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  UE-Home → History → Online Empire 19 → Editorial last update: 10.04.2019, 06:10:39  

Metaller sind bescheuert!

Da sitzen sie: die Strategen aller Abteilungen der Entertainmentbranche. Und zerbrechen sich die Köpfe darüber, wie sie den nächsten Star konstruieren könnten.

In der Chefetage eines Plattenkonzerns: Hier einen Extratupfen Schminke, dort weniger Textilien, hier ein bißchen mehr Zuckerguß über die gehaltlose Single, dort noch eine ordentliche Ladung Effekte auf die nicht vorhandene Stimme. Ja - sieht doch schon gut aus. Wen interessiert's, wie es klingt? Das wird schon klappen!
Derweil im Nachbargebäude, das eine TV-Station beheimatet: Der taktische Planungsausschuß für "Doofland sucht das Suppenhuhn" ackert Bewerbungen für die nächste Runde durch. "Routiniertes Blendamed-Lächeln. Nehmen!" - "Huch, der hat ja richtig Biß in der Stimme. Sofort aussondern!" - "Guter Kleiderständer. Gebongt!"
Eine Tür weiter: Für die Staffel "Überflüssiger geht's nimmer" des TV-Zoos "Big Brother" sinniert man über die richtige Kandidatenzusammenstellung. Und obgleich man bei den Plattenfirmen die möglichen Kandidaten schon wie sauer Bier angeboten hat und nur Abfuhren erhalten hat, bezieht man mögliche Singsang-Qualitäten mit in Betracht: "Monstertitten oder Knackarsch? Was ergibt den größeren Resonanzkörper?" - "Eine Prostata zum Knuddeln! Der singt garantiert wie 'ne Eins. Mindestens 30 Zentimeter lang!" - "Verlogene Schlampe oder geldgeile Tussi? Wer kriegt den besten Zeter-Rap zustande?"

Und besonders unheilvoll wird es, wenn beide Abteilungen eine Elefantenhochzeit eingehen, um noch mehr Profite zu "ergieren". Wenn alles kreative Potential der Realitätsverzerrer und Retortenmeister zusammengeworfen wird. TV poppt CD - kopiergeschützt, versteht sich. Safer Sex der neuen Generation. Und dennoch - trotz dieser scheinbar unbezwingbaren Titanenpartnerschaft will das ungute Gefühl einfach nicht verschwinden, daß irgendetwas nicht stimmt.

Denn: Während man langsam aber sicher Deutschland unterjocht und die Verblödung in nie gekannte Dimensionen vorantreibt, scheint der Großteil der Metaller davon völlig unbeeindruckt. Alle Anstrengungen verpuffen, die geschickt plazierten Sternchen prallen an ihnen ab.
Und zu allem Überfluß touren derweil Bands durch deutsche Lande, die alle Instrumente selbst bedienen und bei einer Voll-Playback-Show garantiert gnadenlos versagen würden. Darüber hinaus haben sie keinen persönlichen Styleberater und können einen Lippenstift nicht von einem Korkenzieher unterscheiden (außer sie würden der Sekte der "Reborn Posers" angehören...) Verschwitzt, rebellisch, laut. Fürchterlich!

All' die Anstrengungen solcher, eingangs einwähnter, schlipstragender Kapazitäten verpuffen. Die herrlich durchgeplanten Eintagsfliegen surren dahin, bleiben von den Metallern unerhört, und sterben schon bald den unumgänglichen, einsamen Karrieretod. Alles für die Katz.

Also ehrlich: Metaller sind bescheuert...

...und das ist gut so!

Stefan Glas

P.S.: Das "umseitige" Gemälde, also genauer gesagt das Cover der aktuellen Ausgabe, stammt von dem Künstler Timo Würz. Wenn Ihr Euch davon überzeugen wollt, wie vielseitig Timo ist, findet Ihr auf seiner Website viele Kostproben seines Schaffens.

 
Unser Coverkünstler von Ausgabe 25 war Markus Mayer. Die zugehörige Homepage findet Ihr
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