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  UE-Home → History → Online Empire 30 → Interview-├ťbersicht → WHITE SKULL-Interview last update: 02.07.2017, 09:33:50  

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WHITE SKULL-Bandphoto 1

Auch wenn es in den letzten Monaten offenbar ein wenig in Mode gekommen ist, Bands ob ihrer Herkunft vorschnell zu be- oder noch schlimmer, zu verurteilen, wollen wir uns diesem "Trend" absolut nicht anschlie├čen. Vor allem Bands aus Italien sind dabei immer wieder in Mi├čkredit geraten, die lediglich aufgrund der Tatsache, von eben dort zu stammen, sofort als "Pseudo-Metaller" bezeichnet werden und deren Kl├Ąnge zum Gro├čteil unberechtigt in die Kitsch-Abteilung eingeordnet werden.
Auch wenn manche Formationen wahrlich nicht gerade sparsam mit derlei Komponenten in ihrem Gesamtklangbild umgehen, bei den traditionsbewu├čten Metallern von WHITE SKULL findet man derlei Bestandteile definitiv nicht. Die Band rund um Mastermind Tony Fonto ist viel eher in der Tradition "alter Helden" des Heavy Metals zu sehen und klingt auch dementsprechend.
Auf ihrem aktuellen Album, dem bereits siebten in der Geschichte der Band mit dem Titel ┬╗The Ring Of The Ancients┬ź haben sich WHITE SKULL der Geschichte der Kelten angenommen und deshalb auch einige Ankl├Ąnge, die ihre Urspr├╝nge wohl eher auf der irischen Insel haben, mit in ihre Songs eingearbeitet.
Auch ansonsten hat sich einiges bei WHITE SKULL getan und das in recht z├╝gigem Tempo, weshalb Tony die an ihn ├╝bermittelten Fragen auch in Windeseile beantwortete.

Offenbar gab es zuletzt vermehrt Probleme mit einigen ehemaligen Bandmitgliedern, weshalb WHITE SKULL auch auf ihrem aktuellen Album in ver├Ąnderter Besetzung zu h├Âren sind.

Das mit den Umbesetzungen stimmt, ist f├╝r mich allerdings kein Problem. Denn bislang haben sich alle ehemaligen Mitglieder bei WHITE SKULL nicht aufgrund von pers├Ânlichen Differenzen verabschiedet, sondern immerzu deshalb, weil sie schlichtweg das Interesse am traditionellen Heavy Metal verloren haben. Das ist zwar auch manchmal eine sehr eigenartige Angelegenheit, mir aber im Endeffekt lieber als es mit Egomanen oder anderen Spinnern zu tun zu haben. Im Moment bestehen WHITE SKULL aus Alex Mantiero am Schlagzeug, Gustavo Adrian Gabarro (v), Danilo Bar (g), sowie Steve Balocco (b) und mir an der Gitarre. Alex und ich sind seit den Anf├Ąngen dieser Band dabei und somit etwas wie die Urgesteine von WHITE SKULL. Danilo ist seit vier Jahren mit von der Partie und Gustavo singt nun auch bereits zum dritten Mal auf einem Album von uns. Als Letzter kam Steve zu uns, der eventuell auch als Mitglied von ANTHENORA ein Begriff sein k├Ânnte. Im Moment kann ich mich nicht dar├╝ber beklagen, da├č ich nicht die richtigen Musiker bei WHITE SKULL h├Ątte, denn diese Jungs sind ebenso motiviert wie ich und brennen geradezu darauf, endlich wieder einmal auf Tournee gehen zu k├Ânnen.

So soll es ja auch sein, auch wenn da wohl noch ein wenig Zeit vergehen wird. Ihr seid ja l├Ąngst keine Unbekannten mehr und habt mit ┬╗The Ring Of The Ancients┬ź Euer mittlerweile siebentes Album vorzuweisen. Auch Ihr werdet uns wohl davon berichten, da├č dieses Euer bislang st├Ąrkstes ist, aber warum gerade dieses?

Jede Band macht in ihrer Karriere eine gewisse Entwicklung durch, auch wenn die Grundauslegung des Sounds immer dieselbe sein mag. Jede Aufnahme stellt in gewisser Weise eine Art Momentaufnahme der Band dar und weil eben jetzt gerade der Zustand von WHITE SKULL derma├čen stabil ist, hat sich diese Tatsache auch auf dem neuen Album ausgewirkt. Zudem glaube ich, da├č Plattenfirmen die Entwicklung von Bands negativ beeinflussen k├Ânnen, indem sie ihnen mehr oder weniger vorschreiben, wie sie zu klingen haben. Auch diesbez├╝glich sind wir in der gl├╝cklichen Lage, die absolute Freiheit zu besitzen.

In meinen Ohren klingen Eure Alben seit dem Abgang Eurer ehemaligen S├Ąngerin Federica De Boni wesentlich heftiger. War ihr Abgang ausschlaggebend f├╝r diese dezente Ver├Ąnderung des Klangbildes?

Nur indirekt. F├╝r unser aktuelles Album besa├čen wir s├Ąmtliche Freiheiten, die eine Band nur genie├čen kann. Nach ┬╗Public Glory, Secret Agony┬ź entschlossen wir uns dazu, unseren Sound ein wenig zu ver├Ąndern, allerdings haben uns viele Kritiker nach ┬╗The Dark Age┬ź vorgeworfen, da├č wir es damit ├╝bertrieben h├Ątten und WHITE SKULL dadurch kaum noch zu erkennen gewesen w├Ąren. Nat├╝rlich war Federica damals als S├Ąngerin das Aush├Ąngeschild der Band, aber unsere Songs waren sicher nicht schlechter als sie nicht mehr am Mikro zu h├Âren war. Sie hatte eine an sich sehr rauhe Stimme, aber der Gro├čteil der melodi├Âseren Ausrichtung der Tracks, die mit ihr entstanden sind, war mit Sicherheit auf ihre Stimme zur├╝ckzuf├╝hren.

WHITE SKULL-Headline

WHITE SKULL-Bandphoto 2

Mit Gustavo habt ihr nun einen Argentinier als Nachfolger am Mikro. Ist er denn nach Italien ├╝bersiedelt, oder seht Ihr Euch nur zu den Aufnahmen?

Nein, nicht wegen WHITE SKULL. Er lebt seit mittlerweile 15 Jahren in Italien. Obwohl wir nicht in derselben Stadt wohnen, ist es bei uns m├Âglich, innerhalb weniger Stunden die Band zu versammeln, was sicher von Vorteil ist.

Vor allem f├╝r etwaige Proben stelle ich mir das praktisch vor. Nicht nur zum Schreiben von Songs, auch f├╝r eventuelle Konzepte von Lyrics ist es wohl von Vorteil, diese der gesamten Band zu unterbreiten, um dann nicht auf Ablehnung zu sto├čen, sondern um Korrekturen sofort vornehmen zu k├Ânnen. Eure Texte haben fast immer einen historischen Hintergrund. Habt Ihr eine spezielle Ausbildung genossen, oder woher kommt dieser Bezug zur Geschichte?

Nein, niemand von uns hat sich besonders intensiv mit Geschichte w├Ąhrend der Schul- oder Studienzeit besch├Ąftigt. Allerdings ist in den letzten Jahren ein sehr gro├čes Interesse daran in mir entfacht. W├Ąhrend ich zur Schule ging, war mir Geschichte mehr oder weniger egal, erst viel sp├Ąter habe ich mich daf├╝r zu interessieren begonnen. Mittlerweile bin geradezu besessenen davon.

Dieses Interesse kann man auch auf ┬╗Ring Of The Ancients┬ź nachvollziehen, denn darauf habt Ihr Euch mit der Geschichte der Kelten auseinandergesetzt.

Das Interesse an der Geschichte und Tradition dieses Volkes ist ebenfalls erst vor relativ kurzer Zeit entflammt, als wir einige B├╝cher zu diesem Thema zu lesen begonnen hatten.

Die Euch dann derma├čen inspiriert haben, da├č ein komplettes Album dar├╝ber entstanden ist?

Ja, denn die Geschichte der Kelten enth├Ąlt zahlreiche Mythen, Kriegsgeschichten und Fabeln ├╝ber Zauberer, die allesamt perfekt mit Heavy Metal harmonieren. Was pa├čt denn schon besser zu epischen Metal-Songs, als Geschichten ├╝ber Druiden, K├Ąmpfe oder Mystizismen?

Da ist was dran. Von wem stammen denn die Texte?

Steve hat die Texte f├╝r ┬╗The Ring Of The Ancients┬ź verfa├čt. Als ich mit meiner Idee ankam, etwas ├╝ber die Kelten schreiben zu wollen, hat er beim n├Ąchsten Treffen bereits massig Material mitgebracht. Er hatte jede Menge B├╝cher zu diesem Thema besorgt und das Internet danach durchforstet, wo er ebenfalls f├╝ndig werden konnte. Danach begann er, den Stoff anhand meiner Ideen zu recherchieren und zu studieren. Allerdings hat er uns von Anfang an immer an seinen Ideen f├╝r die Texte teilhaben lassen.

Das Cover scheint ebenfalls im Kontext mit der Scheibe zu stehen.

In gewisser Weise schon, wenn auch nicht direkt mit einem der Songs. Allerdings hatten sich alle Bandmitglieder daf├╝r ausgesprochen, als ich es pr├Ąsentierte.

Auch das klingt nach Arbeit im Kollektiv. Ebenso sind wohl auch Auftritte von WHITE SKULL zu betrachten, da sich weder einer der Instrumentalisten, noch der S├Ąnger besonders in den Vordergrund spielt. Nach 15 Jahren, die Ihr mittlerweile bereits als WHITE SKULL aktiv seid, besteht wohl auch kein Grund dazu. Was waren die H├Âhepunkte der bisherigen Karriere, wenn wir von Auftritten sprechen?

Eigentlich sind es schon 16 Jahre, die es uns als Band gibt und ich hoffe, es werden mindestens noch einmal so viele. Ich kann hier nicht f├╝r alle Bandmitglieder sprechen, aber f├╝r mich pers├Ânlich waren die Auftritte anno 1999 in Israel, die Europatournee zusammen mit GRAVE DIGGER im Jahr 2000, sowie die Auftritte beim "BLIND GUARDIAN-Open Air" 2003, dem "Metal Dayz"-Festival im selben Jahr und dem Gig im Rahmen des letzten "Gods Of Metal"-Festivals bei uns in Italien die H├Âhepunkte bisher. M├Âgen noch zahlreiche Auftritte in dieser Gr├Â├čenordnung folgen!

Mit dem neuen Album im Handgep├Ąck k├Ânnte es wohl auch wieder sofort auf Tournee gehen, oder?

Ganz so schnell wird das wohl nicht funktionieren, aber immerhin d├╝rfen wir zur Promotion von ┬╗The Ring Of The Ancients┬ź zahlreiche Interviews f├╝r unterschiedliche Medienformate in verschiedenen L├Ąndern geben und einige Gigs in Deutschland, Holland, Belgien und nat├╝rlich Italien stehen ebenfalls schon fest. Damit ist zumindest eine gute Basis geschaffen.

WHITE SKULL-Bandphoto 3

Um nochmals das Thema "Geschichte" aufzugreifen: Eure Suche nach der geeigneten Plattenfirma scheint so etwas wie Eure pers├Ânliche Odyssey geworden zu sein.

Ja, das hat was. [lacht] Allerdings war h├Ąufig eine Menge Pech dabei. Am Anfang erhielten wir die Chance, bei UNDERGROUND SYMPHONY unter Vertrag zu sein. Bei diesem italienischen Label konnten wir dann 1995 unser Debut ┬╗I Won't Burn Alone┬ź, sowie das zweite Album ┬╗Embittered┬ź (1997) und die Mini-CD ┬╗Asgard┬ź (1999) ver├Âffentlichen. Allerdings wu├čten wir, da├č UNDERGROUND SYMPHONY ein sehr kleines Label mit sehr geringem Budget ist. Durch unseren damaligen Manager Chris Boltendahl kamen wir danach bei NUCLEAR BLAST unter, wo 1999 ┬╗Tales From The North┬ź erschien. Als wir ein weiteres Album in der Mache hatten, beendeten NUCLEAR BLAST jedoch dieses Gesch├Ąftsverh├Ąltnis, weil sie der Meinung waren, da├č sie bereits einige ├Ąhnlich klingende Bands mit derselben Zielgruppe hatten. Pech f├╝r uns, allerdings konnten wir in Udo Dirkschneider einen guten Gesch├Ąftspartner finden. Er hatte uns damals einen Multi-Album-Deal f├╝r sein Label BREAKER MUSIC angeboten. Nach dem Release von ┬╗Public Glory, Secret Agony┬ź und der anschlie├čenden Tournee war allerdings das Interesse von BREAKER RECORDS offenbar nicht mehr vorhanden, so da├č uns nichts anderes ├╝brig blieb, als uns wieder nach einem neuen Label umzusehen. Udo hatte uns allerdings mitgeteilt, da├č es nicht an der Band liegen w├╝rde, sondern an finanziellen Schwierigkeiten rund um seine Firma.
Warum auch immer, WHITE SKULL standen jedenfalls wieder auf der Stra├če, aber wir hatten immerhin ┬╗The Dark Age┬ź, ein weiteres Album, fertig und damit etwas vorzuweisen. FRONTIERS RECORDS zeigten sich willig, dieses zu ver├Âffentlichen und, nur ein Jahr sp├Ąter stand auch schon ┬╗The XIII Skull┬ź in den L├Ąden. Allerdings f├╝hlten wir uns von Anfang an nicht wirklich gut aufgehoben bei diesem, eher auf AOR spezialisierten Label. Erst jetzt bei DRAGONHEART f├╝hlen wir uns wieder richtig wohl, denn diese Jungs wissen, wie man mit einer Metal-Band umgehen mu├č. Der Name DRAGONHEART war mir zwar schon l├Ąnger ein Begriff, zusammengearbeitet hatten wir mit diesen Herrschaften zuvor jedoch noch nie. Als ich ihnen unser aktuelles Album geschickt hatte, zeigten sie sehr gro├čes Interesse und boten uns einen Vertrag an. Was will man mehr? DRAGONHEART ist ein sehr kleines Label, aber die Jungs arbeiten sehr gut und vor allem sehr aufopfernd f├╝r ihre Bands.

Zudem haben DRAGONHEART sehr gute Vertriebspartner in Europa, weshalb man das Album wohl problemlos ├╝berall erhalten k├Ânnen wird.

Das war sicher mit ein Grund, da├č wir sofort bei ihnen unterzeichnet hatten. Ich wei├č ganz genau, da├č unsere Fans in erster Linie in Italien und Deutschland beheimatet sind, weshalb es mir sehr wichtig war, in eben jenen L├Ąndern auch pressetechnisch gut vertreten zu sein. Denn ohne Promotion geht wohl gar nichts! Allerdings haben wir ├╝berraschenderweise in diesem Jahr auch sehr viele positive R├╝ckmeldungen aus den Niederlanden, Polen, England und Mexiko erhalten, weshalb ich sehr zuversichtlich f├╝r die Zukunft sein kann.

Eine Zukunft, die uns was bescheren wird?

Hoffentlich eine Menge Konzerte, wo auch immer man uns sehen mag und schon sehr bald abermals ein neues Album!

Das dann, so hoffe ich es f├╝r die Band, abermals bei ihrem derzeitigen Businesspartner erscheinen wird.

http://www.whiteskull.it/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

WHITE SKULL im ├ťberblick:
WHITE SKULL – The Ring Of The Ancients (Rundling)
WHITE SKULL – Under This Flag (Rundling)
WHITE SKULL – ONLINE EMPIRE 30-Interview
WHITE SKULL – ONLINE EMPIRE 53-Interview
WHITE SKULL – News vom 29.01.2007
WHITE SKULL – News vom 19.12.2010
andere Projekte des beteiligten Musikers Stefano "Steve" Balocco:
ANTHENORA – Soulgrinder (Rundling)
ANTHENORA – The Last Command (Rundling)
ANTHENORA – News vom 19.03.2005
ANTHENORA – News vom 19.03.2005
ANTHENORA – News vom 03.04.2008
ANTHENORA – News vom 03.04.2008
BROKEN ARROW (I) – Abyss Of Darkness (Rundling)
POWER SYMPHONY – News vom 08.10.2001
andere Projekte des beteiligten Musikers Danilo Bar:
ANTHENORA – The Ghost Of Iwo Jima (Rundling)
ANTHENORA – News vom 06.05.2008
THE UPPER-CLASS BASTARDS – ONLINE EMPIRE 32-"Known'n'new"-Artikel
THE UPPER-CLASS BASTARDS – News vom 11.01.2009
VENICE IN VAIN – News vom 18.12.2005
andere Projekte des beteiligten Musikers Gustavo "Gus" Gabarr├▓:
OVERMASTER – News vom 06.02.2008
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OVERMASTER – News vom 13.05.2010
OVERMASTER – News vom 25.10.2010
andere Projekte des beteiligten Musikers Alex Mantiero:
RAISING FEAR (I, Veneto) – News vom 19.02.2010
┬ę 1989-2017 Underground Empire


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