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"Keep It True II"-Festival

Lauda-Königshofen, Tauber-Franken-Halle

10.04.2004

War das erste "Keep It True"-Festival bereits ein voller Erfolg gewesen, sollte die zweite Auflage dieser Kultveranstaltung noch denkwürdiger ausfallen. Bei den gleichen fanfreundlichen Preisen waren die Rahmenbedingungen wie beispielsweise Sound und Organisation deutlich verbessert worden, und zudem zauberten die Bands eine Höchstleistung nach der anderen aufs Parkett. So ist bestimmt keiner der etwa 1.100 Metaller, die wie schon im letzten Jahr aus ganz Europa angereist waren, enttäuscht nach Hause gegangen. Und in diesem Jahr hatte es sogar ein Vorspiel gegeben: Am Abend vor dem "Keep It True" hatten RITUAL STEEL, BATTLE RAM, BATTLEROAR und WOTAN schon mal kräftig eingeheizt.

HOLY MARTYR-Liveshot

Der offizielle KIT-Start ging mit etwa einer halben Stunde Verspätung vonstatten, weil sich in letzter Minute eine Baßbox verabschiedet hatte. Doch dann durfte sich der "War Epic Metal" von HOLY MARTYR Gehör verschaffen. Und obgleich es beim ersten Demo »Hatred And Warlust« stellenweise noch ein wenig geklemmt hatte, konnte die Band live rundum überzeugen - und zudem konnte man beobachten, daß die Band schon einige devote Fans hat, die die Songs lauthals mitsangen. Sänger Alex Mereu, der mit dem (Plastik-)Helm eines Kriegers auf die Bühne kam, bewies sich zudem als guter Frontmann, wenngleich er einen Tick zu pathetisch agierte. Dennoch: eine würdige Eröffnung für einen Metaltag wie aus dem Bilderbuch.

IRONSWORD-Liveshot

Obgleich IRONSWORD schon fast zehn Jahre existieren, absolvierten sie beim "Keep It True" ihren ersten Auftritt - und ließen dabei nichts anbrennen. Die drei Portugiesen donnerten dem Publikum ihren Power Metal energiegeladen entgegen und präsentierten auch schon Songs des demnächst erscheinenden zweiten Albums »Return Of The Warrior«. Optisch wirkten IRONSWORD allerdings ein wenig langweilig, weil Sänger und Gitarrist Tann zumeist ans Mikro gefesselt war, während Bassist Victor fast ausschließlich an einer Stelle stand - und zwar genau so weit von seinem Baßverstärker entfernt wie es die "Leine", nämlich sein Kabel zuließ, das permanent frei in der Luft schwebte.

DARK QUARTERER-Liveshot

Nach zwei reinrassigen Metalportionen sorgten nun die Italiener DARK QUARTERER für einen hervorragenden Kontrast: Ihr introvertierter, progressiv-epischer Stoff war ein absoluter Hörgenuß und zugleich bot die Band ein völlig untypisches Bild: Sänger und Basser Gianni Nepi, der vermutlich der älteste aller an diesem Tag auftretenden Musiker war (und das "Keep It True" ist nun wahrlich kein Teenagertreffen...), stand mit einem Schal um den Hals hinter seinem Mikro und hatte ganz offensichtlich einen irrwitzigen Spaß bei seinem Auftritt. Ganz im Gegensatz zur Seriosität, die Gianni ausstrahlte, stand der weitaus jüngere Gitarrist Francesco Sozzi mit seinem weißen Hemd und der knallgelben Gitarre. DARK QUARTERER waren sicherlich die "speziellste" Band des Tages, die von vielen große Zustimmung erntete, bei einigen allerdings auf völliges Unverständnis traf.

ELIXIR-Liveshot

Anschließend traten die ersten der NWoBHM-Recken an: ELIXIR. Zwar offenkundig nicht mehr die Jüngsten, zauberten die Briten ihren Set dennoch tight auf die Bretter. Vor allem Sänger Paul konnte eindrucksvoll belegen, daß seine Stimme keineswegs in die Jahre gekommen ist, während die "Saitisten" Phil, Norms und Kev für eine Menge Bewegung sorgten (an den Drums saß übrigens aushilfsweise Stevie Hughes, da der etatmäßige Drummer Nigel Dobbs verhindert war) - na, mit den Klassikern »Son Of Odin« und »Lethal Potion« in der Tasche konnten die Jungs auch wahrlich befreit aufspielen. Man darf man sich also schon auf den Gig beim "Headbangers Open Air" freuen!

WIZARD [D]-Liveshot

Dann war es wieder Zeit für einen schnörkellosen metallischen Schlag zwischen die Lichter. Durch die gerade vonstatten gegangenen Tour mit GRAVE DIGGER bestens trainiert, legten WIZARD einen perfekten Gig hin und peitschten das Publikum zu schweißtreibendem Metalsport hoch. Bei ›Defenders Of Metal‹ stieß außerdem Martjo von VORTEX zu den Hexenmeistern, um gemeinsam den Stahl zu verteidigen. Doch so gut die Stimmung bei WIZARD war, sie sollte beim nachfolgenden Act noch gesteigert werden...

ATTACKER-Liveshot

Denn: Der Ur-Metaller Bob Mitchell erwies sich als ein grandioser Frontmann, der das Publikum perfekt packte und in einen wahren ATTACKER-Rausch stürzte. Kein Wunder - daß man Bob den ganzen Tag erspähen konnte, wie er mit den glänzenden Augen eines Kindes im Süßigkeitsladen durch die Halle lief. Auch das "Alt/Neu-Saitenteam" [Pat Martinelli (g)/Mike Benetatos (g) und Felix Torres (b)] bewährte sich rundum, so daß ATTACKER vielleicht die Überraschung des zweiten "Keep It True"-Festivals waren.

CLOVEN HOOF-Liveshot

Wie schon ihre Kollegen ELIXIR konnten auch CLOVEN HOOF problemlos die NWoBHM-Fahne hochhalten: Basser Lee Payne, mit hübsch nostalgischem Outfit, sorgte zusammen mit Gitarrist Andy Wood für ordentliche Stageaction, während der zusätzlich angeheuerte Gitarrist mit unpassender Sonnenbrille nur in der Bühnenecke herumstand. Dafür machte Sänger Russ North stimmlich eine gute Figur, so daß CLOVEN HOOF nie in den Verdacht kamen, ein Altherrenclub zu sein. Lediglich die Songauswahl war enttäuschend, denn das Debut, das alle anderen CLOVEN HOOF-Platten um Längen schlägt, hätte müssen stärker berücksichtigt werden. So kam nur ›Gates Of Gehenna‹ zum Zug, während solche Übernummern wie ›Laying Down The Law‹ oder ›Crack The Whip‹ außen vor blieben.

MAJESTY [D, Lauda]-Liveshot

Dann durfte Mitveranstalter Tarek Maghary mit seinen Majestäten ran. Diese Show bestritt die Truppe mit Aushilfsbasser Chris, der früher bei SHYLOCK gespielt hatte. Außerdem sollte sich kurze Zeit später herausstellen, daß es einer der letzten Auftritte für den Rhythmusgitarristen Udo Keppner sein würde, weil er aus beruflichen Gründen der aufstrebenden Combo nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Ansonsten gab es das schon im letzten Jahr gesehene "MAJESTY @ KIT"-Bild: Von Tarek souverän geführt spielte die Band einen energiegeladenen Set, der zu begeistern verstand. Von nicht enden wollenden "Hail to Majesty"-Rufen und mit Pyros gespickt begleitet, zockten MAJESTY ihr Heimspiel mit links nach Hause. Und als dann bei ›Into The Stadiums‹ auch Todesblei-Freak Jagger vom HOW ausrastete, war der Triumph von MAJESTY allumfassend.

BLITZKRIEG [GB, Leicester → Newcastle]-Liveshot

BLITZKRIEG? Eine geile Show wie immer - was für eine Frage... Die Truppe um Brian Ross führte dabei ihren neuen Bassisten Paul Brewis (übrigens der Bruder von Drummer Phil, mit dem er früher in der METALLICA-Tribute-Band DISPOSABLE HEROES gespielt hatte) vor, der optisch eher so wirkte als würde er von einer Rock'n'Roll- oder Rotzrock-Band stammen, der sich sehr lebhaft auf der Bühne bewegte und sich den metallischen Segen erarbeitete - ansonsten wäre Sascha von RITUAL STEEL (die am Vorabend bei der Warm-up-Show ihre Abschiedsshow gespielt hatten) bei ›We'll Rock Forever‹ wohl kaum als Gastsänger auf die Bühne gekommen... Zudem hatten BLITZKRIEG zwei weitere Überraschungen parat: die JUDAS PRIEST-Coverversion ›Hell Bent For Leather‹ sowie den SATAN-Klassiker ›Blades Of Steel‹. Bleibt zu hoffen, daß sich Brian Ross dazu durchringen kann, seine SATAN-Jubliäumsshow nicht nur in Wacken, sondern auch nochmal in einem würdigerem Rahmen (also einem der kommendens KITs beispielsweise...) präsentieren wird. Auf jeden Fall bleibt das Fazit bestehen: Ganz gleich ob WOA, HOA oder KIT - diese Band ist eine Bereicherung für jedes Festival!

HALLOWEEN-Liveshot

HALLOWEEN waren ohne Zweifel das Spektakel des Festivals! Es war natürlich Ehrensache, daß die Truppe bei ihrem ersten Auftritt in Europa ein gewohnt kürbismäßiges Stageset aufbot und jene Mischung aus Grusel und Kitsch, den das Halloween-Fest eben bedeutet, direkt auf die Bühne brachten. Böse Zungen mögen zwar behaupten, Sänger Brian Thomas würde wie Marilyn Manson aussehen - doch dann stellt sich die Frage, wer bei wem abgeschaut hat, da HALLOWEEN bekanntlich schon seit den Achtzigern aktiv sind. Und beim "Keep It True" berücksichtigte die "Heavy Metal Horror Show" aus Chicago natürlich diese lange Schaffensperiode bis zurück zum '84er Debut »Don't Metal With Evil«. Ein durch und durch kultiger Auftritt, in dessen Anschluß sich Veranstalter Oli selbst als Stagehand beim Abbau betätigte, um den Gartenzaun aus dem evil Baumarkt of hell wieder von der Bühne zu wuchten.

MANILLA ROAD-Liveshot

Nach einem solchen optischen Feuerwerk wirkte der MANILLA ROAD-Auftritt fast schon gewöhnlich, doch die Amikultmetaller liefen nie Gefahr, zum harmlosen Nachspiel degradiert zu werden, sondern erwiesen sich als würdiger Headliner des zweiten "Keep It True". Gegenüber ihrem letzten Auftritt in Deutschland, beim "Bang Your Head!!!" 2000, war die deutlichste Veränderung, daß nun auch der neue Sänger Bryan Patrick auf der Bühne aktiv wurde. Obgleich er oft arbeitslos war, weil Mark "The Shark" Shelton nach wie vor einen Teil der Leadvocals selbst übernimmt, schaffte er es hervorragend, diese Phasen zu überbrücken, ohne wie ein überflüssiger Statist zu wirken. Um das mittlerweile rechtschaffen müde Publikum noch einmal zu motivieren, konzentrierten sich MANILLA ROAD bewußt auf ihr altes Material, so daß die mittlerweile reichlich müden Metaller zufrieden abziehen konnten und gewiß am 6. November wieder dabeisein werden, wenn das "Keep It True" mit Bands wie TYRANTS REIGN, HELSTAR, JAGUAR, WITCHFYNDE und ROTTWEILER in die dritte Runde gehen wird.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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