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TURBULENCE (RL) – Frontal

FRONTIERS RECORDS/SOULFOOD

Rockmusik aus dem Libanon mag zwar in unseren Breiten nach wie vor eher als "exotisch" angesehen werden, die wenigen Exemplare, von denen man bislang auch hierzulande Notiz genommen hat, konnten aber durchaus mit ansprechenden Veröffentlichungen in Erscheinung treten. NIGHTCHAINS etwa, die zu Beginn dieses Millenniums mit einem amtlichen Speed/Thrash-Mix aufhorchen haben lassen, ehe die Band den Kriegsunruhen vor gut 15 Jahren zum Opfer gefallen ist. Oder THE KORDZ, die es mit ihrem feinen Mix aus stadiontauglichem Hard Rock, Alternative Metal und orientalischen Klängen bis ins Vorprogramm von DEEP PURPLE schafften. Auch die Jungs von TURBULENCE haben einiges drauf, und brauchen vor allem spieltechnisch keinerlei Vergleiche zu scheuen. Ihr zweites Album »Frontal« wirkt nämlich bis ins kleinste Detail durchdacht und kommt gleichermaßen perfekt strukturiert wie komplex aus den Boxen.

Kein Wunder allerdings, führt man sich den Werdegang dieser 2013 gegründeten Formation vor Augen. Die begann nämlich als DREAM THEATER-Coverband, und das muß jungen Musikern auch erst einmal jemand nachmachen. TURBULENCE haben also den Prog-Metal von der Pike auf erlernt und diesen nach noch einmal zehn Jahren schon verdammt gut, und vor allem überaus professionell drauf. Zwar drängt sich wohl nicht zuletzt aufgrund ihrer Vorgeschichte bei manchen, der längeren Instrumentalpassagen ein Vergleich zu den Genre-Heroen regelrecht auf, »Frontal« hat aber weit mehr zu bieten. So geht es etwa in ›A Place I Go To Hide‹ entspannt, und fast schon jazzig zur Sache, während der zweite, in der Mitte der Scheibe plazierte Longtrack ›Crowbar Case‹ auch Anhänger von zeitgeistig-experimentellem ProgRock auf TURBULENCE aufmerksam machen sollte. Als besonders gelungen erweist sich auch das tiefschürfende, melancholische ›Ignite‹, das einen gewissen PAIN OF SALVATION-Touch erhalten hat.

Unbedingt erwähnenswert ist auch, daß der jeweilige Song selbst dann schlüssig und in sich stimmig klingt, wenn sich die fünf jungen Herren nach allen Regeln der Kunst an ihren Arbeitsgeräten so richtig austoben. Vor allem im elfminütigen Opener ›Inside The Gage‹ und dem Finale ›Perpetuity‹, in dem sich Saitenflitzer Alain Ibrahim immer wieder mit seiner Fingerfertigkeit zwischen John Petrucci und David Gilmour in den Vordergrund zu solieren versteht, wirkt sich dieser "rote Faden" positiv aus. Ein Abdriften in verworrene Frickelorgien scheint bei derlei Kompositionen regelrecht vorprogrammiert, konnte aber mit Bravour vermeiden werden.

Das als Konzeptwerk auf Basis einer wahren Begebenheit (es geht um die schicksalhafte Geschichte des Bauarbeiters Phineas Gage, dessen Gehirn bei einem Arbeitsunfall von einer Eisenstange durchbohrt wurde, und der - zur Überraschung aller - überlebte. Allerdings mit physischen und psychischen Schäden, denn der linke Frontallappen seines Gehirns wurde nahezu völlig zerstört, weshalb er nach einer langwierigen Reha ein nahezu völlig anderer Mensch war) erweist sich aber auch von der Handlung als spannend und ergreifend zugleich. Liebhaber technisch anspruchsvoller wie erlesener und bisweilen auch melancholischer Prog-Sounds sollten sich »Frontal« also auf jeden Fall einmal anhören. Schade ist bloß, daß nur vereinzelt Elemente der heimatlichen Folklore in das Klangbild eingebaut wurden.

http://www.facebook.com/turbulenceofficial/

gut 11


Walter Scheurer

 
TURBULENCE (RL) im Überblick:
TURBULENCE (RL) – Frontal (Rundling-Review von 2021)
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