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  UE-Home → History → Online Empire 52 → Editorial last update: 27.11.2019, 23:10:34  

Die Gedanken sind frei?

So sagt es ein altes deutsches Gedicht, aber hei├čt das, da├č sie deswegen auch keinen Roten Heller wert sind? Schaut man sich die momentane Situation an, so k├Ânnte man den Eindruck bekommen, da├č ein erschreckend gro├čer Prozentsatz der Bev├Âlkerung diese These unterschreiben w├╝rde. Denn: Die Produkte geistigen oder kreativen Schaffens werden heute mehr denn je hemmungslos und ohne eine Anflug von Unrechtsbewu├čtsein illegal hin- und hergeschoben, ohne da├č der Urheber daf├╝r entlohnt wird. Und seit die Piraten-Partei in den ersten Landtag eingezogen ist, existiert nun auch noch eine Armada an F├╝rsprechern, die dieses Verhalten gern als unbedenklich hinstellen.

Ja, auch wir hatten uns auf die "Blog-Welle" gest├╝rzt und auf interessante Downloads hingewiesen, aber wir haben nie einen Zweifel daran gelassen, da├č wir illegale Downloads in jeglicher Form ablehnen! Uns ging es dabei vielmehr darum, auf verschollene Perlen hinzuweisen, die man schon l├Ąngst nicht mehr k├Ąuflich erwerben kann - und von solchen gibt es bekanntlich eine Menge, was einfach schade ist, wenn dadurch eine Menge toller Musik einfach verlorengeht. Und in einem Fall wie beispielsweise bei Tan├ę Cain haben wir dann bei einem sp├Ąter erfolgten Re-Release der Scheibe mittels einer Story auf deren Existenz hingewiesen und zum Kauf des nun erh├Ąltlich Produkts animiert.

Die Konsequenzen f├╝r die heute permanent geschehenden Urheberrechtsverletzungen liegen auf der Hand, und die Auswirkungen sind bereits massiv zu sp├╝ren: Sprechen wir von journalistischer Arbeit so sind viele nicht mehr bereit, Geld f├╝r Printmedien auszugeben, weil sie meinen, durch das schnelle Newsgezwitscher im Internet bestens informiert zu werden. Welch fataler Irrtum! Denn: Wer am schnellsten seine Parolen an eine virtuelle Schei├čhaust├╝r geschmiert hat, mu├č noch lange nicht seri├Âse und verl├Ą├čliche journalistische Arbeit verrichtet haben. Ich pers├Ânlich kann nur sagen, da├č ich mich aus diesem "schneller, lauter, bunter"-Nachrichtenirrsinn komplett verabschiedet habe und lieber in der kommenden SPIEGEL-Ausgabe fundierte, sauber recherchierte Hintergrundberichte lese, auch wenn sie - oh Gott! - Vorf├Ąlle behandeln, die schon Tage oder teilweise auch Wochen zur├╝ckliegen. An dieser Stelle ist es auch Unsinn, darauf hinzuweisen, da├č Printmedien ohnehin eine aussterbende Art seien, denn auch wenn es eines Tages mal nur noch digitale Ausgaben f├╝r Tablet-PCs geben sollten, dann ist f├╝r journalistische Arbeit, die nicht nur an der Oberfl├Ąche kratzen soll, einfach immer noch ein gewisses Ma├č an Zeit unabdingbar - ganz gleich, in welcher Form sie publiziert wird.

Auf alle F├Ąlle steht es au├čer Frage, da├č momentan von Tageszeitungen bis zu Monatsmagazinen, von Fachmagazinen bis zur Yellow Press alle Printmedien ums ├ťberleben k├Ąmpfen, weil die Auflagenzahlen schon seit Jahren r├╝ckl├Ąufig sind, aber auch niemand bereit ist, f├╝r online angebotene Artikel Geld auszugeben. Wenn dieser Trend nicht aufzuhalten ist, dann wird unsere Informationswelt bald nur noch aus M├Âchtegernstars und -sternchen bestehen, die twittern, da├č sie gerade ein suuuperleckeres Croissant gegessen haben, w├Ąhrend der Blogger im n├Ąchsten Browserfenster uns an der Bedeutungslosigkeit seines Alltags teilhaben l├Ą├čt.

Schauen wir uns die Situation in der Musikszene an, so versuchen Bands, die Verluste bei den CD-Verk├Ąufen durch die Eintrittspreise und beim Merchandise zu kompensieren. Es wird wohl jeder bemerkt haben, welch' unversch├Ąmte Preise bei Tickets und Tourshirts verlangt werden. Ernsthaft: Bei den momentanen Ticketpreisen kann man f├╝r den Betrag, den man f├╝r zwei Karten f├╝r einen halbwegs prominenten K├╝nstler abdr├╝cken mu├č, fast schon eine einw├Âchige Last Minute-Reise buchen... Nun ja, dies mag f├╝r die gr├Â├čeren Bands momentan noch aufgehen, da├č sie auf diese Weise ihre Kasse f├╝llen k├Ânnen, doch was ist mit den kleinen Bands, die von den Eintrittspreisen keinen Pfennig sehen, sondern im Gegenteil vielleicht sogar eine ordentliche Stange Geld hinlegen mu├čten, um einen Platz auf der Tour zu ergattern? Wie sollen diese "Kleinen" ├╝ber die Runden kommen, um jemals eine Popularit├Ąt zu erreichen, da├č sie auch selbst mal bei einer Tour ganz vorne stehen? Das M├Ąrchen, da├č eine Band mittels Selbstvermarktung ├╝ber die Web 2.0-Plattformen ordentlich Reibach machen kann, glauben nur diejenigen, die keine Ahnung vom Musikbusiness haben und nicht mal ansatzweise erahnen, welch eine gigantische und komplizierte Maschinerie perfekt funktionieren mu├č, um zu einem international anerkannten Act heranzuwachsen.

├ťber kurz oder lang bedeutet das, da├č wir eine kulturelle Verarmung erfahren werden, weil es f├╝r einen Musiker immer schwieriger wird, den Lebensunterhalt mit seiner Musik zu verdienen - an etwaige soziale Sicherheit wollen wir hier erst gar nicht denken. Ergo: Immer mehr Musiker werden wahrscheinlich fr├╝her das Handtuch werfen. Gewi├č: Es w├Ąre kein echter Verlust, wenn ein ordentlicher Prozentsatz der momentanen Ver├Âffentlichungen nie das Licht des Tages erblickt h├Ątten, aber bekanntlich ist es ja nicht so, da├č sich immer die besten und talentiertesten Musiker durchsetzen - und ich m├Âchte an dieser Stelle ├╝berhaupt nicht so weit gehen, den in diesem Zusammenhang schon tausendfach bem├╝hten Beweis mit Namen Dieter Bohlen zu bem├╝hen... Ein Michael Poulsen hat auch erst mal zehn Jahre bei der relativ konventionellen Death-Band DOMINUS seine Erfahrungen sammeln m├╝ssen, bevor er VOLBEAT ins Leben rufen und mit dieser Truppe nach etwa f├╝nf Jahren Reifungszeit diesen faszinierenden neuen Sound kreieren konnte, mit dem er und VOLBEAT nun weltweit durchstarten. Was aber, wenn heute ein junger Musiker, der vielleicht in 15 Jahren etwas ├Ąhnliches schaffen k├Ânnte, schon nach drei oder vier Jahren sein Instrument an den Nagel h├Ąngt, weil er nicht daran glauben kann, da├č er eines Tages mal wirklich von seiner Kreativit├Ąt leben kann?

Auch bei den Plattenfirmen ist schon seit Jahren ├ťberlebenskampf angesagt. Wer unsere News verfolgt, konnte diesbez├╝glich etliche Meldungen finden, wo der Pleitegeier zugeschlagen hatte, doch viele weitere Firmen sind in dieser Zeit nahezu unbemerkt an einer un├╝berwindlichen Klippe zerschollen. Die schwindenden Verkaufszahlen f├╝hren notgedrungen dazu, da├č bei den Plattenfirmen das Geld knapper wird. Somit k├Ânnen sich zum einen weniger Geld in den Aufbau einer jungen Band investieren, die dies aber dringend n├Âtig h├Ątten, und zum anderen k├Ânnen sie weniger Anzeigen in den Magazinen schalten, die sich aber bekanntlich zu einem Gro├čteil ├╝ber Anzeigengelder finanzieren m├╝ssen, was dann noch zu den geringeren St├╝ckzahlen, die den Besitzer wechseln, hinzukommt. Und nicht erst, wenn ein Magazin seinen Betrieb einstellt, so da├č dann den Bands der m├Âgliche Support fl├Âtengeht, l├Ąuft die Abw├Ąrtsspirale auf vollen Touren. Ein Teufelskreis.

Wenn selbiger nicht durchbrochen wird, indem sichergestellt wird, da├č Sch├Âpfer f├╝r ihre geistigen und kreativen Leistungen entlohnt werden, dann werden wir bald in einem freudlosen ├ľdland leben!

Bis zum Ged├Ąchtnisverlust...

Stefan Glas

P.S.: Das aktuelle Coverartwork stammt aus dem beeindruckenden Repertoire des Berliners Joerg Warda, der zwar bislang nur der italienischen Band MARBLE zu einem Coverartwork verholfen hat, der aber ansonsten besonders im Bereich Computerspiele aktiv ist, wo er schon "Elemental Masters" von Nintendo, "Deep Sea Catch" von NexGen und "Perry Rhodan - Kampf um Terra" von Gamopolis mitgestaltet hat. Und wir haben Joergs Werk mit dem Titel "Samarkand" nicht einfach von seiner Homepage gemopst, sondern Joerg hat es uns aus freien St├╝cken zur Verf├╝gung gestellt und war dar├╝ber hinaus sogar so cool, da├č er sein Werk extra f├╝r unsere "Cover-Bed├╝rfnisse" angepa├čt hat. Daf├╝r sei ihm doppelt Dank gesagt! Weitere Werke von Joerg findet Ihr auf seiner Homepage.

Au├čerdem haben wir in den Background der aktuellen Ausgabe noch einen kleinen Tribut an einen Mann eingebaut, der die handgemachte Musik ganz entscheidend mitgepr├Ągt hat, eingebaut. Na ja, durch diesen Hinweis wird die L├Âsung f├╝r unsere Background-Verlosungsaktion diesmal etwas zu einfach, aber was soll's...

Nachtrag M├Ąrz 2013: Nicht wundern, da├č oben bei dem W├Ârtchen "Background-Verlosungsaktion" zu zugeh├Ârige Hyperlink verschwunden ist. Mittlerweile ist n├Ąmlich auch unsere Background-Verlosung verschwunden, beziehungsweise durch ein neues Format abgel├Âst worden.

 
Unser aktueller Coverk├╝nstler ist Hugh Syme. Die zugeh├Ârige Homepage findet Ihr
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