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Sampler – Israel Unleashed - The Very Best Metal And Rock From The Holy Land

(Import)

Daß im heiligen Land amtlich gerockt und auch ordentlich schwermetallisch aufgespielt wird, wissen wir nicht erst seit BETZEFER, MELECHESH (mit Abstrichen, ich weiß) oder ORPHANED LAND, sondern bereits seit jenen Tagen, als Formationen unterschiedlichster Couleur von ihren ersten Gastspielreisen aus Israel zu berichten hatten. Von euphorischer Stimmung und dankbarem Publikum war dabei, auch trotz mitunter nicht wirklich idealen Bedingungen, immerzu die Rede.

Aber auch die einheimische Underground-Szene scheint eine sehr aktive zu sein, und in Form dieses Samplers erhalten insgesamt 15 Bands die Chance, sich auch auf internationalem Parkett zu prĂ€sentieren. Der Mix ist ein sehr vielfĂ€ltiger und beginnt mit deftigem Stakkato-Thrash der modernen Art mit Metalcore-Anleihen und progressiven EinschĂŒben sowie Death Metal-Gesang von ABED. Diese Band zĂ€hlt scheinbar generell zu einem der HoffnungstrĂ€ger schlechthin in der Heimat, was sie mit diesem Kracher auch amtlich unter Beweis stellt. Den Reigen von Alternative Rock-Bands eröffnen dann NOBLE BRATS mit â€șThe Offerâ€č, das auch hierzulande zu Radioairplay taugen wĂŒrde. Auch angeschwĂ€rzter Gothic Metal in Doom-Variante wird in Israel brauchbar produziert, wie uns DISTORTED mit â€șRedemptionâ€č wissen lassen. AtmosphĂ€risch dicht und sehr ansprechend kommen DISTORTED damit aus den Boxen und machen definitiv Lust auf mehr. SEVEN PERCENT MIND USAGE lassen dann eine herbe Hardcore-Schlagseite bei â€șSelfishâ€č erkennen, haben aber leider nicht ganz die benötigte Durchschlagskraft, die derlei KlĂ€nge innehaben sollten. Der lĂ€ngst nicht mehr innovative Bandname CROSSFIRE sorgte ja bekanntlich schon mehrfach fĂŒr QualitĂ€t und demnach scheint es auch so, als ob sich die Israelis dieses Namens verpflichten fĂŒhlen wĂŒrden, ebensolche QualitĂ€tsware abzuliefern. Denn genau das tun sie auch. â€șHeartbreakerâ€č stellt unter Beweis, daß sie den traditionellen Hard Rock nicht sehr nur zu schĂ€tzen wissen, sondern sehr wohl auch imstande sind, diesen kompetent und mit Schmackes zu intonieren. Ob BEHIND THE SUN mit â€șSour Daysâ€č lediglich ihre eher romantische Seite offenbaren, oder diese Truppe generell eher mit poppigem Rock aufzugeigen pflegt, vermag ich nicht zu beurteilen, Fakt ist aber, daß besagte Nummer maximal als PausenfĂŒller zu betrachten ist. Auch MANGA sind in â€șMy Secret Truthâ€č nicht wirklich heftig unterwegs, fabrizieren aber atmosphĂ€risch anspruchsvolle Musik und haben zudem mit Yael Akron eine sehr talentierte SĂ€ngerin im Line-up und lassen nicht zuletzt deshalb an THE GATHERING denken. JET SAM können mit â€șThe Daysâ€č dagegen nicht wirklich begeisterten. Diese an sich schon sehr seichte Nummer lĂ€ĂŸt keinerlei Emotionen aufkommen und trĂ€llert förmlich durch mich durch. Diesem JET SAM fehlt definitiv der FLOT(TE) SAM. Ganz anderes dann das ĂŒber zehnminĂŒtige â€șDesolate Spiritsâ€č von XENOLITH. Hier zeigt eine Band ein ungemein breites Spektrum, lĂ€ĂŸt sich stilistisch kaum zuordnen und weiß vielmehr, mit einer geradezu sensationellen Melange zu beeindrucken. Akustische Passagen sind im Verlauf der Spielzeit ebenfalls zu vernehmen, wie auch verfrickelte, progressive EinschĂŒbe. Die Basis scheint jedoch ketzerischer Black Metal zu sein, denn dieser behĂ€lt anteilsmĂ€ĂŸig die Oberhand. Derber Death Metal wird in dieser Nummer problemlos von folkloristischen Elementen abgelöst und mit massiven Thrash-Riffs garnieren die Jungs obendrein noch diesen opulenten Hammertrack. ZunĂ€chst dachte ich eher an ein Medley, aber nein, XENOLITH scheinen in der Tat so etwas wie "World Metal" zu spielen. Danach sind DESERT an der Reihe, die uns â€șThe Desert (In Your Soul)â€č von ihrer DebĂŒt-EP »Prophecy Of The Madman« anzubieten haben. Ihr dezent dunkler Power Metal weiß fraglos zu gefallen, bloß an den meiner Meinung nach zu theatralisch angelegten Gesangstils von Alexei Raymar kann ich mich noch immer nicht recht gewöhnen. Noch eine Spur heftiger geht es dann bei EPIDEMIC zu. Diese Band scheint die Fahne des kraftvollen Metals hochzuhalten und macht dabei gar keine schlechte Figur, vor allem der Gesangmix aus klaren Passagen und deftigem Gegurgel paßt verdammt gut zu dieser Nummer. MENS REA haben leider nicht ganz deren Klasse, schwach ist â€șAbandonedâ€č aber ebenfalls nicht ausgefallen, und zumindest hinsichtlich der instrumentalen FĂ€higkeiten braucht auch diese Truppe keinerlei internationalen Vergleich zu scheuen. Der teilweise eher gesprochene Gesang dagegen ist mehr als nur gewöhnungsbedĂŒrftig und vermag leider nicht wirklich fĂŒr AtmosphĂ€re zu sorgen. Unterhaltung pur verspricht dann das im wahrsten Sinnes des Wortes "pfiffig" eingeleitete â€șBlind Still Trillâ€č von XAMAVAR, und in der Tat verbreitet diese Truppe mit ihrem folkloristisch angehauchten Gute Laune-Metal-Mix auch ebensolche. Schade nur, daß die SĂ€ngerin die Aufnahmen mit dem Vorsingen in einem Opernhaus verwechselt hat und mitunter völlig unpassend zur Musik gen Himmelspforte jodelt und trĂ€llert. â€șEasy Does Itâ€č von VULTURES kredenzt uns dann auch noch industrialisierte KlĂ€nge, allerdings in nicht wirklich berauschender Manier. Zu unspektakulĂ€r dröhnt dem Zuhörer dieser Mix entgegen. DafĂŒr stimmt aber der Abschluß dieses Samplers den Metaller bestimmt erneut zufrieden. IMBLIZZE empfehlen sich mit dem dezent dunklen NeunminĂŒter â€șNighty Knightâ€č fĂŒr weitere Taten und entpuppen sich damit als heißer Underground-Tip auf dem Sektor des melodiösen und kraftvollen Metal mit Dunkelheimer-Schlagseite.

Auch wenn keinesfalls alles Gold ist, was im israelischen Underground glĂ€nzt, muß dieser Sampler dennoch all jenen Mitmenschen empfohlen werden, die sich fĂŒr Rock/Metal aus vermeintlich "exotischen" LĂ€ndern interessieren.


Walter Scheurer

 
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