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  UE-Home → History → Online Empire 60 → Interview-Übersicht → KIX-Interview last update: 03.02.2023, 18:16:54  

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Es war 1977, als sich in Hagerstown, Maryland, eine Horde von jungen, wilden Burschen unter dem Namen THE SHOOZE zusammentat, um ihrer gemeinsamen Vorliebe für Rock'n'Roll zu frönen. Dieser Formation war jedoch nur eine sehr kurze Existenz beschert, unter anderem weil ein Teil der Musiker aus dem relativ weit entfernten Pittsburgh stammte und so ein kontinuierlicher Proberaumbetrieb nicht gewährleistet war. Doch Gitarrist Ronnie Younkins und Bassist Donnie Purnell wurden recht rasch in unmittelbarer Umgebung fündig, und so kam es, daß sich nach und nach Drummer Jimmy Chalfant, Sänger Steve Whiteman und Gitarrist Brian Forsythe im Line-up der 1980 in KIX umbenannten Band wiederfanden. Es folgten erfolgreiche Gastspielreisen in der Heimat sowie mehr als nur beachtliche Erfolge mit den Alben »Kix« (1981), »Cool Kids« (1983), »Midnite Dynamite« (1985) und »Blow My Fuse« (1988). Auch die 1991er Scheibe »Hot Wire« konnte verkaufstechnisch noch durchaus reüssieren, dennoch lag hinter den Kulissen bereits einiges im Argen, so daß Brian bald darauf seien Dienst quittierte und zudem die Band von ihrem Label ATLANTIC RECORDS vor die Tür gesetzt wurde. Zwar folgte mit »$how Bu$ine$$« im Jahr 1995 ein weiterer Tonträger, doch wie bei vielen anderen "Marktbegleitern" auch, war für KIX mit ihrem seit den Ursprüngen stark von AC/DC und MÖTLEY CRÜE beeinflußten Sound, in dieser Zeit nicht einmal ein Blumentopf zu gewinnen. Als Folge daraus wurde die Band zu Grabe getragen, und das Kapitel schien für alle Zeiten beendet.

KIX-Bandphoto 1

Doch wie so oft, sollte sich auch für KIX die "Endgültigkeit" ihrer Auflösung alsbald erledigt haben, und so kam es, daß die Truppe seit 2003 wieder zusammen ist und mit »Rock Your Face Off« vor einigen Wochen ein weiteres Studioalbum in die Umlaufbahn katapultiert werden konnte.
Darauf ist - mit Ausnahme von Donnie, der seit 2003 von Mark Schenker ersetzt wird - die Band erneut in ihrer "klassischen" Besetzung zu hören und steht nun logischerweise "Gewehr bei Fuß", um die Rockwelt zurückzuerobern. Gitarrist Brian erklärt wie es dazu kam.

KIX-Headline

Mit Eurer Reunion haben bei uns nur wenige Fans gerechnet, noch weniger jedoch mit weiteren Veröffentlichungen. Was gab den Ausschlag, Euch als Band wieder zusammenzutun?

Dazu muß ich ein wenig ausholen, da sich KIX nicht von heute von morgen aufgelöst hatten. Mitte der Neunziger war nicht nur eine miese Zeit für unsere Musik gekommen, auch wir waren irgendwie planlos, wie es weitergehen sollte. Irgendwann hatte ich einfach genug von allem und klinkte mich schlußendlich 1993 aus. Die Band existierte allerdings noch einige Zeit länger, bis irgendwann gar nichts mehr ging. Unser Glück war allerdings, daß wir uns selbst in den allerschlechtesten Tagen nie dermaßen in die Haare geraten waren, daß weitere Kontakte auszuschließen waren. So kam es, daß wir uns später immer wieder gegenseitig bei diversen Projekten unterstützt haben und die Freundschaft zueinander aufrecht blieb. Gegen 2000/2001 ergab sich dann ein Angebot für einige Shows hier in Baltimore, und mit Ausnahme von Donnie waren wir alle sofort euphorisch und binnen weniger Wochen auch wieder fit an den Instrumenten. So kam es, daß wir erneut zur Rockparty laden konnten.

Dafür ist Eure Musik bekannt und auch ideal. Warum aber hat es danach so lange gedauert, ehe wir ein neues Album erhalten haben?

Von einer längerfristigen Zusammenarbeit war zunächst nicht die Rede, und da unser altes Material immer wieder für gute Stimmung gesorgt hat, sahen wir ehrlich gesagt gar nicht die Notwendigkeit, neue Songs zu schreiben. Erst als uns FRONTIERS RECORDS nach dem Release von »Live In Baltimore« (einer im Jahr 2012 aufgelegten, sehr gelungenen Livescheibe - der Verf.) mehrfach nahegelegt haben, es doch zu versuchen, haben wir uns doch noch dazu aufgerafft.

Das bedeutet, daß auf »Rock Your Face Off« ausschließlich brandaktuelles Material zu hören ist, oder?

Exakt! Es gibt kein Riff zu hören, das in irgendeinem Archiv vor sich vegetieren mußte. Die Tracks sind allesamt erst in den letzten Monaten entstanden, auch wenn man durchaus auf andere Gedanken kommen könnte. Wir haben unsere Musik jedoch immer schon als absolut zeitlos betrachtet und eine eigene Herangehensweise verfolgt. Dadurch verkommen die Jahreszahlen auf den Scheiben zu Belanglosigkeiten. [lacht]

KIX-Bandphoto 2

Keine Widerrede, zumal das Album schlicht und ergreifend fett rockt und für beste Stimmung sorgt. Eine spezielle Intention wie das Material zu klingen hätte, gab es dann wohl nicht?

Doch, genau diese. [lacht] Dafür haben KIX immer schon gestanden, und von daher war es logisch, daß unsere Songs erneut nichts anderes vermitteln sollten, als gute Stimmung und pures Rock- und Party-Feeling.

Eigenartig war für mich bislang, daß Ihr zwar in der Heimat eine ganz heiße Nummer gewesen seid, hier bei uns aber einen mehr als nur bescheidenen Status innehabt. Hast Du eine Erklärung dafür?

Oh ja. Diese Tatsache ist sehr wohl auch uns selbst zuzuschreiben, selbst wenn wir der Meinung sind, daß wir in der Vergangenheit nie wirklich den nötigen Support seitens unserer Plattenfirmen erhalten haben. Inzwischen sind wir allerdings davon überzeugt, daß man es als Band sehr wohl schaffen kann, ein Label soweit zu bringen, daß nichts unversucht bleibt. Man darf sich bloß nicht zu leicht unterbuttern lassen.

Wäre es eventuell von Vorteil gewesen, wenn Ihr Euch im Westen der Staaten angesiedelt hättet?

Was das Business betrifft, vielleicht. Da wir aber allesamt hier im Osten groß geworden sind und zudem Familien und Freunde hätten zurücklassen müssen, kam das nie in Frage. Abgesehen davon sahen wir durchaus auch einen Vorteil darin, aus einer Gegend zu stammen, in der fernab aller grassierenden Trends eine, wenn auch nur kleine Szene existierten konnte. Man bleibt wesentlich bodenständiger und kann sich auch ohne Beziehungen einen Namen machen. Abgesehen davon denke ich, daß wir als Band, die nicht nur von L.A., sondern auch von New York weit entfernt angefangen hat, unseren eigenen Stil entwickeln und vor allem einen eigenen Weg gehen konnten, ohne daß wir uns hätten verbiegen müssen.

Es hat also durchaus auch etwas Positives, fernab vom Schuß zu leben.

http://www.kix-band.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

KIX im Überblick:
KIX – Can't Stop The Show: The Return Of KIX - A Documentary (Rundling-Review von 2016 aus Online Empire 69)
KIX – Rock Your Face Off (Rundling-Review von 2014 aus Online Empire 61)
KIX – Online Empire 60-Interview (aus dem Jahr 2014)
KIX – News vom 02.09.2005
KIX – News vom 07.05.2021
siehe auch: Musik von KIX im Film "Johnny Be Good"
siehe auch: Musik von KIX im Film "Wayne's World"
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