der Platte. Die anderen vier Stücke waren neu und wurden speziell für die Platte geschrieben. Wir haben die alten Stücke aber nochmal überarbeitet und verbessert, bevor wir sie für die Platte aufnahmen. Wir wollten die alten Stücke nicht außer acht lassen, denn wir sind überzeugt, daß sie wirklich gut sind.

Welche Bedeutung hat der Titel Eurer Platte für Euch?

Der Song ›Something To Believe In‹ enthält die Zeile, "To the eighth day of creation", und wir dachten, daß dies ein guter Titel für die Platte sei. Der Song an sich sagt aus, daß der Mensch sich auf Gott verläßt, wenn es ihm schlecht geht, wenn jedoch alles gut läuft, er sich auf die Segnungen der Technik verläßt. Wir selbst glauben an die Urknalltheorie und vertrauen auf die Technik und ihre Entwicklungen. Wir halten es für Unsinn, daß irgendeine Macht, die Welt so erschaffen, wie sie existiert.

Auf Eurem Cover sind viele Details zu entdecken. Zentral sieht man eine Explosion, am Rand stehen einerseits mittelalterliche Konstruktionszeichnungen, andererseits Entwicklungen der modernen Technologie, und im Vordergrund sieht man einen Mann, der sich die Hände vor's Gesicht schlägt, so daß er nicht sehen muß, was um ihn herum geschieht. Was ist die Aussage, die hinter dem allen steckt? Ist das Eure Vision, von dem, was am Achten Tag passieren wird?
Dazu möchte ich gleich anschließen, daß man auf den Flyern, die Ihr zu »The Eighth Day Of Creation« verbreitet hattet, eine chemische Strukturformel sah. Ich vermute, daß dies ein weiteres Stück des gesamten Konzeptes ist, das auf mich den Eindruck macht, als hättet Ihr die technische Entwicklung in Verbindung mit der Unfähigkeit des Menschen damit umzugehen zum Thema!

Es ist toll, daß es jemand gibt, der sich die Mühe gemacht hat, das Cover genau anzuschauen und seine Bedeutung richtig analysiert hat. Das Cover basiert auf unseren Texten. In der Mitte sieht man den Achten Tag der Schöpfung, den Tag der Zerstörung. Links sieht man Dinge, die der Mensch vor vielen hundert Jahren erfunden hat und rechts dagegen moderne Technik. Der Mann im Vordergrund symbolisiert die Verleugnungshaltung der Menschheit angesichts der Tatsache, daß er sich selbst zerstört. Er will den technischen Fortschritt um jeden Preis, während er andererseits die Natur braucht. Im Endergebnis läuft die Aussage auf den Punkt hinaus, daß wir nicht bemerken, wie wir, im Grunde nur des Geldes wegen, diesen Planeten und damit uns selbst zerstören, und daß wir es erst feststellen werden, wenn es schon zu spät ist.
Der Flyer entstand eigentlich in großer Eile, weil wir so schnell wie möglich die Nachricht über die Veröffentlichung unserer Platte verbreiten wollten. Die chemische Strukturformel basiert ebenfalls auf unseren Texten, in denen oft solche Themen wie DNA und Genetik angeschnitten werden. Wichtig war uns auch, daß der Flyer anders aussah, als die meisten Flyer, die man so in die Finger kriegt. Damals dachten wir eigentlich gar nicht so viel über diese Strukturformel nach, weil alles so schnell passieren mußte. Aber rückblickend muß man sagen, daß es in das Konzept reinpaßt.
Es ist gut, daß sich Wissenschaft und Technik entwickeln, aber wenn dies zu weit führt, wird es Probleme mit sich bringen. Als Beispiel möchte ich da nur die Atomtechnologie nennen. Als man entdeckte, wie man Atome spalten kann, war das gut und brachte viele Möglichkeiten mit sich. Andererseits wurde dadurch auch die Atombombe entwickelt, und so haben wir heute so viele nukleare Waffen, daß wir diesen wunderschönen Planeten etwa zehnmal in die Luft sprengen könnten (Wenn ich recht informiert bin, reicht es sogar für den vierzigfachen Overkill! - Red.)!

»The Eighth Day Of Creation« ist schon weit über ein Jahr alt. Was habt Ihr als nächstes zu bieten? Besteht Interesse seitens von Plattenfirmen? Würdet Ihr die nächste Platte auch wieder in Eigenregie veröffentlichen, wenn Ihr nicht gesignt werdet?

Bislang haben wir 40 oder 50 Platten an Labels geschickt und haben bislang erst zwei Antworten erhalten, die beide von Death Metal-Labels kamen und die verständlicherweise meinten, sie würden nur Death Metal-Bands unter Vertrag nehmen. Aber ich glaube, daß es ein Label gibt, das uns für einen interessanten Act hält. Wir wissen, daß die Situation im Musikbusiness hart ist und die Label mehr nach kommerziellen Bands suchen. Obwohl wir selbst von großen Magazinen gute Resonanzen erhielten, sehen die Plattenfirmen in unserer Musik wohl ein Risiko, da sie originell und anders ist.

Wie sieht es eigentlich finanziell bei »The Eighth Day Of Creation« aus? Ich kann mir vorstellen, daß es ein echtes Problem darstellt, daß Ihr das Teil nur auf Vinyl veröffentlicht habt. Bekanntlich werden mittlerweile viel mehr CDs als Platten verkauft.

Es sieht zwar so aus, daß wir mit »The Eighth Day Of Creation« keinen Profit machen werden, aber es hat uns geholfen, mehr Promotion zu kriegen und einen Schritt nach vorne zu tun. Auf jeden Fall haben wir mit der Platte deutlich unterstrichen, daß wir es mit der Musik ernstmeinen. Als wir uns entschieden, »The Eighth Day Of Creation« auf Vinyl pressen zu lassen, wußten wir, daß CDs populärer sind, aber wir hielten LPs dennoch für eine bessere Idee, da eigentlich jeder einen Plattenspieler hat, während viele Leute immer noch keinen CD-Player haben. Außerdem wären die vielen Details des Covers in CD-Format überhaupt nicht rübergekommen. Sollte es aber jemand geben, der unsere Platte auch auf CD veröffentlichen will, würden wir dem sofort zustimmen.

Erzählt uns doch mal etwas zu Euren neuen Stücken! Klingen sie genau so verrückt wie die alten Songs?

Wir haben neun neue Songs, und sie sind verrückter denn je! Sie haben mehr Power, sind thrashiger, sind melodischer, sind poppiger... Wir haben ganz verschiedene Stile kombiniert und sind ganz anders vorgegangen als zuvor. Es ist eine natürliche Weiterentwicklung, ohne die jede Band sofort aufhören könnte. Die Texte sind zum Beispiel verrückte Geschichten, die uns irgendwann mal passiert sind oder einfach witzige Texte. Ja, ich glaube, unsere neuen Songs sind kränker denn je!

Nach welchen Prinzipien wählt Ihr eigentlich diese ganzen "exotischen" Instrumente wie Mundharmonika oder Saxophon aus und werden solche für Metal ungewöhnlichen Instrumente auch in Zukunft in Euren Songs Verwendung finden?

Oh ja, solche Instrumente werden wir sogar verstärkt benutzen! Wir machen die Musik mit dem Herzen, und wenn wir das Gefühl haben, daß in einen Song ein solches Instrument paßt und cool klingt, so werden wir es einsetzen! Wir mögen den Klang dieser Instrumente, und ich denke, sie passen sehr gut zu Metal-Musik. Es ist schwer zu glauben, daß andere Bands das nicht schon mal zuvor versucht haben.

Erzähl' uns doch mal etwas von der finnischen Szene!

Bekanntlich gibt es auch in Finnland tausende Death Metal-Bands und viele davon sind einfach scheiße, aber einige sind wirklich gut. SENTENCED sind diejenigen, die uns mit am besten gefallen. Eigentlich muß man sagen, daß wir auch von Deat- Freaks hier toleriert werden. Es gibt aber auch einige gute Bands hier, die keinen Death Metal spielen, wie beispielsweise INSOMNIA, die sehr originellen Thrash spielen, OMNITRON, die schon etwas bekannter sind, allerdings aus Schweden stammen, WALTARI, die sehr verrückte originelle Musik machen oder auch FAFF-BEY, die aggressiven, originellen Metal spielen, für den mir absolut kein Name einfällt.

Derzeit freakt alle Welt auf diese ausgeflippte, Seattle-o-ide Musik weg. Ihr macht auch einen ziemlich ausgeflippten Sound, und eigentlich würde ich Euch gute Chancen zugestehen, aber Ihr sitzt da in Finnland am Ende der Welt. Wer soll Euch denn da entdecken?

Wir müssen sagen, daß wir froh sind, nicht aus Seattle zu stammen, auch wenn wir dann vielleicht schon einen Plattenvertrag hätten. Dieser Seattle-Trend wurde von Plattenfirmen gezüchtet, und spätestens in ein paar Jahren wird das alles vergessen sein. Andererseits ist es hier in Finnland nicht einfach. Es gibt niemand, der die Szene hier kennt, und es ist schwer, hier rauszukommen und einen Plattenvertrag im Ausland zu erhalten. Wir probieren schon seit Jahren, einen Vertrag zu kriegen und bislang haben wir nur Müllverträge angeboten gekriegt. Es ist traurig, daß Bands hier viel mehr ackern müssen, bis sie einen Deal erhalten, während derzeit irgendwelche NIRVANA-Kopien ein halbes Jahr nach Gründung schon unter Vertrag stehen. Andererseits ist es aber auch wieder gut, denn dadurch sind die finnischen Bands, die es geschafft haben, wirklich sehr professionell. Wir hoffen, daß wir die Chance haben werden, den ganzen Globus zu entdecken.

Während ich diese Schlußzeilen schreibe, höre ich das Tape, das die Jungs mit dem Interview geschickt haben. Es enthält die Rohversionen (g, d, b, v) von fünf neuen Stücken, und man kann sagen, daß die Jungs nicht zu viel versprochen haben. Die Songs klingen noch abgefahrener und geiler als das alte Material, obwohl diese "MAPLE CROSS-Spezialitäten" noch fehlen.
Doch damit nicht genug, denn während ich diese Schlußzeilen nun endlich vollende, höre ich das mittlerweile erschienene neue MAPLE CROSS-Demo »Uncontrolled Art«, welches letztendlich der Anlaß war, bei der Band um eine Auffrischung zu beten.

Seit wir unsere LP veröffentlichten, haben wir zwei weitere Demos und ein Video gemacht. Das erste der beiden Demos war nur für uns selbst bestimmt, und nur sehr wenige Leute auf dieser Welt haben es gehört. Aber das zweite Demo, »Uncontrolled Art«, ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Das Video beinhaltet zwei Songs der »The Eighth Day Of Creation«-LP, und die Aufnahmen dazu fanden direkt nach Veröffentlichung der LP statt. Der Grund, weshalb das Video erst so spät fertig wurde, hängt damit zusammen, daß unser Freund Kalle Pylvänäinen, der für das Video verantwortlich zeichnet, sehr beschäftigt war. Also sagten wir ihm, er solle einfach solange warten, bis er genügend Zeit hätte, um das Video fertigzustellen. Wir hatten nämlich eigentlich so gut wie nichts mit der Produktion des Videos zu tun. Wir gaben Kalle etwa zehn Stunden Material, und er kam einige Monate später mit den fünfminütigen Clips an. Er fragte, ob wir zufrieden seien, was wir nur bejahen konnten!
Abgesehen davon studieren wir derzeit alle und, was das Wichtigste ist: Wir haben immer noch keinen Deal.

Was gibt's zu Eurem neuen Demo zu sagen?

Das Demo beinhaltet fünf Stücke, wobei einer davon erst im Studio entstand. Als wir ins Studio gingen hatten wir zu diesem Song nur die Grundidee, und er kristallisierte sich im Studio soweit heraus, daß wir ihn aufnehmen konnten. Die Musik bietet immer noch den Stil, den MAPLE CROSS schon seit Jahren spielen, aber verbessert und weiterentwickelt. Auf dem Tape verwenden wir einige ziemlich einzigartige Ideen, die nur wenigen Band überhaupt in den Sinn kommen würden. Die Kritiken zu »Uncontrolled Art« sind bislang sehr gut, und auch die Leute, die das Demo bestellt haben, sagten, daß die Stücke "so gut seien, wie sie das von MAPLE CROSS erwartet hätten".

So kann man das bedenkenlos ausdrücken, wie das Ilkka mit diesem Zitat getan hat. Das Teil klingt echt hochfaszinierend und kann jedem, der auf den "etwas anderen Metalsound" steht, empfohlen werden. Einzig schade, daß keiner der Songs von jenem anderen Tape, das ich oben erwähnt habe, auf »Uncontrolled Art« steht, denn diese Pieces sind mir mittlerweile ziemlich ans Herz gewachsen! Wer mit dem MAPLE CROSS-Freakismus warmwerden will, kann sich »Uncontrolled Art« für 13,- DM bei CONCRETE RECORDS oder für 5 Dollar bei der Band zulegen. Desweiteren, bin ich davon überzeugt, daß auch die Debutplatte weiterhin für 15 Dollar verkauft wird, so daß Euch zum vollständigen Glück nur noch die Adresse fehlt:

http://www.facebook.com/pages/maple-cross/327697410577375

Vorbereitung:
Heiko Simonis + Stefan Glas

Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

MAPLE CROSS im Überblick:
MAPLE CROSS – Heimo (Rundling-Review von 2007)
MAPLE CROSS – The Eighth Day Of Creation (Rundling-Review von 1992)
MAPLE CROSS – The Eighth Day Of Creation (Rundling-Review von 1992)
MAPLE CROSS – The Fourth And Last Demo (Demo-Review von 1990)
MAPLE CROSS – The Fourth And Last Demo (Demo-Review von 1991)
MAPLE CROSS – UNDERGROUND EMPIRE 7-Interview
MAPLE CROSS – UNDERGROUND EMPIRE 7-Special
MAPLE CROSS – ONLINE EMPIRE 17-"Known'n'new"-Artikel
MAPLE CROSS – News vom 17.02.2004
MAPLE CROSS – News vom 31.01.2007
MAPLE CROSS – News vom 30.09.2012
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