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  UE-Home → History → Underground Empire 6 → Interview-Übersicht → FALSE WITNESS-Interview last update: 29.11.2021, 20:53:00  

”UNDERGROUND EMPIRE 6”-Datasheet

Contents:  FALSE WITNESS-Interview

Date:  17.03.1992 (created), 23.06.2011 (revisited), 07.09.2021 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 6

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Es liegen etliche Stories und Reviews schon seit Jahren unveröffentlicht auf Halde, weil eigentlich der damalige Autor noch ein "Extra-Info" hätte verfassen sollen. Doch diese Idee soll nun in die Tonne gekloppt werden, weil auf diese Weise diese alten Artikel vielleicht nie online gehen. Daher wird meine Wenigkeit - sofern möglich - ein "Ersatz-'Extra-Info'"verfassen. Sollte der damalige Autor doch noch Lust verspüren, etwas zu diesem Kasten beizusteuern, so werde ich das dann eben hinzufügen.

 


Layouten bedeutet oft auch, sich zu helfen wissen: Von FALSE WITNESS gab es nur Singleshots der einzelnen Musiker. Diese hatten jedoch ein Format, das man nicht auf Spaltenbreite ziehen konnte, wenn die Story - wie geplant - auf eine Seite passen sollte. Stattdessen Plaziert ich daneben einfach einen Kasten, in dem der Name des jeweiligen Musiker vertikal angefügt war. Wer gerne das Original sehen möchte, was wir hier natürlich nicht nachempfinden konnten, kann die Restexemplare der Ausgabe bei uns bestellen.

Supervisor:  i.V. Stefan Glas

 
 

FALSE WITNESS-Logo

Kanada hat schon einige geniale Bands hervorgebracht. Als Beispiele seien hier nur die Raumfahrer von SACRED BLADE und DEAF DEALER angeführt. Die einen werkeln seit Lichtjahren an einer Nachfolgescheibe ihres Kultdebuts, die anderen haben sich leider aufgelöst. Damit Ähnliches nicht auch den vier sympathischen Typen von FALSE WITNESS widerfährt, will ich Euch ein wenig Appetit auf diese Band machen, die bereits in Andy Siry einen kompetenten Vertriebspartner für Deutschland gefunden haben. Musikalisch füllen sie meines Erachtens genau die Lücke, die HELSTAR hinterlassen haben. Michael Rieger, Sänger der Truppe aus dem Land der Holzfäller, entpuppte sich als äußerst kooperativer Gesprächspartner.

FALSE WITNESS-Singleshot: Michael Rieger

Viele Bands krebsen schon Ewigkeiten im Untergrund herum bevor sie ihr erstes Demo aufnehmen. FALSE WITNESS kamen quasi aus dem Nichts. Dafür überzeugt man allerdings schon durch eine herausragende Aufmachung des Demos und kann mit Jody Weil auch eine erfahrene Managerin aufweisen.

Also, aus dem Nichts sind wir eigentlich nicht gekommen. Immerhin haben wir bereits Ende 1990 ein Demo veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt existierte die Band aber gerade erst ein halbes Jahr. Um auf die Finanzierung zu kommen: Wir haben eine große Unterstützung durch unsere Freunde. Wir alle glauben an den Erfolg der Band, und den erreicht man halt nur durch hartes Arbeiten. Wir investieren alles in FALSE WITNESS. Jody trafen wir eher zufällig im Studio. Da ich von ihrer großartigen Arbeit zusammen mit ANNIHILATOR wußte, fragte ich sie, ob sie uns nicht auch etwas helfen könnte. Da sie wirklich ziemlich begeistert von unserem Material war, sagte sie uns zu.

Nachdem wir nun die Hintergründe abgeklärt haben, können wir ja zum eigentlichen Grund unseres Talks kommen: der Musik! Vor allem Michaels Stimme hat es mir angetan. Daher wollte ich zuerst wissen, ob er irgendeine Gesangsausbildung genossen hat.

Nur ein wenig. Einige Techniken habe ich mir auch nur angelesen und selbst beigebracht. Einiges habe ich mir auch bei anderen Sängern abgehört. Vor allem John Arch ist ein großer Einfluß für mich. Als ich ihn das erste Mal hörte, wußte ich, daß ich das auch machen will! Er ist der Beste (Wie wahr - Red.)! Ich hatte auch eine ganze Weile recht regen Kontakt mit ihm. Er war es auch, der mir riet, nicht aufzugeben, wenn es nicht sofort klappt. Ich war nämlich schon dabei, mir einen richtigen Job zu suchen, weil es mit FALSE WITNESS nicht vorwärtsging und ich auch mit meiner Stimme überhaupt nicht zufrieden war. Zum Glück habe ich weitergemacht.

Hast Du jemals daran gedacht, bei FATES WARNING einzusteigen?

Nicht wirklich! Aber, um ehrlich zu sein, habe ich Ihnen damals schon ein Tape von mir geschickt. Ich war allerdings auch viel zu jung und untalentiert, um Johns Platz einzunehmen. Es ist übrigens wirklich toll, daß Ray so gut zu FATES WARNING paßt!

FALSE WITNESS-Singleshot: George Mahee

Kommen wir aber zurück zu FALSE WITNESS. Auffällig sind die häufig eingesetzten Chorpassagen und Backing Vocals, die Euch eine gewisse Eingängigkeit geben. Würdest Du sie als typische Stilmittel Eurer Musik bezeichnen?

Ja, auf jeden Fall. Die Chöre sind uns schon sehr wichtig. Da jeder von uns ganz gut singen kann, ist das auch kein Problem für uns. Es würde uns auch sonst zu monoton werden, ewig lange Instrumentalparts zu wiederholen. Außerdem stellen sie für mich als Sänger eine echte Herausforderung dar. Sicherlich machen sie es dem Hörer leichter, den Songs zu folgen. Ich denke aber, sie helfen uns, origineller zu sein als Bands, bei denen Du nur immer eine Stimme hörst.

Wie seid Ihr denn zu dem Kinderchor in ›Laughing To The Skies‹ gekommen?

Das war ganz witzig. Als wir im Studio waren, kam uns plötzlich die Idee, dem Song durch einen Kinderchor etwas Würze zu verleihen. Vor allem, weil der Song ja von Kindern handelt. Also sind wir in unsere alte Schule gefahren, haben dort ein paar Mikros aufgehängt und aufgenommen. Wenn man ganz genau hinhört, kann man sogar mitbekommen, wie einer seinen Nachbarn mit "Arschloch" beschimpft.

Ich hatte gedacht, das Stück handelt von der Suche nach der Macht der Bösen?

Die Story basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich vor einiger Zeit in einem Nachbardorf namens Chilliwack ereignete. Es geht um ein Adoptivkind, das seine Pflegeeltern brutal ermordet.

Deine Texte sind sehr abwechlungsreich und lassen dem Leser viel Freiraum für eigene Interpretationen. Du benutzt häufig Metaphern wie in ›Dreams Of Brutality‹ um Deine Gefühle auszudrücken. Dann verwendest Du plötzlich ein deutsches Wort wie "Schandmauer". Könntest Du bitte versuchen, Deine Texte ein wenig zu erklären?

In ›Confessions‹ habe ich versucht, die Gedanken von Ted Bungy, einem zum Tode Verurteilten, kurz vor seiner Hinrichtung zu verarbeiten. ›Dreams Of Brutality‹ ist nur ein Ausdruck, der die Lust des Killers zu töten beschreiben soll. ›Crestfallen King‹ dreht sich um den Film "Sid & Nancy", der den Lebenslauf von Sid Vicious darstellt. ›Wall Of Shame‹ behandelt das Thema der Berliner Mauer, daher auch der deutsche Ausdruck. Ich hoffe, ich bin damit niemandem zu nahegetreten. Obwohl diese Mauer nicht mehr existiert, gibt es leider immer noch zu vieles, was ich als "Wall Of Shame" bezeichnen könnte. Das muß nicht eine konkrete Mauer oder Grenze sein. Guck Dich doch um, überall gibt es Mißstände.

FALSE WITNESS-Singleshot: Peter Jartved

Das klingt ja ganz schön depressiv. Blickt man nun noch auf den Bandnamen und das Artwork des Demos, so kommt mir der Gedanke, daß Ihr vier eine depressive Band seid.

Maybe. Eigentlich bin ich aber meist guter Laune, wenn ich texte. Da die Jungs ihre Musik aber so ernst wie möglich nehmen, versuche ich natürlich entsprechend ernste Themen für meine Texte zu finden. FALSE WITNESS ist eigentlich nur ein anderes Wort für "liar". Ich bin über den Bibelspruch "to bear false witness" darauf gestoßen. Das Artwork paßt recht gut dazu, obwohl es unter starkem Zeitdruck entstand. Wir sagten dem Grafiker lediglich, er solle fürs Cover ein religiöses Thema verarbeiten. Trotzdem - wir mögen sein Design sehr.

Nun wollte ich natürlich wissen, wie es denn bei FALSE WITNESS in absehbarer Zukunft aussieht. Ich hatte gehört, daß RISING SUN Interesse an der Band bekundet hatten.

Ja, das ist richtig. Allerdings sind wir bisher nur auf dem »Weird Thoughts«-Sampler vertreten. Momentan arbeiten wir an der Pre-Production zu unserem Debutalbum. Natürlich erhoffen wir uns, einen guten Deal damit zu bekommen. Wenn es aber dieses Mal noch nicht klappen sollte, wird uns das auch nicht daran hindern, weiter Songs zu schreiben. Ich denke, daß wir das Album so oder so veröffentlichen werden, gleich ob mit oder ohne Deal! Mit wäre natürlich besser.

FALSE WITNESS-Singleshot: Gerry Bratt

Das ist Ihnen natürlich nur zu wünschen. Für alle FATES WARNING-Fans dürfte es außerdem von Interesse sein zu erfahren, daß John Arch, laut Michael, wieder probt. So kommen wir ja vielleicht doch noch einmal in den Genuß seines Soloprojektes. Zu FALSE WITNESS kann ich abschließend nur sagen, daß sich die Anschaffung des tollen Demos für 12,- DM bei:

wirklich lohnt. Testet das gutaufgemachte Teil einfach an!

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Holger Andrae

FALSE WITNESS im Überblick:
FALSE WITNESS – Demo '91 (Demo-Review von 1991)
FALSE WITNESS – Demo '91 (Demo-Review von 1991)
FALSE WITNESS – UNDERGROUND EMPIRE 6-Interview
FALSE WITNESS – METAL HAMMER 05/92-Special
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