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Vor kurzem beglückte mich unser Chefredakteur mit einer Weihnachts-CD. Einer Instrumental-Weihnachts-CD. Meine anfänglichen Zweifel wurden durch das virtuose Gitarrenspiel sowie die abwechslungsreichen und interessanten Interpretationen der Stücke von einem Moment auf den an­der­en weggewischt. Auch die Vita des Wahl-Hamburgers liest sich sehr viel­ver­sprechend, und so ist ein Interview (beziehungsweise ein kleiner Klön-Schnack, wie wir Nordlichter sagen) natürlich Pflicht.
Passend zu einer Weihnachts-CD fällt am Tag des Interviews natürlich Schnee und verwandelt den Stadtteil St. Pauli in ein passendes Ambiente. Das erste, was an Raimund Burke auffällt, ist seine stattliche Erscheinung. Ein Baum von einem Kerl mit freundlicher Ausstrahlung. Ein Sympathieträger.

Raimund Burke-Headline

"Entschuldige bitte mein Outfit, aber ich komme gerade vom Tai Ji-Training im Park." Tai Ji? Im Park? Bei dem Wetter? Seit zehn Jahren ist Burke ein begeisterter Anhänger dieser fernöstlichen Kunst. Meine Bemerkung, daß ich auch einmal einen Tai Ji-Kurs bei der Volkshochschule belegt hatte, quittiert er mit einem Lachen. "Sorry, aber was die damals angeboten haben, hatte mit dem wahren Tai Ji nicht viel zu tun. Die meisten vergessen, daß es sich um eine Kampfkunst handelt. Es kommt auf den Lehrer und das dahinterstehende System an, ob vermittelt wird, worum es beim Tai Ji wirklich geht. Wie gesagt, es ist in erster Linie eine Kampfkunst, kein Kampfsport. Alles geht sehr langsam vonstatten, mit dem Schwerpunkt auf das Innere. Trotzdem gibt es auch hier explosive Bewegungen. Man steht nicht nur in der Gegend herum und macht den Baum."

Eher zufällig entdeckt Burke vor zehn Jahren diese Kunst für sich. Oder entdeckte die Kunst ihn? Und schon wird's philosophisch. "Wer weiß schon, woher die Affinität für bestimmte Sportarten oder Künste kommt. Ich habe einen phantastischen Lehrer, der wiederum direkter Schüler des Großmeisters Chen Xiaowang (einer Koryphäe des Tai Ji - Anm. des Verfassers) ist. Trotzdem habe ich meine innere Struktur erst nach Jahren gefunden. Dieses Gefühl von innerer Kraft und der Verflechtung deines Zentrums mit deinem Körper läßt sich mit Worten schwer beschreiben. Aber das wirst du ohne konsequentes Training nicht erreichen. Ein positiver Nebeneffekt ist, daß ich irgendwann mit dem Rauchen aufhörte, weil es keinen Sinn macht, zu trainieren und Energien aufzubauen, um anschließend die Arbeit mit Nikotin zunichte zu machen."

Und - wie sich später herausstellt - hat er auch dem Alkohol abgeschworen. Eine gesunde, verantwortungsvolle Lebensweise und Alkohol im Blut passen für den 40-jährigen nicht zusammen. "Wenn ich etwas trinke, klappt's auch nicht mehr so richtig mit dem Gitarrenspiel. Also lasse ich es." Es gibt Menschen, die setzen eben richtige Prioritäten.

Für die WCTAG (World Chen Xiaowang Tai Ji Associaton Germany) betreut Raimund Burke jahrelang die Website womit sich die Frage aufdrängt, ob auch die eigene Internet-Präsentation von seiner Hand erschaffen wurde.
"Ich versuche so viel wie möglich alleine zu machen. Auch meine Website, wobei mir natürlich zugutekommt, daß ich gelernter Webdesigner bin. Aber das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf der Musik. An der neuen CD habe ich beispielsweise sieben Monate gearbeitet. 15. Oktober 2010 war der Veröffentlichungstermin bei TIMEZONE, dem Vertrieb, der sich aber hauptsächlich um die digitale Vermarktung im Internet kümmert. Der Vertrieb der "physikalischen" CDs läuft über mich. Wenn Du also bei AMAZON bestellst, landest Du letztendlich bei mir. Und über die Website kommen die Anfragen direkt bei mir an. Wie gesagt, ich versuche so viel wie möglich, selbst zu erledigen und habe so auch die Gewißheit, daß alles korrekt abläuft. Instrumentalmusik, gerade im Metalbereich, ist nun mal ein Nischenprodukt. Das ist schwer. Sehr schwer. Trotzdem läuft das Teil gut, und die Produktionskosten sind bereits wieder eingespielt."

Raimund Burke-Photo 1

Hält man das Gesamtpaket in der Hand, weiß man diese Aussage noch mehr zu schätzen. Die Hülle des Rundlings befindet sich in einem hübschen Pappschuber, also ein hochwertiges Set. Auch musikalisch sticht der Hamburger hervor. Die CDs sind angenehm zu hören und überfordern nicht mit endlosem Gitarrengefrickel, wie beispielsweise bei Marty Friedman, den der Verfasser dieser Zeilen auf Dauer dann doch als etwas anstrengend empfindet. Über solch Lob freut sich Raimund Burke natürlich. "Ich habe inzwischen tatsächlich schon öfters gehört, daß die Leute ähnlich empfinden. Und das ist ja auch meine Intention. Ich versuche, Gesangsstücke zu schreiben, bei denen die Gitarre die Vocals übernimmt. Ich kann leider nicht singen, muß mich also mit der Gitarre ausdrücken. Offensichtlich kommt es auch so rüber, und die Hörer mögen meine Songs. Mein Hauptaugenmerk liegt allerdings auf »Into My Arena«. Die Weihnachts-CD war eher ein Nebenprodukt, trotz der monatelangen Arbeit. Diese Songs sind eben saisonal etwas eingeschränkt."

Monatelange Arbeit? Klingt nach "White X-Mas" im Sommer? "Ab Februar 2010 hatte ich Weihnachtsmucke gemacht. Da lag hier noch Schnee. Als ich im Mai an ›I'm Dreaming Of A White Christmas‹ arbeitete, sagte meine Frau, daß es ja kein Wunder wäre, daß der Schnee noch immer auf den Straßen liegt, wenn ich ihn mit meiner Musik immer wieder heraufbeschwöre. Sieben Monate dauerte die Arbeit an der CD. Natürlich konnte ich nicht jeden Tag acht Stunden aufnehmen, da wäre ich irre geworden. Trotzdem war ich ziemlich straight dabei. Wenn man alles selber macht, kann man nicht einfach mal vor die Tür gehen und den Toningenieur basteln lassen, sondern muß sich mit diesem Part der Produktion auch beschäftigen. Ich hatte zwar intensive Unterstützung von Matze aus dem "DocMaKlang"-Studio in Osnabrück, wo die CD auch gemastert wurde, trotzdem habe ich 2010 fast ausschließlich mit Weihnachtsmusik verbracht. Vier Songs hatte ich übrigens bereits auf der ersten Weihnachts-CD »Christmas In Rock« im Jahre 2005 veröffentlicht. Das war aber eher eine Art Versuchsballon und mehr für Freunde gedacht. Aber die Songs sind klasse, und so habe ich sie für diese CD neu eingespielt."

Da könnte man zum Weihnachtsabstinenzler werden. Allerdings ist es eben "nur" eine CD mit Coversongs, wenn auch brillant interpretiert. Der Rundling aus dem Jahr »Into My Arena« zeigt jedoch die wahren Songwriting-Qualitäten des Herrn Burke. Das sieht er naturgemäß ebenso. "Nimm beispielsweise den Titelsong von »Into My Arena«. Das Stück dauert über neun Minuten, und ich dachte, das sei viel zu lang, wollte aber auch keine Passagen streichen, weil alles so gut zusammenpaßt. Kürzen wäre für das Stück echt fies gewesen. Ich bin auf die ganze Scheibe sehr stolz, aber auf dieses Lied ganz besonders."

Da fragt sich der unbedarfte Schreiberling, warum es keine Livedarbietung des Materials gibt. Und sei es nur zu Promotionzwecken. Aber das kann eben die Schattenseite im Leben eines Solokünstlers sein. "Mittlerweile habe ich mich so auf mein eigenes Ding eingeschossen, daß ich keine anderen Meinungen mehr brauchen kann. Aber das ist wohl auch der Grund, warum meine Musik in eine eigene Richtung geht. Denn obwohl ich alles alleine ausarbeite, klingt es, als ob es eine Band sei. So empfinde ich es jedenfalls.
Die letzte Band, bei der ich gespielt habe, waren INTO THE VOID. Da saß ich hinterm Schlagzeug. Aber das war eine Coverband, und ich sah mich ein bißchen als Befehlsempfänger. In solch einer Konstellation habe ich kein Problem, die Meinungen anderer zu akzeptieren, aber wenn es um meine eigene Musik geht, bin ich sehr strikt. Von daher kann ich beispielsweise Yngwie Malmsteen gut verstehen. Wenn ich eine Band zusammenstellen würde, um meine Musik auf die Bühne zu bringen, dann sollen die Jungs die Songs auch bitte so spielen, wie ich es erdacht habe und nicht herumexperimentieren. Malmsteen wird immer gescholten, wie er mit seinen Leuten umspringt, aber ich kann das gut verstehen. Letztendlich läuft es unter seinem Namen, und er muß geradestehen, wenn Mist herauskommt.
Ich habe übrigens inzwischen Kontakt zum ehemaligen Malmsteen-Keyboarder Michael Troy, der auch ein nettes Statement zur CD geschrieben hat: Es sei die beste Weihnachts-CD, die er je gehört hat und wahrscheinlich je wieder hören wird."

Flashback. Schnitt: Das Essen wird serviert, und ich nutze die Unterbrechung, um kurz die Vergangenheit zu beleuchten.
Im Alter von 15 Jahren greift Raimund Burke das erste Mal zur Gitarre, nimmt für kurze Zeit Gitarrenunterricht und spielt dann bis 1989 bei der Gruppe INVERNESS, bevor es ihn von seiner Geburtsstadt Lingen nach Osnabrück verschlägt. Erst nach seinem Ausstieg nehmen INVERNESS das Demo »Good Bye« auf.
"Als das Demo aufgenommen wurde, hatte die Besetzung bereits gewechselt, und ich hatte schon lange nichts mehr mit der Band zu tun.
1990 belegte ich den Kontaktstudiengang Popularmusik an der Hochschule für darstellende Kunst in Hamburg und stieg danach bei der Band KING COCKROACH ein. Nach ein paar Konzerten war aber schon wieder Schluß. Heute findet man auch nichts mehr über diese Band. Der Sänger war Michael Keuter, der auch die Vocals zu zwei Songs auf »Into My Arena« beisteuerte. Wir kannten auch die Jungs von HELLOWEEN. Und so kam es, daß Markus Großkopf auf meinem Demo den Baß spielte, Michael Keuter sang und Dirk Erchinger von JAZZKANTINE trommelte.
1992 kam ich zu ZUMPF, einem Osnabrücker Fusion-Instrumental-Rock-Trio. Die Band hieß früher ARGH. Als ich dort eingestiegen bin, haben die anderen bereits 25 Jahre Musik gemacht. (Leider verpaßte ich die Gelegenheit nach musikalischen Zeugnissen dieser Epoche zu fragen. Der Verf.)
1994 dann der große Schock. Nachdem ich mich am Musikantenknochen verletzt hatte, konnte ich über Jahre nur noch mit Handstützen Gitarre spielen, weil die Versorgung zur Hand abgeschnitten war. Zwei Finger waren atrophiert, sprich: Sie wurden nicht mehr versorgt, was zu Muskelschwund führte. Ich wurde zwar operiert, aber es zog sich über Jahre hin, bis ich die Hand wieder hundertprozentig einsetzen konnte, weil der Nerv komplett nachwachsen mußte. Ein Nerv wächst etwa einen Millimeter pro Tag. Bei einer Unterarmlänge von 50 Zentimetern kann man sich die Zeit ausrechnen. Ein Alptraum für mich! Schlimmer hätte es nicht sein können. Ich bastelte mir mit Hilfe eines Orthopäden Schienen, die es mir ermöglichten, wenigstens mit zwei Fingern zu spielen und habe mich in dieser Zeit darauf beschränkt, ein bißchen Gary Moore zu covern." [lacht]

Erst im Jahr 2000 wird der Musiker wieder aktiv, jedoch nicht an der Gitarre, sondern als Schlagzeuger bei der Hamburger Coverband INTO THE VOID. "Wir spielten langsame, schräge Nummern, beispielsweise von METALLICA. Eher in Richtung Doom Metal, also seeeehr langsam. Ich kannte bis dato nicht einmal die Songs, sondern mußte sie mir Stück für Stück erarbeiten."
Der Ausflug hinter die Schießbude dauert gute zwei Jahre, bevor Burke sich wieder voll und ganz seiner Gitarre widmet. Doch seiner Leidenschaft, die Drumfelle zu gerben, ist er trotzdem treugeblieben. "Der Trommler meiner alten Band ZUMPF ist leider 2010 gestorben. Ich durfte sein Schlagzeug erben und obwohl ich mir kein richtiges Drumkit mehr zulegen wollte, bin ich wirklich glücklich damit. Schlagzeugspielen ist eben mein Hobby, nur leider benötigt man Platz, was wiederum Geld für den Proberaum kostet."

Aber ein richtiges Schlagzeug ist doch besser als ein Drumcomputer? "Das kommt auf die Software an. Meine CDs habe ich immer mit einem Drumcomputer aufgenommen. Allerdings arbeite ich auch sehr akribisch, und ich denke, man hört keinen Unterschied. Meiner Meinung nach ist jeder, der behauptet, er hört einen Computer heraus, ein Angeber. [lacht] Bei der »Get It«-CD konnte man schon heraushören, daß kein echter Drummer am Werk war, weil ich damals die Möglichkeiten noch nicht hatte. Beim Video zu ›Highway‹, das man auf meiner Website sehen kann, spiele ich Schlagzeug, aber für die CD-Aufnahmen benutze ich es nicht, weil ich zu Hause einfach nicht die räumlichen Möglichkeiten habe."

Trautes Heim, Studio inklusive: Zuhause ist ein gutes Stichwort, und so machen wir uns auf den Weg ins traute Heim des Herrn Burke. Das erste, was dort ins Auge fällt, ist eine Armada an Gitarren - wer hätte es gedacht. "Du siehst, das Schlagzeug kann ich hier natürlich nicht unterbringen. Das würden unsere Nachbarn nicht tolerieren. Aber ich arbeite meine Ideen ohnehin mit der Software Superior Drummer aus. Das ist ein Wahnsinnsprogramm."
Und in der Tat hat man beim Hören der Songs zu keinem Augenblick das Gefühl, die Drums kämen aus der Konserve. Der Hobby-Schlagzeuger ist nun voll in seinem Element. "Hör Dir diesen Break bei ›Into My Arena‹ an. Da stimmt alles. Dynamik, Sound, Timing. Natürlich hilft es mir, daß ich mich aufs Schlagzeugspielen verstehe. Ich weiß genau, wie ich den Break spielen muß, und es fällt mir leichter, alles entsprechend zu programmieren. Trotzdem ist es eine Wahnsinnsarbeit, bis der Drumpart für einen Song steht. Vor allem in die Breaks stecke ich enorm viel Arbeit und versuche, mich nicht zu wiederholen. Und wenn ich doch einmal denselben verwende, variiere ich beispielsweise die Dynamik und gebe mich nicht mit Copy And Paste zufrieden. Wirklich glücklich bin ich mit der kompletten Rhythmus-Sektion ohnehin erst, wenn Drums und Baß klingen, als stünde tatsächlich eine Band im Studio."

Natürlich bearbeitet der Hamburger Gitarrenhexer nicht nur das sechssaitige Holz, sondern auch den Tieftöner. "Nur auf der »Get It«-CD habe ich für das eine oder andere Stück einen Computerbaß verwendet. Na ja, es war okay, aber es lebt einfach nicht. Richtige Finger sind einfach geiler, weicher, lebendiger, und der Baß muß ja auch nicht immer klappern wie bei Steve Harris. [lacht]
Inzwischen habe ich gemerkt, wie anspruchsvoll meine Lieder geworden sind. Um ›Into My Arena‹ zu featuren, produziere ich zur Zeit ein Video, auf dem ich - via Greenscreen-Verfahren - mit mir selber auftrete. Wie ein richtiger Livegig mit Interaktionen und Livesound. Sprich: Ich spiele tatsächlich live mit allen Widrigkeiten, die zu einem Livekonzert gehören, insbesondere der Soundprobleme. Also setze ich mich hinters Schlagzeug, trommel' die Songs ein und gehe jedesmal auf dem Zahnfleisch. Wie jede Band muß ich die Stücke wieder wochenlang proben. Und zwar für jedes Instrument. Das heißt, ich benötige die vier- oder fünffache Zeit einer "normalen" Band. Die Idee, mal eben nebenher fünf oder sechs Stücke zu produzieren, mußte ich ganz schnell wieder in die Kiste packen. Meine Frau hat mich glücklicherweise ein bißchen ausgebremst, so daß ich mich wohl vorerst auf ein oder zwei Stücke beschränke. Immerhin weiß ich nun, daß ich die Lieder auch wirklich trommeln kann, nur eben nicht mehrere hintereinander. Es soll ja auch perfekt werden."

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Schreibst Du Dir die Noten zu den Songs auf? "Ich kann inzwischen nur noch schwerlich Noten lesen, habe jedoch ein halbes Jahr Harmonielehre absolviert, weil ich mich selber über dieses vermeintliche Manko ärgerte. Für jenes halbe Jahr konnte ich das auch, aber danach nutzte ich die ganze Theorie nicht mehr und ohne Übung vergißt man leider schnell. Das ist wie mit Sprachen. Wendet man das Gelernte nicht konsequent an, geht es schnell verloren. Aber für mich ist es egal, ob und wie eine Passage oder ein Harmonie durch den Quantenzirkel wandert. Hauptsache, es paßt und klingt gut. Leider muß ich mir dadurch nach einigen Jahren, die Parts wieder mühsam erarbeiten, um beispielsweise das vorhin erwähnte Video aufzunehmen."

Apropos Video. Äußerst lässig ist auch die Coverversion des Titelsongs der ersten "Monk"-Staffel, die allerdings nur als Video auf der Website zu bewundern ist. "Monk ist einfach genial. Schade, daß nun auch die letzte Folge gelaufen ist. Dieses laid-back Gypsy-Feeling des Titelstücks wollte ich unbedingt hinbekommen, aber für einen Metalgitarristen ist es schon etwas diffizil, diese Akkorde herauszuhören. Und der Sound meiner Takamine (Takamine ist ein Gitarrenbauunternehmen aus Japan. - Red.) paßt hervorragend. Zigeunermusik ist einfach cool. Ich hatte mir neulich eine DVD von Joscho Stephan, einem deutschen Jazzgitarristen, gekauft. Einfach der Hammer."

Und welche Musiker/Gitarrist hat Dich sonst noch beeindruckt oder beeinflußt? DREAM THEATER wird spontan genannt, und Raimund haut zur Bekräftigung mal eben locker einen DT-Riff mit anschließendem Solo raus. Überhaupt kann er kaum mal einen Moment die Gitarren in Ruhe lassen. Es ist schade, daß dieses Interview nicht als Hörbuch zugänglich ist, denn die Unterhaltung wird fast nonstop vom Meister mit Gitarrenriffs und -soli hinterlegt. "Momentan versuche ich mich an dem Stück ›Eugene's Trick Bag‹ aus dem Film "Crossroads - Pakt mit dem Teufel" (ausgerechnet Steve Vai spielt in diesem Film den bösen Buben, der eine Lektion in puncto Gitarrenspiel erhält - Anm. des Verf.) Zeno Roth, der Bruder von Uli Roth, ist ein Wahnsinns-Gitarrist. Es gibt so unendliche viele Musiker, die mich beeindrucken und inspirieren. Am deutlichsten hört man wohl mein Faible für DREAM THEATER heraus. Abgesehen von den üblichen Verdächtigen unserer Generation, also Blackmore, Schenker, Gary Moore oder Uli Roth, höre ich beispielsweise gerne Glenn Miller und die wirklich guten Popsängerinnen. Mariah Carey unplugged ist genial, und sie bekommt das auch heute noch hin. Oder die junge Whitney Houston. Aktuell fällt mir noch P!nk ein.
Mit Gitarristen ist das so eine Sache. Selbst Petrucci von DREAM THEATER kann ich nicht ewig hören. Wer diesen DREAM THEATER-Stil noch besser hinbekommt als Petrucci, ist Marco Sfogli, der auf der letzten Solo-CD von James LaBrie spielt. Ein Italiener, gerade mal 30, der alle an die Wand spielt. Dieser Mann hat ein unglaubliches musikalisches Gefühl, gepaart mit einer irren Technik. Da kommt alles auf den Punkt."

Zum Schluß hat Raimund Burke noch eine hübsche Annekdote parat. "Ende der Achtziger habe ich mich mal bei DIO beworben. Ich war 19, und es gab noch kein Internet, also vertelefonierte ich Unsummen, um die Adresse von Dios Management herauszubekommen. Schließlich bekam ich tatsächlich Wendy an den Apparat und habe versucht, ihr zu erklären, was ich überhaupt wollte. Letztendlich mußte sie mir die Adresse mühsam buchstabieren, und ich schickte ihr ein Demo von mir. Solche Aufnahmen kann man natürlich nicht annähernd mit dem heutigen Standard vergleichen.
Trotzdem kam einige Zeit später ein Anruf, den ich überhaupt nicht verstand, weil die Person am anderen Ende einen heftigen amerikanischen Slang sprach und Überseetelefonate damals noch von einem mordsmäßigen Echo zerstückelt wurden. Ich verstand allerdings das Wort "Dio", fühlte mich aber etwas verarscht und legte auf. Eine Stunde später ein erneuter Anruf von derselben Person. Da habe ich sofort aufgelegt, und ab da war Ruhe. Später erfuhr ich, daß Dio zu dieser Zeit tatsächlich einen neuen Gitarristen suchte, was ich zum Zeitpunkt meiner Bewerbung nicht wußte. Den Job bekam dann ein 18-Jähriger: Rowan Robertson.
Man kann spekulieren, was mir damals entging. Die werden damals nicht angerufen haben, um mir mitzuteilen, wie schlecht ich bin. Vielleicht eine Einladung zu einem Vorspiel. Wer weiß."

Und dann gibt der Hamburger abschließend noch ›Heaven And Hell‹ zum Gedenken an den großen kleinen Sänger zum besten und schließt so unser Treffen würdig ab.

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Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Thomas Heyer

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Raimund Burke – Christmas Classics (Do It Yourself-Review von 2010)
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Raimund Burke – Get It (Do It Yourself-Review von 2005)
Raimund Burke – Into My Arena (Do It Yourself-Review von 2009)
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Raimund Burke – ONLINE EMPIRE 86-Interview
Playlist: Raimund Burke-Album »Christmas Classics« in "Jahrescharts 2010" auf Platz 5 von Thomas Heyer
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Raimund Burke's SPIRIT OF LAO DAN – Secret Life (Do It Yourself-Review von 2021)
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