UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  PHANTOMS OF FUTURE-Interview

Date:  25.03.1993 (created), 24.07.2021 (revisited), 24.07.2021 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Das PHANTOMS of FUTURE-Interview war echt schick gestaltet, so da├č es mir bis heute richtig gut gef├Ąllt - auch wenn es in der HTML-Version nicht nachzubauen war. So hatte ich das Bandlogo hochkant gestellt - und zwar in diesem Schrifttypus, der nun auch hier zu sehen ist, obgleich die Band auf ihren Platten eine Solid-Schrift verwendet hatte. Aber die mittige wei├če Linie gab der Sache nochmal einen eigenen Pfiff. Dabei war vom Logo die Worte "PHANTOMS" und "of" in einem Grauraster unter den Text gelegt, w├Ąhrend nur das Wort "FUTURE" oben "rauskuckte. Direkt rechts neben "FUTURE" war dann der Interviewtitel in einer etwas geschwungenen Schrift ebenfalls vertikal verlaufend zu lesen. Und nochmal weiter rechts, den Bereich der beiden rechten Spalten einnehmend war jenes Photo zu sehen, das auch heute als Aufmacher f├╝r die Story dient. Deweitern gab es vier Livephotos im Verlauf des Artikels zu sehen, zu denen ich heute noch weitere gef├╝gt habe, um die optisch aufwendige Show der Band zu dokumentieren. Au├čerdem gibt es am Ende der Story noch ein weiteres Promophoto.

Zumindest bei einer Sache haben wir uns am Original orientiert, denn auf den Covern ihrer Alben, die bis zu diesem Zeitpunkt ver├Âffentlicht worden waren, hatte die Band das "OF" immer etwas kleiner dargestellt, was wir sowohl im gedruckten Artikel als auch in der heutigen Online-Version entsprechend gestaltet hatten.

Zweifelsohne waren die PHANTOMS of FUTURE das k├╝nstlerisch spannendste und musikalisch hochwertigste, was Urgestein Hannes in seiner Karriere gemacht hat.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

PHANTOMS OF FUTURE-Logo

Genug von dieser Metalscheisse! Wo bleibt die Abwechslung? Da ist diese Band die absolute Alternative - PHANTOMS of FUTURE - originell, verdreht, berauschend, verwirrend, abwechslungsreich, verrucht, stimulierend, verr├╝ckt und rundum einfach geil!

PHANTOMS OF FUTURE-Headline

Okay, ich geb's ja zu - bei der Besprechung der PHANTOMS of FUTURE-Scheibe im letzten Heft hab' ich mich krampfhaft verbal hin- und hergewunden und im Endergebnis doch nichts ausgesagt. Aaaaaber dann sah ich die Band live, und mir ging ein ganzer Lichterwald auf. Sofort versp├╝rte ich in mir den ultimativen Trieb, diese Phantome mit einem Interview heimzusuchen. Dieser Gedanke lie├č mich einfach nicht mehr los, und als die PHANTOMS of FUTURE nach Ver├Âffentlichung ihrer ┬╗Chapter III - The Trance Album┬ź-Scheibe wieder on the road gingen, stand ich in der ersten Reihe und streckte den Finger! S├Ąnger Hannes und Gitarrist Dr. Krid (im b├╝rgerlichen Leben heisst der Typ nebenbei Dirk) erbarmten sich meiner und stillten mein Verlangen.

PHANTOMS OF FUTURE-Bandphoto 1

Hannes, wie kommt man von dem simplen Punk/Hardcore mit einschichtigem Gesang der idiots zur Extravaganza Magna á la PHANTOMS of FUTURE?

Hannes: Dirk und ich haben etwa 1984 sehr experimentell begonnen. Damals waren etwa 200 Bands in einem riesigen Kulturzentrum, und so haben wir mit verschiedenen Musikern rumexperimentiert. Diese Leute kamen aus ganz unterschiedlichen Musikrichtungen und teilweise haben auch Leute mitgewirkt, die ├╝berhaupt keine Musiker waren. Wir hatten da beispielsweise einen K├╝nstler, einen Photographen, der auf der Gitarre irgendwelche Ger├Ąusche produziert hat. Es war einfach der Spa├č daran, etwas anderes zu machen! Aus Jux nannten wir uns HOESCH COMBO. Aus dieser experimentellen Phase sind PHANTOMS of FUTURE hervorgegangen. Anfangs waren st├Ąndig verschiedene Leute dabei. Doch nach und nach hat sich das Projekt gefestigt, und es machte uns immer mehr Spa├č, und daher haben wir regelm├Ą├čiger geprobt, so da├č wir die PHANTOMS gr├╝ndeten. Der Name kam zustande, weil wir alle Nachtmenschen sind und uns eigentlich nur nachts getroffen haben, so da├č wir das Wort "Phantoms" als geeignet empfanden; "Future" kam dazu, weil es solche Musik, wie wir sie machten, damals noch nicht gab. Zwei Jahre spielte ich in beiden Bands, merkte dann aber, da├č ich mich hier besser verwirklichen und ausdr├╝cken kann, so da├č ich mich f├╝r die PHANTOMS entschied.

Ich habe anfangs immer "Phantoms Of The Future" gesagt, bis ich irgendwann merkte, da├č da nirgends ein "the" war. Warum? Die grammatikalisch korrekte Version m├╝├čte dieses "the" enthalten!

Dirk: Das ist Slang! Wenn Du nach Amerika gehst, w├╝rde dort niemand das "the" sagen. Wir achten auch bei den Texten darauf, da├č wir Stra├čensprache und kein Oxford-Englisch verwenden. Viele sagen aber wirklich "Phantoms Of The Future", obwohl andererseits viele nur PHANTOMS sagen, weil ihnen der komplette Name zu lang ist. Vielleicht sollten wir uns "POF" nennen...

PHANTOMS OF FUTURE-Livephoto 1

Euer Motto lautet: "Bei PHANTOMS of FUTURE ist alles erlaubt; es mu├č nur verr├╝ckt genug sein!". Richtig?

Hannes: Wir haben gar kein Konzept! Wir versuchen, uns so ehrlich wie m├Âglich darzubieten, wie wir f├╝hlen, wie wir denken. Was wir auf der B├╝hne zeigen, das sind einfach wir!

Dirk: F├╝r uns gibt es nichts Verr├╝cktes, weil wir einfach so sind, wie wir uns auf der B├╝hne benehmen. Klar - auf der B├╝hne wird alles intensiver dargestellt, damit es auch die Leute in den hinteren Reihen sehen k├Ânnen.

Hannes: Wir haben alle schon ziemlich viel erlebt; waren schon bei mindestens 15 Psychiatern, haben schon achtmal den Magen ausgepumpt gekriegt aufgrund exzessiven Lebens. Jeder hat immer sein Ding durchgezogen - jenseits der Gesellschaft. Wir wollten immer uns selbst verwirklichen und uns nicht anpassen. Das ist das Lebensgef├╝hl, das wir ausdr├╝cken wollen und das sich in der Musik widerspiegelt, da├č man seine Kreativit├Ąt und seinen eigenen Geist f├Ârdert und nicht verk├╝mmert wie viele andere. Viele sind einfach nur noch Roboter, die gar nicht mehr merken, was gut f├╝r sie ist. Dirk und ich meditieren viel, besch├Ąftigen uns mit Esoterik und ├╝bersinnlichen Dingen, sind naturverbunden und versuchen, auch etwas f├╝r den K├Ârper zu tun.

Dirk: Wir sind keine Band, die sich auf Tour nur endlos Drogen reinziehen. Wir dosieren Drogen insoweit, wie wir damit umgehen k├Ânnen. Du kannst sicher sein, da├č wir auf der B├╝hne v├Âllig clean und n├╝chtern sind, weil man nur so eine Tour durchstehen und jeden Abend das Publikum ├╝berzeugen kann. Wenn du zugedr├Âhnt auf der B├╝hne stehst, bist du nicht mehr du selbst und bringst vieles aus dir raus, was nicht zu dir, sondern zu der Person, die neben dir steht, geh├Ârt. Diese Person hat man immer neben sich stehen, auch wenn man sich dar├╝ber nicht bewu├čt ist. Es wird durch zu hohen Drogenkonsum sehr viel Negatives nach au├čen gekehrt, und das ist Schei├če!

Hannes: Unsere Musik entsteht, indem wir uns irgendwann abends treffen und einfach drauflos spielen. Einer f├Ąngt an, und die anderen geben ihren Teil dazu. So entstehen unsere St├╝cke. Bei uns kommt nie jemand mit einem fertigen St├╝ck. Daran sieht man, da├č die Musik ehrlich ist, denn jeder spielt das, was er f├╝hlt, was aus seinem Bauch dazukommt. Unsere Musik lebt davon, da├č wir so verschiedene Charaktere sind - auch menschlich. Es ist manchmal wirklich schwierig, alle vier Meinungen unter einen Hut zu kriegen.

Dirk: Komischerweise vertragen wir uns dennoch viel besser als die meisten Bands, mit denen wir bisher getourt haben. Die haben sich w├Ąhrend der Tour oft total zerstritten. Bei uns gibt es zwar auch oft Zoff, aber es geht immer gut aus, und wir erg├Ąnzen uns gegenseitig wieder. Das ist auch in einer Partnerschaft oder Beziehung wichtig, da├č man immer wieder einen gemeinsamen Nenner findet. Das ist bei uns gegeben, auch wenn es nicht immer einfach ist, denn mit Cre, Roadies und Tontechnikern sind wir zusammen acht Leute, die immer miteinander auskommen m├╝ssen.

Hannes: Was wir noch mit der Musik ausdr├╝cken wollen, ist, da├č wir uns in dieser knallharten Realit├Ąt unsere eigene Traumwelt aufbauen. Man merkt live, da├č diese Traumvorstellung oder Trance, wie die Platte auch hei├čt, von den Leuten aufgenommen wird und da├č sie weggetreten sind. Es fangen an Fantasien zu spielen und...

Dirk: Es ist uns schon ├Âfter aufgefallen, da├č die Leute weggetreten sind, und wir uns auf der B├╝hne von St├╝ck zu St├╝ck mehr in einem Traumzustand befinden. Deshalb haben wir diesen Begriff "Trance" gebraucht.

PHANTOMS OF FUTURE-Livephoto 2

Hiermit habt Ihr meine n├Ąchsten sieben Fragen schon beantwortet... Ihr habt gerade gesagt, da├č Eure Musik ganz spontan entstehen. Au├čerdem verwendet Ihr viele Kleininstrumente...

Hannes: Wir schneiden die Sessions immer mit und h├Âren uns dann die B├Ąnder an, um zu sehen, was uns gef├Ąllt und woran wir weiterarbeiten wollen. Die Klangeffekte sollen die Stimmung des St├╝ckes n├Ąherbringen sollen, wie Filmmusik auch. ÔÇ║OutaspaceÔÇ╣ von der neuen CD k├Ânnte genausogut eine Filmmusik von einem Steven King-Film sein.

Dirk: Wenn man sich die neue Platte anh├Ârt, kann man raush├Âren, da├č wir versucht haben, Liveatmosph├Ąre auf der Platte zu schaffen. Wir haben auf sehr viel Technik verzichtet und alles sehr hausbacken produziert. Es ist alles so gestaltet, da├č wir es auch auf der B├╝hne so r├╝berbringen k├Ânnen.

Hannes: Wir haben diesesmal alles pur aufgenommen. Wir haben bei den beiden ersten Platten viel mehr Overdubs gemacht. Wir stehen immer noch zu den beiden alten Platten, aber die Neue wirkt ehrlicher und intensiver! Wir haben jetzt Livecharakter auf Tontr├Ąger. Wir hatten zum ersten Mal Paul Grau als Produzenten, der schon mit KRAFTWERK, RAUSCH oder PLAN B gearbeitet hat, und er hat das gef├Ârdert. Er hat uns mehrmals live angesehen und gesagt, da├č wir live so viel Energie und Power haben, da├č wir nur das, was wir live bringen, auf Platte r├╝berbringen m├╝ssen!

Dirk: Er war der erste, der wirklich verstanden hat, was wir wollten. Wir hatten bei den ersten beiden Platten Tontechniker am Mischpult sitzen, die sich damit nicht besch├Ąftigt haben. Sie wu├čten nicht, was wir wollten, und daher wurden die beiden Platten sehr unterschiedlich produziert, weil wir auch sehr viel rumprobiert haben. Bei der dritten Platte haben wir alles auf den Punkt gebracht. Dabei hat uns Paul Grau nicht vorgeschrieben, was wir zu tun haben, sondern er hat alles so aufgenommen und abgemischt, wie wir es wirklich wollten. Wir mu├čten teilweise beim Abmischen gar nicht dabei sein, sondern er hat oft Sachen allein gemischt, und wir kamen hinterher dazu, und es war klasse! Er hat einfach das notwendige Fingerspitzengef├╝hl, vielleicht auch deswegen, weil er schon mit verschiedenen intensiveren, experimentellen Gruppen wie EINST├ťRZENDE NEUBAUTEN gearbeitet hat, bei denen sich Tontechniker und Produzent zu Beginn die M├╝he machen m├╝ssen, sich mit der Band zu besch├Ąftigen.

Hannes: Was will die Band ausdr├╝cken? Das hat er verstanden, wurde aber vorher nie richtig verstanden! Weil das damals so angesagt war, wurde die erste Platte etwas auf d├╝ster, die zweite Platte auf Kunst getrimmt. Die Band sollte ein Kunstobjekt sein, und deshalb klingt die Platte auch so glatt, so da├č die Energie der Band verlorenging. Wenn ich beim Singen mal geschrien hatte oder andere Extreme wurden per Equalizer einfach abgeschnitten.

Dirk: Nach ┬╗Loco Poco┬ź mu├čten wir uns anh├Âren, da├č wir eine intellektuelle Band seien oder da├č wir zu abgehoben seien. Wir machen keine intellektuelle Geschichte, sondern wir besch├Ąftigen uns einfach etwas mehr mit dem Leben. Das fehlt mir bei anderen Bands ein wenig, aber das hat nichts mit intellektuellem Gehabe zu tun, und wir wollen uns deswegen nicht hervorheben. Wir spielen mit allen m├Âglichen Bands zusammen und verstehen uns mit allen Leuten. Wir wollen keine Grenzen schaffen. Wir sind ganz normale Musiker, die sich mit der ganzen Sache etwas besch├Ąftigen.

Hannes: Wir geben in den Texten und der Musik sehr viel von uns selber preis! Wir stecken da sehr viel Gef├╝hl hinein.

Dirk: Wir machen Rock'n'Roll auf einer ganz anderen Ebene. Ich denke, es war Zeit, da├č eine Band versucht, Rockmusik etwas anspruchsvoller zu gestalten. Es ist total sch├Ân zu sehen, da├č wir bei ganz verschiedenen H├Ârern ankommen und da├č bei Livegigs das Publikum sehr gemischt ist. Ich finde es wichtig, da├č sich die Grenzen zwischen den verschiedenen Musiksparten ge├Âffnet haben.

Hannes: Man kann mit Musik Grenzen ├Âffnen, auch kulturell; das kann sogar so weit gehen, da├č das Verst├Ąndnis von Menschen verschiedener Kulturen und Religionen untereinander verbessert wird. Ich denke, Musik ist daf├╝r ein starkes Ausdrucksmittel!

Dirk: Au├čerdem arbeiten wir mit Performance. Wir haben seit der ┬╗Loco Poco┬ź-Tour Adam Escher dabei. Er war fr├╝her am Dortmunder Stadttheater und ist gelernter Schauspieler. Zuerst wollten wir es nur f├╝r ein St├╝ck ausprobieren, aber mittlerweile ist er festes Mitglied. Mit ihm zusammen k├Ânnen wir die Musik visuell besser umsetzen.

PHANTOMS OF FUTURE-Livephoto 3

Okay, la├čt mich nochmal versuchen, meine urspr├╝ngliche Frage zu formulieren! Wie kommen diese ganzen Soundeffekte durch die Kleininstrumente dazu? Genauso spontan wie die Songs entstehen oder ├╝berlegt Ihr Euch, wenn Ihr einen Song fertig habt, wo welches Instrument hinpassen w├╝rde?

Hannes: Die nehm' ich sofort bei der Session mit rein. Ich habe im Proberaum ├╝ber hundert verschiedene Kleininstrumente und Effektteile und lasse mich vom Song inspirieren, was passen k├Ânnte. Wie eine Eingebung!

Eure Musik! Was isses? Independent? Wave? Avantgarde? Ich denke, es steckt von allen Musikrichtungen etwas drin!

Hannes: Es ist der PHANTOMS-Sound, es ist unsere Musik, ohne, da├č das ├╝berheblich klingen soll! Wie Du schon gesagt hast - es ist alles drin. Wir schauen aber nicht gezielt, da├č wir m├Âglichst viele Elemente vermischen, sondern es entsteht einfach! Im n├Ąchsten Song k├Ânnen Charleston oder Twist drin sein, vielleicht, weil jemand von uns einen alten Film aus den Zwanzigern geschaut hat und das Lebensgef├╝hl aus dieser Zeit noch im Kopf hat, so da├č er dadurch inspiriert, eine Melodie zu spielen beginnt und die anderen einfach dazu einsteigen.

Dirk: Viele Lieder entstehen aufgrund von Dingen, die man erlebt hat. Die Gitarrenriffs zu den beiden Balladen ÔÇ║IdentityÔÇ╣ und ÔÇ║Waiting For The StormÔÇ╣ fielen mir zu Hause ein, als ich gerade meinen Sohn bekommen habe. Das ist eine Zeit, in der man sich mehr f├╝rs Leben ├Âffnet und etwas ruhiger wird. Deshalb sind es zwei ruhige Songs geworden. Ich habe mit der Akustikgitarre auf dem Sofa gesessen, und die Ideen kamen einfach so aus mir heraus. Sp├Ąter hab' ich die Ideen mit den Jungs bearbeitet.

Hannes: Ich war beispielsweise auf Barbedos in der Karibik und sah wie die Schwarzen auf ihren Kalimbas spielen. Ich hab' mir dann Kalimbas mitgebracht, und au├čerdem kamen mir am Strand Ideen, die sicherlich durch die dortige Gegend beeinflu├čt wurden und die ich gleich auf einen Walkman gesungen habe. So flie├čen ganz andere Eindr├╝cke in die Musik mit ein. Es ist international, was wir machen. Wir sind nicht auf einen Standort fixiert.

PHANTOMS OF FUTURE-Livephoto 4

Von den Texten her seid Ihr genauso vielschneidig. La├č' mich mal ÔÇ║Heavy BreatherÔÇ╣ rausgreifen. Der Text wendet sich gegen Leute, die obsz├Âne Anrufe t├Ątigen und wirkt auf mich sehr ernsthaft. Wenn Du Dir beim Livegig zwei Gummibusen umh├Ąngst und den Song mit den Worten, "Dieser Song wendet sich gegen perverse M├Ąnner, die Kinder und Frauen per Telefon bel├Ąstigen!" ansagst, ziehst Du den Text auf die Ebene des Klamauks!

Hannes: Wer meine Mimik sieht, wird verstehen, wie der Text gemeint ist. Aber dadurch, da├č alles so exzentrisch ist, verstehen manche Leute wirklich nicht, was wir aussagen wollen.

Dirk: Es ist sehr viel, das ein Zuschauer zu verkraften hat. Neulich kamen Leute zu mir und sagten, da├č sie einfach rausgehen mu├čten, weil sie es nicht ausgehalten haben. Die Leute m├╝ssen alles erst einmal verarbeiten. Deshalb haben wir bei der neuen Show drauf geachtet, nicht zu viel zu machen, sondern alles h├Ąppchenweise r├╝berzuschieben. Ich denke schon, da├č wir anstrengend sind, weil alles so h├Ąufig wechselt, mal ist es ironisch, dann wieder total hart, dann depressiv, etc.

Hannes: Wir wollen nat├╝rlich solche Reaktionen provozieren! Mal sind die Leute schockiert, ein anderes Mal fasziniert und begeistert. Manchmal brauchen die Leute 45 Minuten, bis sie mitgehen k├Ânnen, weil sie erst alles verdauen m├╝ssen, und beim letzten Song ist dann die H├Âlle los.

Dirk: Unsere Texte sind so unterschiedlich, weil wir alles verarbeiten, was wir im Alltag erleben. Wir verarbeiten auch sehr viele Sachen aus dem Unterbewu├čtsein, weshalb es f├╝r viele nicht allt├Ąglich klingt.

Hannes: ÔÇ║Morbid BusinessÔÇ╣ handelt von krankhaften Gesch├Ąftsmethoden. Kinderpornos oder wenn Kinder aus Krankenh├Ąusern gestohlen werden, sie get├Âtet werden, um daraus Kosmetik zu machen und den M├╝ttern erz├Ąhlt wird, da├č Ihr Kind bei der Geburt starb. Also ein Text der sehr realit├Ątsbezogen ist. Andere Texte wie beispielsweise ÔÇ║VoicesÔÇ╣ handelt von ├╝bersinnlichen Dingen.

PHANTOMS OF FUTURE-Livephoto 5

Das ┬╗Cruel Times┬ź-Cover stammt von einem Film aus den zwanziger Jahren, und bei ┬╗Loco Poco┬ź habt Ihr George Grosz' "Der Liebeskranke" von 1916 verwendet. Beide stammen also vom Anfang unseres Jahrhunderts. Zufall oder fasziniert Euch diese Zeit besonders?

Hannes: Es ist Zufall, da├č beide Bilder fast aus der gleichen Zeit stammen, aber wir haben uns auch mit den zwanziger Jahren besch├Ąftigt. Es gab damals auch schon "entartete Kunst" und revolution├Ąre Musik. Grosz war ein ziemlich abgedrehter Typ, der zur damaligen Zeit schon die Subkultur gezeigt hat. Das neue Cover stammt von dem Film "The Freaks", einem alten Film, in dem nur Behinderte mitspielen, unter denen aber ein unheimlicher Zusammenhalt herrscht. Diese Behinderten sieht man auf dem Bild wie in Trance tanzen.

Dirk: Wir haben das Bild etwas verfremdet, weil wir es nicht so knallhart zeigen wollten. Ich finde es etwas schade, denn ich h├Ątte gern die nackte Wahrheit gezeigt. Ich habe schon mit Behinderten gearbeitet und habe auch heute noch Kontakt zu ihnen. Ich besch├Ąftige mich auch privat mit diesem Thema, und deshalb denke ich, konnten wir es uns erlauben, uns mit dem Film auseinanderzusetzen und ihn auch auf dem Cover zu zeigen. Wir haben den Kompromi├č geschlossen, das Bild zu verfremden, weil wir mit knallharter Kritik gerechnet hatten.

Hannes: Wobei ich denke, da├č auf dem Photo durch diese Bearbeitung der Trancezustand noch besser rauskommt. Aber so verschieden sind die Geschm├Ącker in der Band. Wir haben viel dr├╝ber diskutiert, wie wir das Cover gestalten sollten. F├╝r uns ist die Band ein Full-Time-Job, und wir arbeiten sehr hart. Wenn man dann eine CD macht, ist das wie eine Art Buch, das man abschlie├čt, und da sollte alles stimmen, eben auch das Cover!

PHANTOMS OF FUTURE-Livephoto 6

Wie ist eigentlich das exzessive Touring, das Ihr an den Tag legt, m├Âglich?

Dirk: Wir haben alle irgendwie mit der Musik zu tun. Hannes hat seinen Laden, ich gebe Gitarrenkurse, Paul arbeitet in unserem Musikverlag und macht das Booking. Daher mu├č niemand noch nebenher jobben, so da├č er keine Zeit f├╝r die Musik h├Ątte. Wir k├Ânnen uns also komplett der Musik widmen. Es l├Ąuft mittlerweile so, da├č wir fast davon leben k├Ânnen. Es ist abzusehen, da├č wir n├Ąchstes Jahr alle anderen Sachen werden abschlie├čen k├Ânnen und da├č dann nur noch die Band da ist.

Hannes: Wir w├╝rden deswegen aber nie irgendwelche Kompromisse eingehen! Wir ziehen unser Ding knallhart durch. Wenn es stattfindet, freuen wir uns nat├╝rlich, wenn nicht..., m├╝ssen wir eben weiter Gitarrenkurse geben...

Eure Liveshow ist mehr als beeindruckend! Kann man sagen, da├č Eure Liveshows modernes Theater in Musikgewand sind?

Hannes: Umgekehrt! 80 Prozent Musik und 20 Prozent visuelle Untermalung! Aber unsere Shows enthalten auf jeden Fall Elemente des modernen Theaters.

PHANTOMS OF FUTURE-Livephoto 7

Hannes steht durch seine exzentrische Show mit den vielen Maskeraden (Ich habe versucht, dies per Kamera zu dokumentieren; einige kleine Kostproben seht Ihr in diesem Artikel - Red.), seinen Soundeffekten und verschiedenen Stimmen deutlich im Vordergrund...

Hannes: Ich bin nat├╝rlich das Sprachrohr der Band. Der S├Ąnger steht immer etwas mehr im Vordergrund! Ich kann mich frei bewegen und kann daher pantomime-m├Ą├čig mehr machen. Da ich die Texte schreibe, kann ich mir nat├╝rlich dazu passend die Mimik ├╝berlegen.

Solche Gespr├Ąchspartner machen einen Interviewer nahezu ├╝berfl├╝ssig. Man werfe ein Stichwort in den Raum, und schon erlebt man das Ph├Ąnomen des verbalen Perpetuum Mobile. Auf jeden Fall haben die beiden bewiesen, da├č man bei einer Antwort locker mit Adam und Eva beginnen und sich dann gepflegt bis zur Apokalypse vorarbeiten kann. Ich hatte bei diesem Interview definitiv nicht viel zu sagen, und es gelang mir kaum, eine Frage komplett in einem Zug zu stellen, aber es war ein tolles Interview, das viel Spa├č gemacht hat und eine Menge hergab! So k├Ânnte es immer sein!

PHANTOMS OF FUTURE-Bandphoto 2

Eine k├Ânigliche Band, die Ihr antesten m├╝├čt! Zu diesem Zwecke sei ┬╗Chapter III - The Trance Album┬ź empfohlen. Wer schon immer ein Ohr f├╝r dem Metal benachbarte Bands hatte, wird bestimmt spontan phantom-m├Ąssig wegschweben. Ein Ereignis das Ihr Euch nicht entgehen lassen d├╝rft, ist ein Livegig der Band! Da PHANTOMS of FUTURE echte Touraholics sind, kriegt sicher jeder die M├Âglichkeit, sich seinen Anteil abzuholen. La├čt sie Euch blo├č nicht entgehen! PHANTOMS of FUTURE - die beste Droge seit es Milka gibt - versprochen!

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Stefan Glas [Photo 2-5]

PHANTOMS OF FUTURE im ├ťberblick:
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