UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Online Empire 25 → Interview-Übersicht → YOB-Interview last update: 02.07.2017, 09:33:50  

YOB-Logo

Riffs, zĂ€hflĂŒssig und heiß wie Lava aus einem eben ausgebrochenen Vulkan, un­ter­bro­chen von kurzfristigen Hardcore-Eruption in Verbindung mit einer intensiven, unter die Haut gehenden Stimme. So könnte man die Musik von YOB beschreiben, einer Band, die in tra­di­tio­nel­ler Triobesetzung mit ihren so gar nicht tra­di­ti­onel­len Doom-KlĂ€ngen vor kurzer Zeit die Herzen der Doom-Ge­mein­de mit ihrem aktuellen Album »The Unreal Never Lived« erwĂ€rmen konnte.

YOB-Headline

Auch wenn YOB hierzulande nicht wirklich zu den bekannten GrĂ¶ĂŸen dieser Szene zu zĂ€hlen sind, so sollte man den Amis aus dem fernen Eugene, Oregon, mehr als nur einen Testdurchlauf gönnen. Die angegebenen unterschiedlichen Elemente, die dem Augenschein nach nicht wirklich zusammenpassen mögen, konnten zu abgefahrenen Soundkonstrukten verwoben werden und auch die lyrische Seite hat interessante, in der Metal-Szene bislang kaum behandelte, Aspekte zu bieten.

YOB-Bandphoto 1

Lest selbst, was Mike Scheidt, seines Zeichens Gitarrist und SĂ€nger von YOB, zu sagen hat:

Da YOB bei uns noch nicht wirklich bekannt sind, bitte ich zunÀchst um die Historie der Formation im Schnelldurchlauf!

Der Ursprung der Band reicht zwar ins Jahr 1996 zurĂŒck, die aktuelle Besetzung mit Isamu Sato (b), Travis Foster (d) und mir besteht aber erst seit nunmehr gut drei Jahren. Wir starteten mit der Intention, den wohl besten und originellsten Doom Metal, den die Szene anzubieten hat, zu kreieren. Dabei wurden wir von Bands wie CATHEDRAL, SLEEP, NEUROSIS, ELECTRIC WIZARD oder auch THE OBSSESSED beeinflußt. Bislang haben wir vier Alben veröffentlicht, wobei unsere ersten beiden Scheiben »Elaborations Of Carbon« (2002) und »Catharsis« (2003) von kleinen Plattenfirmen veröffentlicht wurden und wir seit unserer dritten Scheibe »The Illusion Of Motion« (2004) bei METAL BLADE unter Vertrag sind.
Unsere musikalischen Vorlieben kommen aber nicht nur aus dem Doom, sondern auch aus der Hardcore-Szene und dem Punk.

Wie wĂŒrdest Du die Entwicklung der Band seit den AnfĂ€ngen beschreiben, zumal Eure ersten beiden Alben nicht gerade bekannt sein dĂŒrften?

Als wir begonnen haben, waren wir ausschließlich im Doom-Bereich unterwegs, erst spĂ€ter kamen auch die EinflĂŒsse von außerhalb dazu. SĂ€mtliche Bandmitglieder waren sich immer einig, daß YOB sich vom Rest der Szene abheben mĂŒssen. Beim Komponieren versuchten wir, vermehrt extremere EinflĂŒsse, welcher Art auch immer, einzubringen. Allerdings haben wir unsere Doom-Roots niemals abgelegt, es sollte lediglich in eine extremere Richtung gehen.

Was Euch wohl nachhaltig gelungen ist, denn YOB unterscheiden sich doch deutlich von anderen Doom - Bands. Gibt es denn auch noch andere Inspirationsquellen fĂŒr derlei extreme Musik als diese an sich?

Oh ja, gerade meine Wenigkeit ist von östlichen Mystizismen beeinflußt. Ich beziehe meine EinflĂŒsse unter anderem aus dem Zen-Buddhismus und den Lehren von Ramana Maharishi und Sri Nisargatta. Aber auch andere Themen sind sehr interessant und einflußreich, wie beispielsweise die Quantenphysik. Auch daraus habe ich schon Inspiration erhalten und Texte formuliert.

YOB-Bandphoto 2

Darauf werden wir spÀter noch nÀher eingehen. Das Album an sich zeichnet sich auch durch eine sagenhafte IntensitÀt aus. Doom ist ja immer schon eine der intensivsten Stilformen gewesen.

Vielleicht gehen wir unterschiedlich beim Songwriting vor, wodurch unsere Musik "anders" klingen mag. Bei uns steht wohl der Doom im Vordergrund, aber auch Elemente, die eher aus dem Black- oder Death Metal stammen, finden bei uns Einzug. Wir versuchen, möglichst subtil vorzugehen, um dadurch unterschiedliche Emotionen wecken zu können. Es ist nicht einmal klar, ob jeder Zuhörer dieselben Emotionen empfindet. Wir sehen unsere Songs eher als "Trips" an, wobei eigentlich nur der Beginn und das Ende vorgegeben sind, den Rest ĂŒberlassen wir der Empfindung des Hörers. Wir möchten noch nicht einmal die Richtung vorgeben, in die es gehen soll. Es ist also geradezu unmöglich, uns falsch zu interpretieren.

War das schon immer so? Als "Unwissender", sprich Neuling, was YOB betrifft, kann ich leider keinerlei Unterschiede zu Àlteren Alben feststellen.

Jedes unserer Alben klingt völlig unterschiedlich. »Elaborations Of Carbon« war wohl unser rohestes Werk hinsichtlich des Sounds, wĂ€hrend auf »Catharsis« mehr spacige Passagen zu finden sind. Mit »The Illusion Of Motion« begann quasi eine neue Ära, denn unser Sound wurde dynamischer und ein wenig abgedrehter. Die aktuelle Scheibe dagegen hat wohl die dĂŒsterste Grundstimmung von all unseren Alben. Generell fĂ€llt es mir aber sehr schwer, ein objektives Urteil abzugeben. Ich hoffe die Fans konnten sich bisher selbst ein Bild davon machen, oder werden das zumindest in Zukunft tun. Ich denke es ist nicht notwendig, unsere Musik eingehender zu erklĂ€ren.

Einer nĂ€heren ErlĂ€uterung bedĂŒrfen aber die Texte, die, wie Du schon angedeutet hast, nicht gerade alltĂ€glich klingen.

Die Texte von »The Unreal Never Lived« beruhen auf der Lehre von Sri Nisargatta. Sri war ein indischer Meister, der sein Leben in Bombay verbrachte, wo er auch 1998 verstarb. Seine Lehre besagt, daß alles Denken auf dieser Welt, aber auch die Gesellschaft und die Philosophie lediglich in uns und weniger in dem, was wir "RealitĂ€t" nennen, existieren. Ohne uns selbst, oder besser gesagt ohne unseren Glauben daran, wĂŒrde nichts wirklich existieren. Wir nennen einen Baum "Baum", weil wir den Namen dafĂŒr gefunden haben. Gut, manche Personen erforschten den biologischen Hintergrund, wie ein Baum entstanden ist, im Endeffekt mĂŒssen wir aber glauben, daß ein Baum ein solcher ist. Wir wissen es aber nicht wirklich. Ebenso wenig wissen wir auch ĂŒber die menschliche Existenz, es handelt sich eben nur um Bezeichnungen, die die Gesellschaft fĂŒr ein Objekt auserkoren hat. In Wahrheit benötigt ein solches Objekt diese Bezeichnungen aber ĂŒberhaupt nicht, um zu existieren, tut es aber dennoch. Genau darauf beruht der lyrische Hintergrund unserer Scheibe.

YOB-Bandphoto 3

Ja genau, und weil wir fest davon ĂŒberzeugt sind, daß »The Unreal Never Lived« existiert (und zwar als Silberscheibe, die bei richtiger Handhabung interessante Töne aus den Boxen quellen lĂ€ĂŸt), hören wir uns das Album auch immer wieder gerne an.
Nach diesem Exkurs in den Mystizismus einer fremden Kultur wĂŒrde ich gerne wieder in die RealitĂ€t zurĂŒckkehren. Eure Heimatstadt Eugene, Oregon, ist bislang ja noch ein eher un­be­schrie­be­nes Blatt, wenn es um Musik geht. Sollte man die lokale Szene im Auge behalten?

Besonders groß ist die Szene an sich nicht, aber es gibt einige wirklich phantastische Bands hier. HUMAN CERTAINTY beispielsweise sind absolut genial. Sie klingen wie ein wirrer Mix aus ISIS und a­po­ka­lyp­tischem Hardcore. Oder nimm' SALTLICK, eine um nichts schlechtere Band. SALTLICK klingen wie eine besonders eigenstĂ€ndige Country-Indie-Band mit eigenwilligen Vibes. Als Vergleich fallen mir dazu am ehesten SON VOLTA ein.

Tja, da muß ich leider passen, aber es sollte ja noch H.C. MINDS geben, eine Band, ĂŒber die ihr sicher einiges zu berichten wißt.

H.C. MINDS ist Isamus Band. Er spielt bereits seit 1993 bei dieser Formation und auch ich war schon bei H.C. MINDS, bevor es YOB ĂŒberhaupt gegeben hat. Auch diese Band ist schwer Doom-lastig unterwegs, hat aber auch unzĂ€hlige Death Metal-EinflĂŒsse, wie Double-Bass-Attacken und Blastbeasts, die aber immer wieder von Doom-Sequenzen abgelöst werden. Interessant mag vielleicht auch noch sein, daß ich bei H.C. MINDS hinter dem Schlagzeug sitze, wĂ€hrend Isamu singt und Gitarre spielt. Tja und als Basser haben wir Travis in der Band, der ja bei YOB als Drummer tĂ€tig ist.

Wie schafft es eine derart ungewöhnliche Band wie YOB zu einem Deal bei METAL BLADE?

Als wir uns damals von ABSTRACT SOUNDS, die »Catharsis« veröffentlichten, getrennt hatten, begannen wir, verschiedene Labels zu kontaktieren, wobei wir in erster Linie kleinere Firmen im Auge hatten. Eines Tages kontaktieren METAL BLADE RECORDS uns, um ihr Interesse an YOB be­kannt­zu­ge­ben, was uns natĂŒrlich völlig aus der Bahn geworfen hat. Wir blieben mit ihnen in Kontakt und im Endeffekt war es die beste Lösung fĂŒr uns, weil METAL BLADE den vernĂŒnftigsten Vertrag anzubieten hatten.

Haltet Ihr, wie fĂŒr Doomies fast schon obligatorisch, ebenso Kontakte zu anderen Bands? Man kennt ja die Einigkeit in dieser Szene.

Ohne Zweifel, wir Doom-Heads sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Wir sind mit Bands wie ORANGE GOBLIN, GRAVES AT SEA oder THE HIDDEN HAND in Verbindung und fĂŒhlen uns mit diesen, aber auch zahlreichen anderen Bands in dieser Szene regelrecht "verwandt".

Na dann, GrĂŒĂŸe an die Verwandtschaft, wenn das nĂ€chste KaffeekrĂ€nchen angesagt ist. Zuvor hĂ€tten wir aber noch gerne bewußt, wie die Geschichte von YOB weitergehen soll.

Im Moment versuchen wir unser Bestes, um eine Tournee bei euch in Europa absolvieren zu können. Ich denke, es ist durchaus realistisch fĂŒr 2006 ein solches Unternehmen zu riskieren. Zudem sind wir auch damit beschĂ€ftigt, neue Songs zu komponieren. Diese beiden Punkte werden vorrangig behandelt, denn Album Nummero FĂŒnf ist uns ebenso wichtig, wie mein Traum, eines Tages in Europa spielen zu können.

Und vergeßt nicht: Wenn da eine Band vor Euch auf der BĂŒhne steht, die YOB ge­nannt wird, existiert diese wirklich!

http://www.yobdoom.com/

yobslave@aol.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

YOB im Überblick:
YOB – The Unreal Never Lived (Rundling)
YOB – ONLINE EMPIRE 25-Interview
YOB – News vom 12.01.2006
YOB – News vom 29.08.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers Travis Foster:
H.C. MINDS – News vom 19.06.2009
andere Projekte des beteiligten Musikers Isamu Sato:
BLOOD OF MARTYRS – News vom 04.11.2009
H.C. MINDS – News vom 19.06.2009
H.C. MINDS – News vom 19.06.2009
METALMORFOSIS (BOL) – News vom 23.09.2009
andere Projekte des beteiligten Musikers Mike Scheidt:
AGE ETERNAL – News vom 29.08.2008
GEISTUS – News vom 22.09.2007
H.C. MINDS – News vom 19.06.2009
MIDDIAN – Age Eternal (Rundling)
MIDDIAN – News vom 25.11.2006
MIDDIAN – News vom 18.12.2007
MIDDIAN – News vom 29.08.2008
VHOL – News vom 22.02.2013
© 1989-2017 Underground Empire


† Wir gedenken Fritz Rau, heute vor 4 Jahren verstorben. Unsere Berichterstattung ĂŒber das Lebenswerk findet Ihr
Button: hier