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  UE-Home → History → Online Empire 84 → Interview-Übersicht → SHOK PARIS-Interview last update: 20.11.2022, 22:24:48  

SHOK PARIS-Logo

In den letzten anderthalb Dekaden hatten wir zwar mehrfach die Chance, SHOK PARIS bei ausgewählten Festivalshows zu erleben, ansonsten aber blieb es still rund um die kultigen Metaller aus Cleveland, Ohio. Gerüchte besagten zwar, ein weiteres Studioalbum wäre in Arbeit, doch die seit jeher vom Fronthünen Vic Hix angeführte Truppe schien es nicht unbedingt eilig gehabt zu haben. Der Jubel der Fans dürfte daher um so gewaltiger ausfallen, wenn sie das neue Gerät mit dem unmißverständlichen Titel »Full Metal Jacket« zum ersten Mal probieren.

SHOK PARIS-Headline

Um mehr über das Album und die nicht ganz unkomplizierte Entstehungsgeschichte zu erfahren, mußte Vic für uns die letzten Jahre der Bandgeschichte aufrollen.

Erste Ankündigungen für eine neue Scheibe gab es schon vor etlichen Jahren. Was war denn los?

Es gab eine ganze Menge zu erledigen, vor allem für mich. Bis 2008 war ich nämlich eher damit beschäftigt, AFTERSHOK voranzutreiben. Da ich mich aber mit den Jungs nicht auf die musikalische Ausrichtung des dritten Albums einigen konnte, beschloß ich, mich doch wieder auf SHOK PARIS zu konzentrieren.

Und ich dachte bislang, die beiden Bands wären zumindest eine gewisse Zeit lang parallel betrieben worden. Schließlich habt Ihr SHOK PARIS doch schon 2004 reaktiviert. Oder war das eine einmalige Geschichte für das "Bang Your Head!!!"-Festival?

Genau das war es! Damals gab es noch überhaupt keine Bestrebungen, SHOK PARIS weiter am Leben zu halten. Mein Ziel war es lediglich, so viele Originalmitglieder wie nur möglich zusammenzutrommeln, um den Fans in Europa bei unserer Premiere bei Euch drüben eine volle Breitseite servieren zu können. Ich denke, daß ist mir an diesen Tagen gelungen. Für uns als Musiker war es jedenfalls unfaßbar. Etwas Besseres hätten wir uns nicht vorstellen können!

SHOK PARIS-Bandphoto 1

Zu recht, denn auch Ihr wart einfach Hammer! Ihr habt in dieser Zeit aber auch in der Heimat gespielt. Wie waren denn die Reaktionen darauf?

Ganz okay. Aber das waren im Prinzip nur Warm-up-Shows. Uns ging es in erster Linie darum, wieder zu einer Einheit zu werden, bevor wir zu Euch kommen. Auch von der Größenordnung läßt sich das nicht vergleichen, denn wir haben lediglich in kleinen Clubs rund um Cleveland gespielt.

So wirklich los ging es ohnehin erst 2010, als Ihr für ein weiteres Open Air nach Deutschland gejettet seid.

Das stimmt. Ich befand mich in einer eher unsicheren Phase und konnte mich nicht so recht entscheiden, ob SHOK PARIS oder doch AFTERSHOK meine Priorität genießen durften. Das Angebot, mit SHOK PARIS beim "Headbangers Open Air" 2010 aufzutreten, kam mir also sehr gelegen. Zwar mußte ich zunächst ein Line-up zusammenstellen, doch dabei hatte ich offenbar Glück. Die damals rekrutierte Besetzung ist nämlich bis heute stabil und besteht seit diesen Tagen aus meinem alten Kumpel Ken Erb an der Klampfe und mir sowie den Neuzugängen Donovan Kenaga am Schlagzeug, dem alten Haudegen Ed Stephens am Baß und John Korzekwa an der zweiten Gitarre. Die Jungs sind stammen allesamt aus dem Raum Cleveland und haben mit Ausnahme von Ed, der hier in der Umgebung schon für so ziemlich jede Band aktiv war, bislang kaum Erfahrung. Alle drei sind seit ihrer Jugend SHOK PARIS-Fans, von daher war es nicht allzu schwierig, sie zum Mitmachen zu animieren. Da Donavan obendrein ein Halbbruder von Ken ist, kann ich sogar guten Gewissens behaupten, die drei gehören zur SHOK PARIS-Familie. [lacht]

Die Besetzung harmoniert also wunderbar und durfte ihre Live-Power einige Zeit später erneut unter Beweis stellen. 2015 hat man Euch nämlich für das "Keep It True" erneut nach Europa geholt. Dennoch habt Ihr Euch damit ein wenig unter Druck gesetzt, denn seit diesem Wochenende gibt es hartnäckige Gerüchte, daß ein neues SHOK PARIS-Albums mit dem Titel »Full Metal Jacket« in Mache sein und bald erscheinen soll...

Das war ja nicht einmal gelogen. [lacht] Okay, das "bald" war vielleicht ein wenig übertrieben. [lacht] Die Geschichte unseres neuen Albums geht an sich bis ins Jahr 2008 zurück, auch wenn ich mich damals eigentlich auf das dritte AFTERSHOK-Album vorbereitet hatte. Doch nach einigen Unstimmigkeiten und meinem Ausstieg behielt ich meine Ideen lieber für mich. Im Prinzip bin ich auf diese erst wieder zurückgekommen, als wir nach der SHOK PARIS-Show in Norddeutschland in die Heimat zurückgekehrt sind.

SHOK PARIS-Singleshot: Vic Hix

Seit damals ist aber trotzdem eine weitere Dekade ins Land gezogen. An mangelnder Motivation wird es wohl nicht gelegen haben, oder?

Im Gegenteil! Der Auftritt in Norddeutschland war im Prinzip die Feuertaufe und die erste Zerreißprobe für das neue Line-up. Im Endeffekt läßt sich sagen, daß dort die Initialzündung für unser neues Album stattgefunden hat. Denn erst die Euphorie der Fans und deren Verlangen nach neuem Material hat uns so richtig die Augen geöffnet. Und zwar gehörig! Dieses Festival hat uns dermaßen angespornt, daß wir fast unmittelbar nach unserer Rückkehr in die Staaten mit dem Schreiben neuer Songs begonnen haben. Wir warten auch ganz gut im Rennen, denn unsere EP mit dem Titel »Decharge Electricque« war fast fertig.

Das Teil ist aber nie veröffentlicht worden. Warum?

Weil wir nach unserem nächsten Auftritt in Europa unsere Pläne wieder geändert, und uns dazu entschlossen, stattdessen einen Longplayer aufzunehmen. Grund dafür war unser Auftritt beim "Up The Hammers" in Athen im Jahr 2012. An diesem Abend haben wir mit ›Those Eyes‹ und ›Full Metal Jacket‹ zwei brandneue Tracks erstmals vor Publikum gespielt und die Fans waren dermaßen aus dem Häuschen, daß wir gar nicht anders konnten, als auch diese Songs auf Tonträger zu verewigen. So ist aus der EP schließlich ein Langeisen geworden.

Woran habt Ihr Euch beim Komponieren orientiert?

Es gab eine einzige Vorgabe: Die Songs mußten nach SHOK PARIS klingen. Das war alles, und das ist uns auch gelungen. Oder?

Auf jeden Fall! Wie ist die Produktion generell abgelaufen?

Sehr lehrreich. Da wir komplett auf uns allein angewiesen waren und weder von einem Label noch von sonst irgendjemandem Unterstützung hatten, mußten wir vieles in Eigenregie erledigen. Im Nachhinein betrachtet war das aber eine gute Sache, denn wir haben dabei viele Erfahrungen machen können und viel gelernt. Zu Beginn war es allerdings etwas mühsam, da wir uns erst da entsprechende Equipment zulegen mußten. Aber wer einen Ken Erb in der Band hat, braucht sich keine Sorgen zu machen! Ken hat sein Wohnzimmer zum Studio umfunktioniert und danach sogar seine Toilette umgebaut, um einen Aufnahmeraum zu schaffen. Das alles hat natürlich jede Menge Geld und Zeit beansprucht, doch es war uns die Mühe wert! Und wenn man bedenkt, daß wir allein zwei Jahre für Umbau und Installation benötigt haben, gingen die Aufnahmen an sich sogar recht rasch über die Bühne.

Durchaus. Außerdem habt Ihr scheinbar vieles richtig gemacht, denn »Full Metal Jacket« klingt überraschend satt. Das Album kann sich generell mehr als nur hören lassen und wird von den Fans auch ganz sicher nicht beanstandet werden. Apropos: Zu den griechischen Fans scheint Ihr generell ein spezielles Verhältnis zu pflegen. Der letzte Track des Drehers dürfte wohl aus gutem Grund ›Up The Hammers‹ betitelt sein, oder?

Generell schon. Allerdings ist diese Nummer keineswegs nur als Hommage an unsere griechischen Fans zu sehen. Wir wollten damit allen Fans in Europa die Ehre erweisen! Sie haben uns die Treue gehalten, egal was gekommen ist. In den 80ern hatten wir zwar auch in den Staaten ein ordentliches Following, doch als der Metal in traditioneller Form bei uns nicht mehr "up to date" war, sah es düster für Bands wie uns aus. Bei Euch war das schon immer anders. Wenn wir unsere Fans in Europa nicht hätten, wäre die Band wohl schon längst Geschichte. Deshalb haben wir diese Nummer für Euch aufgenommen!

Geradezu logisch erscheint dadurch die Tatsache, daß »Full Metal Jacket« auf einem europäischen Label erscheint. Ist der Kontakt denn bei einer Eurer Festivalshows entstanden?

Schon, allerdings sind Chris von NO REMORSE RECORDS und AUBURN-Chef Bill Peters schon länger befreundet. Von daher war es nicht allzu kompliziert, einen Vertrag unter Dach und Fach zu bringen (Bill war und ist der Mäzen von SHOK PARIS: Das erste Album »Go For The Throat« erschien 1984 via AUBIRN RECORDS; Bill war zudem maßgeblich an den erwähnten Trips der band nach Europa beteiligt - Stefan). Da Bill im Begriff war, sich ein Konzept zu überlegen, wie wir das Album optimalerweise weltweit vermarkten und vertreiben könnten, kam die Vertragsunterzeichnung in Athen zur richtigen Zeit. Jetzt heißt es für uns also nur noch: Dranbleiben!

Und zudem bleibt zu hoffen, daß sich in absehbarer Zeit ein weiteres Mal die Chance für Gastspiele von SHOK PARIS in Europa bietet!

http://www.shokparis.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Stefan Glas [Photo 2]

SHOK PARIS im Überblick:
SHOK PARIS – Full Metal Jacket (Rundling-Review von 2020)
SHOK PARIS – Go For The Throat (Re-Release-Review von 2005)
SHOK PARIS – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Cult Complete"-Artikel
SHOK PARIS – US Metal Vol. 2-Special
SHOK PARIS – ONLINE EMPIRE 20-"Living Underground"-Artikel
SHOK PARIS – ONLINE EMPIRE 21-Interview
SHOK PARIS – ONLINE EMPIRE 84-Interview
SHOK PARIS – News vom 19.12.2009
Playlist: SHOK PARIS-Album »Steel And Starlight« in "Playlist Heavy, oder was!? 63" auf Platz 1 bei den Alltime-Faves von Stefan Glas
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