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  UE-Home → History → Online Empire 79 → Interview-├ťbersicht → KRYPTOS-Interview last update: 04.05.2021, 22:23:21  

KRYPTOS-Logo

Obwohl diese Band schon seit Jahren aktiv ist und mit ┬╗Afterburner┬ź den bereits f├╝nften Longplayer am Start hat, h├Ąlt sich der Bekanntheitsgrad von KRYPTOS hierzulande immer noch sehr in Grenzen. Und das, obwohl die Truppe 2013 die Ehre hatte, als erste Band ihres Heimatlandes auf dem weltweit ber├╝hmtesten Acker auftreten zu d├╝rfen. Doch nicht nur in Wacken hat sich die Band aus der s├╝dindischen Metropole Bangalore pudelwohl gef├╝hlt. Bandsprachrohr Nolan Lewis, der die gesamte Pressearbeit der Band im Alleingang stemmt, und seine Kollegen f├╝hlen sich in Europa generell gut aufgehoben.

KRYPTOS-Bandphoto 1

Seid Ihr denn beleidigt, wenn man Euch hierzulande immer noch als "Exoten" abstempelt?

N├Â, eigentlich nicht. Oder sagen wir besser: nicht mehr. Uns ist n├Ąmlich bewu├čt, da├č uns auf ewig ein gewisser Exoten-Touch anhaften wird. Daran haben wir uns irgendwie gew├Âhnt. Dennoch f├╝hlen wir als Metalband in Europa einfach besser aufgehoben. Hier haben wir zumindest unser zweites Zuhause gefunden, unser Bandzuhause! Es sagt wohl viel, da├č wir bisher mehr Konzerte in Europa gegeben haben als in unserer Heimat.

Gutes Stichwort: Wie ist es denn um Metalbands in Indien generell bestellt?

Das ist schwer zu beurteilen, da ich nur f├╝r unsere Region sprechen kann. Hier hat sich die Situation in den letzten Jahren wirklich deutlich verbessert, zumal sich in unserer Heimatstadt inzwischen eine pulsierende Szene entwickelt hat. Mit unseren Kumpels von DYING EMBRACE, BEVAR SEA und DHWESHA haben wir schon einiges erlebt. Wir unterst├╝tzen uns gegenseitig und helfen uns auch beim Organisieren von Gigs. Da die Metalszene in Indien ein wenig eigenartig ist und wir mitunter den Eindruck haben, wir w├Ąren eher eine Ausnahme in Sachen Hilfsbereitschaft, halten sich die Kontakte au├čerhalb unserer unmittelbaren Umgebung in Grenzen. Lediglich zu AMORPHIA, ARMAMENT, MORAL PUTERFACTION, REGICIDE und STEEL RUSH pflegen wir Kontakte.

Wie ist das Verh├Ąltnis von einheimischen Metalheads zu Bands wie Euch?

Mit Metallern hatten wir noch nie ein Problem. Warum auch? [lacht] Mit dem Rest der Bev├Âlkerung war es dagegen nicht immer so einfach. Am Anfang nahmen uns viele Menschen hier n├Ąmlich nicht einmal als Band oder Musiker wahr, geschweige denn ernst. Na ja, immerhin konnten wir unserem Hobby in Ruhe nachgehen. F├╝r uns ging es von Anfang an darum, exakt jene Art von Musik zu spielen, die wir lieben. Das war alles.

Warum so bescheiden? Ihr habt f├╝r eine Band von Eurem Status schlie├člich schon einiges vorzuweisen. Hattet Ihr einen Plan?

Hmmm, eher nicht. Eigentlich wollten wir einfach nur Musik machen. Von Tourneen oder dergleichen haben wir nicht einmal getr├Ąumt. Aber wer wei├č schon, welche Ausma├če eine Freizeitbesch├Ąftigung einmal annehmen wird. F├╝r uns war die Musik jedenfalls von Anfang an interessanter als K├╝he melken zu m├╝ssen. [lacht]

KRYPTOS-Headline

Gute Entscheidung, Jungs! Und scheinbar eine mit nachhaltiger Wirkung. Eure Entwicklung l├Ą├čt sich von Album zu Album nachvollziehen, an Euren Einfl├╝ssen hat sich dagegen seit den Anf├Ąngen nichts ver├Ąndert, oder?

N├Â, gar nichts! Wir h├Âren immer noch dieselben Bands wie in unserer Jugend. Neu und auch etwas ganz Besonderes f├╝r uns ist dagegen, da├č einige Pressevertreter Namen wie JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN oder ACCEPT verwendet haben, um unsere Musik zu beschreiben. Ich meine, Alter - mit diesen Bands! So etwas ist einfach unfa├čbar!

Unrecht hat man ja auch nicht, wenn man diese Bands als Referenzen anf├╝hrt. Wolltet Ihr denn bewu├čt so klingen?

Als Orientierungshilfe haben wir all diese Klassiker sicher vor Augen. Bewu├čt nachgeeifert haben wir aber noch nie jemandem. ├ťblicherweise l├Ąuft das Komponieren bei uns so ab, da├č Rohit, mein Partner an der Sechssaitigen, und ich uns gegenseitig Riffs oder Songideen vorspielen und diese dann gemeinsam ausarbeiten. Das kann mitunter ziemlich rasch zu einem Basistrack werden, den wir in weiterer Folge aufnehmen. Es ist aber auch schon vorgekommen, da├č wir halbfertige Songs einfach wieder verworfen haben, weil sich der z├╝ndende Funke nicht einstellen wollte.

Klingt logisch. Gibt es denn einen Ansatzpunkt daf├╝r, wie sich eine Nummer anh├Âren soll?

Im Prinzip gibt es bei KRYPTOS nur eine einzige Vorgabe: Ein Song mu├č uns selbst ansprechen und ein Riff sowie eine Hook besitzen, die sich ins Ohr fressen. Wenn dieses Grundger├╝st einmal steht, mache ich mich dann gemeinsam mit unserem Bassisten Ganseh daran, die passenden Texte auszuarbeiten.

Also erst die Musik und dann die Texte, richtig?

Zumindest ansatzweise. Doch das ist nicht immer einfach, da die Songstruktur mitunter bereits die Atmosph├Ąre vorgibt und die Lyrics entsprechend angepa├čt werden m├╝ssen. Es war zwar im Vorfeld nicht so geplant, aber speziell unser neues Album zeichnet sich dadurch aus. Es ist bei weitem nicht so dunkel ausgefallen wie etwa ┬╗The Ark Of Gemini┬ź und in Summe wesentlich direkter ausgefallen als alle unsere fr├╝heren Scheiben. Au├čerdem beinhaltet es die wohl markantesten Riffs, die KRYPTOS jemals vom Stapel gelassen haben!

Keine Widerrede. ┬╗Afterburner┬ź knallt aber nicht nur amtlich aus den Boxen, das Teil gibt auch optisch einiges her. Wer hat denn das coole Artwork entworfen?

Daf├╝r haben wir Bill Hauser engagiert, der schon f├╝r HIRAX und SKELETONWITCH gearbeitet hat. Er hat sowohl unseren "Old School"-Ansatz perfekt umsetzen k├Ânnen, als auch unsere Vorstellung, ein Metal-untypisches, buntes Cover zu haben, das hinsichtlich der optischen Gestaltung an alte Nintendo-Spiele erinnert.

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Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photo: Vishal Dey

KRYPTOS im ├ťberblick:
KRYPTOS – Burn Up The Night (Rundling)
KRYPTOS – ONLINE EMPIRE 79-Interview
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