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AARNI – Tohcoth

EPIDEMIE RECORDS (Import)

Die KlĂ€nge dieses finnischen Projektes, das in erster Linie von Markus Marjomaa betrieben wird, wurden in der Vergangenheit bereits auf unterschiedlichste Art und Weise stilistisch beschrieben. Von atmosphĂ€rischem ProgRock war ebenso die Rede wie von Avantgarde-Doom. Zwischen jenen, dem Anschein nach nur sehr schwer zu vereinbarenden Polen, ist auch das aktuelle Silberscheibchen von AARNI anzusiedeln, wobei in Summe aber der Term "experimentell" nicht fehlen darf, denn als Beschreibung fĂŒr das kĂŒnstlerische Unterfangen von AARNI trifft dieser Begriff mit Sicherheit zu. Die neben Markus nunmehr aus weiteren Musikern mit den herrlichen Pseudonymen "Comte De Saint-Germain", "Doomintroll" und Schlagzeuger "Rhesus Christ" existierende Formation, liefert mit »Tohcoth« einen wahren Schmelztiegel aus ungewöhnlichen KlĂ€ngen ab. Allumfassende Worte zu finden fĂ€llt ungemein schwer, denn dazu ist das Album zu vielschichtig ausgefallen. Immer wieder variieren die Herren Tempo und auch Stimmung der jeweiligen Tracks, was sich nicht zuletzt auch in den unterschiedlichen Spielzeiten der einzelnen Nummern niederschlĂ€gt. Von knapp ĂŒber dreiminĂŒtigen radiofreundlichen Kompositionen bis hin zu elegischen Monumentalepen von ĂŒber zehn Minuten ist auf »Tohcoth« alles vertreten. Bevor jetzt die Musik unters Seziermesser kommt, sei aber auch noch erwĂ€hnt, daß sich AARNI in ihren Texten mit mythologischen Themen beschĂ€ftigen, wobei die Vortragssprachen ebenso unterschiedlich sind wie die AusfĂŒhrung der Songs selbst. Neben Englisch greifen die Herren auch auf ihre Muttersprache zurĂŒck, tragen aber teilweise auch in Latein und in â€șAll Along The Watchtowersâ€č gar in "Enochian", einer erfundenen Sprache aus dem Fundus von Dr. John Dee, vor. Dieser Mann scheint ebenso wie Großmeister Lovecraft mit zu den wichtigsten EinflĂŒssen auf die Musiker selbst zu zĂ€hlen zu sein.

Mit einem ungemein spannungsgeladenen Intro mit dem Titel â€șConiuratio Sadoquaeâ€č eröffnen die Finne die Scheibe, dĂŒstere GitarrenklĂ€nge und in lateinischer Sprache mit dunkler, sonorer Stimme vorgetragene Verse versetzen den Zuhörer in die eine dĂŒstere Stimmung, die sich im anschließenden â€șThe Hieroglyphâ€č fortsetzt, wenn AARNI mit leicht angeschwĂ€rztem Progressive Rock und dezent orientalisch anmutenden Gitarrenspielereien loslegen und sich der Zuhörer auf die Band einlĂ€ĂŸt. Die dunkle Stimme des Meisters tut ihr ĂŒbrigens zum Gelingen dieses Tracks, zu dem die Klientel im Endeffekt dann wohl hingezogen werden wird, wie einst die Ratten von ihrem FĂ€nger in den Bann gezogen wurden und danach zu diesem hingekrochen kamen. Es handelt sich regelrecht um magische Momente, die den Hörer hier ĂŒberkommen, da macht es wohl auch nicht viel aus, daß â€șRiding Down The Miskatonic On A Dead Thingâ€č, ein eher unscheinbares Instrumental, den Reigen fortsetzt. Danach lassen AARNI sogar kurz an IN EXTREMO denken, denn â€șArouse Coiled Splendourâ€č ist von nicht unĂ€hnlicher Machart und lĂ€ĂŸt zudem eine Ă€hnliche Stimmung aufkommen, wie es auch dieser deutschen Institution immer wieder gelingt, auch wenn die Finnen mit Fortdauer der Spielzeit eine mĂ€chtige Heftigkeit an den Tag legen und dieses StĂŒck Musik zu einer Art folkloristischem Doom-Traditional gedeiht. Dadurch abermals in den Fangarmen von AARNI angelangt, folgt die Aleister Crowley-Huldigung â€șΛογοςâ€č, in dem der Meister des Okkultismus inhaltlich zitiert wird. Mit hypnotischem Doom in der bereits erwĂ€hnten Fantasiesprache "Enochian" folgt dann das ungemein intensive und depressiv angelegte â€șAll Along The Watchtowersâ€č. Weniger lebensfrohen Zeitgenossen sei davon wohl besser abgeraten, denn hier besteht akute Suizidgefahr!

Sollte man diese dann "ĂŒberstanden" haben, gibt es zur Entspannung â€șChapel Perilousâ€č, einen hinsichtlich der Gitarrenarbeit an alte englische Proggies erinnernden Track, der den vor kurzer Zeit noch völlig verdunkelten Himmel vor dem magischen Auge des Betrachters plötzlich in den verschiedensten Farbschattierungen erscheinen lĂ€ĂŸt (und das auch ohne etwaige illegale Substanzen...) Etwas gewöhnungsbedĂŒrftig folgt das abermals ungemein dunkel vokalisierte â€șThe Sound Of One I Openingâ€č, das den BrĂŒckenschlag zwischen Art Rock und Doom schafft und irgendwie zu einem ReferenzstĂŒck dieses Albums gedeiht, weil hier geradezu allumfassend sĂ€mtliche unterschiedlichen AnklĂ€nge zu vernehmen sind. Nach diesem neunminĂŒtigen Intensivexkurs in die musikalische Welt von AARNI geben sich die Herren nochmals dem Folk hin und lassen uns eine herzerfrischend witzige (!) Nummer namens â€șThe Battle Hymn Of The Eristocracyâ€č zu Gehör kommen. Es swingt und schunkelt ohne Ende, die Zielgruppe ist damit wohl locker erweiterbar, denn auch Formationen wie KORPIKLAANI wĂŒrde diese Kompositionen perfekt zu Gesichte stehen!

Unaufhaltsam naht das Ende der Scheibe, doch zuvor offenbart die Formation mit â€șBarbelithâ€č nochmals einen monolithischen Doom-Track mit sehr spacigen Fragmenten, ehe uns der Abgesang in Form von â€șIku-Tursoâ€č aus den Boxen entgegendröhnt. Finnischer Sprechgesang in Kombination mit progressiven Gitarrenharmonien in einer dunkel-dĂŒsteren Doom-Variante, die auch ihre diesbezĂŒglich unnachahmlichen Landsleute von REVEREND BIZARRE nicht besser hĂ€tten machen können, beenden dieses wahrhaftig nicht alltĂ€gliche Werk, das Menschen zu Ratten werden lĂ€ĂŸt.

Wo kommt bloß dieses Pfeifen her?

Wo? Verdammt noch mal!

Hmm? Egal, da muß ich jetzt auch hin, ich muß da hin...

http://www.aarni.info/

aarni@aarni.info

beeindruckend 12


Walter Scheurer

 
AARNI im Überblick:
AARNI – Tohcoth (Rundling)
andere Projekte des beteiligten Musikers Markus "Master Warjomaa" Marjomaa:
UMBRA NIHIL – The Borderland Rituals (Rundling)
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