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DGM-Logo

Sonderlich eilig haben es die Herrschaften von DGM aus Rom nach wie vor nicht, um ihre Fans mit frischem Material zu versorgen. Der inzwischen regelrecht Usus gewordene Abstand von knapp drei Jahren zwischen zwei Alben hat aber weder etwas mit mangelnder Inspiration und schon gar nichts mit Faulheit zu tun, wie uns Gitarrist Simone Mularoni glaubhaft wissen läßt.

DGM-Bandphoto 1

Seit Eurem 2004er Album »Misplaced« scheint die Band ihren Veröffentlichungsrhythmus gefunden zu haben. Gab es ein besonderes Ereignis, warum das so ist, oder paßt ein solcher Zeitraum einfach perfekt zu Eurer Arbeitsweise?

Weder noch. Wir sahen jedoch auch noch nie irgendeinen Grund, etwas zu überstürzen. Wozu auch? Bei uns hat sich im Laufe der Jahre ein gewisser Arbeitsablauf etabliert, und der bedarf nun mal einer gewissen Reifezeit. Etwas Halbgares abzuliefern kommt für uns nicht in Frage. Wenn es ein Song oder auch ein ganzes Album verlangt, wird eben solange daran herumgeschraubt, bis es für alle paßt. Unabhängig davon haben wir allesamt im Alltag auch noch jede Menge an Aufgaben zu erledigen, die nichts mit DGM zu tun haben. Ich beispielsweise bin schon seit geraumer Zeit vorwiegend damit beschäftigt, in meinem Studio für andere Bands zu arbeiten. So kam irgendwann einmal ein Zeitabstand von gut 36 Monaten zustande, und genauso ist es auch jetzt wieder gelaufen.
Um etwaigen Gerüchten zuvorzukommen sei aber noch explizit erklärt, daß wir keineswegs immer Urlaub an der Adria machen! [lacht] Im Gegenteil, mit dem Songwriting für unser neues Album »The Passage« haben wir sogar fast unmittelbar nach der Veröffentlichung von »Momentum« begonnen. Auch an Inspiration mangelt es DGM definitiv nicht. Überhaupt nicht, denn es kann bei uns sogar durchaus vorkommen, daß binnen weniger Tage ein oder gleich mehrere, neue Songs entstehen.

DGM-Headline

Der Entstehungsprozeß eines Albums schient bei Euch gut durchdacht und ausgeklügelt zu sein. Gibt es denn auch eine Art Plan für das Schreiben neuer Songs?

Auf jeden Fall! Da die Musik von DGM zu knapp 95 Prozent auf meine Kappe geht, sollte es nicht wirklich überraschen, daß ich es auch bin, der sich darum kümmert, daß sich die Tracks schon im frühen Demostadium nach "vollendeten" Songs anhören. Darauf bestehe ich, und so lange mich eine neue Nummer nicht vollends überzeugt, warte ich auch mit der Weitergabe des Materials an meine Kollegen. Wenn die dann damit einverstanden sind, mache ich mich zumeist gemeinsam mit unserem Sänger Marco Basile (der frühere MIND KEY-Frontmann ist seit 2007 bei DGM tätig und hat zuletzt, wie viele andere Mikro-Kollegen auch, am letzten DERDIAN-Album mitgewirkt - ws) an die Fertigstellung des Materials. Mir wäre es wesentlich lieber, alle Musiker könnten dabei mitwirken, da wir aber knapp 500 Kilometer voneinander entfernt wohnen, sind kurze Treffen, Bandproben oder auch das Ausarbeiten von Songs leider nicht so einfach zu bewerkstelligen. Von daher ist es einfacher, aber auch übersichtlicher, allein oder nur mit Marco zu arbeiten.

DGM-Singleshot: Simone Mularoni

Das heißt wohl, daß auch die Produktion zum größten Teil von Dir allein übernommen werden muß?

Ja, das trifft auch auf die Produktion zu, denn auch diesbezüglich werde ich immer mehr zum Kontrollfreak und bevorzuge es, alles im Alleingang über die Bühne zu bringen. Allerdings schaffe ich es zum Glück, immer wieder runterzukommen und weiß es auch zu schätzen, wenn mir einer der Kollegen mal den einen oder anderen Tip gibt, um nicht komplett betriebsblind zu werden. Klar kommt es dadurch auch immer wieder vor, daß sich ein Song durch die Ideen meiner Kollegen von meiner ursprünglichen Version unterscheidet und einzig die Grundstrukturen erhalten bleiben. Die große Ausnahme stellen jedoch immer wieder jene Songs dar, die in eher gemäßigten Gefilden anzusiedeln sind oder balladeske Passagen beinhalten. Diese Spielwiese überlasse ich nur zu gerne Marco, der hat dafür nämlich das wesentlich bessere Händchen und vermag gefühlvolle Kompositionen viel lockerer umzusetzen. Hört Euch nur mal ›Disguise‹ oder ›In Sorrow‹ von unserem neuen Album an, und Ihr wißt, was ich meine!

Diese beiden Perlen sind zwar stilistisch eher die "Ausreißer", passen aber dennoch ganz gut in den Kontext des neuen Drehers. Gab es diesbezüglich etwaige Anforderungen an Euch, was noch alles mit auf die Scheibe muß?

Wir hatten von Anfang nichts anderes im Sinn, als Musik zu komponieren, die wir selbst auch gerne mögen. Allerdings waren wir uns durchaus der Sache bewußt, daß wir es tunlichst vermeiden mußten, nach einer bestimmten Formel zu komponieren. Ansonsten wären wir Gefahr gelaufen, uns zu wiederholen, und das ist absolut fatal für einen Band. Schlußendlich haben wir uns für einen Mix aus purer Inspiration und den erwähnten Hintergedanken entschieden und denken, daß wir damit ganz gut gefahren sind. Da wir obendrein auch den Fokus auf eingängige und nachvollziehbare Momente legten, waren wir auch davor sicher, allzu zu kopflastig loszulegen.

Nachvollziehbar und zutreffend. Seid Ihr denn mit dem Album selbst zufrieden, oder gibt es retrospektiv gesehen doch noch irgendwas, das man besser hätte machen können?

Mit dem Ergebnis sind wir absolut zufrieden, denn bei allem Anspruch, den wir uns selbst auferlegten, haben wir mit »The Passage« unser bis dato zugänglichstes Werk erschaffen. Ob wir das in einiger Zeit nicht eventuell doch ein wenig anders sehen, läßt sich jetzt noch nicht orakeln.

War denn auch ein klein wenig Kalkül im Spiel, oder habt Ihr Euch ohne weiteres auf melodischere und zugänglichere Gangart einigen können?

Doch, da war eine Menge Berechnung dabei, die jedoch war inspiriert. Es gibt doch nichts Schöneres für einen Musiker, als wenn die Fans bei einem Konzert die Songs lautstark mitsingen! Und wie sollten sie, wenn man ihnen Songs vorsetzt, die vorwiegend aus aneinandergereihten Riffs bestehen? Von daher darf man uns gerne unterstellen, wir würden uns an Größen wie QUEEN, WHITESNAKE oder JOURNEY orientieren. Aber sicher doch! Besser kann man Melodien und Rockmusik schließlich nicht kombinieren!

Einige der Songs lassen mich daran glauben, daß diese miteinander verbunden sind. Bekommen wir etwa ein Konzeptwerk aufgetischt?

Nicht wirklich. Es mag aufgrund der Schlüssigkeit der Nummern und der Songreihenfolge zwar durchaus so anmuten, aber ein Konzept im Sinne einer durchgehenden Geschichte existiert definitiv nicht. Sehr wohl aber basieren unsere Texte auf persönlichen Erfahrungen, und zwar allesamt. Von daher ist zumindest ein gewisser Zusammenhang vorhanden. Interpretationsfreiraum ist aber dennoch zur Genüge vorhanden, weshalb sich jeder Hörer selbst eine Geschichte darauf reimen kann, und auch soll.

Nicht zuletzt diese Zugänglichkeit sollte DGM nun endlich doch noch gebührend bekannt werden zu lassen. Wie sieht denn Eure Business-Situation momentan aus?

DGM-Bandphoto 2

Wir sind sehr froh und dankbar dafür, nun bei FRONTIERS RECORDS, einer der Topadressen für melodische Rock- und Metal-Klänge untergekommen zu sein. Wir sehen diese Kooperation als fruchtbar für beide Seiten an und sind darüber hinaus auch sehr stolz, nun einige ganz große Namen als Labelkollegen zu haben. Zu verdanken haben wir diesen Kontrakt zu einem guten Teil übrigens Joe Lynn Turner.

Wie bitte? Joe Lynn Turner verhilft Euch so einfach mal zu einem Deal?

Oh ja, das war ein Freundschaftsdienst. Schließlich war ich gerade dabei, für das letzte SUNSTORM-Album diverse Gitarrenpassagen einzuspielen, als mich FRONTIERS-Boß Serafino Perugino kontaktierte, ob ich denn nicht auch ein neues DGM-Album an den Start bringen könnte. Und ob, die neuen Songs waren ja eben fertig geworden, und von daher war ich für diese Kooperation schlicht zur rechten Zeit am rechten Ort. Ob wir mit »The Passage« nun tatsächlich groß durchstarten können, müssen wir zwar erst abwarten, ich denke aber, daß die Chancen dafür nie besser waren als jetzt!

Wäre denn nicht auch ein Namenswechsel angebracht? Schließlich hat die aktuelle Besetzung damit nichts mehr Hut...

Wir haben tatsächlich schon mehrfach darüber nachgedacht, uns einen neuen Namen zu suchen, da von den drei Gründungsmitgliedern und Namenspatronen Diego, Gianfranco und Maurizio schon seit einer Dekade niemand mehr mit von der Partie ist. Dennoch ist der Name DGM ein Begriff in der Szene, und von daher wäre ein Neustart unter einem anderen Banner wohl eher ein Rückschritt.

http://www.dgmsite.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

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