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  UE-Home → History → Online Empire 51 → Interview-Übersicht → SAXON-Interview last update: 05.12.2022, 18:29:05  

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Es mag zwar durchaus jede Menge an kritischen Stimmen geben, die behaupten eine Reise nach Wacken würde in Anbetracht des sich in mehr oder weniger regelmäßig Abständen wiederholenden Live-Programms längst keinen Sinn mehr machen, der Großteil der "Pilger" sieht das aber ebenso anders wie auch die Organisatoren, die sich immer wieder Mühe geben, das bestmögliche Programm zu kredenzen und dabei eben aus Erfahrung so manchen Act gerne ein ums andere Mal verpflichten.
Auch Musiker selbst machen kein Hehl daraus, daß es auch nach all den Jahren immer noch eine große Ehre ist, im "Mekka" des Heavy Metal auftreten zu dürfen, und kehren daher immer wieder gerne in den hohen Norden Deutschlands zurück, um ihr Programm darzubieten. Eine ganz besondere Beziehung zu der an sich von nur knapp 2.000 Einwohnern bewohnten Gemeinde Wacken pflegen SAXON, die man wohl mittlerweile zum Inventar des Open Air-Festivals zählen darf. Biff Byford und seine "Sachsen" fühlen sich sogar dermaßen mit diesem Festival verbunden, daß sie quasi als "Beziehungspflege" dieser Tage ein wahres Monster-Paket mit dem Titel »Heavy Metal Thunder - Live Eagles Over Wacken« vorlegen.

SAXON-Headline

Wie uns der Titel unmißverständlich wissen läßt, handelt es sich dabei um ein weiteres Exemplar jener, von den Briten ohnehin schon seit langen Jahren immer wieder gerne aufgelegten Live-Dokumente, dennoch bekommen wir ein ganz besonderes Leckerli aufgetischt. Dieses dürfte aber nicht nur bei eingeschworenen Wacken-Fans für kollektiven Freudentaumel sorgen, sondern selbstredend auch bei allen anderen SAXON-Fanatikern, schließlich sind Art und Umfang der Zusammenstellung schlichtweg sensationell. Daß sich der Multi-Pack (das Teil erscheint in unterschiedlichen Formaten von bis zu vier DVDs beziehungsweise zwei CDs) darüber hinaus sowohl von der Sound- wie auch von der Bildqualität als perfekt erweist, macht die Angelegenheit noch ein wenig imposanter und läßt jeden Zweifel am Begriff "Pflichtkauf" sofort wieder verstummen .
Um ein wenig mehr über die Hintergründe dazu, wie auch über die Beziehung von Band und Festival in Erfahrung zu bringen, befragten wir Ober-Sachen Biff, der einmal mehr unter Beweis stellte, daß er nicht nur Vollblutmusiker, sondern auch ein sympathischer und unterhaltsamer Zeitgenosse ist.

SAXON-Bandphoto 1

Was genau ist denn nun das Spezielle an Wacken?

Ach, weißt Du, es war für uns schon eine ganz besondere Ehre 1992 als Headliner dort auftreten zu dürfen, und seit dieser Zeit hat sich eben eine ganz besondere Beziehung zwischen SAXON, der Gemeinde, den Veranstaltern aber auch den Fans entwickelt. Uns gefiel schon damals die eigentliche Intention von Holger Hübner, der mit seiner Band SKYLINE keine anderen Gig-Möglichkeiten sah und so die Idee hatte, ein Open Air zu veranstalten, um endlich auch vor Publikum auftreten zu können. Wie bekannt sein sollte, waren ja die 90er Jahre nicht unbedingt die besten Jahre für den Heavy Metal in seiner ursprünglichen Form, und Open Air-Festivals gab es in jener Zeit auch bei weitem nicht in der heute bekannten Form und Fülle. Von daher waren wir nicht nur froh, bei einem solchen Festival teilnehmen zu können, sondern haben uns schon damals über das Flair der Gemeinde gefreut. Für SAXON waren die frühen 90er Jahren bekanntlich auch nicht wirklich die glorreichsten Jahren, und von daher lag es auf der Hand, sich gegenseitig nach allen Möglichkeiten und Kräften zu unterstützen.

Das heißt, der Grundstein für Eure "Inventarnummer" beim W:O:A wurde quasi bei eurem allerersten Gig auf dem damals noch überschaubaren Festival gelegt?

Ganz genau. In der Zwischenzeit haben wir ja nicht nur mehrfach auf dem Festival gespielt, Thomas Jensen (neben Holger Hübner der "Vater" des Festivals - der Verf.) hat inzwischen ja auch längst unser Management übernommen, und deshalb kann man mit gutem Gewissen sagen, daß sich unsere Karriere in den letzten 20 Jahren wohl anders entwickelt hätte, wären wir jener Einladung damals nicht nachgekommen.

Die Beziehung wurde in all den Jahren auch in Form von diversen Feierlichkeiten beim Festival zelebriert.

Klar, ist doch naheliegend, oder? Als wir 2009 anläßlich der "30th Anniversary"-Tournee auch in Wacken spielen durften, feierte das Festival gerade sein 20-jähriges Bestehen. Was also lag näher, als die Feierlichkeiten zu verbinden? Der Zuspruch der Fans war gewaltig, und ich denke, die gemeinsame Party hat niemanden enttäuscht!

SAXON-Bandphoto 2

Hattet Ihr denn schon damals auf dem Plan, diese Show, die nunmehr ein wesentlicher Bestandteil Eurer aktuellen Veröffentlichung ist, irgendwann einmal als Tondokument aufzulegen?

Direkt geplant wurde damals zwar noch nichts, da wir aber wußten, daß unser Set mitgeschnitten wurde, haben wir selbstverständlich schon vor drei Jahren über diese Möglichkeit nachgedacht. In welcher Form wir diesen Auftritt eines Tages auch als Konserve auflegen würden, stand allerdings noch nicht fest.

Selbiges trifft dann wohl auch auf die ebenso im Package vertretenen Shows aus den Jahren 2004 und 2007 zu?

Genau, auch wenn es im Endeffekt gar nicht so einfach gewesen ist, eine "Best Of" aus dem Material zusammenzustellen. Zum Glück aber gibt es auch die einzelnen Shows auf den DVDs zu sehen, so entgeht keinem Zuseher irgendetwas. Das Auswählen für die Compilation war aber wahrlich nicht ganz einfach, auch wenn es mit Sicherheit größere Probleme im Leben eines Musikers gibt. [lacht]

Nachvollziehbar, bei der Fülle an hochwertigem Stoff. Doch egal, wann auch immer Ihr in den 00er Jahren auf dem "Wacken Open Air" gespielt habt, die Publikumsresonanz war immerzu überwältigend. Hättet Ihr jemals erwartet, daß wir uns 2012 wieder darüber unterhalten können, daß SAXON und der Heavy Metal generell erneut einen ähnlichen Stellenwert einnehmen wie in den 80er Jahren?

2009 vielleicht. [lacht] Davor aber nicht wirklich. Spaß beiseite, vor allem Mitte der 90er Jahre sah es doch alles andere als gut aus, und es dauerte knapp zehn Jahre, bis sich die Metalszene wieder erholt hatte. Es war wirklich nicht immer einfach für uns. Doch das hat sich zum Glück wieder geändert, wobei das wirklich imposante daran für mich jene Tatsache ist, daß es mittlerweile auch wieder viele junge Musiker gibt, die in etwa dieselben Ideen und Vorstellungen von "Musik" haben wie wir damals am Anfang unserer Karriere.

SAXON-Bandphoto 3

Läßt sich das auch für Eure Fans generell sagen?

Auf jeden Fall! Schon seit einigen Jahren kann man feststellen, daß wieder vermehrt junge Fans zu unseren Konzerten gehen. Selbst wenn es sich dabei nur um den Nachwuchs unserer alten Fans handeln sollte, ist das eine sehr bemerkenswerte und imposante Entwicklung. [lacht] Es sieht so aus, als ob wir unsere langjährigen Fans tatsächlich "inspiriert" hätten. [lacht] Ohne Scheiß, es freut mich immens, daß wir auch junge Metal-Heads anzusprechen imstande sind. Wobei: Eine "Wachablösung", wie sie von unzähligen Medien gerne herbeigeschrieben wird, kann ich aber nicht wirklich nachvollziehen, denke aber dennoch, von SAXON behaupten zu können, daß sich der Altersdurchschnitt der Zuseher in den letzten Jahren einigermaßen gesenkt hat.

Was nicht zuletzt aber auch an Eurer umtriebigen Art und Weise liegt und noch viel mehr an den - ganz egal wann, wo und in welcher Größenordnung - nach wie vor brillanten Liveshows von Dir und Deinen getreuen Mitstreitern.

Danke, das wollte ich hören. [lacht] Ich hoffe doch, daß es unseren Fans und deren Freunden, die eventuell danach auch zu Fans werden, immer noch jede Menge Spaß bereitet, zu unseren Konzerten zu kommen. Wir als Band geben dafür Abend für Abend unser Bestes und das nicht nur, weil wir schon so lange im Geschäft sind und wissen, was man unter "Professionalität" versteht, sondern weil es uns auch selbst immer noch verdammt viel Spaß bereitet! Davon abgesehen, wäre es wohl sehr unschlau von uns, halbherzige Shows zu spielen, schließlich müssen wir ja auch davon leben. [lacht]

Diese Einstellung verrät auch, daß selbst nach weit mehr als 30 Jahren das Feuer immer noch lodert und von Pension keine Rede sein kann.

Pension? Was ist das denn bitte? [lacht] Nein, für das Altersheim sind wir noch zu jung, und außerdem haben wir noch dermaßen viel Spaß an unserer "Arbeit", daß wir noch nicht einmal daran denken, das Kapitel SAXON zu beenden.

SAXON-Bandphoto 4

Daher wird es auch in Zukunft noch die Chance geben, die "Landung des Adlers" mitzuverfolgen?

Klar doch, wobei wir zunächst einmal unsere »Call To Arms«-Tournee abschließen werden, die im Sommer ein Ende finden wird. Besonders freuen wir uns dabei auf die Shows in Belgien, Holland und im altehrwürdigen "Hammersmith Apollo", wo wir zusammen mit JUDAS PRIEST aufgeigen werden. Doch auch auf einigen Sommerfestivals werden SAXON erneut auftreten, unter anderem einmal mehr in Wacken, denn auch wenn es sich für manche Zeitgenossen komisch anhören mag, der "Adler" fühlt sich dort ganz besonders wohl und kehrt eben immer wieder gerne dorthin zurück. [lacht] Und so nebenbei darf ich auch schon verraten, daß auch das noch längst nicht das Ende sein wird, sondern es wohl noch 2013 mit einem neuen Studioalbum in der Hand erneut auf umfassende Gastspielreisen gehen wird. Und wer weiß, vielleicht sind wir ja im nächsten Jahr auch wieder in Wacken zu sehen, uns jedenfalls würde es Freude bereiten! [lacht]

http://www.saxon747.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Kai Swillius [Photo 1 & 4], Stefan Glas [Photo 2 & 3]

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siehe auch: SAXON als Bestandteil der "Christmas Metal Impressions"-Collage
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