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THUNDERSTONE-Logo

Ohne großartige Ankündigung, quasi aus dem Nichts heraus, erschien im Jahre 2002 das selbstbetitelte Debut einer finnischen Band namens THUNDERSTONE. Mit zahlreichen eingängigen Melodic Metal-Hymnen bestückt konnte das Quintett in der Besetzung Pasi Rantanen (v), Kari Tornack (k), Titus Hjelm (b), Mirka Rantanen (d) und Mastermind und Gitarrist Nino Laurenne, schon damals zahlreiche Fans von ihren Qualitäten überzeugen. Kurze Zeit später hatte man das Glück, zusammen mit den Landsleuten von STRATOVARIUS auf Tournee gehen zu können. Diese Tour, die quer durch halb Europa führte, konnte die durchwegs positiven Pressestimmen bestätigen. THUNDERSTONE verstanden es, ihre großartigen Melodien auch von der Bühne aus unters Volk zu bringen.
Im Anschluß daran begab man sich abermals ins "Sonic Pump"-Studio zu Helsinki, in dem Eigentümer Nino ja auch zahlreiche andere Alben zu veredeln wußte und weiß, um den Nachfolger »The Burning« einzuspielen, der im letzten Jahr veröffentlicht wurde. Auch hierfür konnten die Finnen nahezu ausnahmslos positive Kritiken einheimsen und ihre Fanbase mit einer weiteren Tournee ausbauen. Seit wenigen Wochen steht das bereits dritte Album der Herrschaften mit dem Titel »Tools Of Destruction« in den Läden. Dieses ist trotz der sehr kurzen Entstehungszeit absolut kein "Schnellschuß" geworden, sondern im Gegenteil, das bislang wohl be­ein­druckend­ste Album von THUNDERSTONE. Das Quintett präsentiert sich darauf nämlich merklich gereift. Zum einen sind die Kompositionen kompakter und auch ein wenig härter geworden, um sich vom drohenden "Tralala"-Appeal abzugrenzen, zum anderen dürfen die ohnehin schon eingängigen Passagen nun als "perfekt" bezeichnet werden.

THUNDERSTONE-Headline

Das riecht doch förmlich nach Durchbruch Herr Laurenne, oder sollte ich mich täuschen?

Zunächst besten Dank für die lobenden Worte. Ich habe allerdings keine Idee, wie gut die Scheibe generell bei den Fans ankommen wird. Was Verkäufe betrifft, müssen wir erst einmal abwarten. Hinsichtlich der Pressestimmen kann ich aber bisher nur Positives berichten. Mich freut es, daß den Kritikern unsere Intention und Arbeitsweise positiv aufgefallen ist. Wir hatten vor, unseren Stil zu veredeln, indem wir geradezu gleichzeitig härter und melodiöser werden. Im Hinterkopf hatten wir dabei immer die nötige "Catchiness", die einen Song ausmacht. Ohne diese bleibt ein Titel den Fans nicht in den Gehörgängen haften. Ich meine, ein solches Attribut ist wohl das wichtigste, das ein Song haben muß. Egal, welche Art von Musik du fabrizierst, darauf kommt es überall an. Wenn eine Melodie genial ist, kennen sie Millionen von Menschen und das auch noch Jahre später. Genau das war unser erklärtes Ziel. Ob uns die Umsetzung gelungen ist, wird sich demnächst zeigen. Mir persönlich gehen einzelne Songs des Albums schon jetzt gar nicht mehr aus dem Kopf, aber ich sollte kein Maßstab sein. [lacht]

Ich zwar auch nicht, aber zumindest bei mir ist das Ziel erreicht worden. Was aber hat es eigentlich mit dem Titel »Tools Of Destruction« auf sich? Steckt da ein Konzept dahinter?

Nein, überhaupt nicht. Titus kam irgendwann mit der Idee für den Song ›Tool Of The Devil‹ an, aus dem wir im Endeffekt auch den Albumtitel kreiert haben. Somit hätten wir auch den Titelsong erklärt. [lacht] Es muß ja nicht immer gleich ein vollständiges Konzept herhalten, wenn es darum geht, ein neues Album einzuspielen. Wir sind ganz zufrieden damit, eine Menge genialer Songs auf einer Scheibe verewigt zu haben. Ich hoffe, unsere Fans sehen das ebenso.

THUNDERSTONE-Bandphoto 1

Wie entsteht ein Song bei THUNDERSTONE? Läuft die Sache demokratisch ab, oder bist Du der alleinige Herrscher?

Keineswegs. Auch wenn es manchmal nicht so wirkt, aber THUNDERSTIONE waren und sind eine Band, wie man sie sich vorstellt. Bei uns läuft alles im Kollektiv ab, auch wenn der Großteil der Kompositionen auf meinem Mist gewachsen ist und ich bei »Tools Of Destruction« auch noch für die Produktion verantwortlich war. Zuerst kommen die Ideen für die Musik, in weiterer Folge hat einer dann ein paar Zeilen für einen Text und zuletzt entscheiden wir uns für einen Songtitel. Natürlich lassen wir uns sämtliche Optionen offen, wenn also ein Bandmitglied mit einer interessanten Geschichte ankommen würde, wäre auch eine konzeptionelle Story möglich. Bislang war das aber eben noch nicht der Fall.

Nun klingen einige Songtitel aber doch wesentlich heftiger, als die Songs an sich dann aus den Boxen dröhnen. Hat man da keine Angst, die Fans zu irritieren?

Ich hoffe mittlerweile wissen unsere Fans, was sie an THUNDERSTONE und einer neuen Scheibe haben. Ich will jetzt nicht überheblich klingen, aber ich denke, daß sich der Name THUNDERSTONE als Markenzeichen mittlerweile etabliert haben sollte.

Denke ich auch. Weshalb eigentlich der "Solo-Lauf" bei der Produktion?

Das war zunächst gar nicht so geplant. Zwar gehört mir das "Sonic Pump"-Studio und ich wollte mich auch von Anfang an um den Endmix kümmern, doch schlußendlich haben wir uns dafür entscheiden, auf einen Außenstehenden als Produzenten zu verzichten, da wir der Meinung waren, daß nur die Band selbst den perfekten Klang aus sich herausholen kann. Das war ebenfalls ein Teil der eingangs erwähnten Arbeitsweise und eine Sache, die wir im Vorfeld der Aufnahmen zu »Tools Of Destruction« ändern wollten. Weshalb hätten wir also sinnlos Geld verpulvern und ein teures Studio samt Produzenten buchen sollen? Da auch bislang keine negativen Stimmen zum Sound der Platte zu vernehmen waren, können wir wohl kaum etwas falsch gemacht haben. Ich denke auch die Fans werden mit dem Resultat zufrieden sein.

THUNDERSTONE-Einzelshot: Nino Laurenne

Der Großteil Eurer Fans wird in Europa zu finden sein, obwohl mit diesen knackigen Ohrwürmern wohl weltweit Erfolge einzustreichen wären. Wo liegen denn die Prioritäten, wenn es um den Markt geht?

Natürlich in Europa. Im Moment läuft es vor allem hier in Finnland bestens. Welche Metal-Band kann schon von sich behaupten, ihre Songs in der Heimat aus dem Radio hören zu können? Bei uns scheint Metal in den verschiedensten Formen regelrecht "in" zu sein, wobei ich hoffe, daß die jungendlichen Fans eventuell ein wenig darüber nachdenken, wo diese Musik herkommt und sie auch verstehen, daß es sich dabei um keinerlei "Neuerfindung" handelt. Vielleicht schaffen wir es sogar, unseren Idolen wie DIO zu besseren Verkäufen verhelfen zu können, was mir persönlich eine große Ehre bereiten würde.

Kann ich mir gut vorstellen. Neben Europa scheint vor allem Japan richtig auf THUNDERSTONE abzufahren. Schließlich dürfen die Fans auf der japanischen Ausgabe eures aktuellen Albums mit ›Rainbow In The Dark‹ eine Coverversion des eben genannten Meisters hören, die uns vorenthalten bleibt.

Du kennst ja die alte Geschichte mit den CD-Preisen in Japan. Deshalb wird die Digipack-Version der Scheibe dort eben drei Bonus-Tracks enthalten, während in Europa nur zwei Bonus-Tracks auf »Tools Of Destruction« verewigt werden. Das bereits erwähnte DIO-Cover gibt es also nur für Japan. Auf beiden CDs sind aber ›Spire‹ in einer Akustik-Version mit Hammond-Orgel und ›Spread My Wings‹ mit mir als Sänger zu finden. Dabei handelt es sich um eine sehr alte Aufnahme, die aber beweist, daß es schlau war, Pasi als Sänger in die Band zu nehmen. [lacht] Mein Gesang klingt nämlich eher schauderhaft. [lacht]

Vielleicht erhält das europäische Publikum bei den anstehenden Konzerten die Chance, den einen oder anderen dieser Knüller von der Bühne aus präsentiert zu bekommen.

Bei den Gigs mit HAMMERFALL eher noch nicht. Wir sind wohl sehr froh, auf dieser kurzen Tournee spielen zu dürfen, für derlei Gimmicks bleibt aber wohl zu wenig Zeit. Ich bin aber sicher, daß diese Festival-Tournee mit HAMMERFALL, LORDI, FIREWIND und uns Deutschland beweisen wird, daß wir Skandinavier Metal und Party perfekt kombinieren können, haha. Wir haben uns fast totgelacht darüber, als wir erfahren haben, daß wir uns den Bus mit FIREWIND teilen werden. Das wird Party pur! Außerdem, kann es mehr Klischee geben, als eine Bus voll Musiker, die in Bands mit genialen Namen wie THUNDERSTIONE und FIREWIND spielen? [lacht]

Dieser vier Gigs umfassende Abstecher wird es wohl nicht schon gewesen sein, was Auftritte betrifft, oder etwa doch?

Nein, um Himmels willen. Wir würden am liebsten das ganze Jahr über touren. Im Spätsommer werden wir mit Sicherheit nochmals in Mitteleuropa unterwegs sein, wann und wo genau, steht allerdings noch in den Sternen.

THUNDERSTONE-Bandphoto 2

Diesbezüglich darf man also gespannt sein, wann und wo uns THUNDERSTONE die Ehre erweisen. Da die Band aber nicht nur unterwegs ist und Nino auch nicht ausschließlich von THUNDERSTONE leben kann, unterhält er zum Erwerb seines "täglichen Brotes" das bereits erwähnte "Sonic Pump"-Studio. Was wird denn an Produktionen als nächstes zu erwarten sein?

Demnächst wird die zweite Scheibe einer finnischen Band namens MACHINE MEN erscheinen. Ich liebe diese Band! Mit geschlossenen Augen meinst du die jungen IRON MAIDEN zu hören, vor allem ihr Sänger klingt wie Bruce Dickinson in seiner besten Phase! Ich habe das Glück, nur mit Bands arbeiten zu "müssen", deren Musik ich persönlich schätze, weshalb ich den Job auch genauso liebe wie THUNDESTONE. Mittlerweile ist die Hütte schon nahezu besser gebucht als mir lieb ist. Solange mein "Job" aber immer noch ausreichend Zeit für die Band läßt, besteht aber keineswegs Handlungsbedarf in irgendeiner Weise.

Woran sich hoffentlich auch in Zukunft nichts ändern wird. Denn bei aller Einsicht, was das Studio betrifft, ohne THUNDERSTONE wäre die Szene mit Sicherheit um eine Attraktion ärmer!

http://www.thunderstone.org/

thunderstone@thunderstone.org

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

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