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Jäger und Sammler.

In diese beiden Kategorien hat man die Menschheit früher eingeteilt - und das ist auch der Beweis, daß der Metaller sich schon längst über den Neanderthaler erhoben hat. Unter den Freunden der harten Muse gibt es nämlich etliche Exemplare, die beides gleichzeitig sind. Wir sprechen hierbei von der metallischen Untergattung der Hardcore-Sammler. Also jene Leute, die gerade den dritten Anbau am heimischen Domizil planen, um den gesammelten mesopotamischen Demokassetten, veröffentlicht zwischen Dezember 1983 und 3. Januar 1984, endlich eine passende Heimstatt anbieten zu können. Daß diese Gruppe nicht unbedeutend ist, sieht man daran, daß die meisten Magazine irgendwelche Stories oder Rubriken anbieten, die sich auf sammelwürdige Objekte oder sammelwütige Zeitgenossen beziehen.

Woran erkennt man eigentlich die Hardcore-Sammler? Denn: Sich mit Plastiktüten bis zum Zusammenbrechen beladen kann schließlich jeder, der wahre Sammler rückt indes mit passenden Kisten an - und natürlich mit zwei verschiedenen Sorten: eine fürs Vinyl, während für die CDs auch ein passender Karton am Start sein muß. Schließlich muß man für den zu erwartenden Ansturm gewappnet sein... Im Falle des Vinyls gibt es sogar Behältnisse, die in der Art von Flightcases für Musikinstrumente gebaut sind. Und diese Flightcases bringen uns auch auf die Spur, warum diese Metaller die Neanderthaler in der Sack stecken: Genauso wie besagte Flightcases für Musiker notwendig sind, daß der Inhalt die lange Reise um den Planeten bei einer Worldtour überlebt, gehen die Hardcore-Sammler nicht nur ihrem ursprünglichen Handwerk nach, nämlich dem CD- und Vinylpflücken an den heimischen Büschen, sondern sie brechen auf in die ganze Welt, um dort die Jagd auf mögliche Opfer zu eröffnen. Sie vereinen die Kunst des Sammeln und des Jagens also in sich - nur so kann man nämlich einen evolutionären Vorteil gegenüber den Mitkonkurrenten bekommen. Daher werden Urlaubsziele vor allem nach den Kriterien "Plattenlädendichte" und "Metalbörsenhäufigkeit" ausgesucht - und wenn man zurückkehrt und vom Urlaub schwärmt, sehen die Berichte meist so aus: "Super, der Nachbarort hatte drei Second Hand-Läden in einer einzigen Straße" oder "Unglaublich, ich habe tatsächlich die Platte von HURGLGURGL gefunden. Die ist so rar, daß die Band noch nicht mal davon weiß, daß sie sie aufgenommen hat!" Wer solche Harcdore-Sammler genauer kennt, ist übrigens schon längst zu der Überzeugung gelangt, daß sie die Familie nur in den Urlaub mitnehmen, damit sie helfen können, das erjagte und gesammelte Material nach Hause zu schleifen - dann wissen die Kinder auch endlich, warum sie so schöne, geräumige Rucksäcke zum Geburtstag bekommen haben und warum die Ehegattin zu Weihnachten einen fahrbaren Karren bekommen hat, um ihr "die Einkäufe zu erleichtern"...

Außerdem bringen diese von Hardcore-Sammlern benutzten Behältnisse wie Kisten oder Flightcases den Vorteil mit sich, daß man sie im Stauraum des Sammlermobils besser stapeln kann: Flightcases mit Vinyl links, Kisten mit CDs rechts. Das Handling ist viel besser als mit Plastiktüten, die im schlimmsten Fall vielleicht sogar noch sowohl mit Vinyl als auch CDs gefüllt sind. Mal ganz abgesehen davon, daß aufeinanderliegende Plastiktüten jederzeit ins Rutschen geraten können, und somit ein Verkehrsrisiko darstellen, weil das Sammlermobil aufgrund der immensen Gewichtsverschiebung ins Schleudern geraten kann, ist das Hauptproblem doch viel mehr, daß man Plastiktüten, ganz egal wie pedantisch man sie befüllt hat, nie so gut stapeln kann, um den vorhandenen Platz auch optimal auszunutzen. Transportprobleme sind also schon vorprogrammiert, so daß alle Argumente für den Einsatz von Profibehältnissen sprechen. Daher ist es auch so wichtig, daß die Flightcases versenkbare Griffe haben, um die Stapelbarkeit und somit die Platzausnutzung zu optimieren. Schließlich ist auch so ein Siebenkommafünftonner irgendwann mal voll...

The Hunt Is On!

Stefan Glas

P.S.: Unser wärmendes Cover für den kommenden Winter stammt von Jonathon Earl Bowser, der auch schon für die ein oder andere Band als Coverkünstler tätig war. Auf seiner Homepage könnt Ihr Jonathons Kunst bewundern.

 
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