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ELEKTRADRIVE – Living 4

VALERY RECORDS (Import)

Um die Geschichte dieser Formation zu erläutern, muß man bis in die Anfänge der 80er Jahre zurückblicken, als ELEKTRADRIVE als eine der erste Bands aus Italien auszogen, um mit melodiösem Rock/Hard Rock (der zu Beginn noch wesentlich heftiger ausgefallen ist als in den späteren Jahren) die Welt zu erobern. Für das erste Album »...Over The Space« im Jahr 1986 konnte man nicht nur in der Heimat, vor allem aber dort, überaus positive Resonanzen einfahren, so daß eine dreimonatige Tournee durch das Stiefelland die Folge war. Die späten 80er Jahre wurden zur Blütezeit der Band und brachten »Due« (1989) ans Tageslicht, jenes Album, für welches ELEKTRADRIVE im seinerzeit ungemein einflußreichen "Kerrang" mit Höchstnoten bedacht wurden, obendrein aber auch eine Tournee als Opener für MANOWAR durch die größten Städte Italiens. Nicht zuletzt dadurch wurden auch die US of A auf diese Band aufmerksam und ELEKTRADRIVE durften im Jahr 1990 nach Amerika tingeln, um ihre erste Gastspielreise außerhalb Europas zu absolvieren.

Trotz stressiger Zeiten schafften es die Italiener aber dennoch, 1993 mit »Big City« nachzusetzen und eine weitere Tour in Italien zu absolvieren. Dennoch aber schienen sich ELEKTRADRIVE - wie wohl nahezu alle Formationen in jener Zeit, die sich dem Melodic Rock/Hardock/AOR verschrieben haben - auf dem absteigenden Ast zu befinden, denn karrieretechnisch ging ab diesen Zeitpunkt, dem Jahr 1993, so gut wie nichts mehr. Songs für ein weiteres Album, das »Scheme« hätte genannt werden sollen und Mitte der 90er Jahre zur Veröffentlichung angedacht war, aber im Endeffekt nie erschienen ist, wurden zwar noch komponiert, aber dennoch wurde knapp zuvor klammheimlich ein Schlußstrich unter das Kapitel ELEKTRADRIVE gezogen. Nach knapp zehnjähriger Funkstille fanden sich die Herren Elio Maugeri (Gesang), Simone Falovo (Gitarre), Alex Jorio (Schlagzeug) und Stefano Turolla (Baß) aber doch noch einmal zusammen, um es erneut unter dem Banner ELEKTRADRIVE zu versuchen und gegen Ende des Jahres 2004 begann diese Besetzung erneut Songs zu komponieren. Dem Ergebnis dieser abermaligen Kooperation, dem vor kurzer Zeit veröffentlichten aktuellen Dreher des Quartetts, wurde der Titel »Living 4« verpaßt, und dieser scheint als geradezu programmatisch für das Quartett zu betrachten zu sein, denn darauf offerieren uns die Herrschaften aus dem Großraum Turin abermals Songs in jener Gangart, die ihnen kompositorisch nicht nur mühelos von der Hand gehen dürften, sondern die ELEKTRADRIVE geradezu verkörpern.

Insgesamt 14 Tracks, allesamt irgendwo zwischen melodiösem Rock, AOR, Groove-Rock und kernigem Hard Rock anzusiedeln, haben ELEKRATDRIVE auf ihrem Comeback-Album verewigt, ohne dabei auch nur in irgendeiner Form auf Begriffe wie "Zeitgeist" oder "Moderne" zu achten. Ganz im Gegenteil, man zeigt sich viel eher der Tradition verpflichtet und das ohne sich dabei krampfhaft auf die Vergangenheit zu berufen.

Vor allem die Gitarre von Simone Falovo läßt mich immer wieder an Michael Schenker denken, dessen Lebenswerk mit Sicherheit sehr einflußreich auf das Spiel dieses Mannes gewesen sein muß. Dazu lassen sich aber auch Inspirationen von Melodic Rock-Größen aus Großbritannien vernehmen und auch von jenseits des großen Teiches sind Einflüsse zu erkennen. Bestes Beispiel dafür ist wohl ›Dirty War Of Bloody Angels‹, das meiner Meinung nach auch von einer der letzten Veröffentlichungen von JOURNEY stammen hätte können. Elios Stimme scheint über die Jahre der Absenz von der Szene keineswegs gelitten zu haben, denn er schafft er es noch immer mühelos, den Tracks noch ein wenig mehr an Melodik zu verabreichen, und das ohne dabei in irgendeiner Form ins Wanken zu geraten. Der Mann verfügt schlicht und ergreifend über ein Organ, das geradezu geschaffen für derlei Sounds ist.

Die gute Stunde Spielzeit vergehrt wie im Fluge, von dezent bluesigen Untertönen, über ein klein wenig an KING'S X angelehnte Groover, bis hin zu reinrassigen Melodic Rock/AOR-Kompositionen im Stile von Großmeistern wie WINGER und Konsorten, haben ELETRADRIVE ein sehr breitgefächertes Sammelsurium anzubieten, das durchweg auf spieltechnisch hohem Niveau dargeboten wird.

Selbst die balladesken Momenten kommen bei ELEKTRADRIVE natürlich und ohne jedweden Kitsch aus den Boxen, diese Herren haben den Dreh raus, wie man große Gefühle vertont, wissen selbstredend aber ebenso, wie man schlichtweg lässige Rocksongs aus dem Ärmel schüttelt.

Willkommen zurück, meine Herrschaften!

http://www.elektradrive.com/

eledrive@tiscalinet.it

beeindruckend 12


Walter Scheurer

 
ELEKTRADRIVE im Überblick:
ELEKTRADRIVE – Big City (Rundling-Review von 1994)
ELEKTRADRIVE – Living 4 (Rundling-Review von 2009)
ELEKTRADRIVE – Living 4 (Rundling-Review von 2009)
ELEKTRADRIVE – News vom 29.08.1999
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