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  UE-Home → Online Empire 88 → Interview-├ťbersicht → HOLOSADE-Interview last update: 24.07.2021, 09:41:30  

HOLOSADE-Logo

Mit ┬╗Anastasis┬ź ver├Âffentlicht die britische Power/Thrash Metal-Formation HOLOSADE dieser Tage ihr zweites offizielles Album. Der Name sollte aber dennoch einigerma├čen ein Begriff sein, denn mit dem 1988 aufgelegten Debut konnte das Quintett aus der im Nordosten Gro├čbritanniens gelegenen Stadt Darlington doch einigerma├čen Aufsehen erregen. Zwar nicht unbedingt ausgiebig und lange, da 1991 der Bandbetrieb wieder eingestellt wurde, doch ┬╗Hell House┬ź entwickelte sich dennoch zu einem durchaus respektierten und auch gesuchten Album. Nicht zuletzt deshalb wurde der Erstling in der Zwischenzeit bereits in drei unterschiedlichen Versionen neu aufgelegt. Zuletzt 2020, vom ebenfalls aus dem UK stammenden Label DISSONANCE PRODUCTIONS. Ob zu diesem Zeitpunkt bereits klar war, da├č uns nahezu exakt zw├Âlf Monate sp├Ąter endlich das zweite Langeisen der offiziell bereits 1985 gegr├╝ndeten Band ins Haus stehen w├╝rde, wei├č man zwar nicht so genau, ein Zusammenhang k├Ânnte aber durchaus bestehen.

HOLOSADE-Bandphoto 1

Schlie├člich gab uns Bandmitbegr├╝nder, S├Ąnger und l├Ąngst einziges, verbliebenes Originalmitglied Phil Brown, der seit den Anf├Ąngen das Pseudonym Phillip De Sade benutzt, im Interview auch einen ├ťberblick ├╝ber den zeitlichen Ablauf der R├╝ckkehr von HOLOSADE.

Wann habt Ihr Euch dazu entschieden, wieder als HOLOSADE an den Start zu gehen?

Paul Trotter und ich hatten 2016 mit weiteren Musikern hier aus der Umgebung eine Band mit dem Namen ARMORTURA gegr├╝ndet. Die Zusammenarbeit lief wirklich gut, und so kam es, da├č wir 2018 ein Album aufgenommen haben. Dieses wurde unter dem Titel ┬╗Armortura┬ź von MIGHTY MUSIC aufgelegt. Die kam auch ganz gut an, doch einige Fans waren der Meinung, die Scheibe h├Ątte viel von HOLOSADE. Das haben wir zun├Ąchst nur zur Kenntnis genommen, uns aber nicht weiter darum gek├╝mmert. ├ťberzeugender war da schon ein Gespr├Ąch mit dem englischen NUCLEAR BLAST-Vertreter Mark Palmer.

Was hat er Euch denn geraten?

Da├č es viel einfacher f├╝r uns w├Ąre, mit einem HOLOSADE-Banner im Hintergrund live aufzutreten als mit dem Namen ARMORTURA. Mark meinte, den fr├╝heren Namen kennen immer noch viele Metalheads, und es w├Ąre schade um den Ruf. Da├č in diesen Tagen ┬╗Hell House┬ź eine weitere Neuauflage erfahren hatte, spielte uns nat├╝rlich perfekt in die Karten. So kam es, da├č Paul, ich und Adam Ironside, der zweite Gitarrist von ARMORTURA, seit 2019 wieder als HOLOSADE aktiv sind. Als Bassist konnten wir Huw Holding gewinnen, einen sehr erfahrenen Mann, der unter anderem schon f├╝r AVENGER und BLITZKRIEG gespielt hat.

Mit den Aufnahmen f├╝r ┬╗Anastasis┬ź scheint Ihr recht rasch begonnen zu haben. Hattet Ihr eine spezielle Intention wie die Songs klingen sollten?

Nicht wirklich. Schlie├člich haben wir unseren Stil l├Ąngst gefunden und konnten die Sache auf uns zukommen lassen. Egal, unter welchen Namen die Scheibe erschienen w├Ąre, sie w├╝rde sich nach uns anh├Âren. Klar hatten wir immer wieder etwas auszubessern, oder mal hier oder da eine Passage zu ver├Ąndern, aber das Fundament war wirklich recht rasch erschaffen.

Wie lange hat es denn im Endeffekt gedauert?

Insgesamt kann man sagen, etwas mehr als ein Jahr. Wobei uns mittendrin auch noch COVID-19 dazwischengefunkt hat und wir die Vorgehensweise f├╝r die Aufnahmen ├Ąndern mu├čten. Beendet haben wir das Album quasi im "Home Office", also jeder f├╝r sich, nach den vorhandenen Gegebenheiten.

HOLOSADE-Headline

Bekommen wir denn ausnahmslos neue Tracks zu h├Âren, oder wurden auch schon l├Ąnger archivierte Songs verwendet?

Auf dem Album ist tats├Ąchlich ausnahmslos brandneues HOLOSADE-Material zu h├Âren! Wir haben zwar auch an ├Ąlteren Songs gearbeitet, doch das hat dann nicht so prickelnd geklungen. Deshalb sind diese Nummern wieder ins Archiv gewandert. Die Arbeitsweise war urspr├╝nglich so, da├č Paul und Adam ihre Riff-Ideen zu mir geschickt haben, und ich mir dann Texte und Gesangsmelodien dazu ├╝berlegt habe. Danach haben wir uns getroffen und weiter an den Nummern gearbeitet. Adam brachte sich auch als Texter gut ein und hatte zudem auch viele Ideen f├╝r Refrains. Danach kam Huw an die Reihe, der aber seine Ba├čspuren bereits von zu Hause aus beitragen mu├čte. Auch die Aufnahme des Schlagzeugs war COVID-19-bedingt nur aus der Ferne m├Âglich.

Gutes Stichwort: Da sich Euer Drummer Adam Sayers im August des Vorjahres dazu entschieden hat, die Band zu verlassen, habt ihr Hugo Ribeiro f├╝r die Aufnahmen verpflichtet. Wird er MOONSPELL verlassen, um bei Euch einzusteigen?

Nein. Bestimmt nicht. F├╝r die Aufnahmen war es zwar kein Problem, da├č er zu Hause in Portugal aufgenommen hat. F├╝r die Zeit nach COVID macht es aber schon rein logistisch nicht viel Sinn, denn wir proben ja zumindest ab und zu zusammen. Au├čerdem glaube ich nicht, da├č es ihm bei MOONSPELL schlecht geht. Wir hatten einfach Gl├╝ck, da├č er die Zeit hatte, uns relativ kurzfristig auszuhelfen.

Das Album tr├Ągt den Titel ┬╗Anastasis┬ź (altgriechisch f├╝r "Auferstehung") wohl aus gutem Grund. Ich nehme an, Ihr habt den Titel gew├Ąhlt, um Eure R├╝ckkehr entsprechend zum Ausdruck zu bringen?

Genau! Wir wollten irgendetwas wie "Phoenix", "Ascension" oder "From The Ashes", haben uns aber bewu├čt f├╝r eine Fremdsprache entschieden und sind dabei irgendwann auf diese wundersch├Âne altgriechische Vokabel gesto├čen. Klingt doch cool, oder?

Absolut. Und pa├čt wie die Faust aufs Auge. Das l├Ą├čt sich auch f├╝r den Sound festhalten. Die unterschiedlichen Stilmittel, die ihr verwendet, konnten zu einem stimmigen Klangbild zusammengef├╝gt werden. War das Euer Plan?

Ja. Wir wissen, da├č es nicht ganz so einfach ist, einen Old School-Metal-Ansatz mit Thrash-Riffs und kraftvollem Groove unter einen Hut zu bringen. Ich denke aber, da├č uns das ganz gut gelungen ist. Im Vergleich zu fr├╝her klingen die Songs nun dynamischer und auch viel abwechslungsreicher. Vielleicht gelingt es uns ja sogar, ein breiteres Publikum zu erreichen.

Klingt durchaus realistisch. Deckt sich das mit Eurer Erwartungshaltung?

Ja. Es reicht uns, wenn wir R├╝ckmeldungen von Metalfans bekommen, die unser Album und das, was wir machen, als gut empfinden. Verdienen l├Ą├čt sich mit einem Sound wie dem unseren heutzutage ohnehin nicht mehr viel. Was sollen wir also noch mehr wollen? Wir sind mit dem Dreher gl├╝cklich, und wenn er unseren Fans ebenso gef├Ąllt, ist das wunderbar.

Gute Einstellung. War die schon immer so? Oder hat sich da im Laufe Zeit etwas ge├Ąndert?

Ja, da hat sich viel ge├Ąndert. Als wir den Vertrag bei POWERSTATION RECORDS f├╝r die Ver├Âffentlichung von ┬╗Hell House┬ź unterschrieben haben, wurde uns viel versprochen. Davon gehalten wurde aber leider nur wenig. Das hat uns damals v├Âllig fertiggemacht. Heute denke ich nat├╝rlich anders dar├╝ber und kann die Gesch├Ąftsidee von den damaligen Labelchefs einigerma├čen nachvollziehen. POWERSTA┬žTION waren gerade sehr erfolgreich. Allerdings mit LITTLE ANGELS, und mit deren Musik hatten wir nun mal nichts am Hut. F├╝r uns blieb vom Promo-Budget auch deshalb nur wenig ├╝brig, weil man nicht wu├čte, wie man HOLOSADE vermarkten konnte. Im Endeffekt hat das Gesch├Ąftsgebaren von POWERSTATION die Karriere der Band recht abrupt beendet. Dadurch haben n├Ąmlich gleich mehrere Mitglieder innerhalb von nur kurzer Zeit die Band verlassen. Jack Hammer, alias Simon Jones, wechselte zu SABBAT und Ian "Mac" MacDonald zu ACID REIGN. Ein wenig zuvor heuerte unser Drummer Michael Pearson (der sich sp├Ąter Michael Lee nannte - ws) bei den LITTLE ANGELS an. Und das war es dann auch. Von der Musik hatte ich nie genug, deshalb habe ich auch immer weitergemacht, vom Business dagegen hatte ich damals die Schnauze voll.

HOLOSADE-Bandphoto 2

Irgendwie hatte ich damals den Eindruck, da├č man Power und Thrash Metal-Bands aus dem UK generell nicht jenen Stellenwert zubilligte, den Formationen aus den USA, Deutschland oder Skandinavien erhielten. Hast Du eine Idee woran das lag?

Das ist eine ├╝beraus interessante Frage, auf die ich bis heute keine passende Antwort habe. Ich pers├Ânlich bin der Meinung, da├č uns der Support der zahlungskr├Ąftigen Labels einfach fehlte. Ich denke, denen war es zu dieser Zeit einfach zu riskant auf Bands dieser Richtung aus dem UK zu setzen. Das Thema wird auch in "Contract In Blood: The History Of UK Thrash Metal" behandelt, wobei Du in diesem Buch nahezu 50 verschiedene Meinung von 50 dazu befragten Musikern findest. Eine in der Tat knifflige Frage.

Lass uns nochmal auf das Album zur├╝ckkommen. Die Texte wirken allesamt recht finster. Woher kommen die Inspirationen dazu?

Vorwiegend von Horror-Geschichten und Filmen. Allerdings habe ich auch diverse Vorg├Ąnge auf unserer Erde in Texte umgem├╝nzt. Da├č die nicht gerade pure Freude ausstrahlen, kann man sich wohl vorstellen. Ich will damit aber niemanden eine Meinung aufzwingen, ich m├Âchte lediglich meinen Standpunkt kundtun.

Gibt es denn die Texte schon, bevor ihr einen Song schreibt?

Die Musik kommt immer zuerst, anders kann ich nicht arbeiten. Ich habe aber jede Menge Textmaterial auf Lager, da ich mir immer Notizen mache, wenn mir etwas einf├Ąllt. Das bedeutet, da├č es zumeist nicht allzu lange dauert, bis mir zu einem neuen Song der entsprechende Text einf├Ąllt.

Als gelungen ist auch das Artwork zu bezeichnen. Wer hat es entworfen?

Hans Trasid, ein K├╝nstler aus der Slowakei. Er hat schon f├╝r einige Bands die Cover gestaltet. Seine Arbeiten sind auf seiner Website zu sehen.

Ich wei├č, da├č es im Moment nicht angebracht ist, ├╝ber geplante Konzerte zu sprechen. Hattet Ihr denn ├╝berhaupt schon die M├Âglichkeit seit dem Comeback live zu spielen?

Doch. Wir haben vor dem ersten Lockdown sechs Shows gespielt und konnten uns von Gig zu Gig steigern. Danach war aber leider vorerst einmal Schlu├č. Wie es weitergeht, wei├č man ja leider auch noch nicht. Wenn erst mal das Album gut ankommt, und wir entsprechendes Feedback ├╝ber die sozialen Medien erhalten, besteht aber die Chance durchaus, da├č wir uns in absehbarer Zeit sogar auf eine Tournee begeben. Keine Ahnung, ob uns auch jemand bei Euch buchen will, aber sollte sich diese Chance ergeben, w├╝rden wir uns diese sicher nicht entgehen lassen.

Logisch. Bleibt denn durch die nun doch geh├Ârige Arbeit die HOLOSADE aufwirft, Zeit f├╝r Euch auch noch in anderen Bands aktiv zu sein?

Nun, ARMORTURA gibt es momentan klarerweise nicht mehr. Einige Songs haben wir aber bei uns ins Live-Programm aufgenommen. Zeitmangel ist hier auch nicht das Thema, aber es macht einfach keinen Sinn, zwei Bands in derselben Besetzung zu betreiben. Noch dazu, wenn sich diese stilistisch auch noch ├╝berschneiden. Die anderen Jungs haben es da einfacher. Huw ist immer noch mit seiner MAIDEN-Tribut-Band HIGHER ON MAIDEN unterwegs, und Adam hat mit PRIORY OF SIN ein Projekt am Laufen, bei dem der spieltechnische Aspekt im Vordergrund steht.

Besten Dank f├╝r das informative Interview. Hast Du zum Schlu├č noch Zeit, um einen Blick in die Glaskugel zu werfen, was denn die n├Ąhere Zukunft bringen wird?

Schwer zu sagen. Im Prinzip h├Ąngt momentan alles davon ab, wie ┬╗Anastasis┬ź ankommt. Erst danach macht es auch Sinn, ├╝ber weitere Schritte, wie etwa eine etwas umfangreichere Tournee, nachzudenken. Bis dahin sollten wir dann auch einen Drummer im Line-up haben. F├╝r Einzelshows h├Ątten wir aber mehrere Kandidaten zur Auswahl, die uns aushelfen k├Ânnten. Ich m├Âchte mich noch f├╝r das Interesse bedanken und w├╝nsche Euch einfach nur das Beste!

http://www.holosade.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photo: Geoff Duke [Photo 1]

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