UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Online Empire 32 → Editorial last update: 27.11.2019, 23:10:34  

Ausgeflogen!

Fr├╝her war alles besser - das sagen zumindest die Ewiggestrigen und zumindest in einer Hinsicht haben sie recht: Fr├╝her gab es n├Ąmlich noch Flyer!

Flyer? Nie geh├Ârt? Also, liebe Kinder, gebt fein acht: Flyer - im deutschen Sprachkreis gelegentlich auch "Flugis" (als Kurzform f├╝r "Flugbl├Ątter"; doch dieser Begriff hat eher eine politische Note) genannt - waren fr├╝her ein ├Ąu├čerst wichtiges Szeneinstrument. In der fr├╝hen Szene waren sie sogar das Nachrichtenmedium schlechthin: Die Neuigkeiten ├╝ber Konzerte oder neue Ver├Âffentlichungen wurden grunds├Ątzlich mittels Flyern kundgetan. Selbige fanden ihre Verbreitung ├╝ber die ├╝blichen Kan├Ąle vom Stammclub um die Ecke, wo die Flyer ausgelegt wurden, bis hin zum weltweiten Tapetradernetz. Teilweise druckten auch Fanzines Flyer ab oder legten sie zumindest ihren Ausgaben bei.

Nein, nein! Flyer haben nichts mit den "Werbebrosch├╝ren" zu tun, die man Euch bei Festivals zusteckt oder die aus den P├Ąckchen flattern, mit denen Euch der Mailorder Eures Vertrauens mit neuem Futter versorgt. Das ist schn├Âder Kommerz! Flyer waren Kunst. Nur allzu gerne erinnere ich mich an die Flyer, die seinerzeit aus der Bay Area eintrafen, wo die legend├Ąren Konzerte stattfanden, an denen der europ├Ąische Fan nie teilnehmen konnte: Mit viel Liebe zum Detail lie├č der Macher seinen jeweiligen designerischen F├Ąhigkeiten freien Lauf, um darauf hinzuweisen, welche neuen Geheimtips ein paar Tage sp├Ąter einen Club zum Gl├╝hen bringen w├╝rden. Diese Flyer, die oft erst nach Monaten eintrafen, gaben einem das Gef├╝hl, das Flair jenes unerreichbaren Abends f├╝r einen Moment zu erhaschen.

Au├čerdem waren Flyer eine verdammt gute Methode, neue Bands zu entdecken, und man mu├čte kein willenloses Linkh├╝pfen bei MySpace oder YouTube (der neue Hype nach MySpace; komischerweise hat noch niemand eine M├Âglichkeit gefunden, auch Flickr auf "musikalische Weise" in das Netz der boomenden Portale einzubinden...) praktizieren.

Auch das UNDERGROUND EMPIRE beteiligte sich nat├╝rlich am lustigen Flyerspiel, das jeweils auf die neue Ausgabe aufmerksam machen sollte - bis hin zu einem ganz speziellen Exemplar, das f├╝r UNDERGROUND EMPIRE 7 werben sollte: Gerade frisch der Druckerpresse entsprungen sollte zeitgleich der UE-Computer abrauchen, so da├č der Flyer noch schnell auf der R├╝ckseite mit dem Hinweis versehen wurde, da├č sich die Ver├Âffentlichung "ein wenig" verz├Âgern w├╝rde. Das das letztendliche Erscheinungsdatum dann nochmal einige Monate sp├Ąter lag, ist eine ganz andere, durchaus UE-typische Geschichte...

Flyer sind, nein waren Zeitdokumente der etwas anderen Art. V├Âllig zeitlos war indes der letzte UNDERGROUND EMPIRE-Flyer, der sich allgemeinen Informationen rund um das Magazin verschrieben hatte und sogar - professionell, professionell... - farbig gedruckt wurde. Eigentlich ist es nahezu unm├Âglich, da├č Ihr nicht mal so ein Teil in die Hand bekommen habt, denn es wurden seinerzeit ├╝ber 100.000 Exemplare davon quer ├╝ber den ganzen Planeten verstreut.

Wie Ihr seht - auch wir haben uns schon vor vielen Jahren aus dem Flyer-Spiel verabschiedet. Es herrscht heute einfach das Problem, da├č man die wenigen "echten" Flyer, die noch kursieren, einfach nicht mehr an den Mann kriegt - oder wann habt Ihr den letzten "normalen" Brief geschrieben, dem Ihr ein solches St├╝ckchen Papier h├Ąttet beilegen k├Ânnen? Eben! Und meines Wissens hat man noch keine Methode gefunden, eine E-Mail gewisserma├čen zur Brieftaube umzufunktionieren und ihr einen analogen Papierschnippsel mit auf den Weg zu geben... Und wenn man Flyer digitalisiert ist erst recht jeglicher Flair weg, und man begibt sich in gef├Ąhrliche N├Ąhe von jenen Subjekten, die mir tagt├Ąglich, den Schniedel und die Titten zugleich vergr├Â├čern wollen und auch garantiert kein Geld daf├╝r haben wollen, sondern mir stattdessen einen namhaften Betrag vom Konto des verstorbenen Pr├Ąsidenten von Tibanabuktu gegen eine kleine Aufwandsentsch├Ądigung schenken wollen und noch drei Packungen Ciagra und Vialis als Begr├╝├čungsgeschenk im gr├Â├čten Onlinekasino der Welt drauflegen, weil ich gerade eine Gru├čkarte von einer ewiggeilen, russischen Singlefrau, die aber auch richtig gut kochen kann und sich noch viel besser b├╝geln l├Ą├čt, bekommen habe, die so gelangweilt ist und mir Bilder zeigen will, sofern ich umgehend auf den untenstehenden Link klicke und dort meine Bankdaten angebe, weil ansonsten mein PayPal-Konto gesperrt wird, ich dann aber als Belohnung f├╝r meine erh├Âhte Intelligenz ein kostenloses Diplom von der Universit├Ąt Hinterd├Âdligen als letzte Mahnung gewinnen werde, mit der ich dann tagelang pimpern kann wie ein Kanarienvogel im Sturzflug, der auf seine Original-Replica-Rolex starrt, damit er ja nicht den richtigem Moment verpa├čt, um f├╝r mich an der B├Ârse diese eine Aktie zu ersteigern, die morgen abgehen wird wie Valium in der Familienpackung und ich das angeh├Ąngte Programm bedenkenlos installieren kann, da es schon auf Viren gepr├╝ft wurde, so da├č ich dann meine Tintenpatronen refillen kann und anschlie├čend ein viel gr├Â├čeres Spermavolumen habe, so da├č sie mich mehr als jede andere Abf├╝llanlage lieben wird und... Ach, macht Euch doch alle vom Acker, Ihr..., Ihr..., Ihr...

In mancher Hinsicht war fr├╝her doch einiges besser. Und nicht nur der Flyer wegen...

Flapp-flapp

Stefan Glas

P.S.: Als Coverk├╝nstler f├╝r die aktuelle Ausgabe konnten wir Derek Gores gewinnen, der schon f├╝r KAMELOT, DARK MOOR, AXXIS, NOSTRADAMEUS, VAN HALEN, PINK FLOYD, GRATEFUL DEAD oder ROLLING STONES gearbeitet hat. Auf Dereks Homepage oder seiner Metal/Fantasy-Seite findet Ihr viele Beispiele seiner Arbeit, die deutlich machen, welch vielseitiger K├╝nstler Derek ist, der sich mit Hilfe ganz unterschiedlicher Stile ausdr├╝cken kann. Kein Wunder, da├č er auch au├čerhalb des Musikbusiness hei├čbegehrt ist und schon f├╝r Firmen wie LUCASFILM, WRANGLER oder NIKE gearbeitet hat.

 
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