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Gute Re-Releases, schlechte Re-Releases?

Es gibt sie zweifelsohne, die wirklich gelungenen Wiederveröffentlichungen alter Scheiben. Exemplarisch sei hier nur Oliver Klemm und sein Label HIGH VAULTAGE (beziehungsweise die Unterlabels MAXIMUM METAL oder METAL FOR MUTHAS) genannt: nicht nur, daß er mit seinen Bemühungen schon vor vielen Jahren begonnen und zudem ein ausgesprochenes Gespür für kultige Bands hat, sondern seine Anstrengungen galten auch stets, dem Sammler das bestmögliche Produkt zu bieten - sowohl was Sound, Bonusmaterial als auch Booklet betrifft. Es ist vielsagend, daß er sich in diesen Tagen, da die lieblos dahingeklatschten oder schlicht überflüssigen Wiederveröffentlichungen überwiegen, nahezu aus dem Geschäft zurückgezogen hat.

In Sachen Re-Releases ist man heute leider viel zu sehr hin- und hergerissen: Auf der einen Seite steht das Rätseln ob der Sinnhaftigkeit bei der Wiederveröffentlichung von Belanglosplatten von Siebtligabands, während auf der anderen Seite der ungläubige Zorn steht, wenn unkundige Macher einem echten Klassiker nicht jene Aufmerksamkeit geschenkt haben, den er verdient hätte und dadurch die vielleicht letzte Chance verschenkt wurde, einer zu Lebzeiten unterbewerteten Band posthum ein Stück des verdienten Ruhmes zukommen zu lassen.

Zudem muß es erlaubt sein, einen Schritt weiterzugehen und zu fragen, ob Re-Releases generell gut oder schlecht für die Szene und die Bands sind. Man kann nämlich nicht wegdiskutieren, daß kaum ein Metaller unbegrenzte Finanzmittel zur Verfügung hat, um sie in die Musik zu investieren - und die Kohle, die für Wiederveröffentlichungen draufgeht, kann keiner noch lebenden Band oder gar einem hoffnungsvollen Newcomer zugutekommen. Auf der anderen Seite stellen Re-Releases die einzigartige Möglichkeit dar, eine einst heißgeliebte Platte, die vielleicht etwas in Vergessenheit geraten ist, nochmal ganz neu zu entdecken - diesen Jungbrunneneffekt durfte ich schon bei so mancher Scheibe erleben und möchte ihn keinesfalls missen. Oder: Wie groß war damals die Freude, die »Ice Age«-CD von HELLHOUND in Händen zu halten? Eine der großartigsten US-Metal-Bands aller Zeiten, die es leider nicht schaffen sollte, den Demostatus zu verlassen, sollte dadurch doch noch zu Rundlingehren gelangen!

Klare Sache, ich bin eindeutig ein Fan von Re-Releases! Sie sollten sich allerdings mittels ihres musikalischen Inhalts würdig erweisen und zudem mit Klasse gemacht sein.

Was gut ist, kommt wieder!

Stefan Glas

P.S.: Für die aktuelle Ausgabe konnten wir Lucio Parrillo als Coverkünstler gewinnen. Er hat auch schon vereinzelt für Metalbands gearbeitet und beispielsweise für AMON AMARTH ein Comic zu »Twilight Of The Thunder God« kreiert, doch er ist vornehmlich für Rollenspiele oder Comicmagazine tätig. So fand sein Werk, das Ihr bei uns erblicken könnt, bereits bei dem Computerspiel "Loki" Verwendung, dessen Homepage Ihr hier findet. Unser Dank geht auch an die "Loki"-Schöpfer von der Firma CRIMSON COW, die der "Zweitverwertung" von Lucios Kunstwerk umgehend zugestimmt haben, sowie der Agentur IPP, die den Kontakt hergestellt haben.
Viele weitere Werke von Lucio, die hervorragend seinen vielseitigen Stil verdeutlichen, findet Ihr auf seiner Homepage.

 
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