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Wird jetzt alles Plus?

Die letzten Monate haben eine Revolution im Web 2.0 gesehen. Steht uns jetzt die nächste bevor? Zunächst konnte nämlich Facebook von der Selbstdemontage von MySpace profitieren, doch nur scheint mit Google der nächste Platzhirsch paratzustehen, um sich das Web 2.0 untertan zu machen: Google+ heißt das Zauberwort. Der Suchmaschinen-Monopolist Google hat nun unter diesem Namen seine Version einer Social Media-Plattform ins Netz geschoben - die prompt zur am schnellsten wachsenden Plattform wurde: In den Anfangstagen war es nur möglich, via Einladung eines Mitglieds Zugang zu Google+ zu erhalten (wie beispielsweise von der deutschen Plattform "Wer kennt wen?" bekannt, die dank des Facebook-Hypes, der in den letzten Monaten auch die deutschsprahigen Regionen erfaßt hat, kräftig Feder lassen mußte), doch seit wenigen Tagen ist es möglich, sich auch ohne Einladung direkt anzumelden. Auf alle Fälle hat Google+ schon 88 Tage nach seinem Start 50 Millionen Nutzer - Facebook hatte 1325 Tage gebraucht, um diese Zahl zu erreichen!

An sich haben Google gewiß nicht das Rad neu erfunden, doch viele Early Adopters sprachen umgehend davon, daß Google+ das Beste der anderen Social Networks in sich vereine. Also ist es Google vielleicht gelungen, die eierlegende Wollmilchsau 2.0 zu kreieren - wer weiß das schon..? Sicherlich klingt beispielsweise das Konzept, Freunde nun in sogenannte Circles einzuteilen und mit ihnen gezielt Informationen zu teilen, während es bei Facebook eben nur Freunde gibt, die alles sehen, was man teilt, sehr interessant, doch uns interessiert an dieser Stelle vor allem, inwiefern in musikalischer Hinischt Google+ ein Wörtchen mitreden kann. So hatte nämlich Facebook just im richtigen Moment die Möglichkeit, daß Bands Musik in ihre Seiten einbinden können, deutlich verbessert, womit man dem strauchelnden MySpace-Netzwerk auch auf dieser Ebene den Todesstoß versetzte. Diesbezüglich kann man in Sachen Google+ noch nicht viel sagen, denn vieles ist hier noch mit einem "Baustelle - Eltern haften für ihre Kinder!"-Schild versehen. Doch man braucht wohl kaum ein Prophet zu sein, um behaupten zu können, daß Google+ sich früher oder später sicherlich auch auf diesem Feld betätigen wird.

Ein scheinbarer Vorteil, den Google+ momentan offeriert, ist mit dem Schlagwort "Datenschutz" zu betiteln. Während Facebook-Chef Zuckerberg im Stile eines virtuellen Wildwest-Rowdys Parolen im Stile "Datenschutz ist nicht mehr zeitgemäß" durch die Weltgeschichte posaunte und Facebook sich auch entsprechend schamlos bei den Daten seiner Nutzer bedient oder selbige nach Belieben zu eigene Zwecke (miß/ge?)braucht, scheinen Google+ hier sehr viel stärker auf Transparenz zu setzen. Allerdings kann es sich dabei auch nur um eine vorübergehende taktische Finte handeln, denn Google hat nicht umsonst schon seit Jahren von Kritikern den Beinamen "Datenkrake" erhalten...

Auf alle Fälle - ganz gleich ob Plus, oder nicht - im Web 2.0 gilt weiterhin das Prinzip, daß man Daten, die man nicht aus der Hand geben oder verbreitet wissen möchte, einfach nicht angeben darf. Denn: Die selbstgeschaffenen, momentan noch ach so user-freundlichen Datenschutzbestimmungen der verschiedenen Communities können im Handumdrehen "angepaßt" werden...

So bleibt abschließend lediglich noch zu sagen, daß uns dieser Web 2.0-Twist von MySpace zu Facebook eine erstaunliche Nebenwirkung gebracht hat, mit der nicht zu rechnen war - nämlich eine Stärkung des Web 1.0 bei den Bands. Will heißen: So manche Band hat kapiert, daß es gefährlich ist, sich nur auf eine einzige Plattform zu verlassen, ganz gleich welche Vorzüge diese zu diesem Zeitpunkt zu offerieren scheint, so daß wieder verstärkt auf eine eigene Webseite gesetzt wird - und sei es nur als Verteilerkreisel für die bandeigenen Webpräsenzen bis hin zum YouTube-Channel, der natürlich auch immer wichtiger wird und aufgrund der immensen Datenmengen von einer eigenen Homepage im Grunde nicht zu beherrschen ist. Auf alle Fälle haben wir mit Freuden zur Kenntnis genommen, daß gerade in den Pressemeldungen von professioneller arbeitenden Bands mittlerweile als digitale Kontakt- und Infomöglichkeit immer häufiger wieder auch auf eine eigene Homepage verwiesen wird, statt nur auf eine MySpace-Domain, wie das in den letzten Jahren mit dem Brustton "Wozu sollten wir mehr brauchen!?" sehr häufig getan wurde.

Unserer Überschrift zum Trotz wird es dank Google+ wohl kaum eine solche erdrutschartige Virtualvölkerwanderung von Facebook gen Google+ geben, zumal in musikalischer Hinsicht derzeit noch nicht abzusehen ist, was Google diesbezüglich in der Schublade hat. Aber es wird interessant sein zu beobachten, wie ein ernstzunehmender Konkurrent das Geschäft beleben wird - und das ist der Großteil der zuvor existenten Social Networks wie Bebo, LiveJournal, Plurk, Tumblr, oder wie sie alle heißen, nicht gewesen. Mal abgesehen davon daß viele wie Numpa, Vox oder YouAre schon längst wieder offline sind, spielt sich dort noch nicht mal ein Bruchteil dessen ab, was bei Facebook oder Twitter passiert, was wir anhand unserer Seiten bei diesen Web 2.0-Plattformen recht schnell feststellen konnten.

Also lassen wir uns überraschen, wie Regeln der Web 2.0-Mathematik nach Einführung dieses neuen Plus ausgewürfelt werden und ob es vielleicht zumindest etwas Pluser wird - oder vielleicht doch eher Minuser...

Web 2.0 + G+ = ?

Stefan Glas

P.S.: Heuer haben wir uns für den Schmuck unserer Startseite mal wieder auf einen Künstler gestürzt, der bis dato noch kein Coverartwork für Bands angefertigt hat. Allerdings ist der Italiener Marco Paoletti gerne bereit, auch für Bands aktiv zu werden. Interessenten finden weitere Werke auf Marcos Homepage und können ihn dort auch kontakten.

 
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