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Raimund Burke-Logo

Vor kurzem begl├╝ckte mich unser Chefredakteur mit einer Weihnachts-CD. Einer Instrumental-Weihnachts-CD. Meine anf├Ąnglichen Zweifel wurden durch das virtuose Gitarrenspiel sowie die abwechslungsreichen und interessanten Interpretationen der St├╝cke von einem Moment auf den an┬şder┬şen weggewischt. Auch die Vita des Wahl-Hamburgers liest sich sehr viel┬şver┬şsprechend, und so ist ein Interview (beziehungsweise ein kleiner Kl├Ân-Schnack, wie wir Nordlichter sagen) nat├╝rlich Pflicht.
Passend zu einer Weihnachts-CD f├Ąllt am Tag des Interviews nat├╝rlich Schnee und verwandelt den Stadtteil St. Pauli in ein passendes Ambiente. Das erste, was an Raimund Burke auff├Ąllt, ist seine stattliche Erscheinung. Ein Baum von einem Kerl mit freundlicher Ausstrahlung. Ein Sympathietr├Ąger.

Raimund Burke-Headline

"Entschuldige bitte mein Outfit, aber ich komme gerade vom Tai Ji-Training im Park." Tai Ji? Im Park? Bei dem Wetter? Seit zehn Jahren ist Burke ein begeisterter Anh├Ąnger dieser fern├Âstlichen Kunst. Meine Bemerkung, da├č ich auch einmal einen Tai Ji-Kurs bei der Volkshochschule belegt hatte, quittiert er mit einem Lachen. "Sorry, aber was die damals angeboten haben, hatte mit dem wahren Tai Ji nicht viel zu tun. Die meisten vergessen, da├č es sich um eine Kampfkunst handelt. Es kommt auf den Lehrer und das dahinterstehende System an, ob vermittelt wird, worum es beim Tai Ji wirklich geht. Wie gesagt, es ist in erster Linie eine Kampfkunst, kein Kampfsport. Alles geht sehr langsam vonstatten, mit dem Schwerpunkt auf das Innere. Trotzdem gibt es auch hier explosive Bewegungen. Man steht nicht nur in der Gegend herum und macht den Baum."

Eher zuf├Ąllig entdeckt Burke vor zehn Jahren diese Kunst f├╝r sich. Oder entdeckte die Kunst ihn? Und schon wird's philosophisch. "Wer wei├č schon, woher die Affinit├Ąt f├╝r bestimmte Sportarten oder K├╝nste kommt. Ich habe einen phantastischen Lehrer, der wiederum direkter Sch├╝ler des Gro├čmeisters Chen Xiaowang (einer Koryph├Ąe des Tai Ji - Anm. des Verfassers) ist. Trotzdem habe ich meine innere Struktur erst nach Jahren gefunden. Dieses Gef├╝hl von innerer Kraft und der Verflechtung deines Zentrums mit deinem K├Ârper l├Ą├čt sich mit Worten schwer beschreiben. Aber das wirst du ohne konsequentes Training nicht erreichen. Ein positiver Nebeneffekt ist, da├č ich irgendwann mit dem Rauchen aufh├Ârte, weil es keinen Sinn macht, zu trainieren und Energien aufzubauen, um anschlie├čend die Arbeit mit Nikotin zunichte zu machen."

Und - wie sich sp├Ąter herausstellt - hat er auch dem Alkohol abgeschworen. Eine gesunde, verantwortungsvolle Lebensweise und Alkohol im Blut passen f├╝r den 40-j├Ąhrigen nicht zusammen. "Wenn ich etwas trinke, klappt's auch nicht mehr so richtig mit dem Gitarrenspiel. Also lasse ich es." Es gibt Menschen, die setzen eben richtige Priorit├Ąten.

F├╝r die WCTAG (World Chen Xiaowang Tai Ji Associaton Germany) betreut Raimund Burke jahrelang die Website womit sich die Frage aufdr├Ąngt, ob auch die eigene Internet-Pr├Ąsentation von seiner Hand erschaffen wurde.
"Ich versuche so viel wie m├Âglich alleine zu machen. Auch meine Website, wobei mir nat├╝rlich zugutekommt, da├č ich gelernter Webdesigner bin. Aber das Hauptaugenmerk liegt nat├╝rlich auf der Musik. An der neuen CD habe ich beispielsweise sieben Monate gearbeitet. 15. Oktober 2010 war der Ver├Âffentlichungstermin bei TIMEZONE, dem Vertrieb, der sich aber haupts├Ąchlich um die digitale Vermarktung im Internet k├╝mmert. Der Vertrieb der "physikalischen" CDs l├Ąuft ├╝ber mich. Wenn Du also bei AMAZON bestellst, landest Du letztendlich bei mir. Und ├╝ber die Website kommen die Anfragen direkt bei mir an. Wie gesagt, ich versuche so viel wie m├Âglich, selbst zu erledigen und habe so auch die Gewi├čheit, da├č alles korrekt abl├Ąuft. Instrumentalmusik, gerade im Metalbereich, ist nun mal ein Nischenprodukt. Das ist schwer. Sehr schwer. Trotzdem l├Ąuft das Teil gut, und die Produktionskosten sind bereits wieder eingespielt."

Raimund Burke-Photo 1

H├Ąlt man das Gesamtpaket in der Hand, wei├č man diese Aussage noch mehr zu sch├Ątzen. Die H├╝lle des Rundlings befindet sich in einem h├╝bschen Pappschuber, also ein hochwertiges Set. Auch musikalisch sticht der Hamburger hervor. Die CDs sind angenehm zu h├Âren und ├╝berfordern nicht mit endlosem Gitarrengefrickel, wie beispielsweise bei Marty Friedman, den der Verfasser dieser Zeilen auf Dauer dann doch als etwas anstrengend empfindet. ├ťber solch Lob freut sich Raimund Burke nat├╝rlich. "Ich habe inzwischen tats├Ąchlich schon ├Âfters geh├Ârt, da├č die Leute ├Ąhnlich empfinden. Und das ist ja auch meine Intention. Ich versuche, Gesangsst├╝cke zu schreiben, bei denen die Gitarre die Vocals ├╝bernimmt. Ich kann leider nicht singen, mu├č mich also mit der Gitarre ausdr├╝cken. Offensichtlich kommt es auch so r├╝ber, und die H├Ârer m├Âgen meine Songs. Mein Hauptaugenmerk liegt allerdings auf ┬╗Into My Arena┬ź. Die Weihnachts-CD war eher ein Nebenprodukt, trotz der monatelangen Arbeit. Diese Songs sind eben saisonal etwas eingeschr├Ąnkt."

Monatelange Arbeit? Klingt nach "White X-Mas" im Sommer? "Ab Februar 2010 hatte ich Weihnachtsmucke gemacht. Da lag hier noch Schnee. Als ich im Mai an ÔÇ║I'm Dreaming Of A White ChristmasÔÇ╣ arbeitete, sagte meine Frau, da├č es ja kein Wunder w├Ąre, da├č der Schnee noch immer auf den Stra├čen liegt, wenn ich ihn mit meiner Musik immer wieder heraufbeschw├Âre. Sieben Monate dauerte die Arbeit an der CD. Nat├╝rlich konnte ich nicht jeden Tag acht Stunden aufnehmen, da w├Ąre ich irre geworden. Trotzdem war ich ziemlich straight dabei. Wenn man alles selber macht, kann man nicht einfach mal vor die T├╝r gehen und den Toningenieur basteln lassen, sondern mu├č sich mit diesem Part der Produktion auch besch├Ąftigen. Ich hatte zwar intensive Unterst├╝tzung von Matze aus dem "DocMaKlang"-Studio in Osnabr├╝ck, wo die CD auch gemastert wurde, trotzdem habe ich 2010 fast ausschlie├člich mit Weihnachtsmusik verbracht. Vier Songs hatte ich ├╝brigens bereits auf der ersten Weihnachts-CD ┬╗Christmas In Rock┬ź im Jahre 2005 ver├Âffentlicht. Das war aber eher eine Art Versuchsballon und mehr f├╝r Freunde gedacht. Aber die Songs sind klasse, und so habe ich sie f├╝r diese CD neu eingespielt."

Da k├Ânnte man zum Weihnachtsabstinenzler werden. Allerdings ist es eben "nur" eine CD mit Coversongs, wenn auch brillant interpretiert. Der Rundling aus dem Jahr ┬╗Into My Arena┬ź zeigt jedoch die wahren Songwriting-Qualit├Ąten des Herrn Burke. Das sieht er naturgem├Ą├č ebenso. "Nimm beispielsweise den Titelsong von ┬╗Into My Arena┬ź. Das St├╝ck dauert ├╝ber neun Minuten, und ich dachte, das sei viel zu lang, wollte aber auch keine Passagen streichen, weil alles so gut zusammenpa├čt. K├╝rzen w├Ąre f├╝r das St├╝ck echt fies gewesen. Ich bin auf die ganze Scheibe sehr stolz, aber auf dieses Lied ganz besonders."

Da fragt sich der unbedarfte Schreiberling, warum es keine Livedarbietung des Materials gibt. Und sei es nur zu Promotionzwecken. Aber das kann eben die Schattenseite im Leben eines Solok├╝nstlers sein. "Mittlerweile habe ich mich so auf mein eigenes Ding eingeschossen, da├č ich keine anderen Meinungen mehr brauchen kann. Aber das ist wohl auch der Grund, warum meine Musik in eine eigene Richtung geht. Denn obwohl ich alles alleine ausarbeite, klingt es, als ob es eine Band sei. So empfinde ich es jedenfalls.
Die letzte Band, bei der ich gespielt habe, waren INTO THE VOID. Da sa├č ich hinterm Schlagzeug. Aber das war eine Coverband, und ich sah mich ein bi├čchen als Befehlsempf├Ąnger. In solch einer Konstellation habe ich kein Problem, die Meinungen anderer zu akzeptieren, aber wenn es um meine eigene Musik geht, bin ich sehr strikt. Von daher kann ich beispielsweise Yngwie Malmsteen gut verstehen. Wenn ich eine Band zusammenstellen w├╝rde, um meine Musik auf die B├╝hne zu bringen, dann sollen die Jungs die Songs auch bitte so spielen, wie ich es erdacht habe und nicht herumexperimentieren. Malmsteen wird immer gescholten, wie er mit seinen Leuten umspringt, aber ich kann das gut verstehen. Letztendlich l├Ąuft es unter seinem Namen, und er mu├č geradestehen, wenn Mist herauskommt.
Ich habe ├╝brigens inzwischen Kontakt zum ehemaligen Malmsteen-Keyboarder Michael Troy, der auch ein nettes Statement zur CD geschrieben hat: Es sei die beste Weihnachts-CD, die er je geh├Ârt hat und wahrscheinlich je wieder h├Âren wird."

Flashback. Schnitt: Das Essen wird serviert, und ich nutze die Unterbrechung, um kurz die Vergangenheit zu beleuchten.
Im Alter von 15 Jahren greift Raimund Burke das erste Mal zur Gitarre, nimmt f├╝r kurze Zeit Gitarrenunterricht und spielt dann bis 1989 bei der Gruppe INVERNESS, bevor es ihn von seiner Geburtsstadt Lingen nach Osnabr├╝ck verschl├Ągt. Erst nach seinem Ausstieg nehmen INVERNESS das Demo ┬╗Good Bye┬ź auf.
"Als das Demo aufgenommen wurde, hatte die Besetzung bereits gewechselt, und ich hatte schon lange nichts mehr mit der Band zu tun.
1990 belegte ich den Kontaktstudiengang Popularmusik an der Hochschule f├╝r darstellende Kunst in Hamburg und stieg danach bei der Band KING COCKROACH ein. Nach ein paar Konzerten war aber schon wieder Schlu├č. Heute findet man auch nichts mehr ├╝ber diese Band. Der S├Ąnger war Michael Keuter, der auch die Vocals zu zwei Songs auf ┬╗Into My Arena┬ź beisteuerte. Wir kannten auch die Jungs von HELLOWEEN. Und so kam es, da├č Markus Gro├čkopf auf meinem Demo den Ba├č spielte, Michael Keuter sang und Dirk Erchinger von JAZZKANTINE trommelte.
1992 kam ich zu ZUMPF, einem Osnabr├╝cker Fusion-Instrumental-Rock-Trio. Die Band hie├č fr├╝her ARGH. Als ich dort eingestiegen bin, haben die anderen bereits 25 Jahre Musik gemacht. (Leider verpa├čte ich die Gelegenheit nach musikalischen Zeugnissen dieser Epoche zu fragen. Der Verf.)
1994 dann der gro├če Schock. Nachdem ich mich am Musikantenknochen verletzt hatte, konnte ich ├╝ber Jahre nur noch mit Handst├╝tzen Gitarre spielen, weil die Versorgung zur Hand abgeschnitten war. Zwei Finger waren atrophiert, sprich: Sie wurden nicht mehr versorgt, was zu Muskelschwund f├╝hrte. Ich wurde zwar operiert, aber es zog sich ├╝ber Jahre hin, bis ich die Hand wieder hundertprozentig einsetzen konnte, weil der Nerv komplett nachwachsen mu├čte. Ein Nerv w├Ąchst etwa einen Millimeter pro Tag. Bei einer Unterarml├Ąnge von 50 Zentimetern kann man sich die Zeit ausrechnen. Ein Alptraum f├╝r mich! Schlimmer h├Ątte es nicht sein k├Ânnen. Ich bastelte mir mit Hilfe eines Orthop├Ąden Schienen, die es mir erm├Âglichten, wenigstens mit zwei Fingern zu spielen und habe mich in dieser Zeit darauf beschr├Ąnkt, ein bi├čchen Gary Moore zu covern." [lacht]

Erst im Jahr 2000 wird der Musiker wieder aktiv, jedoch nicht an der Gitarre, sondern als Schlagzeuger bei der Hamburger Coverband INTO THE VOID. "Wir spielten langsame, schr├Ąge Nummern, beispielsweise von METALLICA. Eher in Richtung Doom Metal, also seeeehr langsam. Ich kannte bis dato nicht einmal die Songs, sondern mu├čte sie mir St├╝ck f├╝r St├╝ck erarbeiten."
Der Ausflug hinter die Schie├čbude dauert gute zwei Jahre, bevor Burke sich wieder voll und ganz seiner Gitarre widmet. Doch seiner Leidenschaft, die Drumfelle zu gerben, ist er trotzdem treugeblieben. "Der Trommler meiner alten Band ZUMPF ist leider 2010 gestorben. Ich durfte sein Schlagzeug erben und obwohl ich mir kein richtiges Drumkit mehr zulegen wollte, bin ich wirklich gl├╝cklich damit. Schlagzeugspielen ist eben mein Hobby, nur leider ben├Âtigt man Platz, was wiederum Geld f├╝r den Proberaum kostet."

Aber ein richtiges Schlagzeug ist doch besser als ein Drumcomputer? "Das kommt auf die Software an. Meine CDs habe ich immer mit einem Drumcomputer aufgenommen. Allerdings arbeite ich auch sehr akribisch, und ich denke, man h├Ârt keinen Unterschied. Meiner Meinung nach ist jeder, der behauptet, er h├Ârt einen Computer heraus, ein Angeber. [lacht] Bei der ┬╗Get It┬ź-CD konnte man schon heraush├Âren, da├č kein echter Drummer am Werk war, weil ich damals die M├Âglichkeiten noch nicht hatte. Beim Video zu ÔÇ║HighwayÔÇ╣, das man auf meiner Website sehen kann, spiele ich Schlagzeug, aber f├╝r die CD-Aufnahmen benutze ich es nicht, weil ich zu Hause einfach nicht die r├Ąumlichen M├Âglichkeiten habe."

Trautes Heim, Studio inklusive: Zuhause ist ein gutes Stichwort, und so machen wir uns auf den Weg ins traute Heim des Herrn Burke. Das erste, was dort ins Auge f├Ąllt, ist eine Armada an Gitarren - wer h├Ątte es gedacht. "Du siehst, das Schlagzeug kann ich hier nat├╝rlich nicht unterbringen. Das w├╝rden unsere Nachbarn nicht tolerieren. Aber ich arbeite meine Ideen ohnehin mit der Software Superior Drummer aus. Das ist ein Wahnsinnsprogramm."
Und in der Tat hat man beim H├Âren der Songs zu keinem Augenblick das Gef├╝hl, die Drums k├Ąmen aus der Konserve. Der Hobby-Schlagzeuger ist nun voll in seinem Element. "H├Âr Dir diesen Break bei ÔÇ║Into My ArenaÔÇ╣ an. Da stimmt alles. Dynamik, Sound, Timing. Nat├╝rlich hilft es mir, da├č ich mich aufs Schlagzeugspielen verstehe. Ich wei├č genau, wie ich den Break spielen mu├č, und es f├Ąllt mir leichter, alles entsprechend zu programmieren. Trotzdem ist es eine Wahnsinnsarbeit, bis der Drumpart f├╝r einen Song steht. Vor allem in die Breaks stecke ich enorm viel Arbeit und versuche, mich nicht zu wiederholen. Und wenn ich doch einmal denselben verwende, variiere ich beispielsweise die Dynamik und gebe mich nicht mit Copy And Paste zufrieden. Wirklich gl├╝cklich bin ich mit der kompletten Rhythmus-Sektion ohnehin erst, wenn Drums und Ba├č klingen, als st├╝nde tats├Ąchlich eine Band im Studio."

Nat├╝rlich bearbeitet der Hamburger Gitarrenhexer nicht nur das sechssaitige Holz, sondern auch den Tieft├Âner. "Nur auf der ┬╗Get It┬ź-CD habe ich f├╝r das eine oder andere St├╝ck einen Computerba├č verwendet. Na ja, es war okay, aber es lebt einfach nicht. Richtige Finger sind einfach geiler, weicher, lebendiger, und der Ba├č mu├č ja auch nicht immer klappern wie bei Steve Harris. [lacht]
Inzwischen habe ich gemerkt, wie anspruchsvoll meine Lieder geworden sind. Um ÔÇ║Into My ArenaÔÇ╣ zu featuren, produziere ich zur Zeit ein Video, auf dem ich - via Greenscreen-Verfahren - mit mir selber auftrete. Wie ein richtiger Livegig mit Interaktionen und Livesound. Sprich: Ich spiele tats├Ąchlich live mit allen Widrigkeiten, die zu einem Livekonzert geh├Âren, insbesondere der Soundprobleme. Also setze ich mich hinters Schlagzeug, trommel' die Songs ein und gehe jedesmal auf dem Zahnfleisch. Wie jede Band mu├č ich die St├╝cke wieder wochenlang proben. Und zwar f├╝r jedes Instrument. Das hei├čt, ich ben├Âtige die vier- oder f├╝nffache Zeit einer "normalen" Band. Die Idee, mal eben nebenher f├╝nf oder sechs St├╝cke zu produzieren, mu├čte ich ganz schnell wieder in die Kiste packen. Meine Frau hat mich gl├╝cklicherweise ein bi├čchen ausgebremst, so da├č ich mich wohl vorerst auf ein oder zwei St├╝cke beschr├Ąnke. Immerhin wei├č ich nun, da├č ich die Lieder auch wirklich trommeln kann, nur eben nicht mehrere hintereinander. Es soll ja auch perfekt werden."

Raimund Burke-Photo 2

Schreibst Du Dir die Noten zu den Songs auf? "Ich kann inzwischen nur noch schwerlich Noten lesen, habe jedoch ein halbes Jahr Harmonielehre absolviert, weil ich mich selber ├╝ber dieses vermeintliche Manko ├Ąrgerte. F├╝r jenes halbe Jahr konnte ich das auch, aber danach nutzte ich die ganze Theorie nicht mehr und ohne ├ťbung vergi├čt man leider schnell. Das ist wie mit Sprachen. Wendet man das Gelernte nicht konsequent an, geht es schnell verloren. Aber f├╝r mich ist es egal, ob und wie eine Passage oder ein Harmonie durch den Quantenzirkel wandert. Hauptsache, es pa├čt und klingt gut. Leider mu├č ich mir dadurch nach einigen Jahren, die Parts wieder m├╝hsam erarbeiten, um beispielsweise das vorhin erw├Ąhnte Video aufzunehmen."

Apropos Video. ├äu├čerst l├Ąssig ist auch die Coverversion des Titelsongs der ersten "Monk"-Staffel, die allerdings nur als Video auf der Website zu bewundern ist. "Monk ist einfach genial. Schade, da├č nun auch die letzte Folge gelaufen ist. Dieses laid-back Gypsy-Feeling des Titelst├╝cks wollte ich unbedingt hinbekommen, aber f├╝r einen Metalgitarristen ist es schon etwas diffizil, diese Akkorde herauszuh├Âren. Und der Sound meiner Takamine (Takamine ist ein Gitarrenbauunternehmen aus Japan. - Red.) pa├čt hervorragend. Zigeunermusik ist einfach cool. Ich hatte mir neulich eine DVD von Joscho Stephan, einem deutschen Jazzgitarristen, gekauft. Einfach der Hammer."

Und welche Musiker/Gitarrist hat Dich sonst noch beeindruckt oder beeinflu├čt? DREAM THEATER wird spontan genannt, und Raimund haut zur Bekr├Ąftigung mal eben locker einen DT-Riff mit anschlie├čendem Solo raus. ├ťberhaupt kann er kaum mal einen Moment die Gitarren in Ruhe lassen. Es ist schade, da├č dieses Interview nicht als H├Ârbuch zug├Ąnglich ist, denn die Unterhaltung wird fast nonstop vom Meister mit Gitarrenriffs und -soli hinterlegt. "Momentan versuche ich mich an dem St├╝ck ÔÇ║Eugene's Trick BagÔÇ╣ aus dem Film "Crossroads - Pakt mit dem Teufel" (ausgerechnet Steve Vai spielt in diesem Film den b├Âsen Buben, der eine Lektion in puncto Gitarrenspiel erh├Ąlt - Anm. des Verf.) Zeno Roth, der Bruder von Uli Roth, ist ein Wahnsinns-Gitarrist. Es gibt so unendliche viele Musiker, die mich beeindrucken und inspirieren. Am deutlichsten h├Ârt man wohl mein Faible f├╝r DREAM THEATER heraus. Abgesehen von den ├╝blichen Verd├Ąchtigen unserer Generation, also Blackmore, Schenker, Gary Moore oder Uli Roth, h├Âre ich beispielsweise gerne Glenn Miller und die wirklich guten Pops├Ąngerinnen. Mariah Carey unplugged ist genial, und sie bekommt das auch heute noch hin. Oder die junge Whitney Houston. Aktuell f├Ąllt mir noch P!nk ein.
Mit Gitarristen ist das so eine Sache. Selbst Petrucci von DREAM THEATER kann ich nicht ewig h├Âren. Wer diesen DREAM THEATER-Stil noch besser hinbekommt als Petrucci, ist Marco Sfogli, der auf der letzten Solo-CD von James LaBrie spielt. Ein Italiener, gerade mal 30, der alle an die Wand spielt. Dieser Mann hat ein unglaubliches musikalisches Gef├╝hl, gepaart mit einer irren Technik. Da kommt alles auf den Punkt."

Zum Schlu├č hat Raimund Burke noch eine h├╝bsche Annekdote parat. "Ende der Achtziger habe ich mich mal bei DIO beworben. Ich war 19, und es gab noch kein Internet, also vertelefonierte ich Unsummen, um die Adresse von Dios Management herauszubekommen. Schlie├člich bekam ich tats├Ąchlich Wendy an den Apparat und habe versucht, ihr zu erkl├Ąren, was ich ├╝berhaupt wollte. Letztendlich mu├čte sie mir die Adresse m├╝hsam buchstabieren, und ich schickte ihr ein Demo von mir. Solche Aufnahmen kann man nat├╝rlich nicht ann├Ąhernd mit dem heutigen Standard vergleichen.
Trotzdem kam einige Zeit sp├Ąter ein Anruf, den ich ├╝berhaupt nicht verstand, weil die Person am anderen Ende einen heftigen amerikanischen Slang sprach und ├ťberseetelefonate damals noch von einem mordsm├Ą├čigen Echo zerst├╝ckelt wurden. Ich verstand allerdings das Wort "Dio", f├╝hlte mich aber etwas verarscht und legte auf. Eine Stunde sp├Ąter ein erneuter Anruf von derselben Person. Da habe ich sofort aufgelegt, und ab da war Ruhe. Sp├Ąter erfuhr ich, da├č Dio zu dieser Zeit tats├Ąchlich einen neuen Gitarristen suchte, was ich zum Zeitpunkt meiner Bewerbung nicht wu├čte. Den Job bekam dann ein 18-J├Ąhriger: Rowan Robertson.
Man kann spekulieren, was mir damals entging. Die werden damals nicht angerufen haben, um mir mitzuteilen, wie schlecht ich bin. Vielleicht eine Einladung zu einem Vorspiel. Wer wei├č."

Und dann gibt der Hamburger abschlie├čend noch ÔÇ║Heaven And HellÔÇ╣ zum Gedenken an den gro├čen kleinen S├Ąnger zum besten und schlie├čt so unser Treffen w├╝rdig ab.

http://www.raimundburke.de/

info@raimundburke.de

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Thomas Heyer

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Raimund Burke im ├ťberblick:
Raimund Burke – Christmas Classics (Do It Yourself)
Raimund Burke – Christmas Classics (Do It Yourself)
Raimund Burke – Get It (Do It Yourself)
Raimund Burke – Into My Arena (Do It Yourself)
Raimund Burke – ONLINE EMPIRE 46-Interview
Playlist: Raimund Burke-Album »Christmas Classics« in "Jahrescharts 2010" auf Platz 5 von Thomas Heyer
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