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Die Band mit dem nicht gerade herzerwärmenden Namen WINTERLONG stammt aus dem Norden Schwedens und ist eine der zahlreichen Kollaborationen aus dem Stall von LION MUSIC-Mastermind Lars Eric Mattsson, bei der ein technisch ungemein versierter Musiker im Mittelpunkt steht. In diesem Fall hört der junge Mann auf den Namen Thorbjörn Englund und ist mehr oder weniger der Macher von WINTERLONG.
Begonnen hat seine "Karriere" im zarten Alter von zehn Jahren als er eine Gitarre geschenkt bekommen hatte. Zunächst bediente er dieses Instrument noch eher als Freizeitbeschäftigung, aber schon bald wuchs in dem jungen Burschen die Lust, mehr Zeit damit zu verbringen. Nach unzähligen Übungsstunden gründete er mit 14 seine erste Band mit dem Namen ENDOMORPH. Schon damals war ein ebenso blutjunger Knabe an seiner Seite, der sich bemühte, mit größtmöglichem Druck sein Drumkit zu vermöbeln, Tony Erkkilä. Trotz einiger Demo-Aufnahmen sollte es bis 1998 dauern, bis Thorbjörn so richtig begann loszulegen und mehr oder weniger rund um die Uhr zu üben begann. Den Ausschlag gab ein Musikvideo, das im schwedischen Fernsehen zu sehen war. Der Interpret: Yngwie Malmsteen, ebenfalls aus Schweden und gerade dabei, die Welt mit seinen Gitarrenkünsten zu verzaubern. ENDOMORPH wurden auf Eis gelegt, Thorbjörn, Tony und zwei weitere Kumpels Erik Tornberg (b) und Hussni Morsare (g, v) legten den Grundstein für WINTERLONG. Nach einiger Zeit des intensiven Übens wurde der Kontakt zu Lasse Mattsson hergestellt, der derart begeistert vom Material der Jungs war, daß er sich bereit erklärte, deren Debut »Valley Of The Lost« im Jahre 2001 zu veröffentlichen. Trotz zahlreicher guter Kritiken fiel die Besetzung auseinander, denn auf der 2003 in die Läden gestellten CD »The Second Coming« war nur noch Thorbjörn zu hören, die Drums teilten sich Andreas Lill (VANDEN PLAS) und Anders Johansson (u.a. HAMMERFALL). Seinen Einstand feiert auf dieser Scheibe ein Sangestalent namens Mikael Holm, weitere Unterstützung erhielt Thorbjörn von Mistheria (k) und seinem "Mentor" Lasse, der sich auch um die Produktion der Scheibe kümmerte. Stilistisch waren WINTERLONG zu diesem Zeitpunkt klar in der neoklassischen Richtung unterwegs, was aufgrund des Malmsteen-Einflusses allerdings niemand wunderte. Viel eher sorgte das heuer veröffentlichte, selbstbetitelte dritte Album aus der Feder von WINTERLONG für bemerkenswerte Verwunderung. Nie zuvor waren die Kompositionen heftiger ausgefallen. Manche Songs dürfen mit gutem Gewissen schlicht und ergreifend als Heavy Metal bezeichnet werden und auch unserer Gitarren-Held versteht es besser als je zuvor, songdienlich zu agieren.
Die Geschichte der Band hätten wir somit durchgeackert, meine Fragen zur Gegenwart und Zukunft kommentierte Thorbjörn wie folgt:

Euer neues Album klingt heftiger als die beiden Vorgängerwerke. Wie kommt's?

Das war voll und ganz so beabsichtigt! Ich hatte es satt in dieser Band immer nur in der Malmsteen-Schiene zu musizieren. Das neue Album sollte massiver ausfallen und ich denke, das ist WINTERLONG auch gelungen. Im Laufe der Zeit hatte ich jede Menge Frust und Zorn aufgestaut, den es zu entladen galt. Was lag da näher, als das Album als Ventil zu verwenden? Zudem war ich auch am Aufnahmeprozeß beteiligt und hatte ganz genaue Vorstellungen was den Sound betrifft. Auch diesbezüglich bin ich sehr zufrieden. Ich weiß, daß ich nicht der erste bin, der davon überzeugt ist, daß sein neuestes Album das bislang beste der Bandgeschichte darstellt, aber es ist nun einmal so.

WINTERLONG (S)-Headline

Abgesehen vom mördermäßigen Sound, fällt auch der stark reduzierte Anteil an Solo-Eskapaden positiv auf. War das ein Teil Deiner Idee für die Scheibe?

Ich hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, wann und ob jetzt ein Solo-Part kommen sollte. Wenn der jeweilige Song es verlangt hatte, habe ich eines eingespielt. Es stimmt aber, daß Soli anteilsmäßig reduziert wurden. Frag' mich aber bitte nicht nach dem Grund. Die Scheibe ist im Laufe der Zeit "gewachsen". Ich habe auch niemals einen "Plan" wie das Songwriting ablaufen wird. Zumeist habe ich eine Idee für ein Gitarrenthema im Kopf, aus dem ich einen Song bastle.

Gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen den involvierten Musikern und den neuen Songs? Das Line-up hat sich ja wieder einmal verändert.

Na ja, so viele Besetzungswechsel gab es eigentlich nicht. Im Gegensatz zu »The Second Coming«, auf dem ich den Baß selber eingespielt habe, ist nun wieder Erik Tornberg mit von der Partie, was mich sehr freut. Am Schlagzeug habe ich abermals ein "Hired Gun". Diesmal hat Leif Eriksson, ein gefragter Studiomusiker hier bei uns, ausgeholfen. Mit Anders und Andreas war das ohnehin abgesprochen, daß sie lediglich auf der letzten Scheibe als Gastmusiker zu hören sein werden, weshalb diesbezüglich nicht unbedingt von "Besetzungswechsel" die Rede sein kann. Dazu muß ich aber auch noch sagen, daß meine Wenigkeit für die Songs verantwortlich ist und die musikalische Entwicklung von WINTERLONG auf meinem Mist gewachsen ist.

Wie sind denn die Pressestimmen für »Winterlong« ausgefallen?

Offensichtlich bin ich mit meiner Meinung, das beste Album in meiner Karriere abgeliefert zu haben, nicht allein. Ich erhielt auch die besten Reviews und Kritiken, die ich jemals erhalten hatte, was mich freut und sehr stolz macht. Insgesamt glaube ich, daß sich meine Vorgehensweise bezahlt gemacht hat. Die Pressestimmen geben mir dahingehend recht.

Für Deine musikalische Entwicklung war Yngwie Malmsteen ein sehr wesentlicher Einfluß. Ich nehme aber nicht an, daß es sich dabei um die einzige Inspirationsquelle handelt, oder?

Ja, ich bin ein großer Fan von Yngwies Schaffen. Allerdings beziehe ich mich eher auf seine Art, Gitarre zu spielen und seine Soli. Was das Schreiben von Songs an sich angeht, habe ich da eher andere Bands im Hinterkopf, deren Werke ich ebenfalls sehr schätze. Unbedingt erwähnt werden müssen diesbezüglich HELLOWEEN, BLIND GUARDIAN und JUDAS PRIEST.

WINTERLONG (S)-Bandphoto

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Texte richtig interpretieren kann, könntest Du mir einen Überblick über den lyrischen Aspekt der Scheibe geben?

Ein Großteil handelt von Themen aus dem genre-typischen Fantasy-Bereich, allerdings befinden sich auch sehr persönliche Texte auf »Winterlong«. Als Beispiel sei ›Ten Digits To The Future‹ genannt, bei dem ich mir so richtig meinen Frust darüber von der Seele geschrieben habe, daß wir in der heutigen Gesellschaft nicht mehr als Individuen angesehen werden, sondern nur noch als Nummern. Die persönliche Nummer, die jeder einzelne Bürger erhält, hemmt ihn daran, seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln, weil er eigentlich sein Leben auf Kompromissen aufbauen muß. So etwas wühlt mich auf und macht mich recht nachdenklich. Deshalb findest du eben Texte, die offensichtlich nicht wirklich zu den rein fiktiven Geschichten passen, aber ich denke die Mischung ist durchaus gelungen.

Gibt es denn Pläne, ob eventuelle Konzertreisen folgen werden?

Nein, nicht wirklich. Dazu fehlt mir ehrlich gesagt auch ein bißchen die Zeit. Ich arbeite wirklich hart für meine Musik, aber es macht mir eine Menge Spaß. Im Moment bin ich damit beschäftigt, ein Soloalbum aufzunehmen, warten wir also ab, was in näherer Zukunft passieren wird. Ich habe es mir abgewöhnt, zu weitläufige Pläne auszuarbeiten, denn schon bei der geringsten Änderung kannst Du den gesamten Plan über den Haufen werfen. Eines ist aber sicher, ich werde mich weiterhin mit Musik beschäftigen, sie ist mein Lebensinhalt geworden. Nach dem Solo-Album folgt bestimmt das vierte WINTERLONG-Scheibchen!

Das dann wohl, so wie alle deine bisherigen Veröffentlichungen über LION MUSIC erscheinen wird. Wie kam es denn überhaupt zu dieser Liaison?

Als ich im Jahre 2000, nach einer kurzen Pause bei WINTERLONG, eine Demo-CD eingespielt hatte und damit einige Labels kontaktieren wollte, fand ich im Internet unter anderem auch LION MUSIC. Die Bands interessierten mich und so sandte ich auch eine CD an Lasse Mattsson. Offensichtlich hatte auch er Interesse an einer Zusammenarbeit und schon kurze Zeit später hatte ich einen Vertrag in der Tasche. LION MUSIC haben sehr viel für WINTERLONG getan, weshalb ich keinen Grund sehe, ein anderes Label zu suchen. Lasse versteht es auch, einen perfekten Sound zu zaubern, was vor allem daran liegt, daß er selbst ein begnadeter Gitarrist ist.

Bist Du eigentlich, wie der Labelinhaber selbst und zahlreiche andere bei LION MUSIC unter Vertrag stehende Musiker, auch noch an anderen Projekten beteiligt?

Wie schon sagte, bin ich mit meinem anstehenden Soloalbum und WINTERLONG ziemlich ausgelastet. Allerdings habe ich vor kurzer Zeit ein Album für meinen langjährigen Freund Payre Kankanranta von VIPERINE (bei dieser Band sind übrigens auch Hussni Morsare und Erik Tornberg mit von der Partie) produziert. Die Sache habe ich zwar aus Freundschaft gemacht, ich muß aber zugeben, daß mich die Musik, die in Richtung RAMMSTEIN - aber mit melodiöseren Anteilen - tendiert, ziemlich beeindruckt hat. Ansonsten liegen meine Prioritäten ganz klar bei WINTERLONG, schließlich will ich damit auch reüssieren.

Na dann, wünschen wir Thorbjörn das Allerbeste für seine weiteren Projekte!

http://www.winterlong.org/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

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