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CIRCLE II CIRCLE
VICIOUS RUMORS
STEEL ENGRAVED
HIGH HEELER

Wien, Viper Room

19.10.2010

Exakte elf Monate sind seit dem letzten Wien-Auftritt der Bay Area-Legende VICIOUS RUMORS, der ebenso im "Viper Room" stattgefunden hatte, erst ins Land gezogen, und dennoch sollte es erneut zu einer "Premiere" kommen, gilt es doch einmal mehr, einen neuen Sänger zu bestaunen. Doch dazu später, zunächst einmal haben die einheimischen HIGH HEELER erneut die Chance, ihre Songs vor einer legendären Band zu präsentieren, wie schon im Frühjahr als sich HEATHEN die Ehre gegeben hatten. An diesem Schauspiel kann unsere vierköpfige VICIOUS RUMORS-Fanabteilung aus dem südlichen Niederösterreich heute allerdings nicht teilhaben, da sich die Anreise und vor allem die Parkplatzsuche als nicht unbedingt einfach entpuppen und wir daher mit einiger Verspätung im "Viper Room" eintreffen. Der Stimmung im Saal - genauer gesagt, die der zu jenem Zeitpunkt wohl in Summe nicht viel mehr als 20 Interessenten - wie auch den zufriedenen Gesichtern der Musiker im Anschluß an den Gig ist aber zumindest zu entnehmen, daß HIGH HEELER ihre Sache ganz gut gemacht haben.

STEEL ENGRAVED-Liveshot

Vor gerade einmal zehn Nasen vor der Bühne (und einigen Zusehern im "Hinterhalt") dürfen dann die Bayern STEEL ENGRAVED ihren melodischen Heavy Metal vortragen. Das Quintett präsentiert sich als überaus gut eingespielt und weiß die Chance, zwei überaus renommierte Bands auf mehreren Konzerten quer durch Mitteleuropa begleiten zu dürfen, durchaus zu nutzen. Ihr brandaktuelles Album »State Of Siege« steht dabei logischerweise im Vordergrund, und dieses wissen die ehemaligen STAINLESS STEEL auch ordentlich zu präsentieren. Stilistisch lassen sich bei STEEL ENGRAVED schlicht und ergreifend dem traditionellen Metal zuordnen, wobei man vorwiegend Anleihen bei verschiedenen Größen ihrer Heimat ausmachen kann. Von daher sei die Band hiermit allen jenen Zeitgenossen empfohlen, die zwar diesem Gig nicht beiwohnen konnten, aber dennoch mit Helden von ACCEPT (Riffs), über HELLOWEEN (Melodien, ansatzweise) und GRAVE DIGGER (Heftigkeit, aber auch die gesamte Ausführung - mit Ausnahme des Gesangs), bis hin zu weniger bekannten Namen wie WIZARD (Gesangsdarbietung) oder STORMWARRIOR etwas anfangen können. Kurzum: Eine solide Vorstellung der Bayern, die ihre Chance, mit VICIOUS RUMORS und CIRCLE II CIRCLE auf Tournee sein zu können, zu nutzen wissen.

VICIOUS RUMORS-Liveshot

Nach einer kurzen Umbaupause versammelt sich dann eine durchaus beachtliche Menge an Fans vor der Bühne, um sich vom - zunächst noch als "heimlich" gemunkelten - im Endeffekt aber einzig wahren Headliner des Abends in Ekstase versetzen zu lassen. Denn genau das schaffen VICIOUS RUMORS erneut. Wie schon eingangs erwähnt, hat Geoff Thorpe einmal mehr einen neuen Sänger im Line-up, und dieser beweist sich schon im Opener ›Worlds & Machines‹ als Glücksgriff. Brian Allen, so der Name des Kerls, erinnert von der Optik und Gestik her zwar eher an Tim "Ripper" Owens als an irgendeinen seiner Vorgänger, was nicht unbedingt jedermanns Sache ist, doch gesangstechnisch erweist sich Brian schon bei diesem Klassiker aus dem Jahre 1988 (zur Erinnerung: Die Nummer stammt von »Digital Dictator«, dem seinerzeitigen ersten gemeinsamen Album der Band mit dem leider verstorbenen Sangesgott Carl Albert) als Idealbesetzung. Vor allem die Höhenlagen scheinen die "Heimat" dieses Mannes zu sein, der sich zumindest im Underground mit seiner Stammformation LAST EMPIRE schon seit längerer Zeit einen guten Namen ersingen hat können und zudem eine Zeitlang bei den WILD DOGS, sowie der zuletzt aktiven Besetzung der US-Metal-Helden MALICE mit von der Partie gewesen ist. Die Setlist ist quasi als "Zeitreise" angelegt, und so entführt uns die Band, angeführt von Mastermind Geoff, der sich im Laufe des Konzertes mehrfach bei seinen langjährigen und treuen Fans für die tolle Stimmung im Saal bedankt, in ihre ruhmreiche Vergangenheit. An der wirklich guten Stimmung ist man jedoch selber "schuld", denn nicht nur der Umstand, daß VICIOUS RUMORS heute nahezu ausnahmslos Klassiker darbieten, läßt die Zuseher (zumeist "Zeitzeugen" jener Epoche) ordentlich in Wallung geraten. Aber auch die immense Spielfreude und tolle Form der aktuellen Formation (zu der neben Geoff und dem erwähnten "Neuling" Brian, selbstredend noch immer Geoffs Langzeitgefährte Larry Howe hinter dem Schlagzeug, sowie die ebenfalls schon seit geraumer Zeit erprobten Kiyoshi Morgan an der Gitarre und Stephen Goodwin am Baß zählen) tragen wesentlich dazu bei. Brian versteht es nicht nur, das Vermächtnis des unvergessenen Carl Albert heute ebenso gut zu verwalten, wie auch seine Mitstreiter, sondern zudem auch das Publikum durch das Set zu führen. Dabei mimt er immer wieder den Dirigenten und erhält demnach auch auf sämtliche Animationen die erwünschte Reaktion in Form von mitgegrölten Refrains und Textpassagen. Zugegeben, wirklich schwierig ist das Spielchen nicht, denn die gespielten Songs sind allesamt längst verinnerlicht und könnten wohl auch bei abrupten "Überprüfungen" während des Tiefschlafes abgerufen werden. Der Schwerpunkt der Setlist liegt beim selbstbetitelten dritten Album aus dem Jahr 1990, von dem man ganze sechs Nummern anzubieten hat. Dazu kredenzen die Amis überraschenderweise zwei Exponate des 1985er-Debuts »Soldiers Of The Night« (›Blistering Winds‹ und den fulminanten Titeltrack), sowie in ›Minute To Kill‹ und ›Digital Dictator‹ weitere unsterbliche Klassiker von eben jenem oben erwähnten All-Time-Klassiker. Auf die Veröffentlichungen nach 1990 dagegen wird nahezu vollständig verzichtet, lediglich der Titelsong des noch immer "aktuellen" Albums »Warball« wird präsentiert. Doch der Fünfer hat sogar noch eine Überraschung zu bieten und zwar einen brandneuen Track mit dem Titel ›Razor Back Blade‹. Dieser schlägt sich ganz gut inmitten der klassischen Nummern und wird zudem seiner "Funktion" als Appetizer auf das für kommenden März avisierte, nächste Werk zu dienen, mehr als nur gerecht. Die Scheibe kommt laut Geoff über SPV in die Läden (Jepp, der Deal ist mittlerweile in trockenen Tüchern! - Stefan Glas), und der erste vorgestellte Track (der wohl auch der Titelsong sein wird) daraus macht jetzt schon Lust auf mehr.
Die überaus positive Reaktion darauf ermutigt die Band offenbar zusätzlich, und in weiterer Folge zelebrieren die Amis zusammen mit dem Publikum ihre unsterblichen Power Metal-Großtaten regelrecht. Von der brillant aufgeigenden Truppe in merkliche Euphorie versetzt, entledigt sich ein nicht mehr ganz so junger Mann in der "Frontrow" seiner Krawatte, die in Folge den Hals von Brian ziert, der das Geschenk dankend anzunehmen weiß. Metal-Party pur also, und das trotz mehr als nur überschaubarer Kulisse. Doch die Band stört das keineswegs, sie gibt schlicht weg alles, und die Setlist tut ihr übriges. Diese wird zum "Finale Grande" gegenüber der "Papierform" sogar noch abgeändert, und so dürfen wir zunächst zusammen mit Brian die "Einheit der Kirche" skandieren (›World Church‹), um uns zum Abschluß mit ›Don't Wait For Me‹ endgültig in Glückseligkeit zu suhlen.
Darauf wollen wir aber doch lieber nicht zurückkommen, meine Herrschaften - im Gegenteil, wir warten nur zu gerne und zwar jetzt schon voll Vorfreude auf den kommenden März, um endlich wieder eine neues VICIOUS RUMORS-Album feiern zu können und erst recht darauf, daß die Band erneut wieder hierzulande auftaucht. Danke für diesen Gig! VICIOUS RUMORS waren, sind und bleiben eine der essentiellsten Power Metal-Bands auf diesem Planeten. Amen.

CIRCLE II CIRCLE-Liveshot

Zu einer wahren "Gott-Band" gehörte vor längerer Zeit auch Zachary Stevens, und es ist diesem Mann hoch anzurechnen, daß er sich keineswegs von den "Umständen", daß SAVATAGE nicht wieder gemeinsam agieren (dürfen...), davon abhalten läßt, das Vermächtnis jener Phase, in der er mit zu den Aushängeschildern der Band gezählt hat, am Leben zu halten versucht. Von daher ist es auch klar, daß sich einige langgediente SAVA-Jünger im Auditorium einfinden, um der von Zachary angeführten Band CIRCLE II CIRCLE die Ehre zu erweisen. Diese betritt, anders als noch beim letzten Gastspiel in Wien, als Quartett die Bretter und steigt mit dem Titelsong ihres aktuellen Albums »Consequence Of Power« souverän ins Geschehen ein. Allerdings wirkt die Formation ein klein wenig hüftsteif und schüchtern. Dieser Eindruck könnte jedoch auch daran liegen, daß man kurz zuvor noch eine Band erleben durfte, die man als "personifizierte Spielfreude" bezeichnen kann.
Als möglicher Hemmschuh darf auch nicht vergessen werden, daß der aktuelle Dreher der Burschen, der erst seit gut einem Monat zu haben ist, noch nicht wirklich bekannt zu sein scheint, weshalb auch das anschließende ›Symptoms Of Fate‹ nur verhalten in Empfang genommen wird. Spätestens zu diesem Zeitpunkt läßt sich anhand der Publikumsreaktionen feststellen, daß der Headliner hier und heute längst gespielt hat. So sehr sich Zak und seine Mitstreiter Andy Lee (Gitarre), Mitch Stewart (Baß) und Schlagzeug-Haudegen John Osborn (unter anderem DARKLIN REACH, DOCTOR BUTCHER - nein, ich werd' jetzt nicht weiter herumsudern, von wegen SAVATAGE...) auch bemühen, der Funken will einfach nicht auf das Publikum überspringen. Warum? Schwer zu beantworten, als weitere mögliche Ursache muß man auf jeden Fall erwähnen, daß CIRCLE II CIRCLE auch auf ihrem mittlerweile bereits fünften Album zu wenig an grandiosen Momenten anzubieten haben und von daher die Stimmung im Verlauf der Spielzeit weiterhin gedrückt wird. Klar tut auch der "Sound" sein übriges, da man selbst bei intensiver "Vorbereitung" auf diesen Gig die Tracks nur schwer erkennen kann und auch der Ausstieg von Bill Hudson an der zweiten Klampfe wirkt sich im Vergleich zum letzten Wien-Gig negativ aus, da speziell er immer wieder den Kontakt zum Publikum gesucht hat und sich die "Bühnenpräsenz" daher reduziert. Andy klampft zwar wie ein König und weiß, sein Spiel sehr wohl mit entsprechender Mimik umzusetzen, wie in einem eigenen Solopart nachzuvollziehen ist, kann jedoch nicht wirklich den "Showman" mimen. Auch Mitch hatte ich vom letzten Auftritt in der "Szene" noch mit ein wenig mehr an Bewegungsdrang in Erinnerung, heute begnügt er sich eher mit der Rolle als groovender "Ruhepol" An der Gesangsperfomance von Zak selbst gibt es dagegen nichts auszusetzen, und auch seine Bühnenpräsenz hat nichts von ihrer Wirkung verloren, doch wirklich imposant sind die Tracks von CIRCLE II CIRCLE eben nur bedingt, weshalb sich die Band auch in keinster Weise an die Glanzleistung von VICIOUS RUMORS herankommt.

Vielleicht wäre eine geänderte Auftrittsreihenfolge zielführend gewesen, oder aber Zak läßt sich dazu verleiten, in Zukunft SAVATAGE-Songs schon früher in die Sets zu integrieren (und vielleicht noch in vermehrter Stückzahl darzubieten), um wieder verstärkt für Euphorie im Publikum sorgen zu können. So jedenfalls machen wir uns - noch bevor die Setlist auf der Bühne im Zugabenteil die Highlights (›Conversation Piece‹, ›Taunting Cobras‹ und ›Edge Of Thorns‹) dieses Auftritts (und auch aus der Karriere) des sympathischen Amis verspricht - auf den Nachhauseweg. Überaus glücklich und zufrieden waren wir ja dennoch, und außerdem galt es ja auch noch, den babysittenden Opa wieder in die verdiente "Freiheit" zu entlassen.


Walter Scheurer

Photos: Walter Scheurer


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