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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  Finnland-Special-Special

Date:  04.12.1992 (created), 22.07.2021 (revisited), 22.07.2021 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Ich hatte mittlerweile auch mehrfach das Vergnügen, Finnland zu besuchen, und ich könnte tonnenweise Annekdoten erzählen. Allein das Gefühl, wenn 40 Grad minus an deinen Knochen fressen und man davon körperliche Schmerzen spürt...

Doch auch musikalisch hat Finnland tonnenweise interessante Bands hervorgebracht, von denen Gerald hier einige wichtige Vertreter vorstellt.

Verziert wurde die Story in der gedruckten Version mit einem Photo von HANGMAN JURY (das ich mangels Original leider heuer aus dem Heft abscannen mußte) und dem wunderbaren STRATOVARIUS-Shot: STRATOVARIUS mit Stradivari. Für die Online-Version haben wir noch ein STONE-Photo aus dem Archiv geleihert - und durften außerdem feststellen, daß MySpace sogar anno 2021 noch hilfreich sein kann, denn der dortigen Präsenz von PHLEGETHON haben wir ein Photo aus dem Jahr 1990 entlockt, auf dem man von links nach rechts Teemu Hannonen (g), Juha Tykkyläinen (g), Jussi Nyblom (v, b) und Lasse Pyykkö (d) im Milchbartstadium sieht.

Als weiteres optisches Element gab es zur Eröffnung der Story das "Finnland-Metal-Special"-Design mit der finnischen Flagge und dem netten Herrn Schneemann im Zentrum der Schrift - lang leben die CorelDraw-Icons. Da wir heuer unserem Online-Standard gefolgt sind, befindet sich über der Story nur der "Finnland-Special"-Schriftzug, doch besagtes Design aus dem Heft wurde - damals in Grautönen, heuer mit der echten Flaggenfarbe versehen - nun als Abschluß der Story verwendet.

Supervisor:  i.V. Stefan Glas

 
 

''Finnland-Special''-Titel

"Welcome To Helsinki" tönt es über den Bordlautsprecher des Schiffes, als ich Ende April 1992 dort von Bord gehe. Die ersten Momente waren wegen starken Schneefalls und Kälte gar nicht so "welcome", wie ich mir das vorgestellt hatte. Eine halbe Stunde später befand ich mich dann schon im größten Plattenladen der Stadt, "Fazer Music", und war für alles entschädigt.

Somit sind wir auch schon inmitten dieses Specials, welches ich mit den DEAD CITY KLOWNS beginnen möchte. Nach einer selbstproduzierten 7" (über die ich leider nicht informiert bin), haben sich mittlerweile PARLOPHONE/OY EMI FINLAND der Band angenommen. Auf ihrem Majordebut »At The Suicide Circus« bieten sie zwölf Cuts, die man in etwa als eine Mischung zwischen den GUNners und AEROSMITH beschreiben kann. Neben easy gespielten Stücken wie ›Dead Cars In Detroit‹, ›Ghosttown‹ oder ›King Of Rats‹, fällt das kurze SEX PISTOLS-Cover ›Holydays In The Sun‹ auf. Coole Gang - sollte man im Auge behalten!

HANGMAN JURY-Bandphoto

Ein wenig mehr in die Melodic-Ecke tendieren dagegen HANGMAN JURY, die vor kurzem eine 7"-EP über

veröffentlicht haben. Die drei Stücke der Single lassen auf jeden Fall auf Größeres hoffen, wenngleich etwas mehr Flexibilität dem Material nichts schaden würde.

Guts Leiden, Kennern auch als Gitarrist der HAVANA BLACKs bekannt, hat gerade das Debut der 69 EYES produziert. Die Scheibe der Finsleazer wird sich »Bump'n Grind« nennen und unter der Adresse

könnt Ihr Euch schon mal als Appetizer mit der Single »Juicy Lucy/Burning Love« vertrautmachen. Zum Veröffentlichungstermin dieser Zeilen müßte dann auch das Debut bei dieser Company erhältlich sein.

Eine ganze Ecke härter steigen dagegen OPPRESSION ein. Auf der Debutsingle »Alone/A Majesty, A Joker« zieht das Helsinkier Quartett im Bereich des Techno-Thrash das volle Register. Die Band beabsichtigt zur Zeit eine Namensänderung und plant, eine weitere Single einzuspielen. Die beiden Stücke auf der zuvor angesprochenen 7" sind auf jeden Fall mehr als hörenswert. Ein Brief an den Vokalisten der Band, der unter folgender Adresse zu erreichen ist:

dürfte ausreichend sein, um Eure Neugier rundum zu stillen.

Brachialer, sprich Bay-Area-Thrash-like geben sich dagegen STATUE auf dem Silberling/Longplayer »Comes To Life«. Auch textlich bieten die Maniacs aus Lahti mit Thrashgranaten wie ›Mr. Crack‹ oder ›Political Pollution‹ keinesfalls Alltägliches. Mit einer Kontaktadresse kann ich Euch in diesem Fall leider nicht dienen, es sei denn, Ihr wollt es direkt über die Plattenfirma versuchen:

Bei diesem Label stehen auch die hierzulande nicht ganz unbekannten Hard Rocker ROYAL TRAMPS unter Vertrag. Deren neueste Veröffentlichung nennt sich übrigens »Dirtbag« und verspricht gegenüber dem auch hierzulande über RED LIGHT MUSIC zugänglichgemachten Vorgängeralbum eine deutliche Qualitätssteigerung.

STONE-Bandphoto

Aber wollen wir bei härterer Musik verweilen, zumal ein Finnland-Bericht ohne die Kultband STONE einfach unvollständig wäre. Als vor fünf Jahren das Debut auch bei uns durch MECHANIC RECORDS über den Importweg erhältlich war, nahmen die meisten eigentlich nur, beziehungsweise wenn überhaupt, die krasse Coverversion von EUROPEs ›Final Countdown‹ zur Kenntnis. Gut zwei Jahre später erschien jedoch in der Heimat des Quartetts die zweite Scheibe »No Anesthesia«, die den mit dem Debut bereits eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzte. Neben dem typischen Kreuzgang des STONE-Sounds, schwere Power Metal-Rhythmen mit prägnanten Thrashriffs zu untermalen, wird hier bereits der immer wieder aufs Neue bis zur beißenden Exzentrik ausgeübte Sarkasmus in den Lyrics des Sängers und zugleich Bassisten Janne Joutsenniemi deutlich. Stücke wie beispielsweise ›Back To The Stone Age‹ oder das Titelstück lassen ebensowenig Kritik wie zugleich kranken Humor vermissen. Leider wurde auch die dritte LP »Colours« (für mich die beste Veröffentlichung von STONE) abermals nur in Finnland released. Musikalisch noch intensiver, textlich abermals provokant. Mittlerweile wurden alle drei CDs meines Wissens nach in Japan wiederveröffentlicht - warum nicht auch in bei uns? Wenigstens BLACK MARK PRODUCTIONS zeigen diesbezüglich Mut zum Risiko und haben »Emotional Playground« in die Läden gebracht, wenngleich mir die vorangegangene CD »Colours« aufgrund ihrer bereits angesprochenen Intensität noch ein wenig besser gefiel. Einsteigern, die mit dem Material von STONE noch nichts anzufangen wissen, sei jedoch erst einmal das soeben von BLACK MARK PRODUCTIONS veröffentlichte Livealbum »Free« geraten. Die 15 Songs wurden während der '92er Tour durch STONEs Heimatland in sehr guter Qualität mitgeschnitten und geben eine gelungene Retrospektive ihrer vier Studioalben wider.

POKO RECORDS ist ein weiteres Indielabel aus Finnland, das schon durch die Veröffentlichung von Bands wie LOUD CROWD und PRESTIGE auf sich aufmerksam machen konnte. Das neuste Produkt auf dem Label sind FAFF-BEY, die auf ihrer mittlerweile dritten Veröffentlichung »Birthday« eine differenzierte Mischung aus Power Metal mit gelegentlichen Ausflügen in Thrashterritorial zelebrieren. Wesentlich ungestümer fiel da noch die vorangegangene LP »Doesn't Feel Like Laughing... It's The Second Funeral« aus. Thrash Metal mit derben Vocals (allerdings kein verstümmeltes Gegurgel), den vielleicht der ein oder andere mal anchecken sollte. Allein schon wegen des kultigen Thrashcovers von ›SGT. Pepper's Lonely Hearts' Club Band‹. Diese LP sowie das Debut »Back From The Grave« sind für je 8 US-Dollar plus Porto bei

Ebenfalls bei diesem Label haben INSOMNIA ihre zweite 7"-EP draußen, die viermal schnellen hektischen Thrash zum besten gibt.

Auf MAPLE CROSS, die aus Kiiminki, im arktischen Norden Finnlands, kommen, gehe ich hier nicht näher ein, da Stefan bereits an anderer Stelle ein Interview mit den Jungs präsentiert, was die Klasse der Band wohl ausreichend unterstreicht.

STRATOVARIUS-Bandphoto

Eine weitere Band, die ich ganz besonders in mein Herz geschlossen habe, sind STRATOVARIUS. Vor etwa vier Jahren erschien das Debut »Fright Night« noch über die CBS. Ziemlich sang- und klanglos ging diese Veröffentlichung jedoch unter. Zumindest hat sich Band über Wasser gehalten, denn mittlerweile ist in Helsinki über BLUE LIGHT RECORDS, die schlicht als »II« veröffentlichte LP/CD draußen. Um es kurz zu machen - guter melodiöser Metal, der teilweise etwas an good old Yngwie erinnert. Der auf dem Debut noch als Gastmusiker fungierende Keyboarder ist nun festes Bandmitglied und, was viel wichtiger ist, SHARK RECORDS, die mit ihrer derzeitigen Veröffentlichungspolitik mehr und mehr zu meinem Favelabel avancieren, haben diese feine Scheibe als Remix mit neuem Coverartwork unter dem Titel »Twilight Time« auch in unseren Breiten zugänglichgemacht.

Auch TAROT sind schon verdammt lange in der Szene. 1986 konnte das Brüderpaar Marco und Zachary Hietala bereits mit einer LP namens »Spell Of Iron« auf sich aufmerksam machen. Kurioserweise sind seit dem Release inzwischen sieben Jahre vergangen, so daß ich eigentlich meinte, diese Combo hätte längst das Zeitliche gesegnet. Daß dem nicht so ist, beweist deren neue CD »To Live Forever«. Stilistisch in etwa eine Mischung aus DEEP PURPLE, BLACK SABBATH und Yngwie Malmsteen sowie dem typischen skandinavischen Flair, sind das phantastische 75 Minuten Edel-Metal ohne wenn und aber. Übrigens wurde dieses Teil ebenso über BLUE LIGHT RECORDS veröffentlicht. Hinter diesem Label steht ein ähnliches Anliegen wie bei dem deutschen Gegenstück ROCKWERK, dem Label des Deutschen Rockmusikerverbandes, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, die finnische Szene beziehungsweise deren Musiker bei erfolgloser Suche nach einem Plattendeal zu unterstützen. Überhaupt ist es im Land der tausend Seen unheimlich schwer, an einen Plattendeal heranzukommen, denn Rezession und eine hohe Arbeitslosenrate sind dort bittere Realität.

Doch zurück zur Musik, welche natürlich nicht ausschließlich aus Helsinki kommt. Vor einigen Jahren konnten die HANOI ROCKS und auch in begrenztem Maße SMACK Erfolge verbuchen. Von letzterer Combo wurden übrigens vor kurzem einige alte Alben von ESEK/GRAMEX RECORDS auf CD wiederveröffentlicht.

Etwas nördlicher von Helsinki liegt Tampere, eine der größeren Städte Suomis, von wo auch das Kleinstlabel HILJAISET LEVYT operiert. Ein cooler Schachzug ist ihnen mit WOLFMEN gelungen. Die 14 Songs ihres Debuts »The Shadow War« leben von einer obskuren Mischung der zuvorgenannten HANOI ROCKS, einem Schuß AC/DC und unverkennbaren Einflüssen von THE CLASH. Einfach ein kultiges Teil, welches schon allein wegen seiner originellen Texte (beispielsweise ›Underwater Aeroplane‹, ›Zombie Hop‹, etc. - spricht Bände, was?) das Prädikat "spacig" verdient.

Was will man mehr? Zum Abschluß vielleicht noch ein wenig die Sammler von skandinavischen Melodic-Importen neugierig machen. Nicht mehr ganz taufrisch, aber zu gut um übergangen zu werden, ist die LP/CD von WIGHTHOUSE WANDERLAND, welche den letzten Veröffentlichungen ihrer Landsmänner von GRINGOS LOCOS oder WILDFORCE in keinster Weise nachsteht.

PHLEGETHON-Bandphoto

Ach ja, bevor ich es vergesse - wobei allerdings erwähnt sein sollte, daß ich kein allzu großer Todesblei-Fanatiker bin - will ich noch die Mini-LP »Fresco Lungs« von PHLEGETHON, einer leicht abgedrehten Death Metal-Band aus Suomi, nennen (siehe auch die Kritik im letzten UNDERGROUND EMPIRE). Irgendwie gefällt mir dieses Teil, und sofern Ihr auf kranke Arrangements abkönnt, solltet Ihr dieses Teil vielleicht mal anchecken, das in Deutschland mittlerweile über SPV vertrieben wird. (Mit PHLEGETHON wollten wir für diese Ausgabe eigentlich ein Interview führen, jedoch hat es die Band nach über acht Monaten immer noch nicht geschafft, auf meine Anfrage zu antworten. Schade! - Stefan Glas)


Gerald Mittinger

''Finnland-Metal-Special''-Design


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