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LOWEMOTOR CORPORATION/THEE ULTRA BIMBOOS-Headline


LOWEMOTOR CORPORATION-Einzelshot: Claudia Carnal 1

Was wäre NIGHTWISH ohne Tarja? Und neuerdings setzt auch STRA­TOVARIUS auf Frauenpower...
Der hohe Norden hat generell das Image der starken Frauen weg; klar, daß Mädels im finnischen Rock'n'Roll-Zirkus schwer an­ge­sagt sind.
Da gibt es die brandneue Band LOWEMOTOR CORPORATION mit Frontfrau Claudia Carnal sowie Joel Paranova (k), Pexi Corner (g), Flaming Tent (d) und Lars Poder (b) oder die All-Girl-Formation THEE ULTRA BIMBOOS mit Maria (g), Milla (d), Salla (b) und Suffeli (v, g), die schon einige Jährchen lang die Szene unsicher macht und mit »Bimboo Wizard« ihr viertes Album vorgelegt hat.

Maria: Als wir anfingen, gab es gar keine Girlbands, ausgenommen TARHARYHMÄ, die aber hauptsächlich Coverversionen in finnisch sangen. Ich dachte, daß die Girls noch viel früher mit eigenen Bands starten würden. In den letzten zwei, drei Jahren hat sich Finnland in Richtung Girlbands enorm weiterentwickelt, jede Menge Mädels spielen in Bands, und sie sind verdammt gut. Obwohl ich in diesem Land vieles zum Kotzen finde - Finnland hat was Gutes, sogar als Frau kann man grundsätzlich machen, was man will. Auch Rock'n'Roll spielen. Und wir haben ja auch eine Staatspräsidentin.

Claudia kann da nur zustimmen:

Claudia: Eine Entwicklung der letzten zehn Jahre. Frauen haben mehr Selbstvertrauen. Jetzt werden alle in denselben Kategorien beurteilt. Früher war es ja so, daß eine Girlband musikalisch total mies sein konnte und trotzdem ihr Publikum hatte. Das hat sich geändert, Frauen und Männer müssen mit denselben Problemen im Rock-Business fertigwerden, und das finde ich gut. Immerhin müssen Frauen immer noch sowas wie Rockbitches in dieser Szene sein, denn die ist ja nicht normal. Die ist immer noch Männersache, und du mußt dich diesem Rock-Zirkus anpassen.

THEE ULTRA BIMBOOS-Bandphoto 1

Die vier BIMBOOS wissen über die finnische Szene nur Gutes zu berichten:

Maria: In einer finnischen Kleinstadt hat man als Teenager nichts zu tun, das ist wohl ein Grund, warum es hier generell so viele Bands gibt. Wenn man Rock'n'Roll oder sowas spielen will, muß man alles selber organisieren. Wir machen dasselbe hier in Helsinki, veranstalten Clubs und Events. Wir sitzen nicht zu Hause und warten, daß was passiert.

Milla: Generell ist die Atmosphäre zwischen den Bands ausgesprochen offen, eine gesunde Konkurrenz, aber es gibt hier keine Messer ins Kreuz. Ich kenne ja auch die Szene in New York ein wenig, und da sind die Bands nur an Plattendeals interessiert und hecheln Geld und Erfolg hinterher. Hier in Finnland geht es viel ehrlicher zu, die Leute tun was sie wollen, auch wenn es schwierig ist, weil keine Gigs anstehen oder nur lausig bezahlte, aber sie tun es trotzdem.

Salla: Nur sehr wenige Bands können von der Musik leben, es geht nie ums Geld.

Milla: Wir machen auch jede Menge Sachen, wir arbeiten hart.

Suffeli: Teils Arbeit, teils Freizeit. Wir sind wilde und ruhelose Rock'n'Roll Gypsies.

LOWEMOTOR CORPORATION-Bandphoto

Wie hat bei Euch alles angefangen, und wie seid Ihr auf den Bandnamen gekommen?

Suffeli: Freunde haben ein wenig mitgeholfen.

Maria: Freunde haben eine Menge mitgeholfen.

Milla: Wir alle wollten mit Mädels spielen, aber ich kannte niemanden, und ich konnte auch nicht spielen.

Maria: Keine von uns konnte das.

Milla: Ein Start von Null. Am Anfang mußten wir Equipment und Proberaum von Freunden ausborgen.

Suffeli: Dabei waren wir alle bei denselben Konzerten, ohne einander zu kennen, bis uns gemeinsame Freunde zusammenbrachten.

Milla: Wir kommen aus kleinen Städten, und als wir alle nach Helsinki zogen, konnten wir uns öfter sehen - und so fing es an, am 12. Juli 1994, um zwei Uhr nachmittag.

Maria: Unsere Band ist ein Krebs, Aszendent Löwe. Wir wollten eigentlich nur bei der Geburtstagsparty von El Bimbo, unserem Produzenten, auftreten. Aber irgendwie geriet alles außer Kontrolle, und jetzt sind wir fast zehn Jahre THEE ULTRA BIMBOOS.

Suffeli: Im amerikanischen Englisch steht "Bimboos" für doofes Girl, in Italien für kleiner Junge.

Milla: In Hamburg für einen Schwarzen.

Maria: Aber wir dachten da hauptsächlich an doofe Girlies.

Milla: Mit diesem Namen können wir machen, was wir wollen, und müssen nichts erklären.

Milla: Wir hatten nie ein Konzept für die Band, weder fürs Image noch die Musik. Wir wollten einfach Spaß haben. Wir haben auch nie wirklich einen Musikstil gewählt, sei es Garage oder Punk. Ich sag immer, es ist einfach Rock'n'Roll. Das ist die beste Erklärung.

Maria: Wir konnten nur zwei Akkorde, also mußten wir einfach so 'ne Art Garage spielen! Ich hab mal eine gute Definition unserer Musik gelesen: "Sechziger-Girlband updated, mit etwas Punk". Heute isses leichter, wenn ein neuer Song ansteht, dann wissen wir, das klingt nach BIMBOOS.

Suffeli: Jetzt können wir drei Akkorde.

THEE ULTRA BIMBOOS-Bandphoto 2

Claudia von der LOWEMOTOR CORPORATION ist auf einigen Umwegen in der Rock-Szene gelandet:

Claudia: Musik war schon immer Teil meines Lebens. Ich wurde in Schweden geboren, mein finnischer Onkel zog bei uns ein als ich fünf war, er war 18, und baute unser Wohnzimmer zu einem kleinen Studio um. Ich hatte Klavier- und Gitarrenunterricht, sang im Kirchenchor und gründete mit 16 meine erste Girlband. Später in Finnland, 500 Kilometer von Helsinki, spielte ich Gitarre in einer anderen Girlband, aber auch diese Musik war nicht mein Ding. Also verkaufte ich alles und zog für zwei Jahre nach Südostasien. Dann traf ich Joel, unseren Songwriter, und war hin und weg von seinen Songs, mußte sie einfach singen! Da hab ich sogar das Studio bezahlt, um das erste Demo »Soul Of A Pagan« aufzunehmen. Joel gefiel meine Stimme, und wir gründeten die Band. Pexi Corner, Joels Jugendfreund, war gerade verfügbar, weil sich AM I BLOOD aufgelöst hatten, Flamin' Tent hatte gerade WALTARI verlassen und stellte uns Lars vor, der bei SINERGY gespielt hatte. Der Bandame erschien mir vor einigen Jahren im Traum, ich wachte auf und hatte dieses Bild vor Augen, "love" mit w, wie "Löwe". Mitten in der Nacht stand ich auf und zeichnete das ganze mit rotem Lippenstift auf den Klospiegel, so daß ich es nicht vergesse. "Motor" kam dazu, denn Motoren, Öl, das beschreibt die Band irgendwie, und "Corporation", weil wir sowas wie eine Organisation sind.

Wie ich hörte, hast Du Bühnenerfahrung der anderen Art?

Claudia: Yeah. Ich hab mich auch schon immer für Pin-Ups interessiert, wegen dieses Zigeunerdaseins. Schon mit 10 wollte ich PLAYBOY-Girl werden, wenn ich groß bin. Zurück aus Asien war ich unschlüssig, was ich nun mit mir anfangen sollte, und erhielt die Chance, in die Stripper-Szene zu schnuppern, in einem wirklich netten Club. Dann fühlte ich mich beim Tanzen so wohl, daß ich zwei Jahre geblieben bin. Ich habe mich auch an Wettbewerben beteiligt, aber dann wurde mir eines Tages klar, daß ich hier wohl nicht weiterkommen würde. Der Höhepunkt war die Schau vor 20.000 Leuten in Helsinkis Hartwall Arena, gleich danach warf ich das Handtuch und machte Musik.

Party und Erotik, darum geht es auch beim LMC-Debutalbum »Saturnalia«?

Claudia: Ja, das war Joels Idee, eine Art Konzeptalbum zu kreieren. Beim Saturnalia-Fest wird wie im Fasching ein "König" gewählt, und alles geht drunter und drüber. Irgendwie paßt das zu uns, nur haben wir eine "Königin", die in einer großen Festung einer Stadt herrscht und dort eine Riesenorgie startet. Die Lyrics beschreiben, was verschiedenen Leuten während dieser Party passiert. Aber einige Texte haben auch sehr persönlich.

Wie zum Beispiel der Song ›Flying G.‹, wie ich vermute?

Claudia: Stimmt, in diesem Song geht es um eine Exhibitionistin, und warum sie es tut, nämlich nur für sich selbst. Die Leute glauben immer, daß Strippen eine traurige Sache ist: "diese armen Mädchen, die für Männer tanzen müssen". Aber das ist nicht immer der Fall. Dieser Song ist zugleich ein Tribut an die kanadische Stripperin Lili St. Cyrille, die in den Vierzigern ziemlich berühmt war. Sie hatte eine Nummer mit diesem Namen in ihrem Programm.

THEE ULTRA BIMBOOS haben auch Erfahrung mit Striptease-Einlagen gesammelt:

Maria: Wir haben mal in einem deutschen Club gespielt, und normalerweise werfen ja Leute aus dem Publikum Unterwäsche auf die Bühne. Damals hat aber unsere Sängerin Suffeli ihre Unterhose ins Publikum geschmissen...

Suffeli: Vielen Dank, daß wir diese Geschichte nun mit der breiten Öffentlichkeit teilen...

Maria: Okay, das Ganze war zugegeben nicht ganz so schlimm wie es sich anhört... Es war ziemlich kalt in diesem Club, und wir alle trugen zu Konzertbeginn zwei bis drei Lagen an Unterwäsche und Strümpfen...

Milla: Am besten war ja, daß die Hose bald danach wieder retour auf die Bühne geflogen kam...

In Euren Texten finden sich sogar spezifisch weibliche Themen.

Maria: Natürlich, der Song ›PMS 666‹ dreht sich um prämenstrualen Horror, den jede Frau kennt... Und der Refrain ist "No man's no good"! Okay, das trifft vielleicht nicht auf alle Männer zu, sondern nur auf 90 Prozent...

LOWEMOTOR CORPORATION-Einzelshot: Claudia Carnal 2

Fazit: Trotz unterschiedlicher musikalischer Wege im Rock-Biz haben die Mädels eine Menge gemeinsam - und hoffentlich jede Menge männ­licher Groupies, die backstage Schlange stehen... Bleibt nur zu wün­schen, daß der Frauenpower-Trend aus dem hohen Norden auch in südlichen Gefilden viele, viele NachahmerInnen findet!
Wer den "finnischen Rock'n'Roll Gypsies" noch ein wenig mehr huldigen möchte (beziehungsweise sich in die Groupie-Warteliste eintragen möch­te), kann das almighty Internet benutzen; die sehr aufwendige gestaltete Homepage der LOWEMOTOR CORPORATION verbirgt sich hinter folgender Adresse:

http://www.lowemotor.com/

claudia.carnal@ekno.com

während Ihr die THEE ULTRA BIMBOOS hier findet:

http://www.theeultrabimboos.com/

info@theeultrabimboos.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Klaudia Weber

Photo: Klaudia Weber [Photo 4]

LOWEMOTOR CORPORATION im Überblick:
LOWEMOTOR CORPORATION – ONLINE EMPIRE 18-"Living Underground"-Artikel
LOWEMOTOR CORPORATION – ONLINE EMPIRE 19-Interview
andere Projekte des beteiligten Musikers Claudia Carnal:
Carnal – The Thin Red Line/Hellbound (Do It Yourself-Review von 2006)
andere Projekte des beteiligten Musikers Pekka "Pexi Corner" Kulmala:
AM I BLOOD – News vom 19.04.2006
PONIES TO KILL – News vom 16.09.2008
T55 – News vom 24.07.2009
andere Projekte des beteiligten Musikers Joel "Attila" Paranova:
BLACK TEMPLE – News vom 19.08.2008
Carnal – The Thin Red Line/Hellbound (Do It Yourself-Review von 2006)
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THEE ULTRA BIMBOOS im Überblick:
THEE ULTRA BIMBOOS – ONLINE EMPIRE 19-Interview
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