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Der Umstand, da├č in unseren Breitengraden vermeintliche Selbstverst├Ąndlichkeiten wie Meinungsfreiheit und auch k├╝nstlerische Freiheit existieren, wird - wenn auch aus durchaus nachvollziehbaren Gr├╝nden - nicht immer ausreichend gesch├Ątzt. Es liegt wohl in erster Linie daran, da├č diese Gegebenheiten hier als Fixpunkte betrachtet werden und nicht mehr weiter dar├╝ber nachgedacht wird, wodurch sich K├╝nstler ausschlie├člich auf ihre T├Ątigkeit konzentrieren k├Ânnen. Bekannterweise ist das aber keineswegs ├╝berall auf dieser Welt so und auch die Heavy Metal-Szene ist logischerweise von diesem Umstand betroffen. Auch in dieser, ach so "zivilisierten und modernen" Welt gibt es immer noch jede Menge L├Ąnder, in denen es f├╝r Musiker alles andere als einfach ist, derlei Kl├Ąnge dem Publikum ├╝berhaupt pr├Ąsentieren zu d├╝rfen.

Ein Paradebeispiel daf├╝r, wie schwierig es sein mu├č, mit Metal an die ├ľffentlichkeit zu gehen, oder besser gesagt, sich damit ├╝berhaupt an dieses Unterfangen heranzuwagen, sind wohl AHOORA, die im Iran beheimatet sind. Als vagen Vergleich zur Situation dieses Quartetts kann man wahrscheinlich die Lage von Bands im ehemaligen Osten Europas heranziehen, als die Grenzen in deren Heimatl├Ąndern noch alles andere als offen waren. Doch allen Komplikationen zum Trotz liefern AHOORA auf ihrer mittlerweile dritten Ver├Âffentlichung ein sehr beachtliches Werk ab, mit dem sie internationale Vergleiche keineswegs zu scheuen brauchen. Die Herren Ashkan Hadavand (Gesang), Mohamad Baei (Ba├č), Milad Tangshir (Gitarre) und Alireza Saeidian (Gitarre), die zudem auch noch phasenweise Unterst├╝tzung von einer Dame namens Ida Norheim-Hagtun am Mikro erhielten, liefern auf ┬╗All Blood With You┬ź ├╝ber 40 Minuten feinen progressiven Thrash Metal ab, der ├╝ber jede Menge an weiteren Zutaten verf├╝gt und sogar Anleihen aus dem Doom, aber auch aus dem Death Metal der technisch versierten Machart zu bieten hat. Ein besonders interessanter Aspekt scheinen hier "Fremdeinfl├╝sse" zu sein, da es wohl auch anzuzweifeln ist, da├č AHOORA ohne weiteres an Musikver├Âffentlichungen aus unserer "Welt" gelangen k├Ânnen. Aber wie dem auch sei, die Jungs kredenzen uns ein St├╝ck brettharten, aber dennoch melodi├Âsen Metal in technisch versierter Art, der in Summe eine ganze Latte an Vergleichsm├Âglichkeiten bietet. Das mitunter sehr abgefahrene, brachiale Riffing l├Ą├čt zun├Ąchst einmal an neuere NEVERMORE denken, aber auch CONTROL DENIED kommen mir in den Sinn, wenn ich ┬╗All In Blood With You┬ź lausche. Mitunter gehen die Herrschaften aber auch im Stile heftigerer Thrash Metal-Formationen zu Werke, und vor allem gesangstechnisch wird der schmale Grat zwischen Thrash und Death Metal des├Âfteren ├╝berschritten. Die immer wieder recht harsche Vortragsweise dieser Band l├Ą├čt mich zum Teil an die Schweizer CORONER denken, die vor allem hinsichtlich der Gesamterscheinung des instrumentalen Vortrags als Vergleich herangezogen werden k├Ânnen. Dazu kredenzen uns AHOORA aber auch symphonische Elemente (ÔÇ║A History Of ExtinctionÔÇ╣) und einige experimentelle Zutaten, wie teilweise verzerrten und dadurch noch ein wenig d├╝sterer wirkenden Gesang von Ashkan in ÔÇ║Between Maybe & NeverÔÇ╣. Durch vereinzelte Hintergrundsangespassagen der genannten Dame, die der Angelegenheit einen gothisch-dunklen Anstrich verleihen, offerieren AHOORA eine weitere Facette ihres ohnehin nicht gerade eindimensionalen Stilgebr├Ąus.

Zwar kommen durchaus auch einzelne Ankl├Ąnge aus dem der Band eigenen Kulturkreis zum Vorschein, doch davon k├Ânnten es durchaus gerne noch mehr sein, denn AHOORA w├╝rden dadurch wohl noch ein wenig an Einzigartigkeit gewinnen. Auch wenn die Musik an sich recht hart und heftig klingt, vermeiden es die Jungs aber, sich lediglich auf diese eine Vorgangsweise festzulegen. Sie verstehen es nicht nur durch Melodien, sondern auch durch gezielte Breaks und variables Tempo, f├╝r Abwechslung zu sorgen. ÔÇ║The DepartedÔÇ╣ beispielsweise kommt fast als Doom Metal in ungemein kraftvoller Machart aus den Boxen und im abschlie├čenden Longtrack ÔÇ║Hunger WithinÔÇ╣ verbreiten die Burschen eine extrem d├╝stere Atmosph├Ąre, die f├╝r G├Ąnsehaut sorgt und verdammt gut mit der abgefahrenen Vortragsweise der Nummer an sich harmoniert.

┬╗All In Blood With You┬ź ist ein sehr gelungenes und in sich stimmiges Album, dem man das zur Fertigstellung und Ver├Âffentlichung ben├Âtigte Herzblut zu jeder Sekunde anh├Âren kann, geworden, das trotz der Herkunft der Band keineswegs exotisch klingt, auch wenn man es gerade deshalb h├Ątte vermuten k├Ânnen.

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Walter Scheurer

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┬ę 1989-2017 Underground Empire


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