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  UE-Home → History → Online Empire 79 → Editorial last update: 13.09.2019, 20:22:05  

Vinyl-Wonderland

Ja, wir leben wirklich in einem glorreichen Vinyl-Zeitalter! Das hat uns das Vinyl-Revival beschert. Damit meine ich nicht etwa, da├č momentan gef├╝hlt im Sekundentakt aktuelle oder alte Ver├Âffentlichungen in allen nur erdenklichen Vinylvarianten aufgelegt werden. Im Gegenteil: Diese Manie, immer wieder kleine Porti├Ânchen von verschiedenfarbigen Vinyls zu ver├Âffentlichen, ist nur eine Methode, die Fans der entsprechenden Band auf mehr oder minder galante Weise zu schr├Âpfen. Fr├╝her waren IRON MAIDEN die Meister darin, unz├Ąhlige sammlungsw├╝rdige Produkte auf den Markt zu bringen, doch mittlerweile sehen sie nur noch wie harmlose Schulbuben aus. Und diese Flut, in die wir da bewu├čt reingest├╝rzt werden, versaut irgendwie auch den Spa├č am Sammeln, da man nur noch gehetzt hinter neuen "extra-ultra-raren Pressungen" herjagen mu├č. Als einstiger gro├čer Fan der originalen ACCEPT hatte ich immer eine gro├če Freude daran, nach irgendwelchen raren Singles oder ausl├Ąndischen Pressungen zu suchen. In der aktuellen Situation kann ich nur sagen, da├č ich froh bin, schon l├Ąngst kein Sammler mehr zu sein.

Nein, das ist die Pervertierung der Magie, die das Vinyl umgeben kann - aber vergleichbares passiert ja auch bei sonstigen Formaten von CDs bis DVDs oder Blu-rays.

Aber wir wollen uns ja nicht der heute so popul├Ąren Vorgehensweise anschlie├čen und alles schlechtreden. Nein, es gibt wirklich viele sch├Âne Dinge, die uns das Comeback des Vinyls beschert hat. Gerade die kleinen engagierten Underground-Labels gehen da oftmals mit gutem Beispiel voran und ver├Âffentlichen Specials, bei denen man nur mit der Zunge schnalzen kann. Eine 5-Vinyl-Box mit handgesticktem Patch und Bonus-7" (mit Hologramm-Cover - Ehrensache!) von einer Miniband oder eine 10"-Serie mit den gesammelten Demowerken von einer obskuren und schon l├Ąngst verblichenen Kultband, bei der auf allen Vinyls auf der R├╝ckseite das Bandlogo eingefr├Ąst wurde (und die nat├╝rlich in Foldout-Cover mit extrabreitem R├╝cken reingesteckt wurden, so da├č der Release in der Sammlung auch von der Seite sch├Ân und auff├Ąllig aussieht), oder ein buchartiger Release, dessen Seiten nicht nur tonnenweise Photos zeigen und umfangreiche Linernotes enthalten, sondern bei dem einige der Seiten als Einsteckh├╝llen f├╝r insgesamt drei 222-Gramm-Vinyls (weil es so zusammen 666 Gramm ergibt!) fungieren, oder sonstige anderen quasi unvorstellbaren Releases. Liebevolle Releases eben, die der Labelchef einfach machen will, obwohl er wei├č, da├č es schwer sein wird, damit wenigstens die schwarze Null zu erreichen.

Fr├╝her gab es solche Dinge nicht, sondern im Plattenladen standen einfach Platten in labberigen H├╝llen herum, und oftmals wurde sogar der Druck auf der Innenh├╝lle eingespart. Der Inhalt waren oft ebenso labberige Vinyls - vor allem als die Firmen irgendwann Tests zur Profitoptimierung starteten, wie d├╝nn man ein Vinyl pressen kann, bevor es beim Auspacken schon wie Zwieback zerbr├Âselt. Nein, fr├╝her war wahrlich nicht alles besser.

Also haben wir Gr├╝nde genug, uns ├╝ber die sch├Ânen Seiten zu freuen, die uns die Wiederbelebung des niemals ausgestorbenen Vinyls beschert hat!

Schwarz? Farbig? Transparent? Splattered? Oder doch nur schwarz? Immer wundervoll!

Stefan Glas

P.S.: Unser treffsicheres Cover hat Daniela Owergoor gebastelt, die schon viele Buchcover gestaltet hat, wie man in dieser Abteilung ihrer DeviantArt-Seite sehen kann. Weitere Werke, die die Vielseitigkeit von Daniela verdeutlichen, k├Ânnt Ihr auf ihrer Pr├Ąsenz auf Instagram finden.

 
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