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  UE-Home → History → Online Empire 1 → Interview-Übersicht → UNJUST-Interview last update: 18.06.2022, 10:01:29  

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Der Name UNJUST wird den meisten unter Euch durch den Beitrag ›Rust‹ von der ersten »Unerhört«-CD unseres großen Bruders ROCK HARD geläufig sein. Daß sich hinter dieser Kapelle allerdings ein alteingesessener Bay Area-Recke verbirgt, der schon seit über einem Jahrzehnt mit erstklassiger Musik aufwartet, dürfte eher unbekannt sein. Eric Wong, seines Zeichens Basser eben jener UNJUST, war mir in erster Linie durch sein Mitwirken bei den unsterblichen HEATHEN und LAUGHING DEAD in sehr angenehmer Erinnerung geblieben. Aber der gute Eric hat noch bei einigen anderen Truppen in die Saiten gegriffen und hat so einige spannende Stories zu erzählen.

UNJUST-Bandphoto 1

Angefangen hat meine Musikerlaufbahn etwa 1985. Ich habe zuerst mit ein paar Brasilianern gejammt, bin dann bei HEATHEN eingestiegen. Richtig ernsthaft wurde es für mich aber erst zwischen '88 und '89 als ich bei PIRANHA eingestiegen bin. Al Voltage, der zweite Klampfer und ich hatten aber irgendwann die Nase voll und entschieden uns, bei LAUGHING DEAD mitzumischen.

Und mit dem ersten Demo, schlicht »Demo 1990« betitelt, sind LAUGHING DEAD im Underground wie eine Bombe eingeschlagen. Neben den oberamtlichen, Bay Area-typischen Speedgranaten, war bestimmt die prominente Unterstützung nicht ganz unschuldig an Eurem Erfolg. Immerhin hattet Ihr mit David Godfrey den HEATHEN-Fronter am Mikro. Habt Ihr damals einen gewissen Erfolgsdruck verspürt?

Absolut nicht! Alles, was wir im Sinn hatten war: Party, Party, Party!!! Wir wollten einfach Spaß haben und gut klingen! Die Clubszene war damals ausgezeichnet, massig Frauen bei den Konzerten, und man wurde nicht gleich verhaftet, wenn man betrunken gefahren ist.

Ein weiterer Promi saß beim Debutdemo hinter den Reglern: Gary Holt, Gitarrengenie von EXODUS! Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ich kannte Gary schon eine halbe Ewigkeit lang - seit der Zeit als Kirk Hammett noch bei EXODUS spielte. So habe ich ihn gefragt und er hat zugesagt. Ganz einfach!

Irgendwie dachte man damals, LAUGHING DEAD würden nicht lange ohne Deal bleiben, was leider nicht in Erfüllung ging. Ihr habt damals bestimmt unheimlich viele Tapes verkaufen können. Gab es keine Reaktionen seitens irgendwelcher Labels?

So viele Tapes waren es gar nicht. Eine genaue Zahl kann ich Dir zwar nicht nennen, aber es waren bestimmt nicht mehr als 300 Stück. Wir waren kurzfristig in Verhandlungen mit ROADRUNNER, die uns aber doch nicht wollten. Stattdessen haben sie HEATHEN unter Vertrag genommen und sie in Europa mit SEPULTURA auf Tour geschickt. Dadurch lagen LAUGHING DEAD natürlich für einige Zeit auf Eis, da David nicht verfügbar war.

David Godfreys Position bei LAUGHING DEAD ist mir bis heute nicht ganz klar geworden. War er jemals festes Mitglied oder hat er Euch nur permanent ausgeholfen? Und - um den Gedanken mal weiterzuspinnen - wäre er der Sänger für Eure erste Scheibe gewesen?

David wollte nicht fest bei uns einsteigen, da er zu sehr an HEATHEN hing. Er hat uns über einen Zeitraum von etwa drei Jahren immer wieder ausgeholfen, was für ihn sicherlich kein Zuckerschlecken war. Manchmal hatten wir ihn erst wenige Tage vor unserem nächsten Auftritt informiert. Aber er war immer für uns da! Ken Mooney, unser Drummer und Songwriter hat die Texte und Gesangslinien für ihn ausgearbeitet, so daß er sich darum nicht auch noch kümmern mußte. Hätten wir damals die Möglichkeit gehabt, ein Album einzuspielen, wäre Dave auf jeden Fall unser Mann gewesen!

Kommen wir zu den bereits erwähnten PIRANHA, der Truppe von Paul Baloff. Komischerweise ist über die Band kaum etwas nach Deutschland durchgedrungen, obwohl jeder wußte, daß es diese Band gab. Paul hatte durch seine Arbeit mit EXODUS in Europa eine ziemlich große Anhängerschaft. Kannst Du bitte aufklären, wer bei PIRANHA gespielt hat und warum man nichts von irgendwelchen Aufnahmen zu hören bekam? (Easy - weil der nette Holländer, der seinerzeit die Demos angeblich vertrieben hatte, vergaß, die Tapes rauszuschicken. Mit meiner Kohle ist er bestimmt in die Peep-Show gegangen... - sg)

Also, das PIRANHA-Line-Up lautete: Paul Baloff (v, jetzt wieder bei EXODUS,) Al Voltage (g), Ron Shipes (g, jetzt bei FUELED) und Fred Cotton (d) und ich selbst natürlich am Baß. Wir haben damals mit James Hetfield ein Demo für MECHANIC RECORDS aufgenommen, das aber abgelehnt wurde, da es angeblich überproduziert war. Sie hatten uns aufgrund einer 4-Spur-Aufnahme kontaktiert und vermißten nun den rohen Sound. Komisch, daß Du nichts von dem Demo mitbekommen hast, denn wir haben immerhin 100 Tapes in Europa verkaufen können. (Muß ich mich jetzt schämen??? - d. Verf..; Nö - Deine Absolution steht einige Zeilen weiter oben... - sg)

Ich entsinne mich lediglich an eine Review, unter der es sogar eine holländische Kontaktadresse gab. Im Normalfall hätte sich dieser Faktor doch positiv für PIRANHA in Europa auswirken müssen?!

Eigentlich hätte dies der Fall sein müssen. Aber wir haben es unserem holländischen Kontaktmann nicht gerade einfach gemacht. Wir hatten immer nur Parties im Sinn. Damals hatte ich noch keine Ahnung, wie man eine Band ordentlich promotet. Es gab einfach niemanden in der Band, der ernsthaft versucht hat, vorwärts zu kommen.

Und da habt Ihr Euch einfach so sang- und klanglos aufgelöst?

Na ja, nicht so ganz. Obwohl wir durch die vielen Wechsel innerhalb der Band niemals ein stabiles Line-Up hatten, wurde uns die Entscheidung der Bandauflösung abgenommen: Wir wurden in unserem Proberaum überfallen, kopfüber aufgehängt und mußten mitansehen, wie ein paar Arschlöcher unser gesamtes Equipment geklaut haben. Da wir natürlich keine Kohle hatten, um neues Equipment zu kaufen, lösten wir PIRANHA einfach auf!

Auch ein Grund, eine Band aufzulösen... Dazu paßt die Geschichte, daß Paul Baloff längere Zeit sogar obdachlos gewesen sein soll...

Zumindest war er häufig kurz davor, ohne ein Dach über dem Kopf zu leben. Ich kenne Paul seit der High School, auf der ich übrigens mit Aaron Jellum von LÅÅZ ROCKIT und Mark Whitaker, dem Produzenten von EXODUS und METALLICA gewesen bin. Ich würde Baloff als "urban survivalist" bezeichnen. Er hatte schon immer das Talent, sich durchzuschlagen. Ich denke mal, daß er dadurch zu solch' einer Kultfigur in der Szene geworden ist.

Aber sicher auch dadurch, daß er bei so vielen Bands gesungen hat. Immerhin war er mal als Ersatz für Dave Godfrey bei HEATHEN. Hat er auch bei WARDANCE hinterm Mikro gestanden? Wäre naheliegend gewesen, da dies die Truppe seines alten EXODUS-Weggefährten Gary Holt war, über die es übrigens auch verhältnismäßig still geblieben ist. Etwas strange, bei der Besetzung...

WARDANCE waren wohl kurzzeitig mit einem deutschen Label in Kontakt, standen dann aber ohne Sänger da, so daß EXODUS wieder ins Gespräch kamen. WARDANCE waren sehr von PANTERA beeinflußt und klangen sehr modern. Paul war aber zu keinem Zeitpunkt Mitglied von WARDANCE und auch die Sache mit HEATHEN sollte man nicht überbewerten, da er dort nur etwa vier Wochen als Sänger aktiv war. Er hat danach PIRANHA gegründet.

Genug über Paul gesabbelt. Kommen wir zurück zu Dir, der Du auch bei besagter Kultkapelle HEATHEN am Start warst. Nochmal zu Erinnerung: Du hast auf dem göttlichen »Pray For Death«-Demo den Baß bedient und wurdest auf dem »Breaking The Silence«-Album durch den Ex-GRIFFIN-Tieftöner Yaz ersetzt. Was war passiert?

Oh, ganz einfach! Die Jungs haben mich kurz vor den Aufnahmen zum Album rausgeschmissen, da ich einfach nicht ernsthaft genug bei der Sache war. Ich hatte immer nur Parties im Sinn! Damals habe ich auch nicht wirklich an einen Erfolg mit HEATHEN geglaubt. I didn't feel it! Ich habe sogar bei GRIFFIN vorgespielt, die mir aber nicht ambitioniert genug waren.

Ehrliche Worte. Bleiben wir mal kurz bei HEATHEN: Auf dem zweiten Album fummelt ein gewisser Marc Biedermann an den vier Saiten herum. Dieser Typ ist bzw. war Kopf der grandiosen BLIND ILLUSION, die leider sang- und klanglos verschwunden sind. Weißt Du irgendwas über deren Verbleib?

Soll ich Dir etwas erzählen? Ich war eine Woche lang Mitglied von BLIND ILLUSION. Aber dann haben sie sich für Les Claypool (heute bei PRIMUS - d. Verf.) entschieden. Danach hatte Marc noch einige Wechsel. Das beste Line-up war wohl mit David Godfrey als Sänger, Les und Brian Kettle an der Gitarre. An den Namen des Drummers kann ich mich nicht mehr erinnern.

Mir war bislang nicht bekannt, daß David auch mal bei BLIND ILLUSION gesungen hat. Irgendwie unterstreicht dies die Ansicht, daß es sich bei der Bay Area-Szene um eine große Familie handelt.

Völlig richtig! Irgendwie ist es hier wirklich wie in einer großen Familie. Aber man darf dabei nicht übersehen, daß es auch einen ziemlich starken Konkurrenzkampf gibt. Vor allem in letzter Zeit ist es recht hart geworden, da man kaum noch an vernünftige Gigs kommt. Es gibt einfach zu wenig Metalbands heute: Die ganzen Newcomer versuchen, die nächsten KORN zu werden!

Verweilen wir bei HEATHEN. Um den damaligen Drummer Carl Sacco ist es sehr still geworden. Hast Du eine Ahnung, was aus ihm geworden ist?

Ja, Carl hat ein junges Mädel geheiratet und lebt seitdem glücklich und zufrieden ... bis in alle Ewigkeit! (Amen - sg)

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Kommen wir zu LAUGHING DEAD zurück: Nach dem besagten Kultdemo herrschte absolutes Schweigen. Ich war eigentlich davon ausgegangen, daß Ihr Euch kurz darauf aufgelöst hättet. Doch 1993 machten zwei neue Recordings mit Ken als Sänger die Runde, woraufhin es allerdings erneut sehr still um LAUGHING DEAD wurde (s. den entsprechenden KNOWN'N'NEW-Artikel in UNDERGROUND EMPIRE 7 - Red.) Entsprechend überrascht war ich von der »Walk On«-CD, die aus dem Jahre 1996 datiert. Was ist denn in der Zwischenzeit vorgefallen und warum gab es keinerlei Lebenszeichen mehr von LAUGHING DEAD?

Wir standen kurz vor der Unterzeichnung eines Deals mit einem deutschen Label. Aber Al Voltage hatte ein ernsthaftes Drogenproblem, so daß wir ihn feuern mußten. Leider verließ uns daraufhin auch noch Ken Mooney, der unser Hauptsongwriter war. Es war eine furchtbare Zeit für mich und rückblickend ärgere ich mich, daß ich LAUGHING DEAD danach immer noch weitergeführt habe. Das letzte LAUGHING DEAD-Line-up, welches auch auf der CD zu hören ist, wurde von allen Labels abgelehnt. Ich hätte damals schon bei UNJUST einsteigen sollen! Die Jungs spielen immerhin schon seit 1990 zusammen und sind sehr tight und ernsthaft bei der Sache.

Klingt etwas verbittert. Kann ich jedoch bei der Qualität des mir bekannten LAUGHING DEAD-Materials gut nachvollziehen! Ein Album von dieser Klasse wäre damals bombastisch eingeschlagen. Vor allem die Nummern, die die Jungs mit Drummer Ken hinterm Mikro in der Zeit zwischen 1992 und 1994 eingespielt haben, klingen sehr ausgereift und überzeugend. Aber es gibt genügend andere Beispiele untergegangener Bay Area-Truppen, die es alle verdient gehabt hätten, "the next BIG thing" zu werden. Namen, Mr. Wong?

Yes, alle Bands, bei denen ich mitgewirkt habe! Besonders aber LAUGHING DEAD mit Ken. Das Schicksal hat es mit meinen Bands niemals gut gemeint, aber ich spiele immer noch gern in meiner Freizeit. Macht mehr Spaß als bowling...

Dem Herrn ist offensichtlich nicht gerade zum "totlachen" zumute. War das eventuell auch der ursprüngliche Hintergrund für den Bandnamen LAUGHING DEAD?

Nein, den Namen hatte Ken Mooney von einem Comic namens »Night Of The Laughing Dead«.

Bevor wir komplett vom Thema abschweifen, zurück zur Bay Area. Du hast mir erzählt, daß Du eventuell einen Sampler mit unveröffentlichten Demosongs zusammenstellen willst. Finde ich natürlich 'ne ganz ausgezeichnete Idee. Hast Du da schon bestimmte Bands im Kopf?

Ja, natürlich. LAUGHING DEAD mit Ken, PIRANHA, MACHINE HEAD aus der Zeit vor Chris Contos, UNDER, 40 GRIT, 3 BELOW, LEVEL, die allesamt Freunde von mir sind. Ich hab' tonnenweise Tapes bei mir rumliegen. Da wird ein Sahneteilchen bei rauskommen. Versprochen!

Ich hätte noch an ganz andere Kandidaten gedacht - zum Beispiel CONTROL, ANVIL CHORUS, ULYSSES SIREN oder MERCENARY - aber die Idee an sich ist supergenial! Es gab so viele grandiose Bands, die alle originell und doch "typisch" nach Bay Area klangen. Kannst Du das Geheimnis hinter diesem Sound lüften?

Das ist eigentlich kein großes Geheimnis. Ich denke mal, es liegt an gleichen Vorbildern. Alle haben sich damals an EXODUS, METALLICA und SLAYER orientiert. Logisch, daß da immer etwas ähnliches rauskommen mußte. Alle wollten ein Stück vom großen Kuchen abhaben!

Wie sah es mit dem Verhältnis zwischen East und West Bay aus?

Es lange Zeit kaum Kontakt zueinander. Ich würde sagen, daß MORDRED es geschafft haben, diese interne Grenze zu überschreiten. Sie, und vor allem ihr Manager Alexis Olson, haben es geschafft, die gesamte Bay Area zusammenzuführen.

Nach all' diesen Rückblenden in die Vergangenheit, laß uns mal in die Zukunft schauen. Was hälst Du als alter Szenekenner von der heutigen Metalwelt?

Ich liebe KORN, aber nicht all' diese wannabees. Ich wünschte, die Szene wäre noch genauso abwechslungsreich und aufregend wie Ende der Achtziger. Es gibt kaum noch Clubs, in denen man spielen kann. Metal muß einfach wieder populärer werden!

Any final words?

Ja, beinahe hätte ich es vergessen. Bevor Dave Godfrey bei LAUGHING DEAD ausgeholfen hat, war der ehemalige DEFIANCE- und jetzige SKINLAB-Shouter Steev Esquivel kurze Zeit dabei. Er hat damals bei uns im Studio gewohnt. Eines Tages haben wir unter seinem Kopfkissen erste Entwürfe für DEFIANCE-Texte entdeckt. Wir schmissen ihn kurzerhand raus, da er uns nichts von seiner zweiten Truppe gesagt hatte und wir uns hintergangen fühlten. Und dann kam Dave.

And then there were none, oder wie? Anyway, ich denke, es war ganz unterhaltsam, rückblickend über die Bay Area-Zeiten zu plaudern. Bei mir hat es auf jeden Fall ein verstärktes Hören alter DEATH ANGEL-, MORDRED-, HEATHEN- und BLIND ILLUSION-Scheiben ausgelöst. Und irgendwie fällt mir dabei immer wieder auf, daß diese Bands ihrer Zeit meilenweit voraus waren. Es ist ein Jammer, daß kaum eine dieser völlig begnadeten Truppen mehr als Achtungserfolge erzielen konnte. Denn, obwohl man bei fast allen ähnliche Trademarks ausmachen konnte, haben sie sich gegenseitig nicht kopiert. Vor allem, wenn man bedenkt, daß DEATH ANGEL, MORDRED oder BLIND ILLUSION sehr früh mit stilübergreifenden Mitteln gearbeitet haben. Vielleicht hätten sie sich nicht an handgemachten Funk und R'n'B-Zeugs orientieren sollen, sondern besser an BON JOVI. Dann würden sie heute, wie ihre einstigen Brüder im Geiste - METALLICA - Stadien füllen. Genug geärgert, stattdessen will ich noch einige Worte über die beiden CDs aus dem Hause Wong verlieren:

Die erste CD stammt aus LAUGHING DEAD-Zeiten und heißt »Walk On«. Kurz vor ihrem Ableben haben LAUGHING DEAD nochmal vier Songs auf CD gebannt. Warum bislang niemand ein Wort darüber verloren hat, ist mir bei der gebotenen Qualität allerdings total schleierhaft. Von der Besetzung des ersten Tapes ist neben Eric nur Klampfer Chris Paganetti übrig geblieben, was aber keinen Qualitätsabbruch zur Folge hatte. Auch wenn im Hause LAUGHING DEAD anno '96 etwas modernisiert wurde, klingen die vier Songs sehr melodisch. Im Gegensatz zu Nackenbrechern wie ›Never Be A God‹, mit welchem sie sechs Jahre zuvor noch mächtig Bleifuß gefahren waren, gehen sie es auf dem Silberling etwas gemäßigter an. Mehr im Midtempo gehalten, grooven die gitarrenlastigen Nummern herrlich ab. Herausheben möchte ich - wie könnte es bei einer Bay Area-Band auch anders sein - die hervorragende doppelläufige Gitarrenarbeit, die mich ein wenig an frühe MORDRED-Tage erinnert. Sänger Eric Chez verfügt über ein gleichsam aggressives wie auch melodisches Organ, so daß er sich allen Stimmungen erstklassig anpassen kann. Ich hoffe, daß LAUGHING DEAD im Zuge von UNJUST, dem neuen Betätigungsfeld von Eric Wong, zu späten Ehren kommt.
Der andere Silberling ist ein Promoteil von UNJUST. Gefielen mir alle bisherigen Projekte von Eric ganz ausgezeichnet, so hatte ich meine Anlaufschwierigkeiten mit UNJUST. Die klingen nämlich sehr modern. Soll heißen, daß hier mächtig gewütet wird. Ich bin drauf und dran, MACHINE HEAD als Vergleich zu nennen, was die Sache aber nur sehr ungenau treffen würde. Man hört UNJUST auf jeden Fall die Herkunft an. Im Gegensatz zu ihren momentanen Blutsbrüdern gehen UNJUST aber weitaus melodischer und abwechslungsreicher zu Werke. Fühlt sich der Opener ›Rust‹ noch wie an Schlag in die Fresse an, überzeugen UNJUST bei ›Dark‹ mit einer knackigen Gitarrenmelodie, die beinahe an MORDRED erinnert. Die extrem wuchtige, aber gleichsam transparente Soundgestaltung der fünf Nummern läßt vor allem den beiden Rhythmusinstrumenten extrem viel Freiraum. Hierdurch ensteht ein unglaublicher Druck, der höllisch groovt. Dazu kommt ein hervorragender Shouter, der wirklich in jeder Stimmlage zu überzeugen versteht. Egal, ob er nun den toughen Macho raushängen läßt und aggressiv die Gehörgänge durchpustet oder melodisch kraftvoll an Mike Patton erinnert. Es paßt wie die Faust aufs Auge! Auch wenn ich LAUGHING DEAD ein wenig nachtrauere (von HEATHEN will ich gar nicht sprechen!), kann ich Eric für UNJUST nur die Daumen drücken. Wenn selbst ein Traditionalist wie ich auf vermeintlich modernes Geballer abfährt, darf das gern als Kompliment aufgefaßt werden. Hier sollte ein Deal wirklich nur eine Frage der Zeit sein, denn der Spagat zwischen alten Tugenden und neuzeitlicher Härte ist glanzvoll gelungen.

Wer sich in Sachen Merchandise bedienen möchte, kann hier voll zuschlagen: Eric bietet sowohl zwei verschiedene LAUGHING DEAD-Shirts als auch ein UNJUST-Shirt an (für jeweils 25 Ami-Dollar). Die Preise für die CDs betragen 10 US-Dollar für die LAUGHING DEAD-CD und 7 US-Dollar für den UNJUST-Silberling.

UNJUST
c/o Eric Wong
5110 Esmond Ave.
Richmond, CA 94805
U.S.A.

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Holger Andrae

UNJUST im Überblick:
UNJUST – Glow (Rundling-Review von 2003)
UNJUST – ONLINE EMPIRE 1-Interview
UNJUST – News vom 26.01.1999
UNJUST – News vom 07.03.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers Eric Wong:
HEATHEN – UNDERGROUND EMPIRE 3-"Demoklassiker"-Artikel
LAUGHING DEAD – European Demo (Demo-Review von 1993)
LAUGHING DEAD – UNDERGROUND EMPIRE 3-Special
LAUGHING DEAD – UNDERGROUND EMPIRE 3-Special
LAUGHING DEAD – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Known'n'new"-Artikel
LAUGHING DEAD – METAL HAMMER 19-20/90-Special
Playlist: LAUGHING DEAD-Album »Demo '90« in "Playlist Metal Hammer 19-20/90" auf Platz 5 von Stefan Glas
Playlist: LAUGHING DEAD-Album »Demo '90« in "Playlist Metal Hammer 21-22/90" auf Platz 4 von Stefan Glas
PIRANHA (US, CA, Berkeley) – UNDERGROUND EMPIRE 3-Special
PIRANHA (US, CA, Berkeley) – News vom 24.05.2007
RUFFIANS – ONLINE EMPIRE 20-"Living Underground"-Artikel
RUFFIANS – ONLINE EMPIRE 21-Interview
RUFFIANS – ONLINE EMPIRE 29-"Living Underground"-Artikel
RUFFIANS – ONLINE EMPIRE 30-Interview
RUFFIANS – News vom 20.01.2010
Playlist: RUFFIANS-Album »Desert Of Tears« in "Jahrescharts 2006" auf Platz 3 von Walter Scheurer
Playlist: RUFFIANS-Liveshow Balingen, "Bang Your Head!!!"-Festival 25.06.2004 in "Jahrescharts 2004" auf Platz 3 von Walter Scheurer
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