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  UE-Home → History → Online Empire 37 → Editorial last update: 30.08.2018, 23:11:00  

Schweigsame Stars!

Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, da├č sie nichts von Euch wissen wollen, die gro├čen Rockstars. Sonderlich mitteilsam geb├Ąrdet sich so manche Band, die es "gepackt" hat und demzufolge nicht mehr nach der Aufmerksamkeit der Presse hecheln mu├č, in letzter Zeit n├Ąmlich nicht.

Es begann damit, da├č M├ľTLEY CR├ťE selbst den gro├čen deutschen Metalmagazinen s├Ąmtliche Interviews verwehrte; inoffizielle Begr├╝ndung, die freilich nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt werden durfte: Die Poserbuben wollen lieber in VOGUE & Co. gefeaturet werden anstatt bei der Fachjournalie zum Small Talk anzutreten. Da├č im zweiten Anlauf dann die Metalmagazine doch mit auskunftswilligen M├ľTLEY-Muckern konfrontiert wurden, k├Ânnte ein Ergebnis der Tatsache sein, da├č die Lifestyle-Magazine beim Anblick der alternden Rocker dankend abgewunken haben. Ob diese, durchaus nicht abwegige Vermutung richtig ist, k├Ânnt Ihr ja ├╝berpr├╝fen, falls Eure Freudin solche Gazetten liest...

Weiter ging's mit SLIPKNOT, die ebenfalls kein Interesse versp├╝rten, mit dem deutschen Journalistenpack zu reden, denn die geplanten Interviews wurden im B├╝ndel abgesagt. Als sich dann Drummer Joey Jordison unpraktischerweise den Kn├Âchel brach, so da├č man eine ganze Latte Shows absagen mu├čte, schien es so, als sollten die SLIPKNOT-Fans doch noch druckfrische Neuigkeiten von ihren Lieblingen erhalten - aber nur wenige Tage lang, denn dann fielen alle neuangesetzten Interviewtermine erneut dem Rotstift zum Opfer; und zudem war die m├Âgliche Ausrede "Tourstre├č" gestorben, so da├č nun allenfalls noch Lustlosigkeit oder Desinteresse als Grund auf der Liste stehen konnten. Dabei w├Ąre es doch durchaus ein "mitteilungsf├Ąhiges" Thema gewesen, da├č SLIPKNOT erstmals versucht haben, richtige Songs zu schreiben, statt desorganisierten Chaotenkrach in die Weltgeschichte zu pl├Ąrren... Aber dann jammern, wenn die Fans genauso teilnahmslos sind und die neue Platte im Laden stehen lassen oder - noch schlimmer - aus dem Internet saugen...

Die Krone der Kommunikationssch├Âpfung waren indes die Herren von METALLICA: Auch hier wurden alle Interviews kategorisch abgelehnt, und lediglich die beiden Marktf├╝hrer unter den Metalmagazinen durften sich die Musiker pers├Ânlich zur Brust nehmen. Pluralit├Ąt in Sachen Meinungsbildung ist wohl was anderes... F├╝r die restliche Presse wurde in Berlin eine Pressekonferenz mit anschlie├čendem Photocall abgehalten, bei dem haupts├Ąchlich die Tagespresse mit ihren himmelschreiend d├Ąmlichen Fragen zum Zug kam - na ja, wie soll jemand, der in seinem n├Ąchsten Artikel ├╝ber den H├╝hnerz├╝chterverein Berlin-Kreuzberg schreiben wird, auch gehaltvolle Fragen an eine Metalband stellen..? Es gibt im Internet ├╝brigens ein Video von der Pressekonferenz, das gut und gerne als Musterbeispiel f├╝r miesen Journalismus genommen werden kann. Nat├╝rlich ist es klar, da├č eine Band wie METALLICA nicht jede Interviewanfrage wahrnehmen kann, doch gerade in Zeiten, da die Band sich musikalisch wieder ihrer Wurzeln erinnern will, sollte sie doch auch daran denken, wo sie herkommen und warum sie so gro├č werden konnten, wie sie heute sind; so da├č sich nicht nur die Fachmagazine, sondern auch der SPIEGEL, PLAYBOY oder eben jene Tageszeitungen mit ihren besonders kompetenten Mitarbeitern um die Band schlagen - etwas, das komplett undenkbar gewesen war als METALLICA angefangen hatten! Die ersten Schritte der Band, die meist die schwersten sind, wurden durch eine gutfunktionierende Tapetraderszene unterst├╝tzt, die die ersten Demoaufnahmen in Windeseile rund um die Welt verbreiteten, obgleich METALLICA nie offiziell ein Demo ver├Âffentlicht hatten. Zudem waren es die damals existierenden Fanzines, die die Band abfeierten und ihr zu immer mehr Aufmerksamkeit verhalfen. Daher w├Ąre doch eine Handvoll Interviews nicht zu viel verlangt - ganz gleich ob die Band schon seit etwa eineinhalb Jahrzehnten ein Selbstl├Ąufer sondersgleichen ist. Andere Bands geben zu einem neuen Release auch Hunderte Interviews!

Leider scheinen diese Beispiele keine Ausnahmen darzustellen, denn auch bei AC/DC zeichnet sich ab, da├č zum neuen Album, das Mitte des Monats erscheinen wird, keine Interviews stattfinden werden.

...[Totenstille]...

Stefan Glas

P.S.: F├╝r die aktuelle Ausgabe konnten wir dankenswerterweise die Dienste von Michael Schindler f├╝r uns in Anspruch nehmen. Michael ist schon seit vielen Jahren in der Szene aktiv und hat unter anderem die CDs von Bands wie BRAINSTORM, MORIFADE, HOLY MOSES, MYSTIC CIRCLE, FRETERNIA, X-WILD oder WYTCHFYNDE geschm├╝ckt. Auf seiner "Dragon Design"-Homepage k├Ânnt Ihr sowohl diese Cover sehen als auch Artworks, die noch auf ihre "Bestimmungsband" warten.

 
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