UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Underground Empire 2 → Interview-├ťbersicht → CYCRA-Interview last update: 05.11.2020, 18:45:40  

”UNDERGROUND EMPIRE 2”-Datasheet

Contents:  CYCRA-Interview

Date:  1989/'90 (created), 18.03.2009 (revisited), 17.02.2017 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 2

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Leider sollte es bei CYCRA zu dem lang und breit in diesem Interview thematisierten m├Âglichen Album nicht kommen, was sehr schade ist, da die Musik der Band unbestritten super war. Stattdessen traten CYCRA mehr oder minder sang- und klanglos von der Bildfl├Ąche ab. Doch dieses Schicksal sollte bekanntlich mehr als nur eine Band treffen...

Au├čerdem h├Ątte meinereiner seinerzeit statt des etwas bl├Âdsinnigen Schlu├čworts, in dem eigentlich keinerlei neue Erkenntnis aufgebracht wurde, lieber erw├Ąhnen k├Ânnen, da├č die Standardfrage bez├╝glich der Vorg├Ąnge in Osteuropa im Falle von CYCRA fehlte, da dieses Interview schon Ende 1989 - und somit sehr fr├╝h in der Entstehungsphase von UNDERGROUND EMPIRE 2 - gef├╝hrt wurde, so da├č zu diesem Zeitpunkt die Idee, abschlie├čend alle Bands mit der gleichen Frage zu konfrontieren noch nicht im Raum gestanden hatte.

 

P.S.: Nat├╝rlich war es bei der Onlineversion Ehrensache, da├č wir den Gag mit den Orang-Utans, die sich diesmal sogar anschauen d├╝rfen, reproduzieren w├╝rden!

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

CYCRA-Design 1 CYCRA-Logo CYCRA-Design 2

CYCRA-Headline

CYCRA-Liveshot

Es gibt also wirklich noch unentdeckte Talente auf dieser Welt. Als ich im Pro­gramm­zettel des "Schwimmbad"-Clubs Heidelberg vor dem Namen DEATHROW die f├╝nf Buchstaben C, Y, C, R und A entdeckte, fiel es mir wieder wie Schuppen von den Augen und ich wu├čte wieder ein neues Exemplar dieser Gattung, das ich zum Interviewopfer machen konnte. "Richtig, die gibt's auch noch", dachte ich und schon waren mir auch etliche Fragen eingefallen. Einem Interview stand also fast nichts mehr im Weg.
Da wahrscheinlich die Wenigsten unter Euch, irgendeine Vorbildung zu dem Thema CYCRA haben, will ich vorausschicken, da├č es sich bei CYCRA um ein Trio aus Frankenthal handelt, das ziemlich komplizierten Metal spielt. Ihr letztj├Ąhriges Demo fiel mir nur per Zufall in die H├Ąnde, obwohl ich beide Vorg├Ąnger hatte. Dieser Zufall gewann um so mehr an Wert, als ich ziemlich bald die Qualit├Ąten der Aufnahme erkannte.
Es war dann auch erfreulich, da├č das Interview zu einem wirklich bemerkenswerten wurde. Denn, statt Standard-Bla-Bla und nichtssagenden Phrasen waren au├čer­ge­w├Âhn­liche und offene Worte angesagt. Diese stammten haupts├Ąchlich von Gitarrist und S├Ąnger Eddie, w├Ąhrend sich Stockschwinger Snadges etwas zur├╝ckhielt und haupts├Ąchlich f├╝r die W├╝rze in Form von genialen trockenen Kommentaren zust├Ąndig war.

Mir sagt der Name "Cycra" rein gar nichts. Erl├Ąutere ihn doch bitte mal!

Eddie: Das soll so sein. Wir hatten viele Probleme mit unserem alten Namen VISCID VISCERA (was soviel wie "klebrige Eingeweide" bedeutet - Red.). Viele Leute haben das total mi├čverstanden und glaubten, wir w├╝rden irgendwelche Schlachtungen auf der B├╝hne veranstalten. Daher haben wir uns einen Fantasienamen ausgedacht, der lediglich den Sinn hat, da├č er der Name der Band ist.

Warum habt Ihr Euer Demo bislang noch fast nicht verbreitet?

Eddie: Das Demo war eigentlich nur f├╝r die engsten Fans gedacht, weil die uns immer wieder angesprochen haben, und f├╝r Konzertveranstalter, damit sie wissen, welche Musik wir machen. Wir sind der Meinung, da├č ein Demo, welches man gr├Â├čer vertreiben will, noch besser sein mu├č, obwohl wir schon einen gewissen Standard erreicht haben, der zwar weit ├╝ber den von manchen anderen Bands hinausgeht, uns aber immer noch nicht gen├╝gt.

Dann stellt sich mir die Frage, inwieweit Ihr professionelle Ambitionen habt.

Eddie: Das ist ein hei├čes Thema. Wir haben sehr schlechte Erfahrungen auf dem Profisektor gemacht. Wir sind zweimal beinahe bei Plattenfirmen untergekommen, und wir haben uns die Finger verbrannt. Wir wollen eben in erster Linie Musik machen und nicht uns vermarkten lassen. Wir wollen auch nicht bei einer Plattenfirma landen, die nur Geld an uns verdienen will und denen unsere Musik egal ist. F├╝r uns ist es nicht das Wichtigste, eine Platte herauszubringen. Wir warten bis wir ein gutes Angebot kriegen und wir einen gewissen Standard erreicht haben.

Warum, glaubt Ihr, seid Ihr bislang noch nicht sehr bekannt?

Eddie: Wir waren von Anfang an eine Band, die nicht unbedingt bekannt werden wollte, sondern ihre Musik machen wollte. Daher sind wir wohl nicht so bekanntgeworden, weil wir nicht spielen, was die Leute h├Âren wollen, sondern was uns Spa├č macht. Allerdings sind uns die Leute, denen die Musik gef├Ąllt, treugeblieben. Das sind zwar nicht viele, aber es gibt sie.

Snadges: Ich hab sogar welche im Duisburger Zoo gesehen. Halle A, wenn man reinkommt, gleich links. Die haben so ein rotes Fell. Die bangen am besten ab, weil sie lange Haare am ganzen K├Ârper haben. [tierisches Gel├Ąchter]

Ihr habt inzwischen schon drei Demos ...

Snadges: Drei? [er z├Ąhlt nach] Ach ja, richtig, drei m├Ą├čige. Wir haben uns zwar jedes Mal gesteigert, aber es war nie so, wie wir es uns vorgestellt haben. Der Grundgedanke eines Demos war nie gewesen, da├č man es verkauft. Der moderene Markt hat das erst daraus gemacht. Bands, die nicht f├Ąhig sind, eine Platte zu machen, nehmen ein Demo auf und verkaufen das. Dazu haben wir uns bei ┬╗Age Of Anxiety┬ź leider auch verleiten lassen, aber es war schei├če und wir werden das nicht wieder machen.

Moment mal, schlie├člich gibt es auch noch Bands, die sehr gut sind, aber keinen Plattenvertrag kriegen k├Ânnen. Was sollen die dann Deiner Meinung nach machen?

Snadges: Gut, die k├Ânnen dann schon ein vern├╝nftiges Demo machen. Aber ich habe es selbst erfahren, da ich lange unseren ganzen Postkram und Verwaltung erledigt habe, da├č es total sinnlos ist, weil man es als Band allein nicht schaffen kann. Wenn Du aber mal eine vern├╝nftige Organisation oder einen Manager hinter Dir stehen hast, dann sollte man ein Demo machen, um ordentliche Gigs zu machen und so einen Vertrag zu bekommen und schlie├člich eine richtige Platte zu machen. Ich w├╝rde aber auf keinen Fall mehr solche Demos, wie wir sie bisher gemacht haben, verkaufen.

Eddie: Was aber auf keinen Fall hei├čen soll, da├č jemand, der unbedingt ein Demo von uns will, weil ihm unser Konzert gefallen hat, keins kriegt. Die kriegen auf alle F├Ąlle eins. Wir werden es aber nicht mehr so machen, wie bei ┬╗Age Of Anxiety┬ź, das wir gro├č mit Anzeigen und allem m├Âglichen gestartet hatten und praktisch als Ersatz f├╝r eine Platte verkaufen wollten.

CYCRA-Liveshot: Eddie

Warum habt Ihr ÔÇ║Donovans BrainÔÇ╣ zweimal aufgenommen?

Eddie: Wir haben das Lied total abge├Ąndert. Es hat einen neuen Mittelteil und Schlu├č und der Gesang ist zur H├Ąlfte ver├Ąndert. Es ist eine neue Version, bei der wir nur eine gewisse Grundidee, Grundstimmung ├╝bernommen haben. Wir wollen damit zeigen, da├č wir unsere eigenen Songs nicht einfach nachspielen, sondern auch ver├Ąndern. Wir haben die Songs weiterentwickelt. So haben wir zum Beispiel heute Abend auch zwei Songs anders gespielt als sie auf dem Demo stehen. Schlie├člich geht es uns um die Songs und nicht ums Demo.

Warum hei├čt das Lied ÔÇ║Possible Side-Effect: DeathÔÇ╣, w├Ąhrend das Demo den Titel ÔÇ║Possible Side-Effect: Deaf┬ź tr├Ągt?

Eddie: Das ist nichts weiter als eine Wortspielerei.

Snadges: In Wirklichkeit liegt das daran, da├č ich mich auf dem Computer vertippt hatte.

Dennoch k├Ânnte man hinter dem Titel ein Klischee nach dem Motto "Play it loud till you're deaf" vermuten!

Eddie: Nein, das ist schlicht und einfach Selbstverarschung!

Euer Demo ist fast 40 Minuten lang. Dennoch befinden sich keine Durchh├Ąnger darauf.

Eddie: Das liegt daran, da├č wir wir jeden Song f├╝r sich entwickeln. Erst wenn wir mit einem Song zufrieden sind, gehen wir an den n├Ąchsten.

In diesem Moment meldet sich ein Proberaumkollege von CYCRA und erl├Ąutert diesen Punkt aus seiner Sicht.

Ich verfolge die Entwicklung von CYCRA auch ein bi├čchen mit und ich mu├č sagen, da├č die Songs ├╝ber Jahre organisch gewachsen sind. Daher sind die Songs sehr ausgereift, da st├Ąndig an ihnen gearbeitet wird.

Snadges: Dadurch haben wir den Vorteil, da├č wir die 15 bis 20 Songs, die wir bisher geschrieben haben, alle bedenkenlos live spielen k├Ânnen. Das hei├čt, wir setzen uns vor einem Gig hin und ├╝berlegen uns, welche f├╝nf oder sechs Lieder wir spielen wollen.

Eddie: Wenn bei einer anderen Band einem Gitarristen ein Riff einf├Ąllt, das so ├Ąhnlich klingt, wie das Riff in einem ├Ąlteren Lied, dann machen sie trotzdem einen neuen Song daraus. Wenn sich die ├ähnlichkeit nicht abweisen l├Ą├čt, dann bauen wir jedoch dieses Riff in den alten Song ein, so da├č wir zwar nur einen Song haben, hinter dem wir aber total stehen und der v├Âllig ├╝berarbeitet ist. Wobei wir aber nicht krampfhaft neue Riffs in alte Songs reinquetschen wollen. Nur wenn ich mir selbst eingestehen mu├č, da├č es kein neuer Song ist, sondern nur eine Weiterentwicklung eines alten, dann baue ich die neue Idee in das alte Lied ein. Andernfalls wei├č ich, da├č die Zeit f├╝r einen neuen Song gekommen ist.

Wenn Ihr so viel an Eueren alten Songs rumwerkelt, wie sieht es dann mit neuen St├╝cken aus?

Eddie: Seit der Ver├Âffentlichung unseres letzten Demos haben wir genau drei Songs gemacht. In n├Ąchster Zeit haben wir f├╝rs Songwriting mehr Luft, wobei das aber nicht hei├čt, da├č wir uns hinsetzen und schnell ein paar Songs zusammenschrauben. Die Ideen zu den Liedern existieren schon lange und m├╝ssen nur noch gr├╝ndlich verbunden werden. Wie gr├╝ndlich wir arbeiten, das siehst man eben vor allem daran, da├č wir es fertiggebracht haben, in einem halben Jahr nur drei Lieder zu schreiben. Hinter diesen stehen wir jedoch total, genauso wie hinter allen anderen. Ich w├╝rde jederzeit wegen jedem einzelnen auftreten. Wenn wir also irgendwo spielen w├╝rden und nur einen Songs bringen d├╝rften, k├Ânnte ich jeden unserer Songs ausw├Ąhlen.

Wann werdet Ihr dann wieder ein Demo aufnehmen? Ich meine also ein Demo gem├Ą├č Euerer Definition, das nur f├╝r Veranstalter, Freunde etc. gedacht ist.

Eddie: So ein Demo werden wir auf jeden Fall wieder aufnehmen, denn das ist der eigentliche Sinn eines Demos. Das Wort kommt schlie├člich von "Demonstration". Wir werden dann aber auf keinen Fall Anzeigen beispielsweise im METAL HAMMER oder auch in Deinem Blatt aufgeben, weil sich das nicht auszahlt ...

[Und da verk├╝ndete der Interviewer mit einem breiten Grinsen auf den Lippen:] Vor allem in unserem Heft wird es sich nicht auszahlen.

Eddie: Ich mache aber trotzdem lieber etwas, beispielsweise ein Interview, mit einem kleinen Magazin wie Deinem, als wie mit einem gro├čen, die dann nur Schwachsinn fragen. Wir haben erst letztens ein Interview zugeschickt bekommen, in dem wir nur gefragt wurden, was wir von Groupies halten und so weiter. Wir haben das Interview auch ├╝berhaupt nicht beantwortet.

Oh, danke, jetzt hast Du mich an meine wichtigste Frage erinnert, die ich fast vergessen h├Ątte:
WAS HALTET IHR VON GROUPIES..?

...womit das Ende dieses Interview im allgemeinen Gel├Ąchter unterging.
Wie unschwer zu erkennen, war besonders Eddie im Verlauf des Interviews sehr redefreudig, so da├č ich eigentlich gar nicht wu├čte, wo ich k├╝rzen konnte, ohne den Sinn des Interviews auszuh├Âhlen. Es gibt ja viele Bands, denen man das Wort aus der Nase ziehen mu├č. CYCRA jedoch bilden das absolute Pendant zu diesem Fall. Da­durch wird die Bearbeitung eines Interviews ungleich schwerer, weil das ge­regel­te Schema des Frage-Antwort-Spiels st├Ąndig durchbrochen wird, man dann aber trotzdem irgendwie alles unter einen Hut bringen mu├č. Andererseits enth├Ąlt ein solches Gespr├Ąch viel mehr Substanz, da es sich nicht auf Aussagen beschr├Ąnkt, die ohnehin von vorneherein vorausberechenbar sind.
CYCRA fahren also nicht nur als Musiker eine abstrakte, schwerer zu begreifende Schiene, sondern machen auch von diesen Eigenschaften als Interviewpartner Gebrauch. Wenn Ihr mit der Band Kontakt aufnehmen wollt, dann schreibt an folgende Adresse:

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Stefan Glas

CYCRA im ├ťberblick:
CYCRA – UNDERGROUND EMPIRE 2-Interview
┬ę 1989-2020 Underground Empire


Ein geniales, superwitziges Buch, das jeder Metaller kennen mu├č!
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