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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  GRIFFIN (US, CA)-''Remember''-Artikel

Date:  24.03.1994 (created), 16.11.2012 (revisited), 06.11.2016 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Das größte Problem bei dieser Story war das Logo, welches wir in der Druckerei mittels Reprokamera direkt vom Cover des GRIFFIN-Debuts runterkratzten. Daher wurde auch der "Flight Of The"-Wimpel im Heft abgedruckt, weil es quasi unmöglich war, diesen Teil abzuschneiden, ohne dabei eine Unterstrahlung zu riskieren, die einen Teil der Logos angefressen hätte. Also setzten wir die Buchstaben des Logos mittig in die "Remember"-Spalte und ließen die Flagge ganz kess ein wenig zur Seite rausflattern und dezent gen DARK MILLENNIUM-Interview weisen. Nicht viel einfacher war es auch jetzt, das Logo vom Cover freizustellen, aber natürlich haben wir auch bei der Onlineversion wieder die Flagge am Mast hochgezogen. :-) Zusätzlich gibt es heuer aber noch ein Bandphoto, das aus dem Inner Sleeve von »Flight Of The Griffin« stammt und etwas pixelig aussieht, weil dort recht grob gerastert abgedruckt war. Außerdem haben wir noch die zweite Logoversion mit dem geflügelten Löwen dazugepackt.

Was man ansonsten noch im Text ergänzen könnte, ist die Tatsache, daß GRIFFIN in ihren ersten beiden Jahren den Namen SINISTER SAVAGE getragen hatten, während man erst ab 1982 ein Fall für Ornithologen wurde. Diese Tatsache war seinerzeit, als ich den Artikel verfaßte, noch nicht landläufig bekannt gewesen und nicht bis an mein Ohr gedrungen.

Auf alle Fälle waren GRIFFIN ein treffendes Thema für die "Remember"-Rubrik, denn ich höre beide Platten bis heute enorm gerne.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

Titel: Remember
Dekolinie

GRIFFIN [US, CA]-Logo

Es muß wohl im Frühling des Jahres 1985 gewesen sein, als SHRAPNEL-Präsi Mike Varney auf einen Schlag vier Scheiben auf die Szene losließ, die überall dermaßen umjubelt wurden, so daß man ganz naß wurde, sich die Teile endlich beizufahren. Doch für den armen Schüler war der Importpreis einfach nicht drin - schon gar nicht in vierfacher Ausfertigung. So blieben die Vinyls unerreichte Wunschträume und, einziger Lichtschimmer war, als bei einem Tapetradingpartner Demos und Livetapes des Quartrovirats in der Liste auftauchten, die sofort überspielt und mit Begeisterung konsumiert wurden, so daß das Verlangen nach diesen runden Teilen nur noch unstillbarer wurde. Eines Tages endlich erbarmten sich SPV und lizensierten Mister Varneys Ergüsse, wie sie es mit schon so vielen anderen US-Legenden getan hatten, die zuvor in unerreichbarer Ferne schienen, weshalb diese drei Buchstaben und das zugehörige STEAMHAMMER-Label nicht nur bei mir hoch in der Gunst standen. Die Debuts von CHASTAIN (der Anfang der Karriere des höchstveröffentlichungsfrequenten Gitarrenhexers aller Zeiten), HEXX (damals mit makellosem Power Metal am Start), TRAUMA (die ehemalige Band von Cliff Burton; ebenfalls ein kräftiges, schmackhaftes Power-Süppchen) und GRIFFIN waren also endlich für jedermann in greifbare Nähe gerückt.

Doch »Flight Of The Griffin« war ein Produkt, das damals noch durchaus ins SHRAPNEL-Bild paßte, jedoch schon einige Zeit später bei Mike Varney unvorstellbar gewesen wäre. Keine selbstverliebte Fuddelei, kein orgastisch aufspielender Sechssaitertyrann, sondern einfach Metal in einer Intensität, wie er mir damals schon den Atem stocken ließ und bis heute nur wenig gleichwertige Konkurrrenz gefunden hat. Wie hatte dies seinen Anfang genommen, damals in der fruchtbaren Szene von Frisco?

GRIFFIN [US, CA]-Bandphoto

Es waren wohl die üblichen Meinungsverschiedenheiten über den musikalischen Kurs, die William Rodrick McKay, genannt Billy, der Mann mit der Stirnglatze und dem durchdringenden Organ, sowie die unbezwingbare Drumfestung Rick Wagner veranlaßten, die damals noch gänzlich unbekannten METAL CHURCH zu verlassen und unter dem Zeichen des großen Raubvogel ihren eigenen Laden aufzumachen. In Rick Cooper hatte man schon bald die passenden sechs Saiten gefunden und das Rückgrat von GRIFFIN stand. Als zweiter Gitarrist fand sich irgendwann ein junger Typ namens Yaz ein, und Thomas Sprayberry übernahm schließlich das letzte noch freie Saiteninstrument. So war der GRIFFIN bereit, seine Gegenwart mit machtvoller Musik anzufüllen.

Im noch taufrischen Jahr 1982 erschien das erste Demo, von dem jedoch nur ›Hell Runneth Over‹ den test of time überstehen sollte. Auch der 12-Track-Nachfolger aus dem Folgejahr mußte etliche Federn lassen. Anders das zweite '83er Demo von GRIFFIN, dessen fünf Songs mit einer Ausnahme auch auf dem Debut zu finden sein sollten. Doch es war noch einige Arbeit zu leisten, bis Opener ›Hawk The Slayer‹ seine Widmung an Basser Thomas, der sich mit dem Spitznamen "Hawk" schmückte, auch vom edlen schwarzen Matt einer Rille aus loswerden konnte. Im August 1984 aufgenommen, hatten GRIFFIN neun Teile verewigt, von denen sie sich wohl nur schwer vorstellen konnten, daß sie zehn Jahre später als Klassiker einer Musikrichtung angesehen werden würden. Es war diese Intensität, die GRIFFIN so unerhört gnadenlos machte, die sich sowohl bei speedigen Einlagen verbreitete als auch bei ruhigeren Einlagen. Schon das Cover verkörpert diese geballte Macht, die aus dem Inhalt heraus den Hörer anfiel. Der geflügelte Löwe, Maskottchen von GRIFFIN, brüllt markerschütternd, reckt seine Pranke gen Himmel. Der GRIFFIN war endlich entfesselt worden, und wer sollte seinen Flug aufhalten? Niemand als die Zeit selbst mit ihren Schicksalsspielchen.

Streß mit dem amerikanischen Label legte das Raubtier in Ketten, und als dann noch Basser Thomas und Gitarrist Yaz das Weite suchten, stand zu befürchten, daß man dem GRIFFIN für immer die Flügel stutzen würde. Doch das verbleibende Dreiergrundgerüst schaffte es auch allein, und 1986 erschien »Protectors Of The Lair«, wenngleich nur beim deutschen STEAMHAMMER-Label, während der Rest der Welt sich nur per Import versorgen konnte. GRIFFIN waren deutlich schneller geworden, neben dem Midtempo- bis Uptempo-Metal war nun stellenweise auch Speed angesagt. Auch zorniger, wütender klang man, ohne jedoch eben dieses Feeling der Eindringlichkeit verloren zu haben. Wenn Billy beim Opener sein "here we go again" brüllt, beginnt mein Kopf automatisch mit den gleichen Bewegungen wie vor so vielen Jahren, auch wenn die Zotteln mittlerweile etwas spärlicher gesäht sind - dafür jedoch auch etwas länger... Überhaupt trieb er es mit seinem Gesang noch bunter als zuvor, schizoid, binnen Bruchteilen von Sekunden zwischen machtvollen, warmen Vocals und schrillen Schreien umschaltend, so trug er einen nicht unwesentlichen Teil dazu bei, daß GRIFFIN mit ihrem Metal erneut als kleine Sensation einzustufen waren und dennoch nahezu folgerichtig kaum beeindruckende Verkaufszahlen erzielten. Die Musik des GRIFFIN jedoch hat die Zeit überdauert und besitzt heute die gleiche Überzeugungskraft wie einst, was man von den wenigstens Topsellern nach einer Dekade kaum mehr behaupten kann.

»Protectors Of The Lair« war leider die letzte Gelegenheit, bei der der Greif seine Schwingen ausbreitete und zu einem majestätischen Flug über das weite Rund der metallischen Szene ansetzte. In vereinzelten Interviews war zwar zu lesen, daß die dritte GRIFFIN-Platte bereit für die Recordingsessions wäre, aber dazu sollte es leider nie kommen. Also geben wir uns zufrieden mit zwei legendären Alben, für die man so viele Bezeichnungen finden kann, vor allem aber als zeitlos bezeichnen muß!


Stefan Glas

GRIFFIN [US, CA]-Logo


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