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Titel: Cult Complete
Dekolinie

LIEGE LORD-Logo

LIEGE LORD teilen das Schicksal vieler anderer Bands aus Connecticut: Sie überzeugten einen kleinen Fankreis mit verzauberndem Metal der Sonderklasse, vermochten aber niemals, dieses Potential kommerziell zu nutzen. Nach drei wegweisenden Klassikern folgten sie ihren Artgenossen in die ewigen Jagdgründe. Ein herber Verlust für die Metalwelt, der nichts weiter bleibt, als mit Klassikern wie ›Dark Tales‹, ›For The King‹, ›Master Control‹ oder ›Fallout‹ in ergötzender Erinnerung zu schwelgen. In letzter Zeit häuften sich Gerüchte über eine Reunion der Truppe um Ausnahmegitarrist Paul Nelson. Momentaner Stand der Dinge ist aber, daß gar nix sicher ist. Demnach bleibt uns neben einem bangen Hoffen auf Einsicht der Herren nur, an den letztjährigen LIEGE LORD-Auftritt beim "Wacken Open Air" zurückzudenken. Und damit Ihr alle wißt (oder Euch erinnert - ab 30 soll ja das Gedächtnis nachlassen, wie ich gelegentlich selbst feststellen muß - Red.), worum es geht, gibt's jetzt nochmal eine kleine History.

Anno 1983 schlossen sich die drei Herren Matt Vinci (b), Frank Cortese (d) und Tony Truglio (g) unter dem Banner DECEIVER zusammen und begannen JUDAS PRIEST-Coverversionen zu intonieren. Relativ schnell fand sich in Andy Michaud ein geeigneter Sänger, der nicht nur mit seinem durchtrainierten Körper die von Vinci verfaßten "kriegerischen" Texte hervorragend optisch unterstrich, sondern mit seiner markanten Stimme sehr schnell Individualität in die Band brachte. Unter Hinzunahme des zweiten Klampfers Pete McCarthy wurde zügig ein hervorragendes Demo eingespielt, das 1984 mit den Stücken von ›Prodigy‹, ›Wielding Iron Fists‹, ›Dark Tale‹, ›Rage Of Angels‹ und ›For The King‹ veröffentlicht wurde.

LIEGE LORD-Picture Disc: »Liege Lord«

Man sicherte einen Deal mit dem französischen Label BLACK DRAGON, wo 1985 das Debut »Freedom's Rise« erschien. Schon das geniale Eric Larnoy-Gemälde auf dem Cover vermag den Betrachter zu begeistern. Diese Begeisterung potenziert das instrumentale ›Prodigy‹, welches den musikalischen Reigen einläutet. Sofort überzeugen die teils an vergangene MAIDEN-Tage erinnernden doppelläufigen Gitarrenparts sowie die wuchtig hackenden Rhythmussequenzen, die jeden Metalfreak in Ekstase versetzen. Wenn beim nachfolgenden ›Wielding Iron Fists‹ Andy Michauds durch Mark und Bein gehendes Organ einsetzt ist alles vergessen. Was das schwarze Vinyl im weiteren Verlauf der Nadel offeriert bringt LIEGE LORD einen Ehrenplatz an der metallischen Rittertafel. Ob der zersetzend schnelle Doublebasser ›Dark Tale‹ oder der Übersong ›For The King‹ - egal, wo man die Matte schütteln möchte, hier wird allererste Qualität abgeliefert.

LIEGE LORD-Cover: »Freedom's Rise« [BLACK DRAGON-Version]

In Amerika hatte man sich hingegen zuvor schon an IRON WORKS/AZRA INTERNATIONAL ausgeliefert: Man hatte einen Deal für eine EP gesigned, die die Stücke von ›Prodigy‹, ›Vials Of Wrath‹, ›Legionnaire‹, ›Wielding Iron Fists‹, ›Amnesty‹ und ›Dark Tale‹ enthalten sollte. Doch der Veröffentlichung kam der Dealabschluß mit BLACK DRAGON zuvor. Dennoch sollten bei den Eisenarbeitern einige Portionen "LL" veröffentlicht werden (und es ist heuer nicht mehr definitiv zu klären, zu wieviel Prozent sie offizieller Natur sind): »Freedom's Rise« erschien sowohl als Picture Disc und als normales Album mit Klappcover. Viel Mühe hatten sich IRON WORKS bei der Covergestaltung jedoch nicht gegeben: Der Schwertträger auf dem Cover hatte bereits auf der B-Seite der Picture Disc einen Auftritt gehabt. Das interessanteste Produkt ist jedoch die EP, die schließlich und endlich dennoch das Licht der Welt erblickte: Als Picture Disc in limitierter Auflage von 150 Stück (zumindest wenn man dem "Beipackzettel" Glauben schenken darf) kam die 6-Song-EP auf den Markt, als »Freedom's Rise« bereits einige Monate alt war.

LIEGE LORD-Picture Disc: »Freedom's Rise«

Die europäische Presse stand Kopf und überschlug sich vor Begeisterung. Vor allem die gebotene Eigenständigkeit überforderte die Magazine bei dem Versuch, LIEGE LORD in eine Schublade zu stecken, und so erfanden sie ganz einfach einen neuen Terminus: "Medieval Metal"! Das sollte aber - wie so oft - nichts an dem Zustand ändern, daß LIEGE LORD von den Fans kaum wahrgenommen wurden und das finanzschwache Label zudem nicht in der Lage war, dies durch eine Tour zu ändern.

LIEGE LORD-Cover: »Freedom's Rise« [IRON WORKS-Version]

Ob dies der einzige Grund war, das Label in Richtung METAL BLADE zu verlassen, vermag man heute nicht nachzuvollziehen - zumindest bedeutete dies das Ende der Supersonderspezialpressungen, und ab sofort waren Promos das einzige, was sabbernde Sammler saugen konnten. Dies war aber bei weitem nicht die einzige Veränderung: Pete McCarthy, der auf weitaus kommerzielleres Material aus war, wurde durch den Steve Vai-Schüler Paul Nelson ersetzt. Was sich vielversprechend anhört, wird leider durch das Material des 1987 erschienene Zweitlings »Burn To My Touch« nicht bestätigt. Das darauf enthaltene Material ist zwar weitaus verschachtelter, ohne dabei aber die Durchschlagkraft oder die Eingängigkeit des Debuts zu erreichen.

LIEGE LORD-Cover: »Burn To My Touch«

Auch wenn man mit dem Zweitwerk einigen Zuspruch in der Heimat erntete, liefen die Fans an der Basis, nämlich in Europa, voller Abscheu davon. Und, anstatt diese nun endlich mit der erhofften Livehaftigkeit zu versöhnen, tourte man sich den Staaten den Arsch ab, drehte selbigen jedoch den hartgesottenen Anhängern in Übersee entgegen. Frechheit! Nachdem aber auch in der Heimat der erhoffte Durchbruch ausblieb, begann man im Bandcamp, die Situation zu überdenken. Man kam zu dem Gedanken, daß die Wurzel allen Übels Michauds Stimmbändern seien. Welch ein Irrtum!

LIEGE LORD-Cover: »Cast Out«-Promo

Ich hatte alle Hoffnung auf Besserung aufgegeben, als mir das dritte Werk, namentlich »Master Control«, mit dem neuen Sänger Joseph Comeau entgegenblastete!!! Was die Jungs hier an Energie, Spielfreude und musikalischen Können zusammengenietet hatten, ließ nicht nur meine Wenigkeit begeistert aufhorchen (Nicht umsonst gönnte Holger seinerzeit sich und uns ein Interview mit LIEGE LORD. - Stefan). Bis zum heutigen Tage gehört dieser Silberling zur Creme de la Creme des amerikanischen Power Metal. LIEGE LORD hatten es endlich geschafft, ihre Qualitäten zu einer Einheit verschmelzen zu lassen. Bei weitaus erhöhtem Tempo und einem zugänglicheren Gesang findet man auf diesem Werk neun eigenhändig komponierte Granaten, sowie eine hervorragend umgesetzte Version des RAINBOW-Klassikers ›Kill The King‹.

LIEGE LORD-Cover: »Master Control«

Alle Zeichen standen also auf Sturm! Aber wir wissen es alle, daß der Sturm im sprichwörtlichen Wasserglas blieb. Völlig desillusioniert gab die Band auf. Wer weiß, wo sie heute stehen würde, hätten sie noch ein weiteres Album dieser Klasse abgeliefert. Daß es dazu nie kam, ist eine Schande, denn LIEGE LORD hatten das Zeug, ganz groß zu werden.

Außer Joseph Comeau haben die weiteren Musiker keine musikalischen Outputs mehr gehabt. Joe führte es über RAMROD, wo er zusammen mit dem damaligen ANVIL-Klampfer Sebastian Marino fetten Power Metal schmiedete und uns mittels des '94er Promo-Demos offenbarte, zu zwei größeren Bands: Er ist heute als Gitarrist bei OVERKILL und zugleich als Sänger bei ANNIHILATOR tätig.

Bleibt mir nichts, als Euch dringend zu empfehlen, die gerade mal wieder neuaufgelegten CDs zu erwerben. Den bereits eingefleischten Fans sei geraten, nicht auf die erwähnten Specials von IRON WORKS/AZRA INTERNATIONAL hereinzufallen. Einzig und allein die 6-Track-EP mit den Demoversionen des Debuts ist aus musikalischer Sicht eine lohnende Anschaffung! Die darauf vertretenen Versionen übertreffen jene auf »Freedom's Rise« in punkto Aggressivität bei weitem.

Wer der Band ein paar aufmunternde Worte zukommen lassen möchte kann dies tun unter:

http://www.liegelord.com/

oder sich Paul Nelsons eigene Site anschauen unter:

http://www.paulnelsonguitar.com/

LIEGE LORD

Demo- und Discographie

5-Song-Demo1984

Freedom's Rise (LP)1985

Liege Lord (EP)1985

Burn To My Touch (LP)1987

Master Control (LP)1988

Stand: Dezember 2000


Holger Andrae


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