UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Underground Empire 6 → Interview-Übersicht → RAGNARÖK (D)-Interview last update: 18.06.2022, 10:01:29  

”UNDERGROUND EMPIRE 6”-Datasheet

Contents:  RAGNARÖK (D)-Interview

Date:  16.03.1992 (created), 03.07.2011 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 6

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Es liegen etliche Stories und Reviews schon seit Jahren unveröffentlicht auf Halde, weil eigentlich der damalige Autor noch ein "Extra-Info" hätte verfassen sollen. Doch diese Idee soll nun in die Tonne gekloppt werden, weil auf diese Weise diese alten Artikel vielleicht nie online gehen. Daher wird meine Wenigkeit - sofern möglich - ein "Ersatz-'Extra-Info'"verfassen. Sollte der damalige Autor doch noch Lust verspüren, etwas zu diesem Kasten beizusteuern, so werde ich das dann eben hinzufügen.

 


Das durchgeknallte Morgentoilettenphoto hatten wir auch für das gedruckte Heft gewählt. In selbiges war dann das Logo in seiner Outlineversion in roter Farbe rechts oben eingebaut worden. Das Logo, diesmal mit dem gefüllten Dreieck, lag auch nochmal auf der zweiten Seite als Hintergrund hinter dem Text. Ebenfalls als Texthintergrund fungierte der nicht weniger durchgeknallte und zusätzlich errötete Interviewtitel - der demzufolge auch in einem exzentrischen Schrifttypus zu sehen war.

Supervisor:  i.V. Stefan Glas

 
 

RAGNARÖK (D)-Logo

Wer immer gründlich die Rubrik "German Metal" studiert, dürfte bereits über den Namen RAGNARÖK gestolpert sein. Ich hatte am 8. Februar 1992 das unbeschreibliche Vergnügen, die Drei livehaftig im "Trockendock" zu Hamburg bewundern zu können. Nachhaltig beeindruckt, machte ich mich einige Tage später auf, um etwas über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges dieses extrem innovativen Trios zu erfahren. Schon der Empfang durch Ulrichs Freundin Bianca verhieß nichts Gutes. "Da steht was Langhaariges vor der Tür. Es lacht jetzt!" Na Klasse! Mir schwante Böses. Auch die darauffolgenden Gespräche beim Mittagessen, bei denen es hauptsächlich um die Zerlegung diverser Vierbeiner, vorwiegend Katzen, ging, verursachten mir Kopfschmerzen. Wo war ich hier bitte gelandet? Nach abgeschlossener Nahrungsaufnahme lauschten wir andächtig den bereits fertig für das neue Demo eingespielten Drumparts. Soundtechnisch hat man (Tom!) absolut nichts anbrennen lassen. Wuchtig knallen mir Tammos Beats entgegen. Nun stand also nichts mehr einem Smalltalk mit zwei Dritteln dieses philosophischen Komikertrios, namentlich Tammo, zuständig fürs Trommeln, und Barde Ulrich entgegen.

RAGNARÖK (D)-Headline

First of all wollte ich dann wissen, was denn so alles nach dem, schlicht »The Tape« betitelten, Demo passiert ist.

Zuerst mal mußten wir ja einen neuen Bassisten finden, da Nila nach den Aufnahmen die Band im, wie es immer so schön heißt, "beiderseitigen Einverständnis" verließ. Das dauerte eine ganze Weile, da wir zwei Leuten nacheinander erst das gesamte Programm beipuhlen mußten, um dann jeweils festzustellen, daß sie nicht zu uns paßten. Irgendwie sind wir dann auf Dieter gestoßen. Na ja, wir hatten dann halt einige Auftritte, haben neue Stücke geschrieben - was man halt so macht.

Bleiben wir doch mal beim »The Tape«. Wie waren denn die Resonanzen?

Dafür, daß wir echt einiges verdaddelt hatten, ist es sehr gut gelaufen. Wir haben schätzungsweise 400 Exemplare verkaufen können. Allerdings merkwürdigerweise hauptsächlich im Ruhrgebiet und im Süden. Hier oben, vor allem in Hamburg ist es eher mäßig gewesen. Wenn man bedenkt, daß das Tape ursprünglich gar nicht als offizielles Demo gedacht war und wir auch keinen Vertrieb hatten, lief es sehr gut. Wir haben ganz gute Beziehungen zu einigen Studios, so daß wir uns den ganzen Kram, wie Bandmaschine und Mischpult zusammenleihen konnten. Wir hatten alle Zeit der Welt und haben ganz einfach alle Songs aufgenommen, die wir damals hatten. Deshalb ist das Teil auch so lang geworden. Irgendwie sind wir danach erst auf den Gedanken gekommen, daß man das ja auch offiziell verkaufen könnte. Wir haben dann die noch dieses »Tape Light« gemacht, mit dem Song vom "Peace Eater Vol.I" Sampler, sowie zwei Liveversionen. Das war es eigentlich.

RAGNARÖK (D)-Bandphoto 1

Bei den guten bis sehr guten Kritiken, die Ihr überall einheimsen konntet, dürften sich doch wohl auch einige Labels bei Euch gemeldet haben?

Zwei wollten mit uns ein Demo machen und einer hat uns einen Deal über drei LPs angeboten. Das Problem bei dem war nur, daß der Mensch auch gleichzeitig Studiobesitzer und Produzent gewesen wäre. Er hat uns dann eine CD von sich geschickt, die uns allerdings soundtechnisch absolut nicht zusagte, so daß wir das Angebot ablehnen mußten. Wir haben uns gesagt, lieber noch ein richtig gutes Demo zu machen und dann mal weiterzusehen. Es bringt Dir ja absolut nichts, wenn Du vertraglich bei einer kleinen Firma hängst, die Dich aber nicht ausreichend unterstützen kann.

Ein Kritikpunkt bei einigen Reviews war der Gesang. Ihr habt ja nach dem Demo auch noch eine Sängersuche gestartet. Was ist denn daraus geworden?

Anfänglich war das eigentlich mehr so ein Kompromiß, daß ich gesungen habe, aber ich denke, daß ich mich in letzter Zeit doch erheblich verbessert habe. Wir wollten nicht noch mehr Zeit durch das Anlernen eines neuen Sängers verlieren, so daß ich dabei geblieben bin. Was die Kritik angeht, muß ich sagen, daß der Sänger immer der Gearschte ist.

Könnte es vielleicht daran liegen, daß der Hörer gar nicht mitbekommt, wenn sich der Drummer beispielsweise verspielt. Beim Sänger sind die Fehler offensichtlicher und somit leichter zu erkennen.

Stimmt genau. Es gibt insofern auch kaum einen Sänger, der nicht kritisiert wird. Ich glaube aber, daß ich vor allem live erheblich besser geworden bin, so daß es keinen Grund für einen Wechsel gibt. Hinzu kommt, daß die Texte sehr persönlich sind und ich wohl am besten selbst weiß, was ich da ausdrücken wollte und wie das am besten rüberkommt.

Gutes Stichwort: die Texte! Wieso waren die eigentlich nicht abgedruckt?

Dafür gibt es primär zwei Gründe. Zum einen war gar nicht geplant, das Demo jemals öffentlich zu verkaufen. Das kam erst nachdem wir es fertig hatten. Außerdem sind da auch einige grammatikalische Fehler drin, die wir so nicht abdrucken wollten. Es kommt mir halt darauf an, daß es schön klingt. Deshalb verwende ich auch gerne Reime. Beim neuen Demo werden wir die Texte aber korrigieren lassen, so daß wir sie dann auch ungeniert abdrucken können.

RAGNARÖK (D)-Bandphoto 2

Ihr habt beim Gig am Samstag einen neuen Titel gespielt, bei dem es um einen Vampir ging...

Ja, der ist aber nicht auf dem Demo. Es geht darin um einen sehr alten Vampir, dem die Zähne schon ausgegangen sind und vor dem sich niemand mehr fürchtet. Hinzu kommt noch, daß der arme Kerl völlig allein auf der Welt ist, oder kennst Du noch einen anderen Vampir?

Äähh???

Siehst Du! Also eigentlich eine sehr traurige Story. Ich steh' halt auf so ein Zeug, wie Vampire und Elfen und so. Übrigens, hier im Wald gibt es ja auch welche!

In welchem Wald???

Na ja, auf jeden Fall gibt es hier Elfen! Äh, ich kann Dir aber eine malen (Fängt an die Zahl "11" zu zeichnen - Red.)!

Damit wäre die Existenz jener Geschöpfe leider wieder einmal nicht bewiesen! Aber mal ernsthaft, wo seht Ihr denn Eure Verkaufschancen? Ihr paßt in keins der gängigen Klischees hinein, spielt keinen Death Metal. Wer soll Euch denn bitte kaufen? Progressivmetaller?

Wohl noch am ehesten. Obwohl wir eigentlich total simpel spielen. Es klingt bloß kompliziert. Das Problem bei vielen Progressivbands ist das Feeling. Musik aus dem Kühlschrank! Das ist nicht unser Ding. Ich denke auch, daß es nur ein paar wenige interessiert, ob ich jetzt ein völlig geniales Dreißigminutensolo spiele. Hauptsache ich spiele meinen Part sauber. Es wird auch viel zu viel kopiert. Bands wie FATES WARNING oder WATCHTOWER sind eigenständig. Oder sieh Dir METALLICA an, das sind die Originale. Man hört einfach einen Unterschied.

Kommen wir doch jetzt mal zu der hintergründigen Frage, was denn bitte der Bandname RAGNARÖK bedeutet.

Das stammt aus der nordischen Mythologie und ist so etwa das Zeitalter vor und während des Weltuntergangs. Wer das nun genau wissen möchte, sollte sich das Intro des Demos zu Gemüte führen, denn da lesen wir die Definition aus einem Lexikon vor. Übrigens ist seit dem Film "Erik, der Wikinger" ein echter RAGNARÖK-Boom zu verzeichnen. Es gibt Bands wie ASGARD oder VALHALLA, BLACK SABBATH haben auf »Tyr« das Thema verwendet, und es gibt noch drei weitere Bands mit dem Namen. Da kommt man schon ins Schwitzen. Sobald nämlich eine von denen mit einer Scheibe rauskommt, können wir uns umbenennen, da wir den Namen nicht rechtlich schützen können. So etwas läuft nach dem Marktwert ab und nicht danach, wer ihn als erster hatte!

Wir haben die ganze Zeit schon vom neuen Demo gesprochen. Was dürfen wir denn konkret erwarten?

Da sind vier Songs von der Band drauf und ein Akustikstück, wo Ulrich solo zu hören ist. Wir haben wieder ein Stück aus der "Promise"-Saga (Besitzer von »The Tape« wissen sicherlich Bescheid - Red.), ›Tormenting Question Of An Afterlife‹ und ›Those Eyes‹. Das handelt von einem Typen namens Ulrich, der auf dem Flohmarkt ein Gemälde von einem Elfenkopf entdeckt, auf den noch ein Fuchskopf aufgesetzt ist. Dieses Vieh hat unheimlich stechende, schwarze Augen und suggeriert dem Typen nun, er müsse an einen See gehen. Und da trifft er dann dieses Wesen!

Ja, und dann?

Na ja..., äh..., nun, es saugt ihn aus!

So, so!

Ist aber nicht alles so abgedreht! ›Tormenting Question Of An Afterlife‹ handelt von einem Typen, der kurz vor dem Tod steht und sich Gedanken macht, was kommen mag. Das Ding dürfte etwa Mitte März fertig sein. Ein Freund von mir malt uns ein Cover. Das soll schon so ein kleines Kunstwerk werden. Er bekommt von uns die Texte und malt dann, was ihm dazu einfällt. Das dürfte ganz gut werden.

Mir ist aufgefallen, daß Kai Hansen von GAMMA RAY ein bißchen Werbung für Euch macht!

Ja, ich kenne die schon recht lange, und der Kai ist so ein kleiner Fan von uns. Wir haben mit denen auch schon zusammengespielt und dabei dann unsere erste Livekritik im METAL STAR erhalten. (Beim nächsten Mal bitte die Stöpsel aus den Ohren nehmen, Achim - Red.) Es kann sein, daß wir irgendwie mal was zusammen produzieren werden. Wenn die jetzt nicht gerade auf Tour gewesen wären, hätte Kai wohl auch schon das neue Demo produziert. Aber wir wollten halt nicht warten.

Damit wären von meiner Seite aus alle Klarheiten beseitigt.

Wir würden ganz gerne noch Tom und Dieter grüßen, die nebenan gerade aufnehmen.

Das ist auf meinem Tape nicht zu überhören gewesen. Abschließend sei hier nur noch angefügt, daß die Drei am 6. Mai in Hamburg im "Logo" zusammen mit DROWNING IN REAL zu sehen sein werden. Das neue Demo gibt es für 12,- DM bei:

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Holger Andrae

RAGNARÖK (D) im Überblick:
RAGNARÖK (D) – Guess For 6´n`7 (Demo-Review von 1992)
RAGNARÖK (D) – The Tape (Demo-Review von 1990)
RAGNARÖK (D) – UNDERGROUND EMPIRE 4-"German Metal"-Artikel
RAGNARÖK (D) – UNDERGROUND EMPIRE 6-Interview
RAGNARÖK (D) – News vom 23.09.1992
unter dem späteren Bandnamen prklz´´´:
prklz´´´ – The Promise I To VII (Demo-Review von 1994)
prklz´´´ – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Known'n'new"-Artikel
andere Projekte des beteiligten Musikers Tammo Vollmers:
GAMMA RAY (D) – News vom 23.09.1992
GHOSTS OF DAWN – Corona & The Sundevil (Do It Yourself-Review von 1994)
© 1989-2022 Underground Empire


Stop This War! Support The Victims.
Button: here