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  UE-Home → Online Empire 89 → Interview-Übersicht → ALIEN WEAPONRY-Interview last update: 16.10.2021, 22:12:52  

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Mit ihrem Debutabum »T?« eroberten die NeuseelĂ€nder vor drei Jahren die Herzen der Metal-Liebhaber im Sturm. Faszinierend daran war nicht nur die Tatsache, daß ALIEN WEAPONRY mehr oder weniger aus dem Nichts in der Szene aufschlugen, sondern noch vielmehr die Tatsache, daß sie mit ihrem Sound quasi Neuland betrat. Eine Melange wie ihre, gab es bislang nĂ€mlich noch nicht zu hören. Das mitreißende, irgendwo zwischen Thrash, Death und Groove Metal zu verortende GebrĂ€u an sich war nicht neu, sehr wohl aber der Gesang. Die beiden BandgrĂŒnder Henry (d) und Lewis de Jong (g, v) setzten auf ihrem Erstling beim Vortrag ihrer Texte nĂ€mlich vorwiegend auf ihre Muttersprache: Te Reo M?ori.

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Wie sie damit umgegangen sind, plötzlich dermaßen erfolgreich zu sein, und auch wie es sich anfĂŒhlte, als nur wenig spĂ€ter ein Kindheitstraum in ErfĂŒllung gegangen ist, erzĂ€hlte uns das BrĂŒderpaar bei einem Zoom-Meeting. Dabei war zwar auch T?ranga Morgan-Edmonds, ihr neuer Kollege am Baß, zugegen, der jedoch die Zuhörerrolle bevorzugte. Zu bereden gab es vieles, in erster Linie aber klarerweise das eben veröffentlichte zweite Album »Tangaroa«:

ALIEN WEAPONRY-Bandphoto 1

HĂ€ttet Ihr jemals zu trĂ€umen gewagt, aus dem Stand heraus dermaßen erfolgreich zu sein?

Henry: NatĂŒrlich nicht! Auch wenn ich durchaus zugeben muß, daß wir sehr wohl mit einer gehörigen Portion Selbstbewußtsein an den den Start gegangen sind. Da wir zu diesem Zeitpunkt noch verdammt jung waren, und ohne RĂŒcksicht auf Verluste einfach losgelegt haben, war uns einziges Motto: "Laßt es uns einfach mal versuchen, was soll schon schiefgehen?". Wie das eben so ist bei Jungs die gerade einmal im Teenager-Alter sind, und sich die Idee in den Kopf gesetzt haben, als Band die Welt zu erobern.

Lewis: Wir waren einfach begeisterte Metalfans und haben die Szene erst einmal fĂŒr uns entdeckt. Es gab so viele interessante Formationen, die es zu erkunden gab. Bald hat sich jedoch herauskristallisiert, welche fĂŒr uns die relevantesten sind, und in welche Richtung es wohl gehen wird, als wir beschlossen, selbst Songs zu schreiben.

Henry: Das war logischerweise nicht ganz so einfach, denn zunĂ€chst hatten wir zwar jede Menge Ideen, konnten diese aber spieltechnisch noch nicht ganz so umsetzen. Deshalb haben wir in unserer frĂŒhen Jugend auch mehr Zeit in ProberĂ€umen verbracht als alle anderen jungen Bands hier in der Umgebung.

Welche Bands waren es denn, an denen Ihr Euch orientiert habt? Hat sich seit den AnfÀngen daran etwas geÀndert?

Lewis: Unser Einstieg waren METALLICA, bald darauf folgten SLAYER und diverse andere Thrash Metal-Bands. Allerdings dauerte es nicht lange, ehe wir uns an extremere Sounds heranwagten. Allen voran SLIPKNOT hatten es uns angetan, aber auch LAMB OF GOD hörten wir sehr hĂ€ufig. In den letzten Jahren hat sich da sehr wohl einiges verĂ€ndert, denn mittlerweile haben wir auch ein Faible fĂŒr die eher progressivere Gangart von brutalen Sounds entwickelt.

Henry: GOJIRA! Wir kannten die Band nicht wirklich, hatten aber das GlĂŒck die Musiker bei unseren ersten Europa-Aufenthalten nĂ€her kennenlernen zu dĂŒrfen. Nette Jungs, coole Musik und eine Hammer-Liveband! Ich denke, das reicht, um Fan zu sein, oder? [lacht]

Sicher. Wobei ich die Franzosen aus Eurem aktuellen Album gar nicht so stark als Einfluß heraushören kann. Oder hab' ich da etwas falsch verstanden?

Henry: Wenn Du nur die musikalische Ausrichtung von »Tangaroa« meinst, hast Du sicher recht. Schließlich haben wir einen völlig anderen Groove. Das Faszinierende an dieser Band ist aber ihre Spieltechnik, ihre Herangehensweise an das Songwriting und ihr soziales Engagement.

Lewis: Das ist auch uns mindestens ebenso wichtig, wie die Songs selbst! Eine Nummer kann kompositorisch noch so genial sein, wenn nichts dahintersteckt, das den Hörer packt, wird sie bald darauf wieder vergessen sein.

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Das kann Euch nicht passieren. Auch wenn es in Europa wohl nur ganz, ganz wenige Menschen geben dĂŒrfte, die Te Reo M?ori verstehen...

Henry: Das ist uns natĂŒrlich bewußt. Du kannst Dir aber in etwa vorstellen, wie befremdend es fĂŒr uns klingt, wenn wir beispielsweise ein GesprĂ€ch zweier unserer Plattenfirmen-Mitarbeiter hören. Daß wir damit vielleicht Fans anlocken, die uns aus bloßer Neugierde entdecken möchten, mag sein, dĂŒrfte aber nicht auf eine Mehrheit zutreffen. Da wir uns darum bemĂŒhen, Geschichten unseres Volkes zu erzĂ€hlen, kommt fĂŒr diese Songs einfach nichts anderes in Frage. Das ist unverĂ€ndert geblieben, und auch der Grund weshalb wir auf »Tangaroa« nur fĂŒr die HĂ€lfte der Tracks Englisch verwendet haben.

Steht denn das Cover in direktem Zusammenhang mit dem Titel?

Lewis: Ja! Der Titel »Tangaroa« ist ein Maori-Begriff fĂŒr den Ozean. Als der Titel feststand, habe ich einfach begonnen, etwas zu dieser Thematik zu malen. Das Ergebnis kann man als eine Schlange, oder auch als mehrere sehen. Meinetwegen aber auch als außerirdisches Seeungeheuer, auch damit habe ich kein Problem, haha.

Auch einige Songtitel hÀtte ich gerne ein wenig nÀher erklÀrt.

Henry: Kein Problem. Im Titelsong setzen wir uns mit den leider immer noch vorherrschenden, ausbeuterischen Fischereipraktiken vor den KĂŒsten unseres Landes auseinander. Die Menschen werden wohl erst dann darĂŒber nachdenken, daß etwas falsch lĂ€uft, wenn alles Leben aus dem Ozean entfernt wurde.

Lewis: Weniger kritisch ist der Opener ausgefallen. Hier erzĂ€hlen wir in erster Linie die Geschichte des Maori-HĂ€uptlings Titokowaru. Er war einer der hĂ€rtesten Widersacher der britischen Kolonial-Regierung und hat mit der von ihm angefĂŒhrten Rebellenarmee einen langjĂ€hrigen Kampf gegen sie gefĂŒhrt. Wir sehen uns sowohl als ErzĂ€hler, denen es am Herzen liegt, den Menschen etwas aus der Welt und Kultur der Maori nĂ€herzubringen, wollen aber auch ein Bewußtsein dafĂŒr schaffen, daß sich viele Dinge seit dem 19. Jahrhundert fĂŒr die Maori noch immer nicht verbessert haben.

Henry: Doch nicht nur unsere Herkunft hat zu kritischen Texten gefĂŒhrt. In â€șBuried Undergroundâ€č geht es um die dramatische Situation von Jugendlichen, die synthetischen Drogen verfallen sind. Ein Jammer. â€șDown The Rabbit Holeâ€č ist dagegen als persönliche Abrechnung mit jenen Zeitgenossen zu sehen, die uns zunĂ€chst nicht mehr als belĂ€chelt haben, nun aber so tun, als ob sie ewig unsere Freunde wĂ€ren. Danke, bleibt wo ihr seid, euch brauchen wir nicht!

Ganz und gar nicht belĂ€chelt wurdet ihr von Beginn an von der "Konkurrenz". Wie war denn das GefĂŒhl fĂŒr Euch, selbst von den ganz großen der Szene immer wieder lobend erwĂ€hnt zu werden?

Henry: Unfaßbar! Ich muß zugeben, daß ich es zunĂ€chst gar nicht glauben konnte, als man uns mitgeteilt hat, SLAYER hĂ€tten uns als Vorgruppe ausgewĂ€hlt, um auf einem Teil ihrer Abschiedstournee mit dabei zu sein. Ich meine, ich war ein junger Bursche, der von der großen, weiten Metal-Welt getrĂ€umt und stĂ€ndig SLAYER gehört hat. Und dann soll ich auf einmal mit meinen Kumpels auf ein und derselben BĂŒhne spielen dĂŒrfen? Wie absurd ist das denn?

Lewis: Aber es war kein Traum! Es war RealitĂ€t. Auch wenn ich noch auf der BĂŒhne das GefĂŒhl hĂ€tte, das kann alles gar nicht wahr sein. [lacht] Doch das war es, ein Kindheitstraum wurde wahr!

http://www.alienweaponry.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Piotr Kwasnik

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