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"Thrashfest" 2010
mit

KREATOR
EXODUS (US, CA)
DEATH ANGEL (US, CA)
SUICIDAL ANGELS

Wien, Arena

03.12.2010

Für mich steht außer Frage, daß dieses Jahr als eines ertragreichsten in Sachen Thrash Metal in die Annalen der Metal-Historie eingehen wird. Zwar scheint es generell so, als ob die 80er Jahre eine Art "Revival" erleben würden, doch speziell die "alte Garde" des Thrash konnte 2010 mit sensationellen neuen Alben überzeugen. Von daher ist es auch geradezu logisch, daß uns knapp vor Ende der Konzertsaison noch ein Mörder-Package offeriert wird, das unter Beweis stellen soll, wie angesagt derlei Klänge abermals sind.

SUICIDAL ANGELS-Liveshot

Zwar sind zum Beginn des Sets von SUICIDAL ANGELS, die als Vertreter der "Jugend" auserkoren sind, den Reigen zu eröffnen, erst relativ wenige Fans in der großen Halle der "Arena" anwesend, doch schon diese knappe Hundertschaft vor der Bühne empfängt die Griechen mit mehr als nur wohlwollendem Applaus. Da auch die SUICIDAL ANGELS erst vor wenigen Wochen mit ihrem neuen Album »Dead Again« an den Start gegangen sind, ist es geradezu logisch, daß die etwas mehr als 30 Minuten dafür genutzt werden, um dieses vorzustellen. Mit dem Albumopener ›Reborn In Violence‹ eröffnet das Quartett dann auch ihr Set und präsentiert sich in bester Spiellaune. Durch die Tatsache, daß diese Burschen nahezu das gesamte Jahr auf Tournee sind, ist das geradezu blinde Verständnis füreinander gut nachvollziehbar, wie man den Jungs mittlerweile auch eine gesunde Portion Selbstbewußtsein anmerken kann. Neben den ebenso brandaktuellen Tracks ›Bleeding Holcaust‹, dem Titeltrack ›Dead Again‹ und ›Violent Abuse‹ wird der im Laufe des Gigs stetig anwachsenden Meute vor der Bühne, die nicht nur "international", wie zahlreiche Gästen aus den Nachbarstaaten unter Beweis stellen, sondern auch altermäßig, sehr breitgefächert aufgestellt ist, gegen Ende hin auch noch Material vom letztjährigen Album »Sanctify The Darkness« dargeboten. Das SLAYER-Shirt von Frontmann Nick Melissourgos zeugt nicht nur von Geschmack, sondern sehr wohl auch von persönlicher Vorliebe für diese Heroen, denn mitunter lassen SUICIDAL ANGELS ihre Idole, die neben den erwähnten US-Göttern desweiteren auch SEPULTURA heißen, überdeutlich heraushören, doch die Mixtur der Griechen verfehlt ihre Wirkung zu keiner Zeit, und so startet die "Thrash-Jugend" schon beim Konzert-Opener die ersten "Mosh-Pits". Mit ›Beggar Of Scorn‹ bringt man ein klein wenig Abwechslung ins Geschehen, handelt es sich hierbei doch um ein tempomäßig eher dezenteres Stück, auch wenn es sich meiner Meinung nach um die bislang intensivste Live-Nummer dieser Truppe überhaupt handelt, da die Riffs mörderisch anschieben. Mit mehr als nur Höflichkeitsapplaus wird der Vierer, der sich wohl in Bälde weiter oben auf einschlägigen Festivals präsentieren dürfen wird, schließlich verabschiedet. Daumen hoch für diese überaus sympathischen und mächtig aufspielenden Jungs, die einmal mehr unter Beweis stellen, daß sie auf dem Durchmarsch sind!

DEATH ANGEL [US, CA]-Liveshot

Wie perfekt geplant diese Tournee ist, zeigt sich spätestens daran, daß die auf der Website angegebene Running Order an diesem Abend nahezu auf die Minute genau eingehalten wird und DEATH ANGEL, pünktlich wie die Maurer, um 19.50 die Bretter entern. Schon während des Intros zeigt sich einmal mehr, daß diese Jungs Hummeln im Allerwertesten haben, denn die seit einiger Zeit durch Ex-VICIOUS RUMORS-Drummer Will Carroll und Damien Sisson am Baß neu besetzte Truppe, versprüht einmal mehr Energie wie ein Atomkraftwerk. Angeführt von Frontwusel Mark Osegueda, der wie ein Derwisch über die Bretter fegt und seinem langjährigen Kumpanen Rob Cavestany, der zwar ebenso permanent in Bewegung ist, gegen Mark aber dennoch wie ein Ruhepol im Geschehen wirkt, läßt uns das Quintett feinsten Bay Area-Thrash Metal vernehmen. Begleitet von permanenten "DEATH ANGEL"-Sprechchören präsentiert das Quintett einen gelungenen Querschnitt seines Schaffens, bestehend aus den Debut-Klassikern ›Evil Priest‹ und ›Mistress Of Pain‹, ›Seemingly Endless Time‹ vom göttlichen »Act III«-Album, sowie ›Thrown To The Wolves‹ vom 2004er Comebackalbum »The Art Of Dying« und selbstverständlich mehrere Auszüge ihres brandaktuellen Hammers »Relentless Retribution« (besonders geil an diesem Abend: ›Truce‹ und ›Claws In So Deep‹). Die überaus gute Laune des Publikums fusioniert mit der sensationellen Leistung auf der Bühne zu einem Party-Konglomerat der Spitzenklasse, weshalb man im Endeffekt nur feststellen kann, daß 50 Minuten wohl nur ganz selten dermaßen intensiv erlebt werden können. Nach einem Auszug aus dem titelgebenden Instrumental des Debuts, das nahtlos in ›Thrown To The Wolves‹ übergeht, endet ein wahrer Triumphzug für die "Engel", die wir nur allzu gerne auf der für 2011 anstehenden Headliner-Tournee in Empfang nehmen werden!

EXODUS [US, CA]-Liveshot

Mit Bay Area-Thrash Metal geht es dann auch weiter, diesmal allerdings mit der Brechstange serviert. EXODUS haben zwar sehr wohl auch Melodien am Start, doch dominiert wird ihr Stil von den brachialen, mächtigen Riffs aus der Feder von Mastermind Gary Holt. Dieser scheint mit dem HEATHEN-Klampfer Lee Altus fast so etwas wie sein "Alter Ego" gefunden haben, denn das Duo offenbart einmal mehr, wie brutal harmonisches Gitarrenspiel klingen kann. Unterstützt von einem rasiermesserscharfen Sound kredenzt der Fünfer reichlich "aktuelles", also Material aus der Ära mit Rob Dukes, der nun schon seit fünf Jahren zum Line-up zählt, wie selbstverständlich auch reichlich Klassiker. Wer Tracks wie ›Bonded By Blood‹ oder ›Strike Of The Beast‹ im Angebot hat und auf dermaßen intensive Weise darzubieten imstande ist, hat zwar ohnehin schon gewonnen, doch als Höhepunkt des Gigs entpuppt sich der zusammen mit dem Publikum auf überaus imposante Weise intonierte ›Toxic Waltz‹. Wer sich bislang immerzu gefragt hat, weshalb man Wien seit Jahrhunderten als "Stadt des Walzers" bezeichnet, darf gerne bei Herrn Holt nachfragen, denn er hat die Lösung parat. Dabei herrscht dermaßen viel Bewegung in der "Arena", daß wohl der gesamte dritte Wiener Gemeindebezirk ein Erdbeben verspürt. Sensationell!
Zwar wirkt der gute Rob noch immer ein wenig überaggressiv (wie Aufforderungen für einen "Pit" mit den Worten "I want you to kill each other" zeigen), doch in Summe wirkt der Frontmann im Vergleich zu früher nun wesentlich gelassener und dadurch auch sympathischer. Auch auf politisch bedenkliche Ansagen verzichtet der Kerl heute und zeigt sich vielmehr dankbar über eine slowakische Fahne, die ihm als Gastgeschenk überreicht wird. Neben dem erwähnten "Walzer" ist es für mich heute der Mörder-Groover ›Blacklist‹ der die "Arena" in Schutt und Asche zu versetzen vermag. Hunderte hin- und herlaufende und -fliegende Leiber denken wohl ebenso wie ich, auch wenn mir (und mehreren Vertretern der "betagteren" Generation) dieses Gehampel eher auf den Zeiger geht. An der musikalischen Spitzenleistung von EXODUS ändert das aber natürlich nichts! All Hail to F***IN' (um es in Robs Worten zu sagen, der bei der Verwendung des "F-Wortes" seinem Namensgenossen von den "Maschinenköpfen" verdächtig nahekommt) EXODUS!

KREATOR-Liveshot

Auch wenn man bisher ausschließlich feinste Thrash-Kost erhalten hat, steht der Auftritt des Headliner erst bevor, und es ist unserer gemeinsamen "Lieblingsband aus Essen" (O-Ton Mille) vorbehalten, dieser Gastspielreise die Krone aufzusetzen. Gleich vorweg, meiner bescheidenen Meinung nach schaffen es die Herren im Endeffekt nicht, die Intensität der Bay Area-Legenden zuvor zu erreichen, auch wenn von einem "schwachen" Gig dennoch keine Rede sein kann. Das Quartett, das seinen 25. Geburtstag als Band feiert und auf diese Tour mitgekommen ist, um diesen gemeinsam mit den Fans gebührend zu zelebrieren, startet nach einem Country-Intro vor imposanter Hintergrunduntermalung auf einer Leinwand mit ›Violent Revolution‹ und schöpft zudem auch was das Licht betrifft, absolut aus den Vollen. An der musikalischen Umsetzung von Hits wie ›Phobia‹, ›Terrible Certainty‹ oder ›Enemy Of God‹ gibt es selbstredend nichts zu meckern, und auch was die Spielfreude und den Einsatz der Band betrifft, wissen KREATOR einmal mehr zu überzeugen. Mir persönlich mißfällt jedoch die mitunter fast schon zwanghaft wirkende Forderung von Mille nach "Moshpits". Offenbar handelt es sich dabei aber abermals eher um ein "Generationsproblem", denn die Jugend besorgt es sich ein ums andere Mal mächtig und hopst munter durch den Saal. Die musikalische Leistung soll das aber natürlich nicht schmälern, im Gegenteil, die Truppe wirkt perfekt aufeinander eingestellt und ständig in Bewegung. Mille "gastiert" desöfteren zum Singen am Mikro das neben dem Schlagzeug positioniert ist, um den Überblick zu behalten, wird dabei optisch von diversen, unterhaltsamen "Hintergründen" (unter anderem konnte ich einige Presseberichte und Titelseiten einschlägiger Gazetten erkennen) unterstützt und auch hinsichtlich der Songauswahl gibt es nicht viel zu bekritteln. Der eine oder andere Klassiker mag zwar für so manchen Besucher gefehlt haben, doch in Summe geht die Setlist, in der sich in späterer Folge noch Kamellen vom Schlage ›People Of The Lie‹ oder ›Coma Of Souls‹ finden, voll in Ordnung. Zur Zugabe wird dann einmal mehr die unverwüstliche, von Mille persönliche geschwenkte ›Flag Of Hate‹ gehißt, ehe KREATOR das Fest mit ›Tormentor‹ beenden und unter Beweis stellen , weshalb sie seit Jahren sie mit zu den absoluten wichtigsten Adressen in diesem Genre zählen, auch wenn meine "Tageswertung" eindeutig mit einem Doppelsieg für San Francisco endet.

Zum Abschluß sei nochmals die (zumindest an diesem Abend in Wien) perfekte Planung und Organisation erwähnt, die ihr übrigens zu einem wahren "Fest" für alle Thrash Metal-Freaks beiträgt.
Gratulation und Dank daher abschließend an die den Herrschaften von "Rock The Nation", die diese "Thrashfest"-Tournee auf die Beine gestellt haben. Eine Wiederholung im nächsten Jahr sehne ich jetzt schon mit Freude herbei!


Walter Scheurer

Photos: Axel Jusseit


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