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  UE-Home → History → Online Empire 68 → Editorial last update: 25.05.2019, 10:10:08  

Open Air-Festivals sind nicht Metal!

Und zeitgem├Ą├č sind sie ohnehin nicht mehr. Das haben uns die Absagen des "Rock am Ring"- und "Southside"-Festivals auf drastische Weise klargemacht. Die Verbrechen, die wir Menschen gegen die Natur begangen haben, bezahlen wir mit dem immer extremer werdenden Wetter und immer schlimmeren Naturkatastrophen. Das haben wir in den letzten Wochen auf dramatische Weise mehrfach vorgef├╝hrt bekommen, und nichts spricht daf├╝r, da├č sich dies in den kommenden Jahren entsch├Ąrfen wird.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon, da├č nur noch solche Arenen wie einige der gigantischen Footballstadien in Amerika oder auch das neue Stadion von Schalke 04, die ein riesiges Kuppeldach besitzen, das bei Bedarf geschlossen oder ge├Âffnet werden kann. Welche Zusatzkosten dann auf die Ticketpreise draufgeschlagen werden m├╝├čten, kann man sich problemlos ausmalen, so da├č es vorprogrammiert w├Ąre, da├č solche Pseudo-Open Airs zu elit├Ąren Veranstaltungen verkommen w├╝rden.

Aber mal ganz abgesehen davon, wie die Zukunft des Formates "Open Air-Festival" aussehen mag, warum sollten solche Veranstaltungen ├╝berhaupt erstrebenswert sein? Selbst wenn wir nicht nach "Wacken" blicken, wohin sich schon seit Jahren viel zu viele Mitglieder der Party-und-Spa├čgesellschaft ergie├čen, denen die Musik v├Âllig am Arsch vorbeigeht, so mu├č man doch generell beobachten, da├č auch bei l├Ąngst nicht so mainstreamigen Festivals viel zu oft die Action eher auf dem Campingplatz als vor der B├╝hne abspielt. Da rocken sich talentierte Nachwuchskapellen in den Morgen- oder fr├╝hen Mittagsstunden f├Ârmlich den Arsch ab, und man hat das Gef├╝hl, da├č haupts├Ąchlich die Vertreter der verschiedenen Print- und Online-Magazine anwesend sind, weil sie eben jene Band f├╝r den Festivalreport besprechen m├╝ssen, w├Ąhrend sich Tausende immer noch im Zelt ruml├╝mmeln und den Kater von der exze├čhaften Nacht bek├Ąmpfen. Anschlie├čend wird dann erst mal der Grill angeworfen und weiter gebechert, w├Ąhrend die n├Ąchsten Bands Gas geben und immer noch mit einer Handvoll Zuschauer vorliebnehmen mu├č. Dieses Desinteresse liegt aber keinesfalls an mangelnder musikalischer Qualit├Ąt, sondern lediglich daran, da├č sie keinen ausreichend bekannten Namen haben, um gegen den Campingstuhl anstinken zu k├Ânnen. Erst gegen Abend f├╝llt sich dann allm├Ąhlich das Festivalgel├Ąnde - also dann, wenn jene Bands spielen, die ohnehin mehr oder minder regelm├Ą├čig touren, so da├č jeder sie eigentlich auch vor der Haust├╝r sehen k├Ânnte.

Auf allen F├Ąlle sind jene deutlich in der Unterzahl, die wegen der Musik kommen und sich vielleicht sogar ├Ąrgern, da├č ihnen aufgrund der Programm├╝berschneidungen der verschiedenen B├╝hnen vielleicht die ein oder andere reizvolle Band entgeht.

Wenn wir uns ganz ehrlich und knallhart die Situation beim "Keep It True"-Festival (das nat├╝rlich keine Open Air-Veranstaltung ist, wie die Pfenningfuchser unter Euch jetzt vielleicht anmerken werden...), dem Allerheiligsten aller Underground-Metaller, anschauen, dann m├╝ssen wir sogar hier feststellen, wo sich nun wirklich die passioniertesten aller Metaller treffen, da├č bei so mancher exzellenter Nachwuchsband oder obskurer Oldtimer-Truppe der Betrieb vor der Halle viel zu gro├č ist und sich somit viel zu viele Besucher eine gute Gelegenheit entgehen lassen, eine interessante Band zu entdecken.

Daher: Open Air-Festivals sind f├╝r die allerwenigsten Besucher wirklich Metal. Wenn Ihr dennoch den Besuch einer solchen Veranstaltung geplant habt, dann legt Euer Hauptaugenmerk auf die Bands und nicht auf Steaks und B├Âlkstoff. Und vor allem:

Bitte nicht ertrinken!

Stefan Glas

P.S.: Auf alle F├Ąlle ist unsere Sommerausgabe total Metal, so da├č wir uns ├╝ber eine passende Umh├╝llung freuen. Genauer gesagt sind wir superstolz, da├č die Legende Rodney Matthews uns eines seiner Kunstwerke zur Verf├╝gung gestellt hat. Seine unverkennbaren Arbeiten kennt Ihr nat├╝rlich von Bands wie YES, ASIA, PRAYING MANTIS oder eben jener Band, die das bei uns zu sehende Werk als Cover seinerzeit in Auftrag gegeben hatten. Mehr von Rodney findet Ihr auf seiner Homepage.
Danke auch an meinen Kollegen Matthias Mader, der im Rahmen seiner ROCK HARD-Story mit Rodney geholfen hat, den Kontakt herzustellen.

 
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