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  UE-Home → History → Online Empire 52 → Interview-├ťbersicht → SLEDGE LEATHER-Interview last update: 25.05.2019, 10:10:08  

SLEDGE LEATHER-Logo

Zwanzig Jahre war sie abgetaucht, doch ihre gigantische Stimme klingt bis heute in unseren Ohren: die ehemalige CHASTAIN-S├Ąngerin Leather Leone. Es mu├čte erst ein trauriges Ereignis stattfinden, bevor sie ihren Weg zu uns zur├╝ckfand: Der Tod ihres Idols Ronnie James Dio lie├č sie aus ihrer kreativen Trance erwachen, so da├č sie mit ihrer einstigen Kollegin Sandy Sledge das Projekt SLEDGE LEATHER aus der Taufe hob. Nat├╝rlich lie├čen wir uns die M├Âglichkeit nicht entgehen, Leather vors Mikro zu zerren und zugleich auch Sledge etwas auszuquetschen.

SLEDGE LEATHER-Headline

Es folgt ein ausf├╝hrlicher Talk ├╝ber die Vergangenheit und Zukunft der wahrscheinlich besten S├Ąngerin, die der Metal jemals gekannt hat!

Leather, erz├Ąhl' uns doch bitte etwas ├╝ber Deine Anf├Ąnge als S├Ąngerin! Hattest Du ein spezielles Training, dem Deine unglaubliche Stimme entsprang?

Leather: Ich habe in der Kirche angefangen zu singen. Sie gaben mir damals die M├Âglichkeit, solo ÔÇ║Stairway To HeavenÔÇ╣ zu singen, und ich war Feuer und Flamme. Ich war damals 3 Jahre alt. [lacht lauthals] Ernsthaft: Ich war in Wirklichkeit 11 Jahre alt gewesen. Ich habe mir alles selbst beigebracht, obwohl ich fast mal eine spezielle Ausbildung erhalten h├Ątte, da ich eine Zulassung zur "Eastman School Of Music" in New York erhielt. Aber sie hatten keinen Ausbildungszweig, der sich Metal-Techniken widmete, so da├č ich mich entschlo├č, nicht auf diese Schule zu gehen. Zudem wollte ich ohnehin weg aus New York.

SLEDGE LEATHER-Shot: Leather Leone als Kind

Nat├╝rlich interessieren sich viele daf├╝r, ob der ungew├Âhnliche Name Leather Dein echter Name ist oder ob es sich um einen K├╝nstlernamen handelt.

Leather: Meine Eltern haben mich nicht Leather getauft, es ist aber trotzdem mein echter Name. Von meinen Eltern habe ich einen urtypischen katholischen und italienischen Namen bekommen. Ich wurde aber Leather genannt, seit ich im College angefangen habe, in Coverbands zu singen. Als ich dann nach Kalifornien zog, wo ich Sledge traf, blieb es dabei, weil der Name einfach h├Ąngenblieb. Und ich ├╝berlasse es der Phantasie eines jeden, meinen Geburtsnamen herauszufinden. (Maria? Angela? - Red.)

Wie hast Du Deinen unverkennbaren Stil entwickelt, der sehr rauh, aber doch melodisch ist?

Leather: Als ich in den Achtzigern nach San Francisco zog und dort die Band RUDE GIRL traf, fragten sie mich, ob ich so ├Ąhnlich wie Bon Scott singen k├Ânne. Nach einiger Zeit entdeckte ich jedoch Ronnie James Dio, und mir wurde klar, da├č dies der nat├╝rliche Stil f├╝r mich ist.

Erz├Ąhl' uns doch bitte etwas ├╝ber Deine erste Banderfahrung. War RUDE GIRL, wo auch Sandy Sledge spielte, die heute wieder Deine Partnerin ist, Deine erste Band? Wenn ich mir die entsprechenden Bilder auf MySpace anschaue, dann mu├čt Du damals noch recht jung gewesen sein.

Leather: Wie erw├Ąhnt sang ich w├Ąhrend meiner Zeit im College bei einigen Coverbands, doch RUDE GIRL waren meine erste ernsthafte Band. Ich war damals in der Tat erst 16 Jahre alt.

SLEDGE LEATHER-Shot: Sandy Sledge als Baby - mit Pommesgabel...

Was sollte man ├╝ber RUDE GIRL wissen? Schlie├člich ist die Band nicht sonderlich bekannt geworden.

Leather: RUDE GIRL klangen wie Metal-Butter; wie BLACK SABBATH, bei denen Bon Scott singt. RUDE GIRL waren heavy und hatten Songs mit starken Hooks. Wir traten in zerfetzten Shirts und Leder auf. Unsere Gitarristin Lumbi (da ist wohl Lois LaRue gemeint - Red.) spielte eine fette Les Paul, Eden Unger ballerte ihren Ba├č durch einen riesigen AMPEG-SVT-Verst├Ąrker, und Sledge h├Ąmmerte ihre Drums von den St├Ąndern runter. Ja, wir pa├čten problemlos in die damalige Metalszene in San Francisco.

Gab es von RUDE GIRL eigentlich Aufnahmen? Der Song, den man auf MySpace findet, klingt verd├Ąchtig nach einer rohen Proberaumaufnahme.

Leather: Wir hatten ein paar 4-Spur-Demos aufgenommen, doch das war's auch schon. Als wir n├Ąmlich anfingen, live aufzutreten, bekamen wir umgehend Angebote f├╝r Plattenaufnahmen von verschiedenen Labels. Der Song auf MySpace stammt vom Soundcheck f├╝r unsere erste Platte, der in einem zu dieser Zeit sehr bekannten Studio in San Francisco namens "The Automatt" stattfand.

Warum wurde diese Platte nie ver├Âffentlicht, oder wurde sie nicht mal fertiggestellt?

Leather: Es war eine aufregende, eine ├╝berw├Ąltigende Zeit. Es gibt viele Version von dieser Story. Ich glaube, es war einfach nicht die richtige Zeit und der richtige Ort. Sledge und ich haben jetzt begonnen, das zu beenden, was wir damals angefangen hatten. Wir haben viel mehr Erfahrung und Erkenntnis bez├╝glich unseres Platzes hier auf Erden. Wir wissen, was wir wollen, und diesmal sind wir bereit!

Wie war es eigentlich damals f├╝r eine All-Girl-Band unter all den anderen Metalbands? Wurdet Ihr akzeptiert?

Leather: Ich kann mich noch erinnern, da├č wir ab und zu ein paar bl├Âde Bemerkungen ernteten, was uns aber nicht die Bohne interessierte. Wir f├╝hlten uns immer wohl, mit anderen Bands zusammen aufzutreten, und der Gro├čteil der Jungs war total cool. Mit Ausnahme von Lars...

Äh, Lars? Meinst Du den Lars?

Leather: ...irgendjemand mit dem Namen Lars...

Aha... Zu diesen Zeiten war die Szene noch deutlich chauvinistischer eingestellt, und Musikerinnen wurde meist auf ihr Aussehen reduziert. Ist Euch das auch passiert?

Leather: Wir hatten unsere Vision und unser Ziel. Also haben wir unser Ding durchgezogen! Wir haben nicht gro├čartig dr├╝ber nachgedacht, was andere wohl ├╝ber uns denken w├╝rden, sondern uns ausschlie├člich unserem Projekt gewidmet.

damaliges offizielles RUDE GIRL-Promophoto: Leather Leone, Lois LaRue, Sandy Sledge, Eden Unger [im Uhrzeigersinn, oben links beginnend], ]

Konntet Ihr damals den kreativen Sturm, der in der Bay Area losbrach und die ganze Welt eroberte, so da├č dieser Ort heute eine Legende f├╝r den Thrash Metal ist, miterleben?

Leather: Ja, RUDE GIRL waren mittendrin, und wir wurden sogar ein Teil davon, denn unsere Songs wurden schneller und intensiver. Wir spielten beispielsweise mit EXODUS und vielen anderen Bands im "Ruthie's Inn", mit MEGADETH im "Keystone Korner" und bestritten sogar eine Show mit SLAYER. Aber genauso traten wir auch mit melodischeren Metalbands auf. Auf alle F├Ąlle war die Thrashwelle sehr belebend. Es war wie Los Angeles mit Eiern! Ich lebe heute noch in San Francisco und warte sehnlichst auf die R├╝ckkehr! [lacht schallend]

RUDE GIRL und die Nachfolgeband MALIBU BARBI, aber auch LEATHER ANGEL, eine All-Girl-Band, die zeitgleich existierte, wurden kommerziell gesehen nie erfolgreich. Worin siehst Du die Gr├╝nde daf├╝r? Es gab ├╝brigens durchaus Verstrickungen zwischen den Bands, so da├č ich es f├╝r passend halte, sie an dieser Stelle zusammen zu nennen: LEATHER ANGEL-Gitarristin Debbie Wolf spielte mit Sandy bei MALIBU BARBI; LEATHER ANGEL benannten sich sp├Ąter in JADED LADY um, wo dann Lori Linstruth einstieg, die dann sp├Ąter mit Sandy WARBRIDE gr├╝ndete.

Leather: Da Sledge der gemeinsamer Nenner ist, mu├č sie wohl schuld daran sein... [lacht] Nein, ich kann Dir da leider keine passende Antwort liefern, aber es ist nun mal so, da├č nur ein ganz geringer Prozentsatz aller Musiker - ganz gleich ob m├Ąnnlich oder weiblich - es schafft, erfolgreich zu werden. Ich wei├č allerdings, da├č Sledge immer noch Kontakt zu Lori und mit Joann Rebel, der Bassistin von MALIBU BARBI, hat.

Sledge, hast Du auch noch Kontakt zur ehemaligen LEATHER ANGEL-Gitarristin Debbie Wolf?

Sledge: Leider nein, obwohl wir mal enge Freunde waren. Wo bist Du, Wolf?!? Ich bin aber immer noch in Kontakt mit LEATHER ANGEL-Drummer Krissi North, mit der ich mich toll verstehe. Aber niemand scheint zu wissen, wo Debbie ist.

RUDE GIRL-Singleshot: Leather Leone

Die ┬╗We Came To Kill┬ź-EP von LEATHER ANGEL ist nicht nur legend├Ąr, sondern auch ein gesuchtes Sammlerst├╝ck. Da Du heute noch Kontakt zu einem der Lederengel hast, kannst Du dann auch etwas ├╝ber LEATHER ANGEL erz├Ąhlen?

Sledge: RUDE GIRL h├Ątte sollen eine Halloween-Show mit ihnen in Los Angeles bestreiten, doch wir l├Âsten uns kurz zuvor auf. Leather und ich ging trotzdem zu der Show; ich sah LEATHER ANGEL mehrmals live. Sie hatten einen Manager, der so ein bi├čchen wie Kim Fowley war (der ber├╝hmt-ber├╝chtige Manager der RUNAWAYS, der auch als Musikproduzent, Songwriter und Musiker sein Gl├╝ck probierte - Stefan Glas). Ich glaube mich zu erinnern, da├č es einige Probleme mit der Produktion der EP gab. Vielleicht war vieles zu schnell gegangen. Ich wei├č es wirklich nicht, denn sie sprachen ├╝berhaupt nicht gerne dar├╝ber.

Du hast sp├Ąter - wie erw├Ąhnt - bei WARBRIDE mit Lori Linstruth zusammengespielt, die bei LEATHER ANGEL zu jenen Zeiten gespielt hatte, als sie schon JADED LADY hie├čen. Ihr wart also Mitglieder der wenigen All-Girl-Bands, die es damals gab!

Sledge: Oh ja, ich hatte v├Âllig vergessen, da├č LEATHER ANGEL sich umbenannt hatten und da├č Lori damals bei ihnen war. [lacht] Wir kannten uns gegenseitig sehr gut: Wir MALIBU BARBI-M├Ądels, Jo, Heidi und ich, waren gut mit Debbie und Chrissy von LEATHER ANGEL befreundet. Aber letzten Endes kannten sich damals alle Musikerinnen aus San Francisco und Los Angeles gegenseitig, denn es war ein sehr kleiner Kreis gewesen.

Leather, 1984 hast Du Dich CHASTAIN angeschlossen. Wie kam es dazu, da├č sich ein Gitarrist aus Cincinnati, Ohio, ein M├Ądel aus dem fast 4.000 Kilometer entfernten Kalifornien als S├Ąngerin f├╝r seine neue Band aussucht?

Leather: Mike Varney von SHRAPNEL RECORDS, der dann auch die ersten CHASTAIN-Platten auf seinem Label ver├Âffentlicht hat, brachte uns zusammen. Es war damals nicht so ungew├Âhnlich, da├č Musiker gro├če Strecken zur├╝cklegten, um an ihren Projekten zu arbeiten.

Trotzdem denke ich mal, da├č es f├╝r Dich in Deinem Alter ein gro├čer Schritt war, nahezu ans andere Ende des Kontinents zu gehen. Was hat diesen Entschlu├č bei Dir best├Ąrkt?

Leather: Es war eine tolle M├Âglichkeit f├╝r mich, bei einer Band einzusteigen, deren Musiker schon einen gewissen regionalen Erfolg hatten. Am wichtigsten war aber, da├č ich von den Songs, die David Chastain geschrieben hatte, begeistert war und mich angezogen f├╝hlte.

Was sind Deine besten Erinnerungen an Deine Zeit bei CHASTAIN?

Leather: F├╝r KISS in der "Ohara Arena" zu er├Âffnen war echt der Hammer gewesen! [schreit fast] Und es war super, mit Alice Cooper zu spielen.

RUDE GIRL-Shot: Sandy Sledge & Leather Leone

Warum hatten CHASTAIN seinerzeit Europa mehr oder minder ignoriert? Einige der Alben erschienen erst mit deutlicher Zeitverz├Âgerung in Europa, und die Band war hier nie auf Tour. War Dir damals ├╝berhaupt bewu├čt, da├č viele Fans auf dieser Seite des Ozeans Dich f├╝r die beste Metals├Ąngerin ├╝berhaupt hielten?

Leather: Damals hatte ich meine Karriere leider in die H├Ąnde von anderen gelegt. Ich h├Ątte sicherlich niemals den Beschlu├č gefa├čt, nicht nach Europa zu gehen. Von so manchen dieser Fehlentscheidungen habe ich sogar erst in letzter Zeit erfahren. Sledge und ich sind deswegen heute ganz anders drauf und treffen alle Entscheidungen selbst.

In Sachen CHASTAIN waren damals viele Leute der Meinung, da├č David einfach zu viel machte. Es gab CHASTAIN mit f├╝nf Alben zwischen 1985 und 1990, sein CJSS-Projekt, das 1986 gleich zwei Platten ver├Âffentlichte, und dann hatte David noch sein Soloprojekt, mit dem er bis 1993 drei Scheiben ver├Âffentlichte. Ich pers├Ânlich finde alle CHASTAIN-Alben gut, aber w├Ąre es nicht sinnvoller gewesen, sich auf CHASTAIN zu konzentrieren, um die Platten noch besser zu machen und dadurch vielleicht erfolgstechnisch den n├Ąchsten Schritt machen zu k├Ânnen? Letzten Endes blieb CHASTAIN der gro├če Durchbruch ja verwehrt.

Leather: Ich konzentrierte mich nur auf die CHASTAIN-LPs. David komponierte permanent, und ich war genauso darauf bedacht wie er, da├č immer gen├╝gend Material zur Verf├╝gung stand. Warum wir nicht erfolgreicher wurden, kann ich leider nicht beurteilen.

War ┬╗For Those Who Dare┬ź eigentlich als "kommerzielleres" Album geplant? Zumindest befindet sich die einzige Coverversion, die CHASTAIN je aufgenommen haben, darauf: ÔÇ║BarracudaÔÇ╣ von HEART. Solche Nummern sind meist daf├╝r ausgelegt, um ins Mainstream-Radio zu kommen.

Leather: Wenn ich mich noch recht entsinne, bat uns unsere damalige Plattenfirma ROADRUNNER darum. Wir dachten niemals ├╝ber etwas anderes nach, als dar├╝ber jene Musik zu machen, die wir liebten.

Bei CHASTAIN gab es die eine oder andere ├änderung in der Rhythmusmannschaft: Von ┬╗Mystery Of Illusion┬ź ('85) zu ┬╗Ruler Of The Wasteland┬ź ('86) wurde der sp├Ątere CINDERELLA-Drummer Fred Coury gegen Ken Mary ausgetauscht. Von ┬╗The 7th Of Never┬ź ('87) zu ┬╗Voice Of The Cult┬ź ('88) kam f├╝r Mike Skimmerhorn, der mit David schon bei SPIKE und CJSS gespielt hatte, der sp├Ątere KING DIAMOND-Bassist David Harbour. Schlie├člich gab es von ┬╗Voice Of The Cult┬ź zu ┬╗For Those Who Dare┬ź ('90) einen weiteren Wechsel am Schlagzeug, denn Ken Mary verlie├č die Band, und John Luke Hebert, sp├Ąter ebenfalls bei KING DIAMOND, kam hinzu. Inwiefern hatte dies das Bandklima und die Musik beeinflu├čt?

Leather: Ich glaube kaum, da├č diese Ver├Ąnderungen entscheidenden Einflu├č hatten, denn es waren immer David und ich, die die grundlegende Arbeit gemacht haben. Kurz: Sofern die neuen Musiker talentiert genug waren, was stets der Fall gewesen war, dann war alles okay. Ich denke, da├č die Musik von CHASTAIN einfach sehr auf meiner Stimme und Davids Gitarrenspiel aufbaute, so da├č es egal war, wer als Rhythmusgruppe fungierte.

RUDE GIRL-Shot: Sandy Sledge, Leather Leone, Howie Klein [von CBS RECORDS], Lois LaRue, Eden Unger, Billie [kurzzeitige zweite Gitarristin]

Wie gerade erw├Ąhnt spielten einige bekannte Musiker bei CHASTAIN, aber einer von ihnen sticht doch noch hervor: Ken Mary. Er war damals einer der gefragtesten Drummer der ganzen Szene, der irgendwann komischerweise komplett verschwunden ist. Wie konntet Ihr ihn bei CHASTAIN halten, und wie war es, mit ihm zu spielen?

Leather: Letztendlich war Ken nur ein bezahlter Musiker, den wir angeheuert hatten. Er machte seinen Job und stand uns immer zur Verf├╝gung, wenn wir ihn brauchten.

Was ist im R├╝ckblick Dein Lieblingssong und Dein Lieblingsalbum von CHASTAIN?

Leather: Die Frage nach meinem Lieblingssong ist echt schwer, und ich kann sie nicht beantworten, aber mein Lieblingsalbum ist ┬╗Ruler Of The Wasteland┬ź.

Noch ein letzter R├╝ckblick: Was denkst Du ├╝ber Davids CHASTAIN-Version mit Kate French, die momentan inaktiv zu sein scheint, w├Ąhrend Kate immer noch bei VAINGLORY singt? Hast Du ├╝berhaupt noch Kontakt zu David?

Leather: Ich bin regelm├Ą├čig mit ihm seit der Geburt des SLEDGE LEATHER-Projekts in Kontakt. Es ist interessant, Erfahrungen auszutauschen. Ich habe es weit gebracht...

W├Ąhrend Deiner Zeit bei CHASTAIN hast Du zwei Songs f├╝r Deine alte RUDE GIRL-Bandkollegin Sandy Sledge und ihre neue Band MALIBU BARBI aufgenommen, aus der dann sp├Ąter die 2-Song-EP ┬╗Rude Girls┬ź werden sollte. Wie kam es dazu? Soweit ich es verstanden habe, warst Du nie ein festes Mitglied der Band, sondern nur eine Gastmusikerin. Wei├čt Du, wer auf den anderen beiden MALIBU BARBI-Aufnahmen gesungen hat, dem Demo von 1986 sowie der EP von 1992?

Leather: Ja, ich war in der Tat nur eine Gasts├Ąngerin bei MALIBU BARBI. Was die anderen S├Ąnger betrifft, habe ich leider keine Ahnung, aber da kann Sledge Dir bestimmt weiterhelfen.

Sledge: MALIBU BARBI waren damals was mit Sylvia Massy im Studio. Wir hatten die Songs aufgenommen und lie├čen m├Âgliche S├Ąnger direkt im Studio vorsingen. Leather kam damals gerade von einer CHASTAIN-Tour zur├╝ck und rief mich an, um Hallo zu sagen. Da kam mir die Idee, da├č es cool w├Ąre, wenn wir ausprobieren w├╝rden, wie sie zu unseren Songs klingt. Es klang - nat├╝rlich - unglaublich! Leather zog wieder mit CHASTAIN los, und ich fragte Lumbi, die ehemalige Gitarristin von RUDE GIRL, ob sie ins Studio kommen wolle. Sie sagte zu und spielte ein paar Leadgitarren ein. Jo Rebel, unsere Bassistin und Produzentin zusammen mit Sylvia, schn├╝rte das B├╝ndel zusammen und ver├Âffentlichte die EP. Jo entschied sich f├╝r den Titel ┬╗Rude Girls┬ź, weil sie wu├čte, da├č Leather, Lumbi und ich es ha├čten, wenn jemand ein "s" an "Rude Girl" anh├Ąngte. RUDE GIRL war eine Idee, ein Konzept, eine Gang. Es war, als w├╝rde man ein "s" an METALLICA anh├Ąngen. Dann entwarf sie diese Spielzeug-Albumcover, bei dem ich in einem Flu├č aus Blut, der sich aus einem gebrochenen Herzen ergie├čt, treibe - l├Ącherlich! Aber die Musik war wirklich sehr amtlich. N├Ąher sind wir einer RUDE GIRL-Produktion nie gekommen - zumindest bislang. Diesbez├╝glich haben wir noch ein paar ├ťberraschungen im ├ärmel!

CHASTAIN-Bandphoto: Ken Mary, Leather Leone, David Chastain, Mike Skimmerhorn

Du redest hier sch├Ątzungsweise von der bekannten Produzentin Sylvia Massy, die beispielsweise mit TOOL zusammengearbeitet hat, oder? War sie eigentlich "nur" Eure Produzentin, oder war sie ein Mitglied von MALIBU BARBI?

Sledge: Exakt! Syl schuf diese Meisterwerke mit TOOL kurz nachdem wir beide nach Los Angeles gezogen waren. Unsere Freundschaft geht lange zur├╝ck: Syl, ich und Jo Rebel spielten vor MALIBU BARBI in einer Melodic Rock-Band namens FINE PRINT zusammen mit der mittlerweile verstorbenen Amy Atchison, die auch Tontechnikerin und Produzentin war. Amy und ich hatten am College gemeinsam bei RIFF RAFF gezockt, und anschlie├čend wurden Amy und Syl Partner f├╝r Produktionen. Syl ist eine tolle S├Ąngerin und auch eine gro├čartige Songschreiberin. Sie war kein Musiker von MALIBU BARBI, aber sie, Jo und ich haben vor und nach MALIBU BARBI gemeinsam Songs komponiert.

Um jetzt nochmal auf die beiden anderen MALIBU BARBI-Ver├Âffentlichungen zur├╝ckzukommen...

Sledge: Steve Gelardi von der Bay Area-Band RIGHTEOUS SIRE sang in der MALIBU BARBI-Liveband und auf dem Demo von 1986, auf dem sich ├╝brigens der Song ÔÇ║Rip It OutÔÇ╣ befand: F├╝r die MALIBU BARBI-EP haben wir den Song zu Ehren des verstorbenen Cliff Burton, der ein Freund von Jo Rebel gewesen war, zu ÔÇ║When The Lightning StrikesÔÇ╣ umgeschrieben. Wegen der '92er EP von MALIBU BARBI habe ich Jo gefragt: Sie sagt, da├č die S├Ąngerin Melanie Law hie├č. Aber es war eine v├Âllig andere Version von MALIBU BARBI, die mit Metal nichts zu tun hatte.

War der Name MALIBU BARBI eigentlich als sarkastischer Saitenhieb gegen die aufgedonnerten Musikerinnen bei Bands wie VIXEN gedacht? Ich k├Ânnte mir zumindest etwas ├Ąhnliches aus der Kombination dieser beiden Worte zusammenreimen: Malibu als Domizil der Strandsch├Ânheiten, und die Barbie-Puppe als die perfekte Plastiksch├Ânheitsk├Ânigin. Oder hatte der Name eine andere Bedeutung f├╝r Euch?

Sledge: Es ging nicht gegen VIXEN, sondern der Name beruhte auf Sarkasmus gegen den Hair Metal ganz allgemein - ganz gleich, ob er von M├Ąnnern oder Frauen gemacht wurde. Darauf hatte ich noch nie gestanden. Wie Leather schon gesagt hatte, standen RUDE GIRL f├╝r Leder und zerrissene T-Shirts, so da├č ich dies auch f├╝r mich bei MALIBU BARBI ├╝bernahm. Als ich herausgefunden hatte, wie die Musikindustrie l├Ąuft, machte ich sogar den Vorschlag, da├č wir die Band "Chicken Ranch", nach dem ber├╝hmten Bordell in Texas, nennen sollten, doch die anderen stimmten f├╝r MALIBU BARBI. Ich hatte nie beabsichtigt gehabt, da├č es wirklich mal der Name f├╝r die Band werden sollte, aber letzten Endes machten wir uns dann doch einen Spa├č daraus. Demzufolge ist Deine Vermutung bez├╝glich der Bedeutung des Bandnamens MALIBU BARBI v├Âllig korrekt. Es gab von MATTEL ├╝brigens wirklich eine "Malibu Barbie". Ich konnte damals nicht glauben, da├č sie eine Puppe mit eigenen Markennamen einf├╝hrten, nur weil sie sonnengebr├Ąunt war! Na ja, wir waren nicht braungebrannt. Sie fuhr eine pinkfarbene Corvette, wir fuhren Datsun 280Z-Schleudern. Wir waren Metal, sie war wohl, ├Ąh..., vermutlich ein Speedball-Junkie, der immer noch Discomusik h├Ârt. [lacht schallend]

MALIBU BARBI-Bandphoto

Leather, 1989 hast Du Dein Soloalbum ┬╗Shock Waves┬ź ver├Âffentlicht. Warum kam es dazu, denn Du warst eigentlich nie ein gro├čer Songschreiber, so da├č Du auf ┬╗Shock Waves┬ź auch nur etwa die H├Ąlfte der Texte geschrieben hast, w├Ąhrend die andere H├Ąlfte der Texte sowie die komplette Musik von anderen Musikern stammten. Zudem klang ┬╗Shock Waves┬ź nicht so deutlich anders als die CHASTAIN-Platten!

Leather: Es war einfach eine M├Âglichkeit, die sich auftat, so da├č ich sie genutzt habe. Zu dieser Zeit traf mein musikalischer Geschmack genau das, was wir auch mit CHASTAIN machten, so da├č meine Soloplatte auch in diese Richtung ging. Es war allerdings super, da├č ich das Sagen hatte und alles so arrangieren konnte, wie ich es mir vorstellte.

F├╝r einen der Songs von Deinem Soloalbum hat Pat O'Brien, der heutige CANNIBAL CORPSE-Gitarrist, die Musik beigesteuert. Wie konnte das funktionieren? War er damals noch nicht ganz so kannibalisch drauf?

Leather: Ja, das war vor seiner Zeit bei CANNIBAL CORPSE. Er kannte David Chastain, und hatte sogar eine Tour mit uns bestritten. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es die Tour zu ┬╗Ruler Of The Wasteland┬ź oder zu ┬╗The 7th Of Never┬ź war. Er geh├Ârte also gewisserma├čen ohnehin zur Familie.

Au├čerdem hat Mark Shelton von MANILLA ROAD den Titelsong zu ┬╗Shock Waves┬ź verfa├čt. Eine ebenfalls ungew├Âhnliche Kombination!

Leather: Auch hier lief es ├╝ber David, der Mark kannte. Daher legte Mark mir den Song vor. Glaub' mir, sein Original klang v├Âllig anders als das Resultat auf ┬╗Shock Waves┬ź.

Was war der Grund f├╝r das Ende Deiner Mitarbeit bei CHASTAIN, und warum bist Du dann einfach im wahrsten Sinne sang- und klanglos verschwunden?

Leather: Diese Frage wird oft gestellt, und es gibt viele verschiedene Antworten. Ein Mentor sagte mir mal, da├č ich finden w├╝rde, wonach ich suche, w├Ąhrend ich aufwachse. Daher ging ich weg, ohne da├č mir bewu├čt wurde, wieviel Zeit verging. Aber ich fand ein neues Gesp├╝r f├╝r Inspiration. Deswegen gibt es nun SLEDGE LEATHER!

Und was hast Du in den letzten..., ├Ąhm..., 20 Jahren so getrieben? Hast Du es mit Al Bundy gehalten und bist "married with children"?

Leather: Oh, ich habe verdammt viele Dinge gemacht. Aber Hochzeit? Kinder? Nein!

Warum hast Du Dich nach einer derart langen Zeit entschlossen, wieder Musik zu machen? Du hattest seinerzeit erw├Ąhnt, da├č es mit dem Tod von Ronnie James Dio zusammenhing.

Leather: Ja, Ronnies Tod war der ausschlaggebende Moment, denn ich f├╝hlte eine einzigartige Verbindung zu ihm. Ich liebe und vermisse Ronnie wie es jedermann auf der Welt tut.

MALIBU BARBI-Singleshot: Sandy Sledge

War es schwierig, wieder in Gang zu kommen? Hattest Du Probleme, die CHASTAIN-Songs zu singen, denn Deine Parts d├╝rften die Stimmb├Ąnder von Normalsterblichen vor nahezu un├╝berwindliche Probleme stellen.

Leather: Sledge und ich haben uns gemeinsam mit kleinen Schritten vorw├Ąrtsbewegt. Ich habe zugleich anfangen, wieder zu trainieren - sowohl k├Ârperlich als auch gesangstechnisch. Ich bin in dieser Hinsicht gesegnet. Man spricht da vom "Muskulaturged├Ąchtnis". Einmal eine Metals├Ąngerin, immer eine Metals├Ąngerin.

Sandy scheint dagegen in musikalischer Hinsicht immer aktiv geblieben zu sein. Was waren Deine wichtigsten Stationen neben MALIBU BARBI und WARBRIDE?

Sledge: Zu erlernen, wie man einen MICROSOFT-PC immer und immer wieder repariert. [lacht] Ich habe einfach jene Kenntnisse eingesetzt, die ich damals an der Musikhochschule gelernt habe, indem ich als Sessionmusiker gearbeitet oder Musikproduktionen f├╝r meine Radiowerbefirma FUNNY FARM RADIO gemacht habe. Ich habe in einigen Musicals mitgewirkt und zudem mit dem Singer/Songwriter Gary Hempsey St├╝cke f├╝r unsere Band NEIGHBORHOOD WATCH geschrieben und aufgenommen. Ich habe meine eigene, Piano-orientierte und psychedelisch angehauchte Musik kreiert oder das Libretto sowie die Musik f├╝r mein Rockmusical "Silhouettes" entwickelt, bei dem ich dann auch Regie gef├╝hrt habe. Au├čerdem habe ich mit Jo Rebel und Sylvia Massy Popsongs komponiert und aufgenommen. Schlie├člich und endlich habe ich mich darum gek├╝mmert, meine Werbeagentur und Internetrundfunkfirma aufzubauen.

Kannst Du uns etwas mehr ├╝ber die Geschichte von WARBRIDE erz├Ąhlen? Soweit ich es verstanden habe, wurde die Band 1987 von Dir und Lori gegr├╝ndet, was in etwa die gleiche Zeit ist, zu der die MALIBU BARBI-EP erschien. Hattest Du damals MALIBU BARBI verlassen?

Sledge: Ich zog 1987 nach Los Angeles, um an einer Musikhochschule zu studieren. W├Ąhrend dieses Jahres an der Schule bin ich oft nach San Francisco zur├╝ckgefahren. Das war die Zeit, als die Produktion der MALIBU BARBI-EP lief, aber wir traten nicht mehr live auf. Als ich 1988 meinen Abschlu├č machte, hatten sich MALIBU BARBI bereits in eine unmetallische Version gewandelt. Zu diesem Zeitpunkt bekam ich ein Tape von Lori, und ich h├Ârte, wie wahnsinnig gro├čartig sie spielte. Daher entschlo├č ich mich, mit ihr zusammen etwas in Los Angeles aufzuziehen, anstatt nach San Francisco zur├╝ckzugehen. Sie hatte ihre Band schon fast komplett, denn da waren schon Keyboarderin Velia, Bassistin Jana und S├Ąngerin Nancy. Es gab gen├╝gend Gr├╝nde, die f├╝r Los Angeles sprachen, denn Leather war kein Mitglied von MALIBU BARBI, Sylvia war damals schon nach Los Angeles gezogen, und Debbie Wolf war verschwunden. Zudem war die Metalszene in San Francisco in einem j├Ąmmerlichen Zustand.

WARBRIDE-Bandphoto: Nancy Huff, Jana James, Velia Garay, Sandy Sledge, Lori Linstruth

In den Neunzigern gab es dann eine Version von WARBRIDE, in der Suzanne Hearts, deren richtiger Name Morovic lautete und die die ehemalige S├Ąngerin der supercoolen New Yorker Band DEATHSLAYER war, und Samantha Taylor, die sp├Ąter zu PHANTOM BLUE ging, mitmischten. Damals warst Du aber nicht an Bord, oder? Warum bist Du sp├Ąter dennoch zu WARBRIDE zur├╝ckgekehrt, und warum gibt es von der Band nicht mehr Aufnahmen als diese drei Demos?

Sledge: Richtig, als Suzanne und Samantha bei WARBRIDE spielten, war ich nicht mit von der Partie gewesen. Ich liebte WARBRIDE, und wir spielten vor ausverkauften H├Ąusern, aber es blieb nie Kohle h├Ąngen. Au├čerdem erhielten wir keinen Plattenvertrag oder sonstige Unterst├╝tzung. Im Zuge meiner Bem├╝hungen, die Band irgendwo unterzubringen, versuchte ich, Lori dazu zu bewegen, da├č wir auf eine Besetzung mit Jo Rebel am Ba├č und Leather als S├Ąngerin umsteigen sollten - selbst wenn es nur f├╝r Studioaufnahmen gewesen w├Ąre, da Leather immer noch mit CHASTAIN eingespannt war. Doch Lori wollte das nicht, so da├č ich irgendwann meine Zielstrebigkeit einb├╝├čte und wir uns trennten. Einige Monate sp├Ąter rief sie mich an und bat mich, das zweite Demo der Band einzuspielen, und ich freute mich, das tun zu k├Ânnen. Aber es stellte sich schnell heraus, da├č sich nichts ge├Ąndert hatte, denn es war die gleiche Band und das bedeutete, da├č es auch keinen Deal gab. Lori ist eine absolute Perfektionistin, und das bedeutete zu dieser Zeit, da├č eine richtige Ver├Âffentlichung nur mit dem Geld eines Majorlabels m├Âglich gewesen w├Ąre. Es ist wirklich eine Schande, da├č WARBRIDE das nicht geschafft haben.

Apropos: Wie war es sp├Ąter eigentlich m├Âglich, WARBRIDE am Leben zu erhalten, nachdem Lori nach Euopa umgezogen war?

Sledge: Einfach Antwort: Internet! Aber ehrlich gesagt hat es doch nicht wirklich funktioniert. Als mein Vater starb habe ich mir von dem Geld, das er mir hinterlie├č, ein High-End-Schlagzeug von ROLAND gekauft. Wir dachten, es w├╝rde funktionieren, da├č ich meine Drumparts auf die Spuren drauflegen w├╝rde, die Lori mir schickt. Doch es sollte nicht so klappen, wie wir es uns vorgestellt hatten, und es kamen weitere Probleme hinzu, so da├č Lori irgendwann an dem Punkt war, da├č sie nicht weitermachen wollte. Ich vermute mal, da├č sie einfach eine Pause braucht. Sie ist eine gro├čartige Gitarristin und Songschreiberin, und ich liebe es, mit ihr Musik zu machen. Sie war auch die erste, die ich angerufen hatte, als wir SLEDGE LEATHER ins Leben riefen.

Bl├Âde Zwischenfrage: Wie hei├čt Euer Projekt denn nun eigentlich wirklich? Auf Facebook steht "THE SLEDGE\LEATHER PROJECT", in Eurem elektronischen Pressekit steht "SLEDGE LEATHER", aber man kann genauso die Varianten "SLEDGE|LEATHER", "SLEDGELEATHER" oder "SLEDGE/LEATHER PROJECT" ersp├Ąhen. Das ist etwas verwirrend...

Sledge: SLEDGE LEATHER ist der offizielle Name. Die anderen Namen r├╝hren von der Abk├╝rzung "SLP" her, denn Leather f├Ąhrt einen Camaro. Sie hat zwar keinen, der von der ber├╝hmten SLP-Tuningschmiede aufgemotzt wurde, aber wir dachten, das sei eine coole Querverbindung, so da├č wir es quasi als Spitznamen f├╝r die Band genommen haben.

Was ist eigentlich mit der ersten Inkarnation der Band passiert, von der Ihr im Fr├╝hjahr 2011 ein Bild ver├Âffentlicht hattet? Wer waren die anderen beiden Musiker, und warum sind sie nicht mehr dabei?

Sledge: Es waren Betze Stephens und Brat Bagh, von denen wir dachten, da├č sie in die Band geh├Âren. Sie spielten mit uns beim "Keep It True", aber wir beschlossen dann, da├č diese Besetzung niemand von uns gl├╝cklich macht. Betze ist eine gro├čartige Bassistin, aber sie mu├čte aus der Stadt wegziehen.

SLEDGE LEATHER-Bandphoto: Scott Warren, Sandy Sledge, Rick Lambert [Livemusiker], Leather Leone, Matthew Weisheit, Christopher Davidsson [Livemusiker]

Ihr habt mittlerweile einen neuen Gitarristen namens Matthias "Matthew" Weisheit, der aus Deutschland stammt. Wie kam es dazu?

Leather: Wir hielten ├╝ber eine Musikhochschule eine internationale Audition ab. Matthias hat am besten abgeschnitten und den Job gekriegt.

Wie wirkt es sich auf die Bandarbeit aus, einen Gitarristen zu haben, der von der anderen Seite des Erdballs stammt?

Sledge: Er wohnt jetzt auf der anderen Seite des Hausflurs in meinem Haus. Metal! [lacht]

Matthias, kannst Du uns etwas ├╝ber Deine ehemaligen Bands erz├Ąhlen, die Du in Deinem Lebenslauf erw├Ąhnst: OSIRIS, die sich dann in MANDRAKE umbenannten, sowie HATRED.

Matthias: Die Band OSIRIS beziehungsweise MANDRAKE, die ich meine, war ein Projekt ebenfalls mit einer Metals├Ąngerin, das in Kassel beheimatet war, und in Nachbarschaft von Bands wie TOXIN, VOLLRAUSCH und REAPER existierte. Zuf├Ąlligerweise war die Musik stilistisch ├Ąhnlich wie jene von SLEDGE LEATHER: ziemlich straighter Heavy Metal mit ├Ąhnlich klassischen Einfl├╝ssen. Wobei SLEDGE LEATHER eine gr├Â├čere Bandbreite aufweist, mit Hard Rock- und Thrash-Einfl├╝ssen, Pianoballaden und epischen Hymnen - wie bald zu h├Âren sein wird.
HATRED wurden im hessischen Winterscheid bei Schwalmstadt ins Leben gerufen mit dem gro├čartigen und unvergessenen Andreas "Henner" Allend├Ârfer, der bei diesem Projekt das Schlagzeug bediente. Er gr├╝ndete sp├Ąter mit Axel Fischer, dem damaligen Gitarristen und Songwriter von SQUEALER, das Label AFM RECORDS. Andreas war sp├Ąter haupts├Ąchlich S├Ąnger von SQUEALER, war dann aber auch bei BORN WILD, bei denen ich ebenfalls Gitarre spielte. Bei HATRED war sp├Ąter auch Tobias Exxel von EDGUY mit von der Partie. Genauer gesagt ersetzte er mich an der Gitarre, als ich nach Los Angeles ging, um an der G.I.T.-Abteilung der Musikhochschule "Musicians Institute" in Hollywood zu studieren. HATRED war eine straighte Thrash-Band, mit der wir viel Spa├č hatten, viel Apfelwein-Cola getrunken hatten und ├╝ber die es viele Geschichten zu erz├Ąhlen gibt; so nahm Andy mal eigenh├Ąndig den Gipsverband von seinem gebrochenen Bein ab, damit wir einen Gig nicht absagen mu├čten. Ver├Âffentlicht wurden seinerzeit zwei meiner Songs, ÔÇ║Torment Of HellÔÇ╣ und ÔÇ║ShadowsÔÇ╣, auf dem legend├Ąren ┬╗Oma im Koma┬ź-Sampler von ZUN RECORDS.

Du erw├Ąhnst im Zusammenhang mit OSIRIS beziehungsweise MANDRAKE auch Bands wie TOXIN, VOLLRAUSCH und REAPER. Hei├čt das, da├č Musiker dieser Band auch bei OSIRIS/MANDRAKE mitmachten?

Matthias: Nein, zu meiner Zeit nicht. Wir probten im gleichen "Bunker" in Kassel und tauschten Verst├Ąrker und ├Ąhnliches untereinander. Die Szene damals war recht eng beieinander, und die Entfernung zwischen Kassel und Schwalmstadt ist bekanntlich nicht sehr gro├č. Somit trommelte Mike Kramer (Drummer von TOXIN und auch VOLLRAUSCH) zeitweise bei SQUEALER, und VOLLRAUSCH selbst waren seinerzeit bei AFM RECORDS unter Vertrag.

Wann existierten diese Bands etwa, oder wann wurden sie gegr├╝ndet?

Matthias: Beide Bands existierten ab Ende der Achtziger und ich war bis 1993 an Bord, als ich in die USA ging. OSIRIS/MANDRAKE l├Âste sich meines Wissens sp├Ąter, etwa Mitte der Neunziger, auf, was auch auf HATRED zutrifft, die noch weitere lobenswerte Konzerte spielten und auch sehr gute Kritiken erlangten. Andy spielte mit dem Gedanken, HATRED bei AFM unter Vertrag zu nehmen, da die Band und die schn├Ârkellose Musik viel positives Feedback bekam.

Was gibt es sonst noch ├╝ber Deinen musikalischen Werdegang zu sagen?

Matthias: Zu erw├Ąhnen w├Ąre noch meine Mitarbeit als Gitarrist, Bassist und Songwriter bei dem Projekt SYRIA, das irgendwo zwischen Wave, Gothic Metal, Electro und Psychedelic einzuordnen war. Wir hatten zwei CD-Ver├Âffentlichungen ┬╗A Gift From Culture┬ź und die ┬╗Voodoo Highway┬ź-EP, die beide 1996 erscheinen, und spielten eine Tour Mitte der 90er Jahre. Weiteres Songmaterial von mir, welches sich stilistisch im Industrial Metal-Bereich bewegt, wurde sp├Ąter auf der 4-CD-Box-Compilation ┬╗Not A Nice Party. A Collection┬ź von 2008 ver├Âffentlicht, inklusive der Neukomposition ÔÇ║A. Lincoln. SimulacrumÔÇ╣, weiterhin auf ┬╗Yesterday With Logical Visitors. Best Of 1993-2000┬ź, die 2009 erschien, sowie auf dem Re-Release als Doppel-CD von ┬╗A Gift From Culture. Expanded & Re-Mastered┬ź von 2010.
Ansonsten hatte ich in Deutschland ein weiteres eigenes Projekt namens GASOLINE, mit dem ich Hard-Country-Rock machte.

Danke f├╝r die Auskunft, Matthias. Zur├╝ck zu Euch, M├Ądels! Habt Ihr eigentlich schon einen neuen Bassisten gefunden?

Leather: Ja, sogar mehrere, aber einer hat uns am meisten inspiriert, und wenn Ihr herausfinden werdet, um wen es sich handelt, dann werdet Ihr begeistert sein!

Leather Leone & Ronnie James Dio 1990

Ach, komm' schon! La├č' uns nicht so zappeln!

Leather: Okay, die gro├čartige Neuigkeit lautet also, da├č der gro├čartige Jimmy Bain, der ehemals Mitglied bei DIO oder RAINBOW war, den Ba├č auf unserer neuen CD ┬╗Imagine Me Alive┬ź einspielen wird. Wir planen, da├č er auch bei Livekonzerten sowie unseren zuk├╝nftigen Platten an Bord sein wird. Das war einer meiner Tr├Ąume seit langer, langer Zeit, und ich danke dem Geist und der Magie von Dio, da├č er uns zusammengebracht hat! Ich habe Jimmy immer und immer wieder zuf├Ąllig an den verschiedensten Orten getroffen, nachdem Ronnie gestorben war. Irgendwann habe ich mir dann ein Herz genommen und ihn gefragt, ob er nicht auf unserer CD spielen m├Âchte. Unser Keyboarder Scott Warren, der ebenfalls bei DIO oder auch HEAVEN & HELL gespielt hat, kam auf die gleiche zuf├Ąllige Art zu uns. Das liegt alles nur an Dios magischer Kraft, und wir sind wahrlich ├╝berdankbar, sie in der Band zu haben. Es ist eine Gnade, die uns widerf├Ąhrt!

Leather, Du hast erw├Ąhnt, da├č Eure ersten Aufnahmen demn├Ąchst abgeschlossen sind. Was k├Ânnen wir in stilistischer Hinsicht erwarten?

Leather: Angesichts der unz├Ąhligen Stilbeschreibungen und Schubladen, die es heute gibt, ist es schwer zu sagen, was f├╝r uns passen w├╝rde. Ihr werdet all die Elemente finden, die wir lieben - neue und alte. Es ist Metal!

Wie sehen Eure Pl├Ąne und Ziele f├╝r das Projekt aus?

Sledge: Welt, wir kommen! Wir wollen touren, touren, touren! Wir haben die n├Ąchsten beiden Alben schon komplett durchgeplant, und das Drehbuch f├╝r RUDE GIRL liegt auch in der Schublade.

Habt Ihr eigentlich schon mal ├╝ber eine Setlist f├╝r Liveshows nachgedacht? Welche CHASTAIN-Songs werdet Ihr spielen?

Sledge: Wir planen momentan auf eine 50-min├╝tige Show hin, die haupts├Ąchlich die MALIBU BARBI- und CHASTAIN-Songs enth├Ąlt, die wir auch beim "Keep It True" gespielt hatten, unter denen sich ÔÇ║Ruler Of The WastelandÔÇ╣, ÔÇ║For Those Who DareÔÇ╣, ÔÇ║Angel Of MercyÔÇ╣, ÔÇ║Voice Of The CultÔÇ╣ oder ÔÇ║When The Lightning StrikesÔÇ╣ von MALIBU BARBI befanden. Hinzu kommt unsere neue EP, die ein Konzeptwerk ist, so da├č wir sie am St├╝ck spielen werden. Wir haben einige ├ťberraschungen in Bezug auf Musiker auf der EP und bei der Liveshow in der Hinterhand. Ihr werdet sie bestimmt erkennen, und Ihr werdet nicht entt├Ąuscht sein. Wir haben viel zu lange warten m├╝ssen, und jetzt geht es endlich los!

Lassen wir uns also ├╝berraschen, wie die Voice Of The Cult mit ihrer neuen Combo klingen wird!

http://www.sledgeleather.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Jim Schumacher [offizielles RUDE GIRLS-Promophoto], Alex Solca [Leather + Ronnie James Dio]

SLEDGE LEATHER im ├ťberblick:
SLEDGE LEATHER – ONLINE EMPIRE 52-Interview
unter dem ehemaligen Bandnamen THE SLEDGE\LEATHER PROJECT:
THE SLEDGE\LEATHER PROJECT – News vom 01.01.2011
THE SLEDGE\LEATHER PROJECT – News vom 18.03.2011
andere Projekte des beteiligten Musikers Jimmy Bain:
DIO – Evil Or Divine - Live In New York City (Rundling)
DIO – ONLINE EMPIRE 16-"Living Underground"-Artikel
DIO – ONLINE EMPIRE 17-"Eye 2 I"-Artikel: ┬╗Evil Or Divine┬ź
DIO – News vom 05.05.2003
DIO – News vom 05.05.2003
DIO – News vom 19.03.2004
Playlist: DIO in der Kategorie "All-Time-Faves" auf Platz 1 von Walter Scheurer
Playlist: DIO-Liveshow Balingen, "Bang Your Head!!!"-Festival 27.06.2003 in "Jahrescharts 2003" auf Platz 5 von Stefan Glas
siehe auch: Musik von DIO im Film "Bad Teacher"
siehe auch: Musik von DIO im Film "Kings Of Rock - Tenacious D"
LAST IN LINE (US, CA) – Heavy Crown (Rundling)
LAST IN LINE (US, CA) – News vom 16.05.2012
Phil Lynott – The Phil Lynott Album (Re-Release)
RAINBOW – Live In Cologne 1976 (Rundling)
Playlist: RAINBOW in der Kategorie "All-Time-Faves" auf Platz 2 von Walter Scheurer
3 LEGGED DOGG – News vom 16.08.2006
Will Wallner & Vivien Vain – Rising (Rundling)
Will Wallner & Vivien Vain – News vom 03.12.2010
WILD HORSES (GB) – News vom 04.02.2009
WILD HORSES (GB) – News vom 04.02.2009
WILD HORSES (GB) – News vom 04.02.2009
WILD HORSES (GB) – News vom 04.02.2009
WILD HORSES (GB) – News vom 04.02.2009
WWIII – When God Turned Away (Rundling)
WWIII – News vom 11.10.2001
WWIII – News vom 28.07.2004
WWIII – News vom 06.02.2009
siehe auch: Jimmy Bain & Carlos Cavazo & Vinny Appice & Chas West gr├╝nden neue, noch unbenannte Band
siehe auch: Jimmy Bain verstirbt am 24. Januar 2016
siehe auch: WWIII-Poster als Requisite im Film "Liebling, wir haben jetzt ein Riesenbaby"
andere Projekte des beteiligten Musikers Christopher "Chris David" Davidsson:
AZORIA – News vom 22.01.2014
FUZZGOD – News vom 13.04.2013
JD MILLER – News vom 19.04.2016
REINXEED – News vom 09.10.2012
andere Projekte des beteiligten Musikers Leather Leone:
CHASTAIN – For Those Who Dare (Re-Release)
CHASTAIN – Mystery Of Illusion (Re-Release)
CHASTAIN – Ruler Of The Wasteland (Re-Release)
CHASTAIN – The 7th Of Never (Re-Release)
CHASTAIN – We Bleed Metal (Rundling)
CHASTAIN – We Bleed Metal 17 (Rundling)
CHASTAIN – ONLINE EMPIRE 66-Interview
CHASTAIN – News vom 15.07.2013
CHASTAIN – News vom 03.08.2015
Soundcheck: CHASTAIN-Album »For Those Who Dare« im "Soundcheck Metal Hammer 13-14/90" auf Platz 9
Leather – News vom 31.03.2016
MALIBU BARBI – News vom 02.09.2007
RUDE GIRL (US) – News vom 13.11.2009
THE V – Now Or Never (Rundling)
andere Projekte des beteiligten Musikers Sandy Sledge:
MALIBU BARBI – News vom 02.09.2007
RUDE GIRL (US) – News vom 13.11.2009
WARBRIDE – ONLINE EMPIRE 42-Special
WARBRIDE – News vom 12.01.2006
WEAPONSVAN – News vom 05.06.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers Scott Warren:
Willie Basse – News vom 30.05.2017
Willie Basse – News vom 10.06.2017
Willie Basse – News vom 10.06.2017
DIO – Angry Machines (Re-Release)
DIO – Angry Machines (Re-Release)
DIO – Angry Machines (Rundling)
DIO – Dio's Inferno - The Last In Live (Re-Release)
DIO – Dio's Inferno - The Last In Live (Re-Release)
DIO – Master Of The Moon (Rundling)
DIO – ONLINE EMPIRE 16-"Living Underground"-Artikel
DIO – ONLINE EMPIRE 20-"Living Underground"-Artikel
DIO – ONLINE EMPIRE 24-"Living Underground"-Artikel
DIO – ONLINE EMPIRE 24-"Living Underground"-Artikel
DIO – ONLINE EMPIRE 28-"Living Underground"-Artikel
DIO – News vom 05.05.2003
DIO – News vom 07.10.2003
DIO – News vom 19.03.2004
DIO – News vom 19.03.2004
DIO – News vom 23.04.2004
DIO – News vom 24.10.2005
DIO – News vom 28.03.2006
DIO – News vom 28.03.2006
DIO – News vom 06.04.2008
DIO – News vom 11.09.2009
DIO – News vom 11.09.2009
Playlist: DIO-Liveshow Balingen, "Bang Your Head!!!"-Festival 27.06.2003 in "Jahrescharts 2003" auf Platz 5 von Stefan Glas
siehe auch: DIO als Bestandteil der Storyline einer Episode der dritten Staffel der TV-Serie "South Park"
siehe auch: Urspr├╝nglich geplantes, dann jedoch nicht verwendetes Coverartwork von Paul Raymond Gregory f├╝r '96er DIO-Platte als Cover von ONLINE EMPIRE 44
DIO DISCIPLES – News vom 21.03.2011
DIO DISCIPLES – News vom 08.04.2011
DIO DISCIPLES – News vom 16.05.2011
DIO DISCIPLES – News vom 09.10.2012
DIO DISCIPLES – News vom 09.10.2012
HEAVEN & EARTH – News vom 03.07.2004
KEEL – Back In Action (Rundling)
Joshua Perahia – News vom 22.05.2011
andere Projekte des beteiligten Musikers Matthias "Matthew" Weisheit:
SYRIA – Y-FILES ┬╗UE┬ź-Special
┬ę 1989-2019 Underground Empire


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